Pearl Jam – Gigaton

Pearl Jam - Gigaton

Mit erhobenem Zeigefinger melden sich Pearl Jam acht Jahre nach der Veröffentlichung von „Lightning Bolt“ zurück: Unmissverständlich machen bereits das Coverartwork und der Titel von „Gigaton“ auf ein Problem aufmerksam, welches die gesamte Menschheit gleichermaßen betrifft. Gigatonnen sind die Maßeinheit, in welcher schmelzendes Eis gemessen wird. Eine direkte Anspielung auf die Erderwärmung und die damit einhergehenden schmelzenden Polarkappen. Nach 30 Jahren Band-Geschichte schafft es das Quintett immer noch, mit neuen Klängen zu überraschen und relevant zu bleiben. Ihr jüngstes Werk pendelt irgendwo zwischen Sorgen, Zweifel, Neil Young und Seattle-Sound. Wobei die Bemühungen, dem eigenen, hohen künstlerischen Anspruch immer gerecht zu werden, fraglos erfüllt werden.

Taufrischer Rock im alternativen Gewand

„Who Ever Said“ schafft es zu Beginn von „Gigaton“ eine Atmosphäre aufzubauen, die an ihr Debüt „Ten“ aus den frühen 90ern erinnert. Anschließend vermischt „Superblood Wolfmoon“ Southern Rock mit einem leicht vertrackten Beat. Das darauffolgende „Dance Of The Clairvoyants“ bringt mit Synthesizern und Disco-Elementen frischen Wind in ihren drei Dekaden alten Sound, bevor „Quick Escape“ angenehme Grunge-Ausbrüche durchlebt. Stellenweise erinnert das jüngste Werk der Gruppe stark an ihr zweites Album „Vs.“, wobei die Musik ständig von frischen Elementen durchströmt wird.

„Alright“ fasziniert durch seinen befremdlichen Beat und „Comes Then Goes“ sorgt mit schwerer Country-Schlagseite für Abwechslung. „Buckle Up“ stellt wiederum eine Rückbesinnung auf das Wesentliche dar: Angenehme Melodien die mit einfühlsamen Lyrics harmonieren und dadurch ehrliche Faszination ausüben. Die zwölf Songs von „Gigaton“ sind abwechslungsreich arrangiert und nicht selten grüßt Neil Young durch die Gitarren. An wenigen Stellen lädt das Album sogar dazu ein, die Augen zu schließen und vom modrigen Seattle der frühen 90er zu träumen.

Zwischen Plattenverkäufen und Idealen

Schon immer sprachen Eddie Vedder und seine Mitstreiter ungemütliche Themen wie soziale Ausgrenzung, Suizid von Kindern oder kaputte Familienverhältnisse an. Mensch-gemachte Umweltkatastrophen stellen einen neuen Aspekt im Katalog ihrer Gesellschaftskritik dar, aber keinesfalls einen unwichtigen.

Im Vergleich zu Alice In Chains, Nirvana und Soundgarden, ihren Weggefährten der ersten Stunde, haben Pearl Jam eine unbeschwerte Karriere durchlebt. Keine Drogen-Tote, keine öffentlichen Suchtprobleme und keine Selbstmorde. Mittlerweile beginnen Ticketpreise für ihre Shows bei über 100 Euro und die Vinyl-Version von „Gigaton“ kostet knappe 40 Euro. Da können schnell die Fragen aufkommen, ob die Band nur noch weiter besteht, damit die Band eben weiter besteht und das hier Sellout ist? Glücklicherweise können beide Fragen mit „Nein“ beantwortet werden, eine kritische Betrachtung ist trotzdem wünschenswert. „Gigaton“ ist mit Sicherheit nicht das innovativste Werk der Gruppe, jedoch verfolgen die Musiker eindeutig ihre eigene Vorstellung von Kunst und Kritik. Womöglich rechtfertigen unvergessliche Live-Momente sogar die unverschämten Ticket-Preise. Pearl Jam sind eben nicht nur Band sondern auch etwas Mythos.

Das Album ist hier erhältlich.*

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Die Rechte am Albumcover liegen bei Republic/Universal.

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