Sie sind erst seit 2005 dabei, haben es insgesamt 15 Mal versucht, sind ganze neun Mal davon nicht ins Finale gekommen, haben zuletzt drei Jahre pausiert und nun tatsächlich gewonnen: Bulgarien gewinnt völlig überraschend den 70. Eurovision Song Contest, die Geburtstagsausgabe in der österreichischen Hauptstadt Wien. In ihrer Heimat ist Sängerin Dara schon seit einem Jahrzehnt äußerst erfolgreich. Nun hat die in Warna geborene 27-jährige Künstlerin den größten Musikwettbewerb der Welt mit ihrem Dance-Pop-Song „Bangaranga“, was auf Jamaika-Kreolisch „Unruhestifterin“ bedeutet, gewonnen, was ihr sowohl im Jury- als auch im Zuschauer*innen-Voting gelang. Demnach darf Bulgarien 2027 den ESC ausführen, was der zuständige Sender BNT auch schon am nächsten Morgen positiv bestätigte und die Hauptstadt Sofia als Austragungsort verkündete.
Deutschland hoffte parallel mit der ehemaligen „Deutschland sucht den Superstar“- und „Let’s Dance“-Finalistin sowie „The Masked Singer“- und „Dancing On Ice“-Siegern Sarah Engels auf eine Top-10-Platzierung, die zuletzt 2018 durch Michael Schulte gelang. Allerdings kam ihr Latin-Pop-Track „Fire“ nur eingeschränkt gut an und erreichte Platz 23 von 25. Lediglich von vier internationalen Jurys gab es insgesamt zwölf Punkte, beim Televoting ging Engels leer aus.
Alle Platzierungen und Punktzahlen im Überblick:
1. Bulgarien: „Bangaranga“, Dara (204 Jury-Punkte, 312 Zuschauer*innen-Punkte, 516 gesamt)
2. Israel: „Michelle“, Noam Bettan (123 Jury, 220 Zuschauer*innen, 343 gesamt)
3. Rumänien: „Choke Me“, Alexandra Căpitănescu (64 Jury, 232 Zuschauer*innen, 296 gesamt)
4. Australien: „Eclipse“, Delta Goodrem (165 Jury, 122 Zuschauer*innen, 287 gesamt)
5. Italien: „Per sempre sì“, Sal Da Vinci (134 Jury, 147 Zuschauer*innen, 281 gesamt)
6. Finnland: „Liekinheitin“, Linda Lampenius & Pete Parkkonen (141 Jury, 138 Zuschauer*innen, 279 gesamt)
7. Dänemark: „Før vi går hjem“, Søren Torpegaard Lund (165 Jury, 78 Zuschauer*innen, 243 gesamt)
8. Moldau: „Viva, Moldova!“, Satoshi (43 Jury, 183 Zuschauer*innen, 226 gesamt)
9. Ukraine: „Ridnym“, Leléka (54 Jury, 167 Zuschauer*innen, 221 gesamt)
10. Griechenland: „Ferto“, Akylas (73 Jury, 147 Zuschauer*innen, 220 gesamt)
11. Frankreich: „Regarde !“, Monroe (144 Jury, 14 Zuschauer*innen, 158 gesamt)
12. Polen: „Pray“, Alicja (133 Jury, 17 Zuschauer*innen, 150 gesamt)
13. Albanien: „Nân“, Alis (60 Jury, 85 Zuschauer*innen, 145 gesamt)
14. Norwegen: „Ya Ya Ya“, Jonas Lovv (115 Jury, 19 Zuschauer*innen, 134 gesamt)
15. Kroatien: „Andromeda“, Lelek (53 Jury, 71 Zuschauer*innen, 124 gesamt)
16. Tschechien: „Crossroads“, Daniel Žižka (104 Jury, 9 Zuschauer*innen, 113 gesamt)
17. Serbien: „Kraj mene“, Lavina (38 Jury, 52 Zuschauer*innen, 90 gesamt)
18. Malta: „Bella“, Aidan (81 Jury, 8 Zuschauer*innen, 89 gesamt)
19. Zypern: „Jalla“, Antigoni (41 Jury, 34 Zuschauer*innen, 75 gesamt)
20. Schweden: „My System“, Felicia (35 Jury, 16 Zuschauer*innen, 51 gesamt)
21. Belgien: „Dancing On The Ice“, Essyla (36 Jury, 0 Zuschauer*innen, 36 gesamt)
22. Litauen: „Sólo quiero más“, Lion Ceccah (10 Jury, 12 Zuschauer*innen, 22 gesamt)
23. Deutschland: „Fire“, Sarah Engels (12 Jury, 0 Zuschauer*innen, 12 gesamt)
24. Österreich: „Tanzschein“, Cosmó (1 Jury, 5 Zuschauer*innen, 6 gesamt)
25. Vereinigtes Königreich: „Eins, Zwei, Drei“, Look Mom No Computer (1 Jury, 0 Zuschauer*innen, 1 gesamt)
NACHLESE ZUR SHOW:
Warum guckst du den Eurovision Song Contest? Weil’s gefühlt alle tun und du dich jährlich dazu hinreißen lässt? Weil du mitreden musst? Weil du mehr internationale Musik aus Europa kennenlernen möchtest? Weil du Hate-Watching geil findest? Oder weil du einfach gut unterhalten werden willst?
