Biffy Clyro – Balance, Not Symmetry

Biffy Clyro - Balance, Not Symmetry

Es war der achte Juli 2016 als Biffy Clyro ihr siebtes Studioalbum „Ellipsis“ veröffentlichten. Die Platte kam bei den Fans eher mittelmäßig an: zu eingängig seien die Songs, zu wenig Charakter trügen diese in sich. Deutlich positiveres Feedback erhielten dahingegen die beiden Bonus-Tracks der Platte, von denen sich einer im Laufe der langatmigen Tourneen auch als fester Bestandteil der Setlist mauserte. Den beiden deutlich raueren Tracks sollte im kommenden Jahr ein B-Seiten-Album, das den Titel „Punkt Punkt Punkt“ tragen sollte, folgen, wie die Band in verschiedenen Interviews ankündigte. 

Das folgende Jahr lieferte jedoch Ernüchterung: Die Schotten brachen erstmals mit ihrer Tradition neben jedes Studioalbum auch ein Werk voller Versatzstücke zu stellen und die B-Seiten-Platte erblickte nie das Licht der Welt. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch das immer mal wieder angeteaserte, dann doch stets verworfene Solo-Projekt Simon Neils, der unter dem Künstlerpseudonym ZZC bereits zwei Singles veröffentlicht hatte. Mit etwas Verspätung gibt es nun, drei Jahre später, für die Fans doch die Möglichkeit zumindest in Teile beider Projekte einzutauchen. „Balance, Not Symmetry“ ist das im letzten Jahr angekündigte Soundtrack-Album der Band zu dem gleichnamigen Independent-Film und erschien überraschend in der vergangenen Woche. Im bunten Potpourri aus verschiedensten Stimmungen und Genres tauchen neben einigen ursprünglich für die ZZC-Platte geschriebenen Stücken auch Teile des verworfenen B-Seiten-Werks auf.

„Plead“ und „Fever Dream“ – zwei der 17 neuen Songs – klingen nicht nur nach Filmmusik und arbeiten mit deutlich elektronischeren Soundwelten, sondern sollten ursprünglich eigentlich auf dem Solo-Debüt Neils landen. Eine vor einigen Jahren über Twitter geteilte Tracklist des Werkes, das gänzlich ohne Gitarren auskommen sollte, gibt darüber Aufschluss. Die beiden Songs sind aber nicht die einzigen alten Bekannten: „The Naturals“ performten Biffy Clyro bereits 2014 als Akustik-Version unter anderem Titel und den Balladen „Adored“ und „Different Kind Of Love“ konnten Fans auf der MTV-Unplugged-Tour im letzten Jahr ebenfalls bereits lauschen. Davon, dass schlussendlich noch mehr Songs der zwei Ursprungsprojekte auf „Balance, Not Symmetry“ gelandet sind, ist also auszugehen.

Ansonsten treiben sich Biffy Clyro in gewohnter Manier zwischen Genie und Wahnsinn umher und fügen selbst den simpelsten Elektro-Pop-Nummern ihre eigene Note bei. Da wäre beispielsweise das eingängige „All Singing And All Dancing“, das als generische Elektro-Nummer beginnt, dann in der Bridge auf einmal immer weiter das Tempo anzieht, bloß um schlussendlich wieder in einem letzten simplen Refrain zu münden. Etwas unspektakulärer geht es da bei „Colour Wheel“ vor sich, einer eleganten Klavier-Pop-Nummer, die eher auf ästhetische Soundlandschaften setzt, als auf ausgefallene Arrangements. Auch die drei Instrumental-Stücke – allesamt nach Farben benannt – reduzieren sich auf kleine Melodiespielereien, die mal mehr, mal weniger lange wiederholt werden.

Diesen vielen poppigen und elektronischen, sowie ruhigen Momenten stehen einige deutlich gitarrenlastigere und härtere Songs entgegen. Der Titeltrack und „The Naturals“ schielen mit ihren Arena-Refrains in Richtung riesiger Festivals, „Sunrise“ schwankt zwischen krummen Riffs und ebenfalls stadiontauglichen Gesangslinien und „Following Master“ watet mit viel Drama und deutlichem Spannungsbogen auf.

Die vielen Gegensätze, Stilwechsel und clever eingebauten Spielereien verwandeln „Balance, Not Symmetry“ nicht nur in das bislang vielseitigste Gesamtwerk Biffy Clyros, sondern auch das am weitesten über den Tellerrand hinausblickende. Vorhersehbar ist hier wenig, Langeweile kommt niemals auf. Die Platte ist laut und leise, lässt einen die Euphorie frischer, aber auch die Trauer verflossener Liebe verspüren, umarmt einen lieblich mit Pop-Klängen und tritt einem mit fies verzerrten Gitarren sprichwörtlich in den Arsch. Diese unvorhersehbaren Emotionen können sonst nur gute Filme oder Serien hervorrufen. Lustig, dass man hier einen Soundtrack für ersteres in den Händen hält.

Das Album „Balance, Not Symmetry“ kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Biffy Clyro live 2019:

18.-21.07. – Deichbrand Festival

Die Rechte für das Albumcover liegen bei Warner Music.

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