mewithoutYou – [Untitled]

mewithoutYou - Untitled

Selbsterkenntnis kann helfen – nicht nur einem selbst. Selbsterkenntnis kann Wandel hervorrufen – vor allem im positiven Sinne. Nicht umsonst heißt es „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.” Selbsterkenntnis kann aber auch die eigene Kreativität antreiben. Im Falle von Aaron Weiss hat sie genau dies getan. „[Untitled]“ heißt das siebte Studioalbum seiner Band mewithoutYou. Über die spezifischen Inhalte der Platte gibt Weiss genauso viel Auskunft, wie der Titel über deren Ausrichtung aussagt. Trotzdem scheint immer wieder genau eine Sache in den mal gesäuselten, mal geschrienen, mal gesungenen, nicht selten auch metaphorischen Texten der Gruppe auf: Selbstreflexion.

La Dispute haben Spoken-Word-Post-Hardcore 2011 mit „Wildlife” groß gemacht. mewithoutYou trugen bereits Anfang der 2000er zu der Entwicklung dieser neuen Richtung bei, die häufig gesprochene, sehr emotionale Texte mit mal atmosphärischen, mal ausbrechenden Instrumentalparts verbindet. An den Erfolgskurs der Post-Hardcore Band aus Michigan konnten mewithoutYou nie wirklich anknüpfen. Dafür stand die Musik des Quintettes vielleicht auch zu selten still: Seinen Sound entwickelte man über die Jahre und zahlreiche Alben immer weiter. Die herzergreifenden Shouts der Anfangstage wichen auf „Pale Horses”, dem letzten Werk der Gruppe, fast schon tanzbaren, eher ruhigen Indie-Instrumentals und der zum flüstern gesenkten Stimme Weiss’. Auch die „[Untitled]-EP“, eine sieben Song starke Begleitveröffentlichung zum neuen Album, baut vor allem auf diese seichteren und entspannteren Stimmungen. Auf dem Hauptwerk sieht das jedoch bereits wieder ganz anders aus.

Während die Vorabsingle „Julia (or, ‘Holy to the LORD’ on the Bells of Horses)” gänzlich auf Spoken-Word-Vocals verzichtet und einen mit ihren sphärischen Brecher-Gitarren umschließt, gibt „New Wine, New Skins” zunächst langsamere Töne vor, um dann in einem Hoch-Tief-Gitarrenriff auszubrechen. „Break on Through (to the Other Side) [pt. Two]” bereitet mit Akustikgitarre und verfrickelten Hintergrundgitarren dann tatsächlich einen gelassenen Ausklang der Platte. Ebenfalls umarmt „[dormouse sighs]” einen mit seinen himmlisch-femininen Backgroundvocals, die dem eh entspannten Song etwas mantraeskes verleihen. Generell wirkt es so, als habe die Band in ihrer Vergangenheit gewühlt und alte verstaubte Sounds mit der Gelassenheit der letzten Veröffentlichungen und neuer Experimentierfreudigkeit gepaart. Ob dies ebenfalls einen Prozess der Selbstreflexion darstellt?

In den letzten Jahren veränderte sich vieles in Weiss’ Umfeld. Er heiratete, wurde Vater. All dies arbeitet der bärtige Herr auf dem siebten Album seiner Post-Hardcore-Truppe auf intime und ehrliche Weise auf, lässt seine persönlichen Erfahrungen dabei immer wieder mit großen, nicht selten religiös anmutenden Metaphern verschwimmen. So verweist der bereits genannte Vorabsong inklusive Bibelzitat auf George Orwells „1984“, „Another Head for Hydra“ nimmt kurzzeitig die Perspektive eines kleinen Kindes ein. In „Tortoises All the Way Down“, dem emotionalen Hochpunkt des Albums, heißt es dann immer wieder eindringlich „everybody knows, son, what you’ve done“.

Enttäuschen konnten mewithoutYou im Laufe ihrer Bandhistorie noch nie. Dafür besticht jede Veröffentlichung, jedes Studioalbum zu sehr mit konstanter Weiterentwicklung. Auf „[Untitled]“ legt das Quintett nun eine kurze Verschnaufpause ein, um sich über die Zukunft klar zu werden und die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Das hört man. Die Amerikaner vereinen hier Stärken und Facetten früherer Werke und schaffen dadurch ein gänzlich freies, ausgeglichenes Gesamtprodukt, das fesselt und mitreißt. Selbsterkenntnis kann doch so schön sein!

Das Album “[Untitled]” kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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