Eine Unterhaltungsshow und ihre Tücken
Diskussionen über Diskussionen. Ganz viel Meinung, oftmals sehr wenig Ahnung. Wie oft wir doch darüber berichten, dass sehr viele „Alle hassen Deutschland!“-, „Es gewinnt eh ständig irgendwas Skandinavisches!“-, „Ist doch alles nur Poltik!“-Argumente nicht so ziehen. Im Kern ist an vielem etwas dran, andersherum ist einiges aber auch einfach eine sehr subjektive und nur gefühlte Wahrheit. Doch wären all diese kleinen Aufreger nicht dabei und würde es nicht hin oder wieder Vorfälle geben, die all diese Glaubenssätze in der Luft zerfetzen, hätte der ESC wohl kaum seinen 70. Geburtstag geschafft.
Eurovision ist halt ein Gefühl. Es geht nicht immer um den Song, obwohl es laut Titel um den Song gehen sollte. Manchmal dann aber eben doch. Es geht nicht immer auf, dass die Jurys nur auf Gesang achten. Ganz oft aber eben doch. Es passiert nicht grundsätzlich, dass alle Leute an ihren Privathandys für das Land voten, was sie am liebsten persönlich mögen, weil es ein Nachbarland ist oder sie gerade aus diversen Gründen Solidarität dafür empfinden. Oft aber eben doch.
Man darf das alles ganz doll scheiße finden. Man darf das alles aber auch als kleines Paralleluniversum betrachten, in dem einiges heuchlerisch ist, anderes sich aber auch einfach nur schön anfühlt. Schön wäre, wenn vieles nur nicht so übertrieben diskutierfreudig behandelt würde. Jedoch ist das wohl unumgänglich.
Der Eurovision Song Contest 2026 ist in Wien beheimatet. Österreich gewann vergangenes Jahr mit dem Oper-Pop-Electro-Mix „Wasted Love“ von Sänger JJ. Eigentlich wäre es schon die 71. Ausgabe, wegen des Ausfalls zu Corona-Zeiten fallen jedoch Edition und Geburtstag auf dieselbe Zahl. In den 70 Jahren ist weltweit sehr viel passiert. Wirtschaftlich, politisch, soziokulturell, technisch. Ganz viel davon spiegelt der ESC wider. 1990 beispielsweise drehen sich zig Songs um die Wiedervereinigung Deutschlands. 2016 gewinnt Jamala für die Ukraine mit einem Song über die gewaltsame Massendeportation der Krimtataren durch die Sowjetunion unter Josef Stalin, 2022 gewinnt die Ukraine erneut mit dem Kalush Orchestra aus großer Wahrscheinlichkeit, weil wenige Monate zuvor dort der Krieg durch Russland begann. Und das sogar mit den meisten Punkten, die jemals im Televote eingefahren wurden. 1998 gewinnt eine Transperson, 2014 eine Dragqueen, 2024 eine non-binäre Person. Der Eurovision zeigt Umstände, Veränderungen, Weltbilder. Auch wenn sich Musik oft um Liebe dreht, so darf und muss sie aus künstlerischer Sicht durchaus auch schmerzen, provozieren, konfrontieren.
War früher irgendwas besser?
Das alles wird ewig so weitergehen. Die Menschheitsgeschichte erzählt sich weiter, was gut so ist. Manches davon wird im ESC in musikalischer Adaption gezeigt und gewinnt, anderes wird belächelt, manches ist komplett egal. Manchmal siegen Aussagen, manchmal siegen Figuren und manchmal siegt Spaß und Unterhaltung.
