Eurovision Song Contest 2026 – Alle Songs & Infos im Überblick

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Vienna calling – zum dritten Mal ist Wien der Austragungsort für den Eurovision Song Contest. In dieser Ausgabe sogar für einen runden Geburtstag: Vor 70 Jahren wurde erstmalig der größte Musikwettbewerb der Welt organisiert, der schon bald zum absoluten Kultevent der europäischen TV- und Musikszene avancierte. Newcomer JJ gewann 2025 im Alter von 24 Jahren die 69. Runde des ESC. Dank einer atemberaubenden Performance, die einen Schiffbruch zeigte, gigantischen Opern-Gesangskills und dem Song „Wasted Love“, der zwischen Artsy-Pop und Technobeats gekonnt switchte, gelang ihm der dritte Sieg für unser Nachbarland. Im großen Finale erreichte JJ Platz 1 bei den Jurys und Platz 4 im Televoting, was insgesamt 436 Punkte bedeutete und für die Trophäe reichte. Veranstaltet wird das Event Mitte Mai wie zuletzt 2015 in der Wiener Stadthalle, die bis zu 16.000 Menschen Platz bietet. Die Hauptstadt setzte sich gegen Innsbruck durch, das ebenfalls an der Austragung interessiert war.

Verdammt viel Ärger im Vorfeld

So sehr sich Fans auf dem gesamten Kontinent plus darüber hinaus immer auf den Mai freuen und ein Geburtstag mit einer Null am Ende noch mehr Grund zum Feiern bietet, so schwermütig ist doch die Stimmung in der Zeit davor: Die Kontroverse rund um die Teilnahme Israels gipfelte vergangenen Winter in ein kaum überschaubares Ausmaß. Schon länger stand fest, dass wenn Israel weiterhin am Wettbewerb teilnehmen darf, mehrere Länder ihren Rücktritt verkünden würden. Da Russland nach dem Angriff auf die Ukraine unmittelbar von der EBU ausgeschlossen wurde, sahen mehrere Nationen nach den Szenen in Gaza keine Rechtfertigung mehr, Israel beibehalten zu wollen.

Am Ende entschied sich die EBU für die Teilnahme Israels – und damit gleichzeitig gegen die Teilnahme Spaniens, Irlands, Islands, Sloweniens und der Niederlande, die alle sofort klarmachten, dass sie in der Form dem ESC nicht beiwohnen mögen. Hierzu werden wohl dann auch im nächsten Winter erneut ausgiebige Diskussionen stattfinden. Einige ehemalige Gewinner*innen gaben gar ihren Preis zurück, um sich vom Wettbewerb abzugrenzen, weitere Ex-Teilnehmer*innen gaben bekannt, vorerst an keiner ESC-Veranstaltung mehr teilnehmen zu wollen, andere strichen auf unbestimmte Dauer ihre ESC-Songs von ihren Setlists auf Konzerten. Auch der Gewinn Israels im letzten Televoting verärgerte erneut mehrere Teilnehmende, sodass auch das bei Wiederholung zum Boykott führen könnte.

Anyways: Wir wünschen allen einen friedlichen Eurovision in Wien und hoffen, dass keine bösen Überraschungen mehr folgen. Mit Michael Ostrowski wird ein beliebter österreichischer Moderator und Schauspieler durch die Abende führen, die wie jedes Jahr blitzschnell ausverkauft waren trotz größerer Kapazitäten. An seiner Seite steht Victoria Swarovski, die man hierzulande auch als Moderatorin von „Let’s Dance“ kennt.

Neuerungen

Mit 35 mitmachenden Ländern ist die Teilnehmeranzahl so gering wie zuletzt 2003. Neben dem Rückzug der bereits erwähnten fünf Nationen, freut man sich ganz besonders auf die Rückkehr von Bulgarien (drei Jahre Pause), Rumänien (zwei Jahre Pause) sowie Moldau (ein Jahr Pause). Das Motto bleibt unverändert „United By Music“.

Erstmalig nach drei Jahren werden die Jurys auch wieder in den beiden Halbfinalshows mitwirken. Zuletzt wurde ausschließlich durchs Televoting entschieden, welche Länder ins Finale einziehen. Statt fünf Mitgliedern sind es nun sieben in den nationalen Jurys. Es wird mehr darauf geachtet, dass die sieben Personen aus unterschiedlichen Berufen kommen und auch im Alter divers aufgestellt sind. Von allen muss vorab eine Erklärung unterschrieben werden, dass sich untereinander nicht abgestimmt werden darf. Die Televoting-Stimmen, die Zuschauer*innen abgeben können, werden von 20 auf zehn gekürzt.

