Zwischen der ersten EP „HEAVY“ aus 2017 und ihrer aktuellen EP „Welcome To My House“ aus 2023 lagen nicht nur sechs Jahre, sondern auch diverse Sound-Evolutionen: Jetzt veröffentlichen Yonaka ihr zweites Album, ganze sieben (!) Jahre nach dem ersten „Don’t Wait Til Tomorrow„. Mit sechs EPs und gerade ein Mal zwei Alben scheint das Langspiel-Format nicht gerade der Liebling der Band zu sein. Nicht schlimm: „Until You’re Satisfied“ macht dafür mindestens genau so viel richtig wie der Vorgänger.
Vom Alternative-Rock über Crossover und wieder zurück
Lustig ist es schon: Der Wandel von „Heavy“ bis zu „Until You’re Satisfied“ ergibt auf den ersten Blick mehr Sinn als der von „Welcome To My House“ auf das neue Album. Gestartet mit groß klingendem Alternative-Rock mit drängenden, großen Refrains ging es ab 2020 auf eine andere Ebene für die Band aus Brighton: Im Umfeld von Grandson und FEVER 333 wurde der Sound elektronischer, Sängerin Theresa Jarvis geriet mehr und mehr in den Sprechgesang, der Punch wurde größer, die Riffs tiefer. Yonaka waren dem Crossover und Industrial seitdem näher als ihrem ursprünglichen Sound.
Das stand der Band auch sehr gut. Mit dem Ausstieg von Gründungsmitglied Robert Mason im Jahr 2023 könnte man erstmal vermuten, dass der Weg weiter in genau diese Richtung gehen könnte: Drum Computer hin, noch mehr Fokus auf harte Beats und Stakkato-Gesang. Aber nein: „Until You’re Satisfied“ zeigte schon in der großartigen, ausladenden Vorab-Hymne „Hit Me When I’m Sore“, dass ein neues Kapitel beginnt.
Größe ohne Wachstumsschmerzen
Auf ihrem bislang größten kommerziellen Erfolg „Seize the Power“ hatte sich die Band noch voluminösen Beats und einer düsteren Atmosphäre verschrieben. Theresa Jarvis war inmitten dieser Synth-getriebenen Stroboskop-Lichter der Dreh- und Angelpunkt, eine Gallionsfigur, die Haltung zeigt, faucht, flucht und zetert. Im Fokus bleibt Jarvis auch jetzt noch, der Ausdruck hat sich aber geändert.
Statt den Fokus auf den nächsten großen Ausbruch zu setzen und dazu vor allem auf Beats zu vertrauen, gehen Yonaka in einem klaren Sound-Rahmen wieder mehr auf den Melodie-Fokus ein, der schon die ersten Releases so groß gemacht hat. Yonaka können das: Starke Refrains zu bauen, die mit Riffs und Drums Druck aufbauen und mit Jarvis‘ noch besser gewordenen Stimme gegen alle Widrigkeiten anzukommen. „Problems“ ist ein gutes Beispiel dafür oder auch das stimmlich beeindruckende „Trouble Follows“. Diesem Rezept bleibt das Album größtenteils treu, gespickt mit ein paar schönen Ideen wie der interessanten Produktion von „Miss Millenial“, der toll komponierten Ballade „The Best Of Me“ und „At The Beach“, wo Jarvis plötzlich ihre Kopfstimme entdeckt.
Songs wie „Cruel“ und „Bite The Bullet“ sind mit blechernen Synthies im Background noch Erinnerungen daran, dass Crossover immer noch Teil von Yonaka ist. Dennoch gehen sie ohne viel Grandezza und einem bewusst sanfteren Aufbau genau dahin, wo sie klar zu den großen Alternative-Rock-Bands ihrer Bubble gehören: Dem Songwriting und der Melodie-Komposition. „Until You’re Satisfied“ ist eine große, neue Ära. Wir sind bereit.
Und so hört sich das an:
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Yonaka live 2026
- 12.06. Bürgerhaus Stollwerck Köln
- 17.06. Columbia Theater Berlin
- 23.06. Technikum München
Rechte am Albumcover liegen bei Distiller Records.
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