Anfang der 2000er, als mehrere Länder frisch beim Eurovision Song Contest dazukamen, hieß es oft, der Ostblock würde sich gegenseitig die Punkte zuschieben. Dann wurde aus einem 1998 eingeführten Televoting wieder ein gemischtes Verfahren mit Jurys. Doch auch bei den Jurys gibt es immer wieder Kritik, sie würden sich zu stark auf Gesangsqualität stürzen, zu wenig auf Modernität in Produktionen und Inszenierungen achten, sodass treibende, tanzbare Titel kaum Chance auf den Sieg hätten. Beim Televoting heißt es, es gehe zu stark nach Sympathie für Länder statt um Qualität des Beitrags. Man kann einfach in viele Richtungen diskutieren. Alles davon stimmt und gleichzeitig stimmt es nicht. Es wird womöglich nie den perfekten Weg geben, da jede Entscheidung ihre Vor- und Nachteile mit sich bringt.
Nach dem Kriegsbeginn in Gaza im Oktober 2023 ist Israel im Wettbewerb die Zielscheibe. Wurde Russland unmittelbar nach den ersten Angriffen auf die Ukraine verbannt und auch Belarus mit zu politisch eindeutig aufgeladenen Texten in seinen Beiträgen ausgeschlossen, entsteht schnell negative Stimmung, weil bei Israel nicht dieselbe Regel angewandt wird. Krieg sei nicht gleich Krieg und Israel nicht der klare Bösewicht in der Thematik. Manchmal funktioniert die Argumentation sehr gut – zum Beispiel wenn man bedenkt, dass die zuständige Rundfunkanstalt in Israel links positioniert ist und regelmäßig kritisch über den Krieg in Gaza berichtete – und man sowieso nicht die teilnehmenden Acts als Symbolbild für einen Krieg betrachten sollte. Aber die Fronten sind mittlerweile so verhärtet, dass nicht nur fünf Länder vergangenen Winter aus dem Wettbewerb vorübergehend ausstiegen – darunter mit Spanien sogar ein Big-Five-Land, das einen wichtigen finanziellen Teil mitbringt – sondern nun nach dem ESC 2026 die nächste Eskalationsstufe droht.
Kein Televoting mehr?
2024 und 2025 wird Israel durchs Televoting so mit Punkten überschüttet, dass die Proteststimmen kontinuierlich lauter werden. Die EBU hat gehandelt, hat von 20 möglichen Abstimmungen pro Telefonnummer auf zehn reduziert, einen Appell ausgesprochen, für unterschiedliche Beiträge bitte abzustimmen, zusätzlich in den nationalen Jurys von fünf auf sieben Personen aufgestockt und auf mehr Diversität in Alter und Beruf geachtet. Doch auch das hat nichts genützt. Noam Bettans „Michelle“ hat den finalen zweiten Platz nicht verdient. Weder für den Song, noch für die Gesangsleistung oder die Inszenierung. Aber das alles ist völlig irrelevant. Der Sänger hätte auch drei Minuten auf eine Leinwand kotzen können, währenddessen daneben jemand Triangel spielt – es hätte dieselben Punkte bekommen. Weil es ein Politikum ist, gegen das man nicht vorgehen kann, solange jede*r eigenmächtig per Handy abstimmen kann. Jedoch geht genau dafür gerade das Verständnis immer mehr flöten. Als Victoria Swarovski und Michael Ostrowski, die beiden sehr unterdurchschnittlichen Moderator*innen in dieser Saison, die Televote-Punkte für Israel verkünden, gibt es Buhrufe in einem ungeahnten Ausmaß. Die allermeisten Menschen in der Halle möchten sich von dem Politikum eben nicht beirren lassen und probieren es auszublenden. Sie wollen sich trotzdem ihren Eurovision nicht kaputt machen lassen, ihre Happy Island im Mai. Es funktioniert nur nicht so easy.
2027 also kein Televoting? Das würde bedeuten, dass sieben Menschen pro Land bestimmen, welches Lied gewinnt. Sieben Menschen, bei denen man oft nicht mal sicher gehen kann, dass sie jemals den ESC geguckt haben. Auch sie repräsentieren also die Crowd nicht. Bessere Ideen? Reicht sie ein! Ernsthaft jetzt! Zeigt der EBU, dass euch die Thematik beschäftigt. Zeigt, dass der Wettbewerb für Frieden, Liebe und Musik stehen soll, es aber nicht hinreichend genug aufgeht, zumindest momentan.
