Interview mit Enter Shikari über „The Spark“!

Beim Mini-Rock-Festival am 05.08.2017 haben wir uns mit Rou Reynolds (Sänger) und Rob Rolfe (Drummer) von Enter Shikari zusammengesetzt und über ihre musikalische Veränderung auf dem neuen Album „The Spark“ geplaudert, das am 22. September erscheinen wird.

minutenmusik: Wir sind heute beim Mini-Rock-Festival mit Rob und Rou von Enter Shikari. Danke, dass ihr euch die Zeit für uns nehmt!

Rob & Rou: Gerne!

minutenmusik: Diese Woche habt ihr eure neue Single „Live Outside“ veröffentlicht, die ziemlich anders klingt als eure vorherigen Veröffentlichungen. Wie nervös wart ihr bezüglich der Reaktionen?

Rob: Sehr! Also ich persönlich war sehr viel nervöser als bei unseren vorherigen Veröffentlichungen, einfach weil ich diese Art von Musik um einiges lieber mag als jede andere Musik, die wir bisher veröffentlicht haben. Ich meine, versteh‘ ich mich nicht falsch, ich mag auch unsere andere Musik, aber von dieser war ich so begeistert, dass ich das Gefühl hatte, dass mich die Reaktion der anderen Leute mehr betreffen würde. Es gab einen so langen Aufbau bis zu dieser Veröffentlichung, dass es sich irgendwie angefühlt hat wie ein Kessel, in dem sich immer mehr und mehr Druck aufgebaut hat, und jetzt ist es endlich draußen und man kann sich entspannen.

minutenmusik: Das Musikvideo zu „Live Outside“ erinnert ein bisschen an die Netflix-Serie Black Mirror oder auch den Roman 1984 von George Orwell. War das beabsichtigt?

Rou: Nun, Regisseur Bob (Anmerkung der Redaktion: Bob Gallagher) kam mit dieser Idee – es ist so gesehen sein Baby. Wir waren sehr beeindruckt von seinen bisherigen Werken – er hat ein paar wirklich coole Videos gemacht! Und… wir haben es einfach gefühlt. Es passte richtig gut mit der Bedeutung des Songs zusammen und auch die Ästethik, dieser sterile, Kubrick-artige Look (Anmerkung der Redaktion: Stanley Kubricks, Regisseur von „Uhrwerk Orange“) – wir wussten einfach: das ist es!

minutenmusik: Für die Promo zu „Live Outside“ habt ihr all eure Instagram-Inhalte gelöscht. Gab es da eine tiefere Botschaft oder wolltet ihr einfach nur eure Fans verwirren?

Rou: Das war so gesehen ein klarer Schnitt! Jetzt beginnt für uns eine neue Ära und wir fühlen uns mehr denn je wie eine neue Band. Naja, keine neue Band, aber…

Rob: …ein neues Kapitel!

Rou: Ja! Es fühlt sich nach einem größeren Sprung vorwärts an, als bei unseren anderen Abschnitten und Alben bisher.

Rob: Wir wollten einen Neuanfang machen. Außerdem ist es immer ganz gut, die Erwartung ein bisschen zu steigern, ehe eine neue Single veröffentlicht wird.

minutenmusik: Das hat auch echt gut funktioniert! Sind die alten Fotos denn nun für immer verschwunden?

Rob: Nein.

Rou: (gleichzeitig) Vielleicht.

Beide lachen.

minutenmusik: Im September wird euer neues Album „The Spark“ veröffentlicht. Bisher habt ihr immer sehr politische und ökologische Themen in euren Songs behandelt – ist es das, was wir auch von den neuen Songs erwarten können?

Rou: Ja, doch, so ziemlich! Es gibt einen größeren Zusammenhang zwischen der psychologischen und der soziologischen Seite. Insgesamt sind die Texte enthüllender und offener. Aber es gibt auch für uns typische Themen, die angesprochen werden.

minutenmusik: Also wird „The Spark“ ein sehr persönliches Album?

Rou: Ja, auf jeden Fall das bisher persönlichste.

minutenmusik: Es war das erste Mal, dass David Kosten zusammen mit Rou ein Enter Shikari Album produziert hat. Wie kam es dazu?

