Kayef – Lieder für dich

Kayef_Lieder für dich

„Jeder Song ein Polaroid meiner Persönlichkeit. Heute reiß‘ ich Bäume aus, morgen könnt ich depri sein. […] Jedes Hoch und jede Krise, bringen am Ende immer neue Lieder mit. Und wenn du dich erkennst, wird es ein Lied für dich.“

Über ein Jahrzehnt an Songs, Demos, Alben, EPs und Releases. Seit 2014 veröffentlicht Sänger Kayef seine Solo-Musik und ist spätestens seit Liedern wie „Musik“ oder „Ich würd‘ lügen“ nicht mehr aus der Musikwelt wegzudenken. Der Output an Songs, die der Sänger für sich und für andere herausbringt, ist immens, die Stimmung bei den alljährlichen Tourstopps gigantisch. Mit „Lieder für dich“ hat der Düsseldorfer nun sein achtes Studioalbum veröffentlicht und zeigt dabei vor allem eines: Authentizität.

Während viele Künstlerinnen und Künstler jahrelang nach ihrem Stil suchen, hat Kayef seinen längst gefunden. Es sind die großen Hymnen, die besonders live stark funktionieren. Gute-Laune-Songs, die Spaß machen. Und solche Lieder, die tief unter die Haut gehen und eine große Bandbreite an Emotionen transportieren. Von beiden gibt es auf „Lieder für dich“ eine Menge. Dass das Album mehr als persönlich ist, unterstreicht bereits das Intro. Kayef gibt dort einen Einblick in die Entstehungsgeschichte seiner Songs („Ich teil‘ das alles mit dir, weil es mir gut tut. Weil ich am Ende doch genauso wie du bin, ich lass’ dich rein. In mein Herz, in den Teil, den ich sonst nie zeig‘. Nur damit du begreifst, du bist nicht allein“) und schafft automatisch einen nahbaren Raum.

In „Pflaster“ singt Kayef über einen Freund, der trotz all der Tücken im Leben die positiven Dinge sieht. Besonders schön wird das unterstrichen durch die Textzeilen „Doch du hast gesagt, du liebst den Regen, weil dann sind alle Schaukeln frei“. Optimistisch präsentiert sich auch der Song „Das wären nicht wir“, ein Feature mit Singer-Songwriter Christoph Sakwerda. Hier passen nicht nur die Stimmen der beiden Musiker unfassbar gut zusammen, sondern auch die Message hinter dem Song: Auch all das, was schiefgelaufen ist, macht uns zu dem, was wir sind.

Die Tracks „Du mich auch“ und „Lieder für dich“ sind dagegen echte Liebeserklärungen. Während Kayef in „Du mich auch“ zwischen Zukunftsgedanken und Unsicherheiten versucht zu beweisen, wie tief die Liebe ist, verinnerlicht „Lieder für dich“ das euphorische Gefühl von Verliebtsein. „Es war nie Paris“ setzt noch einmal einen drauf und zeigt auf, dass es nicht die großen Taten sind, sondern dass die schlechten Zeiten einen zusammenschweißen.

Ein Highlight des Albums stellt der Song „Große Worte“ dar. Sehr reflektiert setzt Kayef sich hier mit seinen Ängsten auseinander, jemanden an sich heranzulassen und sich zu öffnen („Lass‘ dich nicht an mich ran, du kannst es nicht sehen. Vielleicht hab‘ ich Angst davor, dass du fehlst. Denn gibt es ein’n Anfang, endet es eh“). Gerade das Arrangement des Songs unterstreicht die Lyrics perfekt, was den Song nur noch ehrlicher und nahbarer macht.

Breakup-Songs dürfen auf keinem Kayef-Album fehlen, „Für dich fremd“ gliedert sich perfekt in die Reihe zu Vorgängern wie „Beton“ oder „Warum“ ein. Der Song ist in gewohnter Kayef-Manier catchy, traurig und berührt. In „War das nur der Sommer“ besingt der Sänger eine Sommerromanze, die gepaart mit Nostalgie und Zweifeln ein melancholisches Gefühl hinterlässt. Auf „Roter Knopf“ wünscht er sich wiederum, die Person nie getroffen und die Zeit zurückdrehen zu können („Und ich schneid‘ dich wieder raus aus dem Film. Geb‘ die Rolle jemandem, der wirklich aufrichtig ist. Und spul‘ das Ding einfach nochmal zurück. Ich will nicht wissen, dass es dich gibt“). Einzig „Zu Ende“ fällt auf dem Album aus dem Raster und bleibt der einzige wirkliche Schwachpunkt des Albums. Text und Musik scheinen hier nicht zusammenzupassen, der Song wirkt nicht stimmig.

Wirklich lobenswert ist die Tatsache, dass Kayef sich selbst treu bleibt. In den Song-Credits stehen nur wenige Co-Writing-Beteiligungen. Der Sänger hat abermals sein Ding gemacht, unter seinem eigenen Label. Einzig die Tatsache, dass kein Song die Drei-Minuten-Marke knackt, ist hier zu kritisieren. Im Schnitt ist jeder Song 2,2 Minuten lang, eine Strophe und Bridge mehr würden manchen Liedern guttun. Dennoch: Kayef macht sein Ding, was er eindrucksvoll noch einmal in seinem Outro aufzeigt: „Verrückt das eine ganze Industrie jetzt auch noch Geld darin sieht und ich hasse das ’n bisschen. Was woll’n irgendwelche Plattenbosse bitte, die kommen alle, wenn es klickt. Und ich mach‘ es lieber selbst, jonglier‘ mit meiner Welt. Egal, ob ich gewinn‘ oder mit Niederlagen kämpf‘“. Mit „Lieder für dich“ hat Kayef ein Album geschaffen, auf dem er sich zwar nicht neu erfindet, sondern konsequent weiterentwickelt. Die Liebe zur Musik und der Spaß an der Sache sind auf jedem Track hörbar, wodurch sich der Musiker automatisch von vielen anderen Deutsch-Pop-Artists abhebt.

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