Wissenswertes zu den Live-Shows & zum offiziellen Sampler

Zum dritten Mal moderiert Torsten Schorn für Deutschland. Die beiden Halbfinalshows können am 12. und 14.5. um 21 Uhr im Fernsehen auf ONE gesehen werden, parallel dazu sieht man sie aber auch als Livestream in der ARD Mediathek. In beiden Halbfinalshows kommen von 15 Acts zehn weiter. Das große Finale läuft am 16.5. um 21 Uhr in der ARD im Fernsehen und ebenfalls in der ARD Mediathek als Stream. Im Finale treten 25 Länder an. Aus der Big Five wird in diesem Jahr wegen des Rückzugs von Spanien eine Big Four, außerdem ist Österreich als Gastgeberland fürs Finale bereits gesetzt und tritt als 25. Startnummer an. Deutschland ist im ersten Semifinal, also am Dienstagabend, stimmberechtigt und wird dort auch auftreten, gleiches gilt für Italien. Frankreich, das Vereinigte Königreich und Österreich folgen dann im zweiten Semi am Donnerstag. Wer die Show im Originalton ohne Kommentar sehen möchte, kann dies auf dem offiziellen YouTube-Channel vom Eurovision Song Contest tun.

Sehr empfehlenswert an der Stelle für die Hardcore-Fan-Bubble: Seit dem 17.4. gibt es den offiziellen Sampler mit allen 35 Songs in den Eurovision-Versionen – also frisch überarbeitet und in knackiger 3-Minuten-Länge – zum Download. Ab dem 24.4. kommen dann die Sammler*innen voll auf ihre Kosten und bekommen die heißbegehrten CDs und Vinyls in den gängigen Shops. Regulär folgt Ende Juni oder Anfang Juli dann noch die DVD mit allen drei Live-Shows als Mitschnitt.

Jetzt sind wir aber sowas von ready: Let the Eurovision Song Contest 2026 begin!

Alle 35 Länder im Check

01. Albanien; „Nân“, Alis (2. Halbfinale):
Nach einem überraschend guten 8. Platz im vergangenen Jahr – dem ersten Top-Ten-Ergebnis nach 13 Jahren – scheint Albanien wieder richtig Mut gewonnen zu haben. Alis und sein „Nân“ schlagen zwar eine ganz andere Richtung als „Zjerm“ 2025 ein, aber mit vielen Trommeln, großen kraftvollen Chören und einer sehr entschlossenen, zielgerichteten Melodie gehört das Land auch 2026 zu den auffälligeren unter den Nicht-In-your-Face-Nummern. Ein schöner Mittelweg aus Emotion und Kraft, der gefällt und bestimmt einen soliden Platz im finalen Mittelfeld bedeutet.

02. Armenien; „Paloma Rumba“, Simón (2. Halbfinale):
Ayayay – was genau stimmt mit euch nicht, Armenien? Nachdem das völlig prollige „Survivor“ in der letzten Saison schon für Schaudern auf allen Ebenen sorgte, setzt „Paloma Rumba“ von Simón das Schauspiel weiter, unterbietet die Songqualität aber nochmal um zwei, drei Punkte. Das, was Käärijä 2023 schaffte, soll hier offensichtlich irgendwie kopiert werden, jedoch fehlt dafür jede Spur an Sympathie. Horrorbeitrag und womöglich sogar das Schlechteste, was 2026 antritt.

03. Australien; „Eclipse“, Delta Goodrem (2. Halbfinale):
No way! Delta Goodrem beim ESC? DIE Delta Goodrem? Yes, genau die. Viele Jahre gab es Gerüchte, dass sie Interesse hätte, doch 2026 ist es so weit. Einer der größten Popstars in Down Under kommt zum größten Musikwettbewerb der Welt nach Wien. Auch wenn es bei uns in der DACH-Region über zwei Dekaden lang um sie herum sehr ruhig wurde, überraschte und überzeugte uns die unglaublich liebe Persönlichkeit 2023 mit ihrem Gig in Köln. Gesanglich liefert das sehr ambitionierte „Eclipse“ natürlich auf 10-von-10-Niveau, kompositorisch ist das aber schon sehr verkopft und etwas zu stark gewollt. Viele Brüche, zu wenig Raum fürs Atmen und Inhalieren von Stimmung. Dank vieler Punkte von den Fachjurys wird es sich das Pop-Inferno am Samstagabend aber ungefähr auf Rang 10 gemütlich machen.

