Interview mit Prada Meinhoff über ihr Debütalbum

Nachdem wir uns schon des Öfteren von den Live-Qualitäten des Elektro-Punk-Duos Prada Meinhoff überzeugen durften, konnten wir den Release des Debütalbums kaum erwarten. Mittlerweile ist die Platte knapp einen Monat alt, begeistert uns aber immer noch so wie zu den Zeiten der Rezension (die ihr hier nachlesen könnt). Jetzt durften wir den beiden Musiker*innen ein paar Fragen zu dem Entstehungsprozess, musikalischen Einflüssen, der deutschen Sprache und der Rolle von Bands in Zeiten sozialer Netzwerke stellen.

minutenmusik: Erstmal möchte ich euch im Namen von minutenmusik.de ganz herzlich dafür danken, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt!

Wie ist der Release eures Debütalbums gelaufen? Wart ihr sehr aufgeregt?

René: Das Album ist auf einmal da, im Netz, im Handel, und alle Welt kann es nun hören –
Natürlich ist das sehr aufregend. Aber auf eine schöne Weise!

minutenmusik: Wie habt ihr den Aufnahmeprozess erlebt? Hattet ihr früh klare Vorstellungen, wie
das Album thematisch und musikalisch werden soll?

René: In den ersten Monaten in denen wir uns kennenlernten und anfingen zusammen zu
arbeiten, haben wir noch ein bisschen rum probiert. Mit Gitarre, auf Englisch. Aber dass es
grundsätzlich eine Verbindung von Rock und Electro werden sollte, war irgendwie direkt
klar. „Dreck“ War der erste Track mit Bass als Lead-Instrument und Maske der erste Text
auf Deutsch – da Kristallisierte sich schnell heraus, dass unsere Musik ein Raum sein sollte
für unsere persönlichen Erlebnisse und Gedanken, und die verschiedenen musikalischen
Einflüsse, die uns verbinden.

minutenmusik: Eure Musik verbindet unglaublich viele verschiedene Musikrichtungen. Ihr selbst
bezeichnet euch als Electro-Punk-Rock. Hat das viel mit der Musik zu tun, die ihr
selbst hört?

René: Ja. Da ist sehr viel verschiedenes dabei, von den YeahYeahYeahs über Nine Inch Nails und
Jack White, Die Sterne (Deren Sänger Frank Spilker auf unserer Release Party im Roten
Salon eröffnet hat – Was für eine Ehre!), Joy Division, The kills, John Frusciante… Wir
wissen schon was wir wollen, aber wir haben für uns ein musikalisches Konzept gefunden in
dem wir wiederum sehr viele Freiheiten haben.

minutenmusik: Momentan ist deutschsprachige Musik zwar wieder im Kommen, lange Zeit war das
aber nicht so. Stand für euch je im Raum, auf Englisch zu singen? Was ist für euch
das Besondere an der deutschen Sprache?

René: Siehe oben. Deutsch ist unser beider Muttersprache, auf der wir uns miteinander
unterhalten, über Gefühle sprechen. Es ist für uns einfach direkter.

minutenmusik:  Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee, eine Band zu gründen? Seit wann macht ihr
jeweils Musik?

René: Chrissi suchte im Sommer 2015 einen Saiteninstrumentalisten um eine Band zu gründen.
Über Freunde lernten wir uns kennen und wir haben uns gleich gut verstanden. Ich war bis
dato hauptsächlich als Tourmusiker unterwegs. Musik stand bei uns beiden von klein an im
Fokus.

minutenmusik: Das Duo bleibt weiterhin eine seltene und besondere Bandform, auch wenn man
natürlich alte Legenden wie Roxette oder (leider) Modern Talking kennt, genau so
wie neuere Versionen wie Royal Blood oder The Kills. Gab es für euch je die
Überlegung, dass ihr noch jemanden ins Boot holen wollt? Was sind die besonderen
Vor- und Nachteile nur zu zweit Musik zu machen?

René: Wir haben so angefangen und es funktioniert einfach gut. Wir können in meinem WG
Zimmer unsere Songs schrauben, brauchen keinen Proberaum. Wir sind so gesehen auch in
der Arbeitsweise ein Mischung aus Rockband und Elektroproduzent. An Ideen mangelt es
uns beiden nicht. Vielleicht wird es Live mal ein anderes Set-up geben als bisher – Man darf
sich überraschen lassen.

minutenmusik: Letztes Jahr habt ihr als Support für Milliarden gespielt, wo ich euch kennengelernt
habe. Auch beim Youth-Brigade-Festival in Dortmund wart ihr dabei, beides eher
Punk-dominierte Shows. Gerade habt ihr die Tour mit Mia. Beendet, die eher dem
Pop zuzuordnen sind. Beides passt zu eurer Musik. Gibt es einen Bereich, in dem ihr
euch wohler fühlt, vielleicht auch, was das Publikum betrifft? Mit welchen Acts
würdet ihr am liebsten mal auf Tour gehen?

René: Wir waren auch mit DAF auf Tour und haben für Peaches eröffnet. Eine NDW Legende und
eine Electro-clash Ikone. Wir fühlten uns bei allen wohl und gut aufgehoben.
Das Publikum war in den Fällen auch sehr verschieden, aber immer offen und herzlich. Da
konnten wir uns bisher wirklich nicht beschweren. Im Gegenteil: Wir sind unglaublich froh
und dankbar!
Mal mit The Kills, Tocotronic oder Queens of the Stoneage auf Tour zu gehen, wäre
natürlich echt toll!

minutenmusik: Das Musikbusiness befindet sich momentan in einer ganz andere Lage als vor einigen
Jahren. Wo früher noch Musikfernsehen und CD-Verkäufe über den Erfolg von
Künstler*innen bestimmt haben, sind nun Social Media und Streaming-Dienste
zentral. Wie steht ihr zu der Entwicklung? Habt ihr Spaß an der Social-Media-Arbeit?