Rob: Wir haben zwei wirklich fantastische Alben mit Dan Weller gemacht. Die Arbeit mit ihm hat gut funktioniert und wir mögen ihn wirklich sehr als Menschen, aber wir hatten das Gefühl, wir sollten einen Schritt beiseite machen und alles ein bisschen verändern. Wir wussten, dass der Sound dieses Albums eine größere Entwicklung darstellen würde, als unsere bisherigen Sprünge. Das hat unsere Art zu Denken und an die Dinge heran zu gehen etwas verändert, so dass wir während des Aufnahmeprozesses gedacht haben, wir sollten mal jemand Neues probieren. Wir haben uns verschiedene Produzenten angesehen, bevor wir mit dem Eingemachten des Aufnahmeprozesses gestartet sind. Mit David haben wir uns direkt verbunden gefühlt und konnten die beste Balance zwischen etwas kreativem und künstlerischem erreichen. Auf der einen Seite konnten wir experimentieren, aber zugleich auch professionell arbeiten und unsere Deadline einhalten. Wir wussten einfach, dass wir mit ihm am Ende ein fertiges Album bekommen und es hat wirklich gut geklappt – David ist ein großartiger Kerl, von dem wir sehr froh sind, ihn gewählt zu haben.

minutenmusik: Einige Fans befürchten, dass Enter Shikari mit ihrem neuen Sound nun eine Mainstream-Radio-Band werden. Eure Meinung?

Rou: Wir versuchen es! Sehr! (lacht) Aber ich glaube nicht, dass das möglich sein wird. Ich weiß um ehrlich zu sein gar nicht mehr, was genau das überhaupt bedeutet. Wir wurden schon so oft im Radio gespielt. Sogar Juggernauts vom Album Common Dreads ist von großen Radiostationen gespielt worden. Wenn auf der einen Seite der Underground ist und auf der anderen Seite der Mainstream, dann waren wir schon immer irgendwo auf der Grenze und ich denke, da werden wir auch immer bleiben. Ich bin sehr an Melodien und Struktur und Pop-Musik interessiert und werde sowohl von der Vergangenheit als auch von der Gegenwart und der musikalischen Kraft der Zukunft inspiriert. Ich denke, wir werden immer versuchen, dass mehr Menschen unsere Musik hören. Ich weiß nicht, aber wenn man irgendeine Form der Kunst erschafft, möchte man ja schließlich auch, dass Menschen sie sehen oder, in unserem Fall, hören.

Rob: Ich denke auch nicht, dass es eine einzige Band gibt, die davon genervt ist, dass mehr Menschen ihre Musik hören.

Rou: Es gab mal diese Punk-Band, in den späten 70ern/Anfang der 80er Jahre, die Titelseiten des NME Magazins und so verweigert haben. Das ist eine Version davon, wie Punk aussehen kann, aber ganz ehrlich… ich kann mich nicht mehr an ihren Namen erinnern. Verstehst du, was ich meine? Ich denke, das beweist wahrscheinlich meinen Standpunkt. Ich möchte, dass Menschen wissen, wer wir sind. Das ist kein Geheimnis: ich möchte mit so vielen Menschen wie möglich eine Verbindung aufbauen.

Rob: Ich denke, was die Angst vieler Leute beim Thema „Mainstream werden“ betrifft, befürchten sie, dass wir unsere Integrität und unsere „Echtheit“ verlieren. Dieses ganze „sich selbst verkaufen“ – ich denke nicht, dass es für uns als Band möglich wäre, Musik zu schreiben, an die wir nicht wirklich glauben oder dass wir die Integrität unserer Musik verlieren könnten. Ganz egal, wie oft wir im Radio gespielt werden!

minutenmusik: Aber können die Fans härtere Songs als „Live Outside“ auf dem neuen Album erwarten?

Rou: Ja.

Rob: Es ist auf jeden Fall ein sehr vielseitiges Album, so wie all unsere Alben. Da muss man wohl einfach abwarten und es herausfinden! (lacht)

Rou: (lacht) Es gibt weicheres, es gibt ruhigeres, es gibt lauteres, es gibt schnelleres – es ist ein Enter Shikari Album!

minutenmusik: Wo wir gerade bei Fans sind: Für „The Spark“ bietet ihr verschiedene Pakete zum Vorbestellen in eurem Shop an. Eine Sache – die Vinyl in mintgrün – ist bereits ausverkauft und es kommen täglich weitere Vorbestellungen. Wie sehr freut ihr euch darauf, das ganze Zeug zu signieren?

Beide lachen.

Rob: Wir haben Tage, an denen wir ins Büro müssen und eine Art… Kette aufbauen.

Rou: So ziemlich genau wie im „Live Outside“ Video! (lacht)

Rob: (lacht) Ja, genau wie im Video! Wir unterschreiben, geben es weiter, unterschreiben, geben es weiter! Und das kann echt stundenlang so gehen! Ein Stapel nach dem anderen! Wenn wir in einen guten Flow kommen, machen wir ein bisschen Musik an und kommen irgendwie in einen bestimmten Rhythmus. Aber sobald ein schwacher Punkt in der Kette besteht, dann staut es sich und wir bekommen ein Problem! (lacht) Aber sonst haben wir da meist ein gut funktionierendes Fließband-System und es läuft. Wir haben das Ganze auch schon zu einem lustigen Spiel umfunktioniert.