04. Österreich; „Tanzschein“, Cosmó (bereits fürs Finale qualifiziert):
Österreich hat das Game gespielt. Drei Jahre Abriss mit hookigen Dancenummern, ein Sieg mit einem unnachahmlichen Opera-Drama-Pop-Techno-Clash – und als Gastgeberland nun ein Song, der einfach nur Spaß macht und zum Mitmachen animiert. Cosmó klingt mit seinem „Tanzschein“ wie ein Konglomerat aus Deichkind und Alexander Marcus. Das ist so schräg wie hittig. Nicht probieren, den Erfolg von JJ zu kopieren, sondern das eigene Ding machen. Hervorragende Idee, die unter Fans super aufgeht. Schon jetzt ein Banger, der auch 2036 auf ESC-Partys laufen wird. Wie das am Ende abschneidet, ist aber sauschwer zu prognostizieren – da ist gefühlt alles drin. Schickt uns doch aber mal gern Videos zu, wie ihr die Choreo abreißt!

05. Aserbaidschan; „Just Go“, Jiva (2. Halbfinale):
Ballert man sämtliche Beiträge aus Aserbaidschan auf Random, merkt man, dass da nahezu nichts wirklich Schlechtes mitmacht. Das ist immer sehr solide Pop-Kost. Allerdings schielt man – ähnlich wie Deutschland es oft im Vorentscheid tut – zu häufig in Richtung Airplay-Charts. „Just Go“ ist eine schöne, gut vorgetragene 2000er-Powerballade. Jiva singt das mit toller Stimmfarbe, niemand fühlt sich davon angegriffen. Es stellt nur so wenig mit einem an. Lediglich in dem Part, in dem sie plötzlich Aserbaidschanisch singt, bekommt sie einen Hauch Aufmerksamkeit. Dann ist’s aber auch schon zu spät. Irgendwie schade.

06. Belgien; „Dancing On The Ice“, Essyla (1. Halbfinale):
Essyla und „Dancing On The Ice“ reiht sich easy in eine große Reihe von sehr geilen, modernen, klinischen, mystischen, hypnotischen Beiträgen aus Belgien ein. Der Erfolg am Ende kann aber in alle Richtungen gehen. Ist man Loïc Nottet und Blanche oder doch eher Eliot, Mustii und Red Sebastian? Dürfte es im zweiten Halbfinale antreten, hätte es wahrscheinlich noch Chancen, um in die Endrunde zu kommen. Im ersten Halbfinale am Dienstag könnte das aber knapp werden. Und das liegt nicht an dem top produzierten und wirklich coolen Track, sondern an der völlig enttäuschenden Livedarbietung. Wird das so wie bei „Eurovision in Concert“ im April in Amsterdam, ist ganz flott Ende im Gelände.

07. Bulgarien; „Bangaranga“, Dara (2. Halbfinale):
Die Song gewordene ADHS schickt Bulgarien in den Ring. Mit drei Jahren Abstinenz das Land, das nach der längste Pause zurückkehrt – und offensichtlich alle Einfälle, die in den drei Jahren gesammelt wurden, in einen Song gesteckt hat. „Bangaranga“ besitzt nahezu gar keine Struktur. Das macht zwar irgendwie Spaß, überfordert aber auch ordentlich. Habt ihr einen Vorschlag, welches Genre das nun am Ende ist? Ethno-Pop? Techno? Selbst beim Tempo sind die fünf Produzent*innen und Songschreiber*innen offensichtlich auf keinen grünen Zweig gekommen. Gerne hätten wir aus einzelnen Fragmenten einfach ein ganzes Lied gehört.

08. Kroatien; „Andromeda“, Lelek (1. Halbfinale):
Man werfe Irland 2024 und Lettland 2025 in einen Topf und erhalte Kroatien 2026: ein schwer greifbarer Hexenzirkel mit Grusel-Atmo. „Andromeda“ ist das typische Liedchen, das niemand auf seiner Playlist hat, weil es als bloßer Song nicht zündet – doch mit den richtigen Live-Vocals und der passenden, groß aufgezogenen Inszenierung alle gefesselt vor ihren TVs sitzen, drei Minuten nicht reden und danach sagen „Wow, das war geil!“. Und da wir hier ja bei einer Unterhaltungsshow sind, ist genau das die richtige Rezeptur. Spätestens im Semi wird sich zeigen, wie viel Potenzial drinsteckt. An der Stelle sind wir noch vorsichtig und sagen: letztes Drittel der Final-Top-10.

09. Zypern; „Jalla“, Antigoni (2. Halbfinale):
Mindestens einmal in den vier Stunden am Samstagabend muss man so richtig in Urlaubsstimmung kommen, aufspringen wollen und als deutsche Kartoffel so tun, als hätte man ein bissken Rhythmus in den Hüften. „Jalla“ von Antigoni ist ein starkes Brett an traditionellen Byzantinik-Pop, wummernden Dance-Bässen und einer zwar recht repetitiven, aber einfach spaßigen Hook. Reicht doch auch. Einer der letzten Plätze auf der linken Tabellenseite im Finale.

