Interview mit Don Airey (Deep Purple) über die Rival Sons!

Don Airey
„Ich muss sagen, dass sie uns ganz schön Angst gemacht haben, als sie der Tour beigetreten sind.“
(Don Airey über die Rival Sons)

(English version below.) Derzeit befinden sich Deep Purple mitten in ihrer weltweiten „Long Goodbye Tour“. Vor dem nächsten Tournee-Abschnitt, der im November dieses Jahres beginnt, hat sich Keyboarder Don Airey Zeit für ein Interview mit minutenmusik genommen. Der seit 2002 anstelle von Jon Lord für die Tasteninstrumente bei Deep Purple zuständige Virtuose erzählt uns nicht nur von seinen eigenen Musikbusiness-Erfahrungen und seiner Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, sondern geht auch auf die Frage ein, worauf es heutzutage ankommt, wenn man als junge Band eine große Musikkarriere anstrebt. So sprachen wir mit Don Airey auch über die Qualitäten der kalifornischen Rock ’n’ Roll – Hoffnung Rival Sons. Die 2008 gegründete Band durfte bereits im Vorprogramm von Deep Purple spielen.

minutenmusik: Im Laufe der Jahre hast du mit zahllosen Musikern gearbeitet. Welche Qualitäten musikalischer und zwischenmenschlicher Natur hast du am meisten zu schätzen gelernt?

Don Airey: Originalität, Geschwindigkeit beim Denken und in der musikalischen Ausführung, Bescheidenheit und Humor sind immer das Erkennungszeichen für einen guten Musiker.

minutenmusik: Welche deiner eigenen Fähigkeiten haben sich erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Don Airey: Bei den kompositorischen Fähigkeiten ist es in den letzten zehn Jahren oder so wirklich vorwärtsgegangen. Ich habe festgestellt, dass es mehr ein Frage des Fleißes und harter Arbeit ist, woraus Ergebnisse hervorgebracht werden, als irgendein plötzlicher Anstieg meiner eher bescheidenen Kompositionsfähigkeiten. Ich bin auch geübter darin geworden, eher die lustige Seite der vielen nachteiligen Situationen zu sehen, die einem als umherziehender Musiker entstehen.

minutenmusik: Gibt es offensichtliche Unterschiede im Verhalten etablierter und eher unbekannter Musiker, mit denen du gearbeitet hast?

Don Airey: Ja, eher, als dass sie es nicht tun, neigen die unbekannten dazu, schreckliche Ego-Probleme zu haben, Illusionen von Erhabenheit, Mangel an Mitgefühl, und es ist weitaus schwieriger, mit ihnen zu arbeiten als mit etablierten Spielern, selbst mit denen, die einen Ruf haben, temperamentvoll zu sein.

minutenmusik: Egal wie talentiert oder professionell man ist, manchmal hat man schlechte Presse, Rezensionen können harsch ausfallen… Wie gehst du mit negativer Kritik um?

Don Airey: Für einen professionellen Musiker gibt es nichts Besseres, als eine Rezension zu lesen, die von einem professionellen Journalisten für eine nationale Zeitung geschrieben wurde. Besonders die negativen, denn daran lernst du viel darüber, was in deinem Set funktioniert und was nicht. Wie Rabbie Burns sagte: Das Härteste im Leben ist, dich so zu sehen, wie andere dich sehen.

minutenmusik: Welche Fähigkeiten scheinen die wichtigsten zu sein, wenn man im Rockmusik-Business kommerziell erfolgreich werden will? Haben sich über die Jahre hinweg Dinge verändert?

Don Airey: Du brauchst eine Kombination aus Talent, einem Glauben an dich selbst und extremer Hartnäckigkeit, damit du es schaffst.. In den letzten paar Jahren hat sich im Rockbusiness alles verändert, aber je mehr es sich verändert hat, desto mehr ist es gleich geblieben. Du musst in der Lage sein, zu spielen und mit Leuten klarzukommen.

minutenmusik: Um Aufmerksamkeit zu erregen, werden Support-Gigs gespielt. Was macht einen Vorbandauftritt zu einem guten Auftritt?