René: Es geht immer weiter und die Dinge entwickeln sich. Das ist gut! Der direkte Kontakt mit
Fans über Instagram und Co ist auf jeden Fall sehr spannend. Die Tour mit MIA. sind wir
selbst gefahren und auf langen Strecken war es witzig mal ein Live Video von unterwegs zu
starten, ein bisschen mit den Fans zu schnacken, und sie wissen lassen was grade so
abgeht. Eigentlich geht alles und da tut sich wiederum eine ungeheure Kreative Freiheit
auf. Auch wenn es manchmal bedeutet, mir einfach nur beim Müsli essen zuzuschauen.

minutenmusik: Wie sieht es da bei euch privat aus? Hört ihr selbst über Streaming-Dienste oder
kauft ihr auch noch Platten und CDs?

René: Beides! Streamen ist natürlich super um Künstler zu entdecken. Bei Spotify gibt es ja fast
alles… Das ist schon irgendwie verrückt. Aber das Hörerlebnis einer Vinylscheibe ist meiner
Meinung nach immer noch das romantischste. Und wenn mir ein Album besonders gut
gefällt versuche ich irgendwie noch die Scheibe zu besorgen. Mal abgesehen davon, dass
die Künstler da auch mehr von haben.

minutenmusik: In eurem Song „Krieg“ zitiert ihr Bertolt Brechts „Resolution der Kommunarden“.
Findet ihr eure Inspiration für Texte häufig in literarischen Texten? Wenn ja, welche
Autor*innen lest ihr besonders gerne? Welche andere Inspirationsquellen habt ihr?

Chrissi: Natürlich lieben wir auch deutsche Literatur wie Ernst Busch, Hugo von Hofmannsthal,
Kleist, Hesse, Kinofilme, Videospiele ….

minutenmusik: Der Text dieses Liedes spielt mit dem Gedanken des Pazifismus und übt
Systemkritik. Seht ihr euch als politische Band? Gibt es Themen, zu denen ihr ganz
explizit Stellung nehmen wollt? Findet ihr, dass das die Aufgabe von Künstler*innen
im Generellen sein sollte?

Chrissi: Die Aufgabe eines Künstlers ist es Kunst zu machen. Alles fließt mit ein.

minutenmusik: Wie entstehen Songs bei PRADA MEINHOFF? Arbeitet ihr gemeinsam an Text und
Musik? Schreibt ihr zuerst einen Text und dann passende Musik oder ist das immer
unterschiedlich?

René: Manchmal gibt es erst die Musik und dann kommt der Text. Manchmal ist es anders herum.
Die meisten Songs entstehen dann wenn wir zusammen im Raum sind.

minutenmusik:  Im Song „Schluss“ und dem dazugehörigen Video thematisiert ihr ein großes Thema
der heutigen Gesellschaft: Depressionen und Suizid. Euer Fazit empfiehlt vor allem
mehr Selbstliebe und Zeit für sich selbst. Wie kam es zu dem Song und der VideoIdee?
Würdet ihr sagen, dass Musiker*innen ganz besonders auf sich Achtgeben
sollten, weil hier der Druck, möglichst perfekt zu funktionieren, besonders hoch ist?

Chrissi: In Schluss geht es nicht um Suizid. Es geht um den toten Punkt, den man mit sich erreicht
und wie man sich wieder herausziehen kann. Druck gibt es sich überall gleichermassen, Es
ist nur ein Frage des Umgangs.

minutenmusik: Wie kamt ihr eigentlich auf euren Bandnamen? Hier kommt scheinbar Mode mit
linksaktivistischen Gedankengut zusammen, seht ihr euch als eine Mischung aus
diesen beiden Polen?

René: Der Name klingt einfach toll! – ja und nein.

minutenmusik: Live seid ihr eine reine Naturgewalt. Vor allem du, Chrissi, provozierst häufig ganz
bewusst mit deiner Performance. Eine andere deutsche Band, die wegen ähnlicher
Bühnenpräsenz der Frontfrau immer wieder vor allem für negative Schlagzeilen
sorgte, ist Jennifer Rostock. Habt ihr bezüglich dessen selbst auch negative Kritik
bekommen? Steckt dahinter ein politisches, feministisches Statement oder willst du
hauptsächlich Spaß haben, ohne weitere Hintergedanken?

Chrissi: Ich provoziere nicht absichtlich. Ich mache wozu ich Lust habe, gehe dabei gern über
meine eigenen Grenzen und nehme den ein oder anderen dabei mit. Es gibt auch viele
Songs bei denen ich sehr ruhig am Mikro stehe. Ich denke nicht nach. Ist ja auch mal ganz
schön.

minutenmusik: Wie sehen eure Pläne für die nächste Zeit aus? Ist eine größere Headline-Tour
geplant? Denkt ihr schon über neue Musik nach?

René: Es wird definitiv bald eine Headliner Tour geben und über Musik denken wir die ganze Zeit
nach.

minutenmusik: Nochmal vielen Dank für eure Zeit! Liebe Grüße und bis hoffentlich bald.

Und so hört sich das an:

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