10. Tschechien; „Crossroads“, Daniel Zizka (2. Halbfinale):
Schmaler Grat: Ist die reduzierte, melancholische Ballade mit viel fragiler Emotionalität das Gemisch, das den Sieg bedeutet – oder ist es einfach nur schrecklich langweilig? „Crossroads“ aus Tschechien hört irgendwo auf der Hälfte der Strecke auf. Aufbau, Aufbau, Ende. Dem Track fehlt es ganz eindeutig an Parts, die hängen bleiben. Da hilft der sehr überdurchschnittlich starke Gesang auch nicht mehr. Zu verschachtelt. Klingt nicht gut ausgearbeitet.

11. Dänemark; „Før vi går hjem“, Søren Torpegaard Lund (2. Halbfinale):
Als Dänemark 2021 zuletzt mit Fyr og Flamme auf Dänisch gesungen hat, war man mit dem 80s-Retro-Sound ein bisschen seiner Zeit voraus. Ganz knapp hat das cute Duo den Einzug ins Finale verpasst. Das wird 2026 keinesfalls passieren. Mit „Før vi går hjem“ – auf Deutsch: Bevor wir nach Hause gehen – wird der spannende Søren Torpegaard Lund wahrscheinlich die Top 5 im Finale knacken. Selten waren zärtliche und doch treffsichere Vocals so schön in einem Dark-Pop-EDM-Sog verwoben, dass es unmöglich ist, das nicht mindestens gut zu finden. Orientiert sich die Performance in Österreich an der aus dem dänischen Vorentscheid, wird das sensationell. Ein Beitrag, der Jury und Televote überzeugen kann. Im Package das Stärkste, was 2026 dabei ist, aber wahrscheinlich für den Sieg dann doch etwas zu wenig Mainstream. Wir lieben es aber abgöttisch!

12. Estland; „Too Epic To Be True“, Vanilla Ninja (1. Halbfinale):
„Tough Enough“, „Don’t Go Too Fast“, „When The Indians Cry“, „Cool Vibes“, „Blue Tattoo“, „Liar“ – zwischen 2003 und 2006 sahen Vanilla Ninja aus Estland mit elf Singles in Folge die deutschen Top 100. Tatsächlich genauso oft wie in ihrer Heimat. Mit „Cool Vibes“ machte das Frauen-Trio 2005 bereits beim Eurovision mit und schaffte für die Schweiz (nee, nicht für Estland) einen beachtlichen 8. Platz. Das wird 2026 nicht klappen. Dafür ist „Too Epic To Be True“ irgendwie zu trashig, zu altbacken. Dennoch macht der Song Spaß und man kann drei Minuten ironisch die 2000er abfeiern. Wir drücken die Daumen, dass es für ein Finalticket reicht. Dann steht aber bei dem zweistelligen Ergebnis ganz klar eine 2 vorne.

13. Finnland; „Liekinheitin“, Linda Lampenius & Pete Parkkonen (1. Halbfinale):
Interessant: Das hier ist tatsächlich seit Wochen der eindeutige Sieger bei den Wettbüros. Finnland hätte es auch zweifelsfrei verdient, gab es schon so oft sehr starke Beiträge und immer wieder irgendwelche nicht überwindbaren Hürden. Linda Lampenius, 56 Jahre jung und eine der erfolgreichsten Violinistinnen weltweit (ja, kein Scherz), verformt gemeinsam mit Pete Parkkonen, der genau 20 Jahre jünger und durch das finnische „DSDS“ bekannt geworden ist, bei dem er Dritter wurde. „Liekinheitin“ heißt „Flammenwerfer“ und symbolisiert die feurige Leidenschaft, aber auch das mögliche Potenzial der Verletzung in einer Liebesbeziehung. Ein typischer Favorit ist das Lied nicht unbedingt, aber es weiß auf jeden Fall zu fesseln. Einprägsame Geigen-Spielereien, dramatischer Gesang, Feuereffekte auf der Stage. Schon gut. Es wäre aber auch nicht das erste Mal, dass der haushohe Liebling nicht gewinnt… wir bleiben gespannt!

14. Frankreich; „Regarde!“, Monroe (bereits fürs Finale qualifiziert):
Nach dem Hip-Hop-Opera-Mix aus der Schweiz und dem Opera-Drama-Techno aus Österreich, wollen wir nicht nochmal ernstes Artsy-fartsy-Gedöns. Monroe aus Frankreich hat sehr gute Karten für sehr, sehr viele Jury-Punkte – zumindest, wenn die Jurys sich mal wieder nur für Gesangsskills interessieren und den Song an sich außer Acht lassen. „Regarde!“ ist der typische und immer wiederkehrende Chanson, der sich als „Berghain“ von Rosalía verkleidet hat. Ist doch irgendwie lame, oder? Ja, Monroe macht das gut, wirklich. Aber jetzt gerade brauchen wir echt was anderes.