Das Gute jedoch: Egal, ob Televoting oder Juryvoting – 2026 hätte in beiden Fällen derselbe Beitrag gewonnen. Das geschah zuletzt und auch das einzige Mal 2017 mit Salvador Sobral für Portugal. Gleichzeitig ist „Bangaranga“ von Dara für Bulgarien mit 516 Punkten die drittniedrigste Punktzahl, die seit dem neu eingeführten Voting 2016 gewann, bei dem jedes Land zwei Mal maximal zwölf Punkte vergibt – einmal von den Jurys, einmal vom Televoting. JJ war letztes Jahr für Österreich mit 436 Punkten der bisher „schwächste“ Sieg, außerdem gewannen mit Jamala im Jahr 2016 und mit Duncan Laurence im Jahr 2019 sogar schon zwei Acts, die weder im Jury- noch im Televoting den ersten Platz belegten.
Ruh dich nicht auf deinen Lorbeeren aus!
All diese verrückten Fakten, Kuriositäten und Spekulationen machen aber das Faszinosum aus. 2026 sogar noch etwas mehr als sonst. Seit über zwei Monaten galt Finnland („Liekinheitin“, Linda Lampenius & Pete Parkkonen) durchgängig in den Wettbüros als Topfavorit. Und die Buchmacher*innen vertun sich weitaus seltener als sie Recht haben. Unter den Fans war Dänemark („Før vi går hjem“, Søren Torpegaard Lund) der Beitrag, auf den sich alle irgendwie einigen können. Gesanglich durfte Frankreich („Regarde !“, Monroe) und Australien („Eclipse“, Delta Goodrem) viel Lob kassieren, als besonders entertaining wurde Griechenland („Ferto“, Akylas) eingestuft. Und was hat davon gewonnen? Gar nichts.
Bulgarien stellt unter Beweis, dass man gewinnen kann, obwohl man im Vorfeld nahezu gar keine Rolle spielt. Die Fan-Bubble findet den Beitrag seit Erscheinen überwiegend ok, teilweise ein wenig nervig, aber auf jeden Fall recht unwichtig. In Vorberichterstattungen kommt „Bangaranga“ stets nebensächlich irgendwie durch, bekommt kaum Beachtung. Kein Medienecho. Doch dann flattern auf einmal beim Finale Punkte rein. Viele. Sehr viele. Auch für Polen, was auf Gesang hingedeutet nicht überrascht, liefert Alicja in „Pray“ in dem Bereich extrem gut ab, aber auch der Beitrag bleibt bis zuletzt wenig beachtet. Doch die ziemlich durchgeknallte, nach vorne preschende Inszenierung Bulgariens scheint mit einem was zu machen. Und das ist der entscheidende Punkt.
2026 ist das ganz große Können eben nicht gefragt. Nach dem Opern-Electro-Mix von JJ und dem davor gewinnenden Nemo mit Rap-Opera-Drehscheiben-Schwindel ist das „Wer flext am besten mit der Stimme?“ vorerst auf Eis gelegt. Nein, Dara hat gut gesungen, das wollen wir an der Stelle unterstreichen. Aber der Gesang ist ganz eindeutig nicht das Merkmal, weswegen es gewonnen hat. Es ist nicht das Merkmal, womit man den Song beschreibt. Stattdessen werden viel eher Assoziationen wie „Das war super witzig, total mitreißend und herrlich bescheuert“ genannt. Weg mit dem Politikum, weg mit der angestrengten Gesangsakrobatik und auch weg mit der Gefälligkeit!
Drei Comebacks & ein klares Resultat
Das ist ganz klar das Wichtigste, was man aus diesem ESC mitnehmen darf. Dara zeigt einen metaphorischen Mittelfinger. Ihr seid in den Wettquoten Platz 1? Cool, Glückwunsch. Ihr seid das, was alle seit Wochen in Spotify repeaten? Zählt heute trotzdem nicht. Ihr seid Schweden, die Nation, die sieben Mal gewann und schon vor der Auswahl des Songs auf den Sieg gehandelt wird? Supi, chill mal ’ne Runde auf Rang 20 („My System“, Felicia), dem schlechtesten Schweden-Ergebnis seit 2010, eben weil gesanglich hier ganz viel nicht geklappt hat und man denkt, dass ein sehr gut produzierter Beat ausreiche.
