One Step Closer – This Place You Know

Review: Obwohl One Step Closer eine ziemlich typische Hardcore-Band sind, lösen die Fünf etwas aus, das nicht vielen Mitstreiter*innen gelingt.

Fünf junge, weiße Männer in ihren späten Teenagerjahren, die womöglich aus Langeweile zu Gitarre, Bass, Schlagzeug und Mikrofon greifen, sind allemal keine Ausnahmeerscheinung. Ryan Savitski, Tommy Norton, Ross Thompson, Brian Talipan und Grady Allen sehen obendrein ziemlich gewöhnlich aus – ja, vielleicht ein bisschen nerdy, wirklich auffällige Typen stecken trotzdem nicht unter den Flanellhemden. Die fünf – wenn sie gemeinsam musizieren nennen sie sich One Step Closer – kommen zudem aus einer Kleinstadt im grauen Rust Belt der Oststaaten, einer Gegend, die in den 2000er- und 2010er-Jahren nebst Title Fight unter anderem The Menzingers hervorgebracht hatte. Auch geographisch entspringt die Gruppe also keiner neuen Keimzelle für Kreativität. Für die Musik der Band gilt ähnliches: Schnörkellosen, mal leicht nach vorne gerichteten Melodic-Hardcore spielen die fünf Musiker. „This Place You Know“, das erste Album der jungen Band, ist trotz all der Tradition hörenswert und vor allem eines: gut.

Ein paar Choräle hier, ein halliger Songausklang da, ein kurzes Indie-Versatzstück zwischendurch und viel Palmmute-Grooves und Punk-Antreiber – mehr Zutaten bedarf es nicht, um „This Place You Know“ in seine Einzelteile zu zerlegen. Andere Baustoffe braucht die Band ebenfalls nicht, um eine moderne Hardcore-Platte zusammenzuzimmern, die konträr der vielen Konventionen niemals langweilt. Dass dem so ist, liegt an der Umsetzung des Bauvorhabens: Sorgsam greifen die Materialien ineinander, talentiert sind die Handwerker, die sie zusammensetzen. An unterschiedlichsten Stellen haben die alle ihre Momente, sie wagen es aber niemals mit ihren Stärken zu protzen. Unnötige Soli oder ermüdende Längen gibt es daher nicht.

Stattdessen ist „This Place You Know“ 28 Minuten Seelenreinigung – die Texte sind da unmissverständlich. Es geht um die Auseinandersetzung und das Hadern mit sich. Um die Aufarbeitung von im Tourstress liegen gelassener Problem-Päckchen. Denn: In Pandemie-Zeiten kann vor denen nicht mehr die Flucht ergriffen werden – das musste Sänger und Texter Ryan Savitski feststellen. Dementsprechend zweifelnd sind seine Songs. „How can you drown your thoughts like they mean nothing?“, heißt es an einer Stelle. „Why does it feel like no one cares? Alone I’ll sit tonight and wonder if I sleep will this all just go away?“, an anderer. Auch das – diese Suche nach der tief im inneren versteckten Düsternis – ist nebst politischer Positionierung typisch für diese Art Musik. Und dennoch: Bei One Step Closer fühlt sich das alles besonders an. Für eine ziemlich klassische Hardcore-Band ist das ungewöhnlich: Untypisch typisch.

Hier (physisch) und hier (digital) kannst du dir das Album kaufen.*

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Die Rechte für das Cover liegen bei Run For Cover Records.

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