15. Georgien; „On Replay“, Bzikebi (1. Halbfinale):
Wer’s noch nicht wusste: Bereits viermal hat Georgien beim Junior Eurovision Song Contest gewonnen! Zuletzt erst 2024. Den ersten Sieg holten Bzikebi bei der sechsten Ausgabe des kleinen Ablegers des ESCs sowie der erst zweiten Teilnahme von Georgien. Beim Original reichte es bisher maximal für Platz 9. Das wird sich mit dem Trio 2026 18 Jahre nach ihrem JESC-Sieg auch nicht ändern. Zwar ist „On Replay“ dank seiner sehr treibenden, energiegeladenen Produktion, dem hookigen, gleichzeitig aber auch etwas aufdringlichen Refrain und den guten Vocals der drei Mitglieder ein auffallender Beitrag, nur wird das vielen wohl nicht so zusagen. Habt ihr auch Bollywood-Vibes, wenn ihr’s hört? Wir tippen an dieser Stelle tatsächlich auf ein Aus im Semi. Sorry.

16. Deutschland; „Fire“, Sarah Engels (bereits fürs Finale qualifiziert):
Diese völlig überzogene Inszenierung rund um Pietro und Sarah Lombardi während ihrer Zeit bei „DSDS“, noch mehr aber danach hat wirklich krass genervt. Kann man nicht anders sagen. Sarah hat es geschafft, ihre doch beachtliche Gesangsqualität durch Klatschnews völlig in Vergessenheit zu bringen. Ungefähr genauso lange kämpft sie sich aber seit ihrer Trennung von einem der unangenehmsten Typen im deutschen Musikbusiness zurück ins Rampenlicht und hat mit ihrem Sieg bei „Masked Singer“ schon gezeigt, dass sie’s noch kann. Völlig zurecht hat sie den deutschen Vorentscheid für sich entschieden. Nein, „Fire“ ist auf gar keinen Fall ein einfallsreicher Song. Aber es ist der einzige Latin-Pop-Song in diesem Jahrgang, zusätzlich singt sie ihn immer top und performt ihn mit einer Professionalität, von der man in Deutschland die letzten 10 Jahre mehrfach nur träumen durfte. Wird das gewinnen? Nein. Wird das peinlich? Nein. Einfach mit abgehen und auf einen Platz im Mittelfeld hoffen. Mehr wollen wir doch gar nicht.

17. Griechenland; „Ferto“, Akylas (1. Halbfinale):
And the Award for the most annoying Track in Eurovision 2026 goes to… Greece! Boah. Das ist schlimm. Ein weiterer Käärijä-Klon schleicht sich ins Feld. Zwar nicht so toxisch-maskulin wie Armenien, sondern zum Glück eher campy, aber dafür gleich mies. „Ferto“ hat mit seiner kritischen Haltung über Konsum natürlich einen Punkt, am Ende rettet das aber nichts. Vielleicht ist das so catchy inszeniert, dass diese drei Minuten Terror irgendwie das Semi überstehen, wir hoffen aber ganz doll, dass es nicht passiert.

18. Israel; „Michelle“, Noam Bettan (1. Halbfinale):
Über die Teilnahme Israels kann man ewig diskutieren. Einfach so durchwinken kann man sie wirklich nicht mehr. Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Das Positive: Nach zwei Beiträgen, die ausschließlich auf Mitleid und Weltpolitik abzielten, entscheidet sich das Land dieses Mal schlichtweg für einen fast schon klassisch anmutenden Folk-Pop-Song mit Brüchen, Geigen-Soli, drei Sprachen (Französisch, Hebräisch, Englisch) und einer schönen rauchigen Stimme von Noam Bettan. Das ist ein akzeptables Paket und darf ins Finale. In einem fairen Voting würde es dann aber nicht über einen Platz 18 hinauskommen, but well… schauen wir mal, was wird…

19. Italien; „Per sempre si“, Sal da Vinci (bereits fürs Finale qualifiziert):
Eigentlich hofften wir es schon letztes Jahr, aber 2026 gibt es wirklich keinen Ausweg mehr: Italien fliegt aus der Top 10. Sorry not sorry. Seit 2017 gab es ausnahmslos jedes Jahr mindestens den 7. Platz auf der Schlusstabelle, darunter 2021 sogar einen Sieg, aber 2026 muss das Feld geräumt werden. Sal da Vinci ist mit 57 Jahren der älteste Teilnehmende in dieser Runde und macht das auch super niedlich, aber „Per sempre si“ klingt wie das 16. Lied auf der zweiten CD von einem Italo-Pop-Sampler aus 1995, den man aus der Toskana mitgebracht hat, um noch ein wenig Amore im Schrebergarten zu spüren. Das ist nett, und hier ist nett wirklich die jüngste Schwester von… you name it!