Bulgarien hat drei Jahre pausiert, Rumänien zwei Jahre, Moldau ein Jahr. Drei Nationen, die zuvor alle noch nicht gewonnen haben, finanziell oft vor großen Problemen stehen und von den Big-Playern belächelt werden. Und alle drei erreichen im Finale 2026 mindestens Platz 8. Bam! Das witzige, energiegeladene „Viva, Moldova!“ von Satoshi bringt Party-Stimmung in die Bude, „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu aus Rumänien bläst einen mit so viel Wucht und gleichzeitig eingängiger Hook gegen die Wand und womöglich sogar noch durch sie durch. Das sind Eurovision-Storys, die wir lesen wollen! Das macht den Unterhaltungsfaktor aus, deswegen gucken wir den Shit auch 2027 wieder!
Deutschland, wo ist euer Learning?
Ihr könnt rumheulen, weil Deutschland wieder nur den 23. von insgesamt 25 Plätzen geholt hat oder genauer hinschauen, warum das so ist. Nochmal: Bulgarien hat bisher 15 Mal teilgenommen und neun Mal davon nicht mal das Finale gesehen, jetzt aber gewonnen. Wie das geklappt hat? Mit Kreativität. Mit Mut, nicht jedem gefallen zu wollen. Sarah Engels hat besonders in ihrer Performance gut geliefert. Generell durfte man sich das stärkste Bühnenbild eines deutschen Beitrags seit Lena 2011 anschauen. Trotzdem gingen so manche Töne bei der hochmotivierten Künstlerin aus Köln einfach arg daneben. Trotzdem galt das Lied seit Veröffentlichung als zu generisch, zu gefällig und als Abklatsch sehr vieler ESC-Hits der letzten acht Jahre. Trotzdem ist das Staging in weiten Teilen berechenbar. Und ja, die meistgehasste Startnummer 2 tat dann ihr Übriges. Deutschland kann besser funktionieren. Isaak kam 2024 mit einem mittelmäßigen Radiosong, aber sehr starken und korrekten Vocals auf Rang 12, Abor & Tynna schafften 2025 nur Platz 15, schufen aber mit „Baller“ einen europaweiten Sommerhit. „Fire“ wird auf ewig das „Man hat sich wohl im Rahmen der Möglichkeiten bemüht“-Lied bleiben. Aber sich zu bemühen und Mut zu haben, sind eben zwei unterschiedliche Dinge. Dickes Sorry für Sarah, fünf Plätze weiter oben wäre fair gewesen, viel mehr jedoch nicht. An der Stelle übrigens noch dickeres Sorry für Platz 24, den herrlich witzigen „Tanzschein“ von Cosmó und dem Gastgeberland Österreich. Das hätte sogar sehr viel weiter oben platziert werden dürfen, unterlag aber wohl dem Fluch des Gastgeberlandes, das selten gut abschneidet. Exakt dasselbe, was wir gerade über Deutschland beschrieben haben, zählt by the way auch für UK, das mit dem wirklich sehr schlechten „Eins, Zwei, Drei“ von Look Mom No Computer zum dritten Mal den letzten Platz in den letzten sieben Ausgaben belegte. Nee, ist nämlich nicht immer Deutschland am Tabellenende. Gefühlte Fakten und so…
Sofia 2027. Einen Kommentar, den man vorab nirgendwo las, und das macht es geil. In den allerletzten Minuten, wenn es nur noch darum geht, ob Israel dank 220 Punkten im Televote – der 3. Platz in der Abstimmung – gewinnt oder Bulgarien, drücken plötzlich alle einem Land die Daumen, über das sie vorher gar nicht nachgedacht haben. Ein Dark Horse, wie es im Buche steht. Zum Glück wurde der Wunsch erfüllt. Kaum auszumalen, was passiert wäre, wenn Israel 2027 hosten dürfte. Denn auch schon mit diesem Ergebnis, bei dem bei diesem herrlich bunten Wettbewerb im letzten Augenblick wieder so viel Wut und Verzweiflung aufflammt, werden erneut unzählige Debatten ins Rollen gebracht. Und man kann’s verstehen. Was wird, wird. Es wird nicht unbedingt besser, wenn es anders wird. Aber damit es besser wird, muss irgendwas anders werden.
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Und so sah der Siegerauftritt beim Eurovision Song Contest 2026 aus:
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