Talkboy – Over & Under

Talkboy

„Talkboy are a group of six friends from Leeds who sing songs about each other, the people around them, and the lives they lead. “ So steht’s im Band eigenen Steckbrief und so herrlich simpel wie dieses Statement vermuten lässt, ist es im Endeffekt auch, sich in diese Band zu verlieben. Gefunden hatten sich die Freund*innen auf dem College of Music in Leeds, wo sie sich nach verschiedenen anderen Konstellationen schließlich zu genau dieser Gruppierung zusammen getan haben. Klingt auf dem Papier nach klassischem elitären Indie der weißen Oberschicht für die weiße Oberschicht, ist aber unterm Strich Hand gemachte Musik fürs Herz, für Kellerräume, für Festivalbühnen, für jede*n.

Das Große im Kleinen

Obwohl „Over & Under“ offiziell nur die Debüt-EP des Sextetts ist, spielt die gesamte Aufmachung schon locker auf Albumniveau mit. Von den schicken Videos und dem stilsicheren Artwork über die musikalische Rahmung gefällt dieses erste Songbündel bereits als qualitativ hochwertiger Startpunkt für eine hoffentlich lange Diskografie. Dafür setzt „Wasting Time“ direkt episch an: Katie Heap und Calum Juniper säuseln mit ihren klassischen Indie-Stimmen im Kopfstimmen-Chor „Time waits for no one, especially not you and me“, um dann in die erste sehnsuchtsvolle Riff-Fläche, an dessen Saum seichte Frauenchöre warten; eine wohltuenede musikalische Umarmung, die niemals enden sollte. Erstmal ordentlich ausgeruht, geht es aber mit den zackigen Riffs von „Someone Else“ schon etwas schneller her – und bei wem sich dieses simple, aber effektive Melodieschema nicht direkt in den Gehörgang krallt, der hat vermutlich eine Indie-Allergie.

Skizzen einer großen Möglichkeit

Hat man so vielleicht schon mal gehört, aber Talkboy haben noch viel mehr vor: Im gleichsam sonnigen und schwermütigen Folker „Mother“ schauen Of Monsters And Men über die Schulter, der Titelsong wurde zurecht als solcher gewählt und lockt aufmüpfig direkt auf die Tanzfläche, wo schon The Kills aufgelegt haben, bricht aber immer wieder aus dem vorgekauten Schema heraus. Dass zu viele Köche nicht den Brei verderben, beweisen Talkboy genau in solchen Momenten, denn die Saitenfraktion aus Tim Malkin und Tom Sargent lässt sich nicht beirren und wechselt wie beiläufig zwischen keckem Fingerpicking und breiten Akkorden hin und her. So untermalen sie auch das lässige „All Works Out“, während sich Heap und Juniper im Storytelling-Zwiegespräch hochschaukeln. Zum krönenden Abschluss gibt es dann „Hollow Spheres“, das seinem Titel alle Ehre macht: Junipers isolierte, niedergeschlagene Stimme leitet in das Mental-Health-Awareness-Stück ein, erst die wirbelnden Drums von Jake Greenway und die bedachten Keyboard-Akkorde von Charlotte Jones erlösen die Schwermut mit einem seichten Hoffnungsschimmer, der zu den bewegenden Abschlussworten hinleitet: „Darkness fades away eventually somehow“. Bei so viel Songwriting-Klasse kann man wohl vom Glück sprechen, dass sich Come Play With Me und LAB Records des digitalen und physischen Releases der EP angenommen haben – denn „Over & Under“ ist alles, aber sicherlich keine weitere langweilige, lose zusammengewürfelte Ansammlung von ewig gleichem Indiekram, sondern die Hoffnung auf etwas ganz Großes.

Das Album „Over & Under“ kannst du hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Come Play With Me / LAB Records.

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