20. Lettland; „Ēnā“, Atvara (2. Halbfinale):
Immer wieder hat der lettische Beitrag beim Hören ein paar ganz starke Momente. Atvara trifft mit ihrem zerbrechlichen und dennoch sehr in sich gefestigten Belt einen Nerv. Eindeutig eines dieser Lieder, bei denen man auf gar keinen Fall voted, weil sie’s nicht wert sind, aber man dennoch drei Minuten Tiefenentspannung in einem sehr lauten Umfeld durchaus genießt. Hübsch. Nicht mehr und nicht weniger.

21. Litauen; „Sólo quiero más“, Lion Ceccah (1. Halbfinale):
Ähnlich wie bei Tschechien wagt auch Litauen den schmalen Grat zwischen „Berührend, schön, fesselnd“ und „nicht greifbar, langweilig, kunstvoll, überflüssig“. Lion Ceccah hat durch seine markante Optik, bei der die Blue Man Group mit Fantomas geknutscht hat, wenigstens einen Punkt, an dem man festhält. Im Song macht das Spanisch-Englisch-Litauisch-Kuddelmuddel nämlich mehr falsch als richtig. Die Performance wird es hier am Ende entscheiden, ob’s eine Runde weitergeht. Wir wären überhaupt nicht traurig, wenn’s nicht klappt. Schüssi.

22. Luxemburg; „Mother Nature“, Eva Marija (2. Halbfinale):
Luxemburg kehrte 2024 zum ESC zurück und machte damit Fans mehr als glücklich. 2024 und 2025 fruchtete das zwar nicht so gut, aber sorgte in der Bubble für genug Anerkennung. Mit Eva Marija hat man sich jetzt aber so gar keinen Gefallen getan. „Mother Nature“ mag geschützt werden, fühlen wir. Allerdings zockt der Refrain so frech bei Birdys „Keeping Your Head Up“, dass man unmöglich darüber hinwegsehen kann. Insgesamt ist das super schnarchig, plätschernd, stellt wenig mit einem beim Zuhören/-gucken an und könnte sogar den Einzug ins Finale kosten.

23. Malta; „Bella“, Aidan (2. Halbfinale):
Malta ist eine Wundertüte vom Kiosk. Und da ist eben mal tolles Spielzeug drin und mal nur Schrott. „Bella“ von Aidan ist leider eher Kategorie 2. Wie aus einem alten französischen Schwarzweiß-Streifen nur mit etwas mehr Wumms dümpelt man drei Minuten mit großer Geste durch ein Stück, das nie aus dem Quark kommt. Das ist einfach schlichtweg egal. Gibt es schlechtere Voraussetzungen für den ESC? Nope.

24. Moldau; „Viva, Moldova!“, Satoshi (1. Halbfinale):
Den größten Musikwettbewerb der Welt eröffnet 2026 Moldau im 1. Semi am Dienstagabend. Nach einer kurzen Pause von einem Jahr ist auch eine der verrücktesten Nationen zurück und macht ihrem Image alle Ehre. „Viva, Moldova!“ feiert sich nicht so stark selbst ab, wie es zuerst wirkt, sondern soll darauf hinweisen, dass Moldau auch irgendwo eine Rolle im europäischen Kontext spielt. Der Song ist schon penetrant, macht aber nach vier, fünf Durchläufen irgendwie Laune. Besonders die neuste Version, die nun auch im Mai live zu hören sein wird, holt nochmal einiges raus. Super Opener und ein guter Spaß-Kandidat fürs Finale. Funfact: Der irritierende Drop von Palma de Mallorca im Refrain kommt übrigens daher, dass man von Mallorca nach Soroca – die moldawische Stadt, die er davor nennt – im 45-Grad-Winkel eine Gerade ziehen kann. You’re welcome.

25. Montenegro; „Nova zora“, Tamara Živković (1. Halbfinale):
Bei 13 Teilnahmen ist Montenegro elf (!) Mal nicht ins Finale gekommen. Dass das Land überhaupt noch mitmacht, sollte mit einem Sonderpreis belohnt werden. Die beiden Titel, die es ins Finale geschafft haben, erreichten einmal Platz 19 und einmal Platz 13. So viel Ernüchterndes vorab. Doch „Nova zora“ (auf Deutsch: Neuer Morgen) wird die Statistik erheblich verbessern. Einzug ins Finale? Safe. Platz in der Top 20? Gut möglich. Tamara Živković brettert durch den mit unendlich viel Energie aufgeladenen Dance-Ethno-Popper nur so durch und weiß sofort zu begeistern. Die derbe Produktion hebt einen aus dem Sitz. Das hat Fans, ganz klar. Gerne darf man dafür einen der verfügbaren Votes vergeben, das hat Montenegro wirklich verdient!