Don Airey: Sie müssen rocken und eine gute Show aufziehen, in einer kürzeren Zeitspanne, als sie es gewohnt sind.

minutenmusik: Wie werden die Vorbands von Deep Purple ausgewählt? Werden sie von der Band handverlesen?

Don Airey: Nein, sie werden von Agenten und Promotern ausgewählt.

minutenmusik: DeWolff aus den Niederlanden haben euch in Krefeld supportet. Ihr Schlagzeuger Luka erzählte mir, dass Roger Glover das Set vom Bühnenrand aus verfolgt hat. Zollst du den Darbietungen der Vorbands regelmäßig Aufmerksamkeit?

Don Airey: Roger und ich schauen uns – ganz selbstverständlich – jede Nacht zumindest ein wenig vom Set der Vorband an. Ich erwische für gewöhnlich die erste Viertelstunde, Roger, Gin und Tonic in der Hand, die Mitte des Sets!!

minutenmusik: Pflegst du den Kontakt zu manchen eurer Vorbands, wenn die Tour vorbei ist?

Don Airey: Nicht sehr oft. Wille and the Bandits, eine Band aus Plymouth, waren eine Ausnahme, und natürlich wurden die Rival Sons gute Freunde, als wir 2015 mit ihnen tourten.

minutenmusik: Die Rival Sons aus Kalifornien haben euch Ende 2015 supportet. Sie haben schon für einige legendäre Bands gespielt, darunter Black Sabbath, Aerosmith, Kiss und The Rolling Stones! Was gefällt dir persönlich an den Rival Sons? Warum sollte man sie sich live ansehen?

Don Airey: Sie sind eine großartige Band, sowohl was das Spielen angeht, als auch was die Songs anbelangt. Es sind auch angenehme Menschen. Ich muss sagen, dass sie uns ganz schön Angst gemacht haben, als sie der Tour beigetreten sind.

minutenmusik: Hast du ein Lieblingslied von den Rival Sons?

Don Airey: Ja, ihren Opener, Electric Man. Ein zweiter Favorit ist Hollow Bones Pt 2.

minutenmusik: In der O2 Arena in London haben Deep Purple den Rival Sons – Gitarristen Scott Holiday dazu eingeladen, bei „Smoke on the Water“ auf der Bühne mitzuspielen. War das eine ganz spontane Performance oder hattet ihr Zeit zum Proben?

Don Airey: Machst du Witze?! – Erwachsene Männer, die proben!. Wahrscheinlich hat SOTW in meiner Zeit mit der Band nie besser geklungen.

minutenmusik: Wie würdest du Jay Buchanans Performance und seine stimmlichen Fähigkeiten im Vergleich mit berühmten Frontmännern aus der Geschichte des Rock ’n‘ Roll einstufen?

Don Airey: Er ist ein umwerfender Performer, und völlig originell, daher sind Vergleiche nicht wirklich relevant. Gleichwohl kommt Jim Morrison einem öfters in den Sinn, wenn man ihn sich anschaut.

minutenmusik: Vor ein paar Jahren, während ihrer „Head Down“ Tour, erklärte Jay Buchanan mir, warum er öfters ins Studio gehen wollte – er wollte ein „konstantes Bild dessen haben, wer wir sind.“ Wie ist es für dich, gewisse alte Songs immer und immer wieder zu spielen? Wie wichtig ist es, neues Material hervorzubringen und es dann auch vor Publikum live zu spielen?

Don Airey: Das ist die Essenz davon, in einer Rock ’n‘ Roll – Band zu sein. Andernfalls wirst du nur zu einem Cover deiner selbst.

minutenmusik: Hattest du jemals das Gefühl, die Erwartungen anderer zu erfüllen, statt deine eigenen Ziele in der Musikproduktion zu verfolgen?

