Turbostaat – Uthlande

Cover von Turbostaats "Uthlande"

Auf den progressiven Indie-Punk folgt der flotte Punk-Rock-Streich: Nach dem vor allem instrumental melodiösen und in Gänze experimentellen „Abalonia“ schreiten Turbostaat mit ihrem siebten Studioalbum „Uthlande“ in großen Schritten voran und werfen dabei einen Blick zurück. Entfernte man sich zuvor nach und nach von seinen Punk-Wurzeln, so vermählt man diese nun mit neu erlerntem Pop-Appeal, indem man den fortschrittlichen Geist des Vorgängers in Punk-Form gießt. In dem Zuge gelingt es den Ex-Flensburgern sich sowohl auf ihr Frühwerk zu berufen als auch die eingängigsten Songs der zwanzigjährigen Bandgeschichte zu schreiben: Ein Kunststück.

Das Experiment im Punk

Was für eine bedeutende Rolle der Punk auf dem ersten Turbostaat-Album nach den Teenie-Jahren – im letzten Jahr feierte das Quintett seinen 20. Bandgeburtstag – spielt, macht die Band gleich mit dem direkten Einstieg klar. Kein atmosphärisches Post-Rock-Intro, kein ironischer Sprach-Einspieler, sondern das treibende Lead-Riff von „Rattenlinie Nord“ eröffnet die Platte. Auch das anschließende „Meisengeige“ – ja, die Band behält ihre Vorliebe für sonderbare Songtitel bei – darf nach kurzem Bass-Intro nach vorne preschen. Ein großer Anteil der Platte behält dieses hohe Tempo bei und verzichtet auf minutenlange Instrumental-Parts. Gibt „Stine“ in der Albummitte schon voll auf die Fresse, so legt „Nachtschreck“ da nochmal eine Schippe drauf und treibt sich weit fernab der 200 Beats-Per-Minute herum. Ganz getreu der Punk-Realness hat die Band die Platte instrumental übrigens binnen drei Tagen in den Berliner Hansa Studios eingespielt.

Vor allem während dieser doch im Prinzip eher klassischen Punk-Momente offenbart sich, wie eng die Band mittlerweile miteinander agiert. Selbst die stumpfesten Parts lassen gerade wegen der einzigartigen Chemie Raum für kleine Kniffe. „Abalonia“ hat einen scheinbar das Spielen mit den Dingen gelehrt. Ansonsten arrangiert man sich miteinander, stimmt sich ab und lässt sich gegenseitig genug Raum zum Scheinen. Vor allem Bassist Tobert Knopp tritt da häufig als tragendes Element in Erscheinung. Der Bass ist immer präsent, führt die häufig flotten Strophen an und füllt die ruhigsten Momente mit wegweisenden Akzenten. Gleichzeitig nimmt sich Sänger Jan Windmeier mit seinem eher speziellen Stimmorgan immer häufiger zurück und lässt den Kollegen Knopp und Ebsen den Vortritt. Dadurch kommen Refrains zustande, die noch deutlicher auf Melodie und Eingängigkeit setzen. „Brockengeist“, bei dem die drei fast schon in Call-And-Response-Manier miteinander harmonieren, ist ein Resultat davon.

Die Ausreißer

Zwischen die vielen flotten Indie-Punker setzten die Flensburger einige wenige Ausreißermomente. So darf sich „Ein Schönes Blau“ als bislang poppigster Turbostaat-Song voll und ganz auf seine Eingängigkeit konzentrieren. „Schwienholt“ schunkelt sich im Anschluss samt hypnotischem Groove und von den Zweitstimmen getragenem Stadion-Refrain mitten ins Herz. „La Hague“ besticht dahingegen mit seiner düsteren Atmosphäre und steigert sich zum Schluss in einen dramatischen Ausbruchpart, der kurzzeitig sogar Assoziationen mit den Blackgaze-Größen Deafheaven hervorruft. Auch „Stormi“ stolpert erst gegen Ende richtig los und referenziert zuvor gleich mehrfach „Luzi“ samt seines hymnischen Refrains, der nun aber statt von den Musikern selber von deren Nachkommen vorgetragen wird.

„Uthlande“ lässt Turbostaat Punk mit Progressivität vermischen und zeigt die Band in ihrer stärksten Form. Gerade deshalb ist es ein Album, das laut sein und gehört werden will. Wer in Zukunft also nach vorne blicken, aber auch seine Vergangenheit nicht aus den Augen verlieren mag, sollte ein Coaching bei der Turbostaat GmbH anfragen. Die kann da sicherlich behilflich sein.

Das Album “Uthlande” kannst du dir hier kaufen.*

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Und so hört sich das an:

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Turbostaat live 2020:

13.02. – Jena, Kassablanca
14.02. – Köln, Kantine
15.02. – Mainz, KuZ Kulturzentrum
18.02. – Hamburg, Markthalle
19.02. – Hamburg, Markthalle (Ausverkauft)
20.02. – Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.02. – Berlin, Festsaal Kreuzberg (Ausverkauft)
22.02. – Dresden, Tante Ju
02.04. – Lübeck, Treibsand
03.04. – Bremen, Schlachthof
04.04. – Düsseldorf, Zakk
05.04. – Aschaffenburg, Colos Saal
07.04. – Marburg, KFZ
08.04. – Wien, Werk (AT)
09.04. – Leipzig, Conne Island (Zusatzkonzert)
11.04. – Rostock, M.A.U. Club
12.04. – Leipzig, Conne Island
30.10. – Hannover, Capitol
31.10. – Münster, Sputnikhalle

Die Rechte für das Albumcover liegen bei PIAS.

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