26. Norwegen; „Ya Ya Ya“, Jonas Lovv (2. Halbfinale):
Nach dem Norwegen 2024 mit Rock aus der hinterletzten Gruft wieder einmal den letzten Platz im Finale belegte, folgt nun das nächste Rock-Debakel. Jonas Lovv könnte man gut finden, hätte es vor einigen Jahren nicht dieses ganz okay performende Quartett aus Italien namens Måneskin gegeben. „Ya Ya Ya“ klingt fast wie eine 1:1-Kopie von „Feel“ vom letzten Longplayer der Kultband, nur halt sehr viel schlechter. Man fragt sich so ein bisschen, wer bei dem Song hier die Zielgruppe ist. Dank schwacher Konkurrenz wird’s aber den Sprung in die Show am Sonnabend schaffen. Leider.

27. Polen; „Pray“, Alicja (1. Halbfinale):
Alicja war für Polen 2020 eingeplant. Dann gab’s da dieses ominöse Virus, von dem hier und da mal gesprochen wurde. Das vierte Mal in Folge ist eine Solokünstlerin für unser Nachbarland dran, allerdings gibt es 2026 im Vergleich zu den drei Malen zuvor wesentlich mehr Fokus auf Gesang. Das ist ganz cool, Alicja setzt ihre Stimme hervorragend ein. Jedoch ist das Ergebnis von „Pray“ mit seinem Gospeleinsatz, seinen Drumcomputer-Einstreuungen und dem angestrengten Soul-Gequake etwas zu viel von allem. Letztendlich fehlt es – so wie in diesem Jahrgang leider zu oft – der Nummer an Substanz und Spur.

28. Portugal; „Rosa“, Bandidos do Cante (1. Halbfinale):
Portugal scheißt auf alles. Trends? Wen juckt’s! Entwicklung? Nicht mit uns. Stattdessen folgt immer wieder ein sehr traditioneller Titel, der die Kultur widerspiegelt. Das ist 2026 nicht anders, aber überraschend gut. „Rosa“ von Bandidos do Cante ist ein ganz kleines, ruhiges Lied ohne Tamtam, ohne Höhepunkt, aber mit bezaubernden Stimmen und vielen, vielen Emotionen. Die hübsche Melodie rundet das Feeling ab. Ja, zwischen Berührung und Narkosemittel existieren nur Nuancen, aber Portugal hat’s äußerst gut gemanagt. Unbedingt ins Finale bitte, um dem Big Boom eine dreiminütige Pause für Herz und Puls zu gönnen.

29. Rumänien; „Choke Me“, Alexandra Căpitănescu (2. Halbfinale):
Das dritte und letzte Land unter den Rückkehrern. Rumänien hat zuletzt einige Male daneben gegriffen und den Finaleinzug häufiger nicht geschafft. Dabei konnten 2005 und 2010 schon zwei Mal die Bronze-Medaille geholt werden. Doch 2026, nach zwei Runden Pause, wird angegriffen. Aber nicht nur ein bisschen. „Choke Me“ hat aufgrund der Lyrics schon einen kleinen Eklat ausgelöst – dürfen Frauen so etwas singen? Ja, dürfen sie. Alexandra Căpitănescu hat solch eine Mega-Power auf der Bühne, dass man eh alles tut, was sie sagt. Metal, der an Die Happy, Lambretta und auch ein wenig an Within Temptation erinnert, dabei aber den mitreißenden Refrain nicht vergisst und es mit einer knackigen, überraschenden Opern-Koloratur abrundet. Sehr dickes Paket!

30. San Marino; „Superstar“, Senhit & Boy George (1. Halbfinale):
Wir vergeben einen weiteren Award: San Marino gewinnt diese Saison haushoch den Preis für den trashigsten Beitrag. Wow, DAS ist wirklich so schlecht und so hohl, dass man es fast schon wieder aus Fremdscham mag. Senhit ist bereits zum dritten, strenggenommen gar vierten Mal beim ESC. 2011 kam „Stand By“ nicht ins Finale, 2020 fiel die Show wegen Corona aus, 2021 erreichte sie mit Flo Rida (!) im Duett und dem Titel „Adrenalina“ die letzte Runde und wurde dort Platz 22 von 26. Für „Superstar“ hat sie sich 80s-Ikone Boy George vom Culture Club eingekauft, der allerdings nur vier Zeilen spricht und somit als Feature wirklich ein schlechter Scherz ist. Beim Vorentscheid in San Marino war er gar nicht erst dabei, im Mai soll er sich aber wohl für Wien Zeit nehmen, sagt man. Bravo. „Superstar“ ist einfach totaler Käse. Beat, Lyrics, Melodie, Performance. Alles.