Don Airey: Nein, sie sollten ein und dieselben sein.

minutenmusik: Künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit können durch verschiedenartige Faktoren beschränkt werden. Wie einschränkend kann ein Bandumfeld für den individuellen Musiker sein?

Don Airey: In einer guten Band fällt einem immer die religiöse Wendung „whose service is perfect freedom“ ein.

minutenmusik: Heutzutage werden viele Bands als „retro“ bezeichnet, wenn sie musikalische Elemente verwenden, die schon vor Jahrzehnten verwendet wurden. Ich denke, dass viele Rezensenten, die den Begriff verwenden, dazu neigen, die Qualitäten neuerer Bands lediglich auf die Reproduktion etablierter Elemente zu reduzieren. Was hältst du davon, wenn Bands so etikettiert werden? Würdest du DeWolff oder die Rival Sons als „retro“ bezeichnen?

Don Airey: Ja, ich denke, dass es in gewisser Hinsicht stimmt. Aber Journalisten suchen immer nach Kategorien, Trends etc., um sich das Schreiben von Artikeln zu erleichtern. Keine dieser Unterscheidungen oder Trends existieren wirklich in den Köpfen derer, die die Musik machen.

minutenmusik: Glaubst du, dass es für neue Rock ’n‘ Roll – Bands nach wie vor möglich ist, so berühmt und populär wie Deep Purple zu werden, oder sind diese Tage jetzt vorbei?

Don Airey: Leute, da draußen gibt es eine neue Band, die die Welt im Sturm erobert. Greta van Fleet. Ich wünsche ihnen alles Gute. Als ich sie vor einem Monat in London gesehen habe, haben sie mich aus den Socken gehauen! Zieht sie euch rein.

Don Airey auf Tour mit Deep Purple:

06.11.2017 Stockholm, Annexet
08.11.2017 Trondheim, Spektrum
09.11.2017 Oslo, Spektrum
11.11.2017 Helsinki, Helsingin Jäähalli
13.11.2017 Kopenhagen, Valby Hallen
17.11.2017 Birmingham, Arena Birmingham
18.11.2017 Manchester, Manchester Arena
20.11.2017 Cardiff, Motorpoint Arena
22.11.2017 Glasgow, The SSE Hydro
23.11.2017 London, The O2

„Time For Bedlam“ aus dem aktuellen Deep Purple – Album „inFinite“:

Deep Purple: Website / Facebook / Twitter

Don Airey: Website / Facebook / Twitter

Die Bildrechte für das Titelbild liegen bei Paul Bergen.

ENGLISH VERSION:

minutenmusik: Over the years you have worked with countless musicians. Which qualities – musical and interpersonal – have you learned to appreciate most?

Don Airey: Originality, speed of thought and musical execution, humility and humour are always the sign of a good musician.

minutenmusik: Which of your own skills have only developed in the course of time?

Don Airey: Compositional ones have really come on over the last ten years or so. Have found that
it is more a case of application, and hard work, that yield the results rather than any sudden increase in my rather modest composing ability. Also have become rather more adept at seeing the funny side of the many adverse situations that occur as an itinerant musician.

minutenmusik: Are there any obvious differences between the behaviour of established and rather unknown musicians you have worked with?

Don Airey: Yes, the unknown ones tend more often than not, to have terrible ego problems, illusions of grandeur, lack of empathy, and are far more difficult to work with than established players, even those who have a reputation for being temperamental.

minutenmusik: No matter how talented or professional you are, sometimes you will get a bad press, reviews can be harsh… How do you deal with negative criticism?

Don Airey: There is nothing better for a professional musician to read than a review written by a professional journalist for a national newspaper. Especially the negative ones, because you can learn a lot about what is working in your set, and what isn’t. As Rabbie Burns said, the hardest thing in life is to see yourselves as others see you.

minutenmusik: Which skills seem to be the most important ones if you want to become commercially successful in the rock music business? Have things changed over the years?

