Die Zeiten, in denen HipHop ausschließlich für testosterongeladene, gewaltbereite und harte, sogenannte „Männlichkeit“ stand, haben wir zum Glück größtenteils überwunden. Ehrlich und offen über Gefühle zu reden und Emotionen zuzulassen, fällt aber offensichtlich immer noch vielen Rappern – und hier gendere ich bewusst nicht – schwer. Umso schöner ist es, wenn Musiker voll und ganz dafür stehen, dass es auch anders geht: Mit ihrer Musik, aber auch ihrer Persönlichkeit und ihrer Art. Ein Paradebeispiel dafür ist der britische Rapper Kofi Stone, der im Rahmen seiner All the Flowers have Bloomed-Tour in der Kölner Kantine gespielt hat und dem gesamten Publikum einen Abend voller HipHop, Good Vibes und ehrlicher Emotionen beschert hat.
Los ging es aber erst mal mit Serious Klein, der dem deutschen HipHop-Publikum durchaus bekannt sein dürfte und der den Abend für Kofi Stone eröffnen durfte. Der deutsch-ghanaische Rapper setzte dabei bereits den Ton für den Abend und sorgte für eine Stimmung die definitiv über ein reines Kopfnicken hinaus ging. Auch wenn der Sound von Kofi Stone durchaus etwas softer ist als der von Serious Klein, hat letzterer hier bestimmt nochmal einige Fans hinzugewonnen.
So richtig laut wurde das Publikum dann aber trotzdem erst, als endlich Kofi Stone gemeinsam mit seinem DJ das wunderschöne, mit Blumen – ganz im Stile seines aktuellen Album-Covers – gestaltete Bühnenbild betrat und sich von Anfang an mit Liebesbekundungen an die Crowd nicht zurück hielt: „I got so much love for every single one of you in this room“. Und so sollte es auch die nächsten gut 70 Minuten weitergehen. Mit einem Mix aus neueren und älteren Songs, kurzen Anekdoten und emotionalen Ansagen zog Kofi Stone das Publikum in seinen Bann. So betonte er vor seinem gemeinsamen Song mit Loyle Carner „It’s Okay to Cry“, wie wichtig es ihm ist, auch als Mann Gefühle zu zeigen oder erzählte von seiner Mutter, die er unterstütze wo es nur geht oder seinem guten Freund, der sich viel zu früh das Leben genommen hat.
Solche Ansagen zwischen den Songs mögen grundsätzlich vielleicht noch nichts besonderes sein – aber irgendwie hat Kofi Stone etwas geschafft, was ich bislang nur bei sehr wenigen Künstler*innen so empfunden habe: Man hatte das Gefühl, er spricht jeden und jede im Raum direkt an, fühlt sich von ihm in den Arm genommen und wertgeschätzt. Wie viel Freude er selbst am live performen und der Interaktion mit dem Publikum hat, wurde vor allem auch dann deutlich, als er gegen Ende des Konzerts runter in die Menge kam, direkten Augenkontakt suchte, immer ein Lächeln auf den Lippen. Eine wahnsinnig schöne Stimmung und Energie, die sich auf alle im Raum überträgt – und die ich zumindest noch den ganzen Abend mit mir herumgetragen habe.
Und so hört sich das an:
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