31. Serbien; „Kraj mene“, Lavina (1. Halbfinale):
Auch Progressive Metal darf seinen Weg zum Eurovision finden, why not? Nein, „Kraj mene“ ist wirklich nicht der beste Anwärter für Songs, die auf ESC-Partys laufen. Aber den Anspruch haben Lavina aus Serbien bestimmt auch gar nicht. Stattdessen machen sie das, was sie machen, sehr geil. Die wirklich erschlagenden Shouting-Parts, der Breitband-Sound plus das außergewöhnliche Genre wird nicht alle kriegen, aber einige umso mehr. Gehört ins Finale, ja wohl!

32. Schweden; „My System“, Felicia (1. Halbfinale):
Schon mit „Bara bada bastu“ gab es vergangenes Jahr nicht den berechenbaren Schweden-Pop, sondern verdammt witzige Comedy übers Saunieren. Auch in dieser Saison überraschen die Skandinavier*innen, doch dieses Mal mit einem EDM-Monster, das seinesgleichen sucht. Felicia und „My System“ klingt nach perfektem 2000er-Trance mit der Technik von heute und penetriert jeden Körper mal so richtig von allen Seiten durch. Doch damit nicht genug: Felicia hat auch noch eine richtig schöne Stimme, der Refrain sitzt nach dem ersten Hören fest und die Lasershow ist State of the Art. Da dreht man die Boxen im Laufe der drei Minuten mehrfach noch einen Ticken lauter auf. Kein typischer Jury-Favorit, weswegen es mit dem 8. Sieg schwierig wird – aber Fans lieben es, und das darf nicht unterschätzt werden! Powerhouse und ein absolutes Highlight.

33. Schweiz; „Alice“, Veronica Fusaro (2. Halbfinale):
Vor dem inneren Auge sieht man, wie bald bei „Let’s Dance“ dazu Wiener Walzer getanzt wird. Das ist aber auch das Einzige, wofür „Alice“ von Veronica Fusaro taugt. Es ist einfach ein Song, der so wenig Besonderheit besitzt, dass man ihn auch nach zig Durchläufen nicht abspeichert, sondern auf Leerlauf stellt, wenn er läuft. Unnötiges Füllmaterial, da kann man gut eine rauchen, zum Klo oder neue Chips holen. Allerdings nur am Donnerstag. Hupsi.

34. Ukraine; „Ridnym“, Leléka (2. Halbfinale):
Eine Nation, die ausschließlich immer auf Risiko geht. Die Ukraine liefert. Es ist immer typisch Ukraine, und doch nie typisch. 2026 liefert Leléka – Verwechslungsgefahr mit Lelek aus Kroatien – mit „Ridnym“ eine Ethno-Pop-Folk-Ballade, die sich ein wenig wie Yoga anfühlt. Entspannend, gleichzeitig aber auch herausfordernd. Man bleibt wirklich gern am Ball um zu wissen, wo das Stück einen hinführt. Nicht weltbewegend, aber berührend-chic, elfengleich und special.

35. Vereinigtes Königreich; „Eins, Zwei, Drei“, Look Mum No Computer (bereits fürs Finale qualifiziert):
Neben „Tanzschein“ kommt der einzige deutschsprachige Track nicht aus Deutschland oder der Schweiz, sondern aus UK. Ok, also so ein bisschen zumindest. Look Mum No Computer – sperriger Name für ein Musikprojekt – kann zumindest auf Deutsch zählen. Bis drei. Der Rest ist auf Englisch. Ein weiterer Anwärter der Kategorie „Wir nehmen uns Käärijä oder Tommy Cash zum Vorbild“ und probieren, das möglichst ähnlich nachzumachen. „Eins, Zwei, Drei“ ist kompositorisch leider arg flach, macht aber dennoch ein bisschen Fun, um zumindest Griechenland und Armenien zu toppen. Da UK fürs Finale gesetzt ist, muss man darüber nicht spekulieren. Aber besser als Platz 20? Wahrscheinlich eher nicht.

Unsere Prognose für die Gewinner*innen des 1. Halbfinales: Estland, Finnland, Israel, Kroatien, Moldau, Montenegro, Polen, Portugal, Schweden, Serbien

Unsere Prognose für die Gewinner*innen des 2. Halbfinales: Albanien, Bulgarien, Australien, Dänemark, Lettland, Norwegen, Rumänien, Tschechien, Ukraine, Zypern

Hier nochmal der Siegertitel aus 2025:

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Die Rechte fürs Cover liegen bei EBU/Eurovision Song Contest.

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