Don Airey: You need a combination of talent, self belief, and extreme obstinacy to make it.. Everything has changed in the rock business over the last few years, but, the more it has changed, the more it has remained the same. You need to be able to play, and to get on with people.

minutenmusik: Support gigs are played in order to attract attention. What makes a support act’s performance a good one?

Don Airey: They gotta rock, and put on a good show in context of a shorter timespan than they will be used to.

minutenmusik: How are the support acts for Deep Purple chosen? Are they hand-picked by the band?

Don Airey: No, chosen by the agents and promoters.

minutenmusik: DeWolff from the Netherlands supported you in Krefeld, Germany. Their drummer Luka told me that Roger Glover watched the set from the edge of the stage. Do you regularly pay attention to the support acts’ performances on stage?

Don Airey: Roger and myself always, as a matter of course, watch at least some of the support band’s set every night. I usually catch the opening quarter of an hour, Roger, gin and tonic in hand, the middle of the set!!

minutenmusik: Do you maintain contact to some of your support bands when the tour is over?

Don Airey: Not very often. Wille and the Bandits, a band from Plymouth were an exception and of course Rival Sons became good friends when we toured with them in 2015.

minutenmusik: Rival Sons from California supported you in late 2015. They have already played for a number of legendary bands, including Black Sabbath, Aerosmith, Kiss and The Rolling Stones! What do you personally like about Rival Sons? Why should people see them live?

Don Airey: They are a great band, both playing-wise and song-wise. Lovely people too. They gave us quite a fright I have to say when they joined the tour.

minutenmusik: Do you have a favourite Rival Sons song?

Don Airey: Yeah, their opener, Electric Man. Second favourite Hollow Bones Pt 2.

minutenmusik: At the O2 Arena in London Deep Purple invited Rival Sons guitarist Scott Holiday to play “Smoke on the Water” with them on stage. Was that an impromptu performance or did you have some time to rehearse with him?

Don Airey: You kidding?! – grown men, rehearsing!. It was probably the best SOTW ever sounded in my time with the band.

minutenmusik: How would you classify Jay Buchanan’s performance and his vocal abilities in comparison to famous frontmen in rock ’n‘ roll history?

Don Airey: He’s a stunning performer, and completely original so comparisons are not really relevant. Having said that, Jim Morrison often comes to mind when watching him.

minutenmusik: Some years ago, during their “Head Down” Tour, Jay Buchanan explained to me why he wanted to visit the studio more often – he wanted to “have a constant picture of who we are”. What is it like for you to play certain old songs over and over again? How important is it to come up with new material and actually play it live in front of people?

Don Airey: It’s the essence of being a rock and roll band, otherwise you just become a cover of yourselves.

minutenmusik: Have you ever had the feeling that you satisfied other people’s expectations instead of pursuing your own goals in music production?

Don Airey: No. They should be one and the same.

minutenmusik: Artistic freedom and independence can be restricted by various factors. How restrictive can a band context be for the individual musician?

Don Airey: In a good band, the religious phrase, „whose service is perfect freedom“ always comes to mind.

minutenmusik: Nowadays, lots of bands are called “retro” when they use musical elements that were already used decades ago. I think that many reviewers who use this term tend to reduce the qualities of newer bands to the reproduction of established elements only. What do you think about labelling bands like this? Would you call DeWolff or Rival Sons “retro”?

Don Airey: Yes, I think in some ways it’s true. But journalists are always looking for categories, trends etc, to make it easier for them to write articles. None of these distinctions or trends really exist in the minds of those creating the music.

minutenmusik: Do you believe it is still possible for new rock ’n‘ roll bands to become as famous and popular as Deep Purple? Or are these days over now?

Don Airey: There’s a new band out there folks taking the world by storm. Greta van Fleet. I wish them well. When I saw them in London a month ago they blew my socks off. Check ’em out.

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