Rou: Wenn man an solchen Tagen abends schlafen geht, träumt man auch erstmal von der Fließbandarbeit und wacht irgendwann ganz erschrocken davon auf! (lacht)

Rob: Manchmal fügen wir auch kleine Details hinzu – malen zum Beispiel alle 200 Alben mal einen Smilie auf ein oder zwei Exemplare oder schreiben ein „Danke, dass du das Album gekauft hast!“ mit drauf.

minutenmusik: (lacht) Wenn ihr auf eure Karriere zurückblickt: was war euer bisher stolzester Moment?

Rob: Stolzester… (überlegt) Dieses Jahr Headliner beim Slam Dunk Festival in der UK zu sein war ziemlich groß! Das war ein sehr stolzer Moment für mich, das fühlte sich wirklich gut an. (überlegt weiter) Das erste Mal, das wir auf der Hauptbühne beim Reading Festival spielen durften. (überlegt weiter)

Rou: Es gab diese großen, entscheidenden Momente…

Rob: Karriere-definierende Momente.

Rou: Ja, genau. Aber dann gibt es auch andere Momente, wie zum Beispiel sich mit einer Person zu unterhalten, die dir erzählt, wie sehr ihr deine Musik durch eine schlimme Zeit in ihrem Leben geholfen hat oder sowas. Wie unsere Musik ihr Kraft gegeben hat. Das ist dann auch so ein wirklich schöner Moment, in dem man merkt, dass man einen Einfluss auf das Leben von Jemandem hatte.

minutenmusik: In diesem Winter seid ihr wieder auf Tour in der UK und Europa. Die Locations sind dieses Mal viel größer als bisher. War es das jetzt mit kleinen Club-Shows?

Rob: Wir haben gerade erst eine kleine Club-Show vor ungefähr 300+ Menschen gespielt. Das war sogar unser letzter Gig aktuell! Deshalb wahrscheinlich eher nicht. Aber das Beste an den größeren Räumen ist, dass wir mehr reinstecken und mehr damit machen können. Wir haben dadurch die finanziellen Möglichkeiten, eine viel größere Produktion zu erschaffen, als nur die Band und ihre Musik. Wir können dadurch alle Sinne ansprechen und eine Verbindung… ein Ding erschaffen – mir fällt das richtige Wort dafür gerade nicht ein. Ich glaube, wir genießen auch die großen Bühnen mehr, weil es dort viel mehr Platz gibt um herumzurennen. Also… nicht, dass ich jetzt besonders viel herumrennen würde – ich sitze die ganze Zeit hinter meinem Drumkit – aber ich weiß, wie frustriert die anderen Drei werden, wenn sie auf einer kleinen Bühne eingeengt sind und ihre Energie nicht richtig freisetzen können, weil der Platz dafür fehlt. Aber es gibt trotzdem immer Gründe dafür, auch mal kleinere Shows zu spielen um mal wieder das Weiße im Auge der Menschen zu sehen. (lacht)

minutenmusik: Ihr werdet dieses Mal auf der Tour auch ein spezielles Sound-Equipment mitbringen, das ihr schon einmal benutzt habt. Könnt ihr uns dazu mehr erzählen?

Rou: Wir wissen es noch nicht ganz genau, aber ein paar Städte in Europa werden Surround-Sound bekommen, der besser ist, als das letzte Mal. Wir wissen bisher aber noch nicht genau, welche Hallen fähig sind, ihn einzusetzen. Aber wir hoffen, dass es ein paar sein werden!

Rob: Für alle, die jetzt nicht bei unserer Arena Show letztes Jahr gewesen sind: Surround-Sound bedeutet in dem Fall, dass zwei Säulen vorne ganz normal an der Bühne stehen, von denen der Sound kommt. Aber wir stellen auch zwei Säulen in den hinteren Teil der Halle, so dass der Sound quasi von allen Seiten kommt und um deinen gesamten Kopf schwirrt. Also quasi wie eine Surround-Sound Stereoanlage für den Fernseher, mit dem du hinter dir plötzlich Schüsse hörst und Gewehrkugeln an deinem Kopf vorbei zischen. Ich meine, das ist jetzt nur ein Beispiel aus dem Film „Der Soldat James Ryan“ aber je nachdem, welchen Film du schaust…! (lacht) Das ist das, was ich damit meinte, dass man in den größeren Hallen mehr zur Show und dem ganzen… Paket hinzufügen kann. Dem ganzen… was-auch-immer-das-Wort-ist-das-mir-nicht-einfällt! … Erlebnis!! Ich glaube, das ist es. Das ganze Erlebnis!

minutenmusik: (lacht) Rou, viele Leute sind auch große Fans deiner Katze Freya. Dürfen wir uns darauf freuen, dass sie als Background-Tänzerin mit auf Tour kommt?

Rou: (lacht) Background-Tänzerin… Ich hab ihr nicht beigebracht, wie man tanzt. Ich bin auch nicht ganz sicher, wie das funktionieren würde. Aber sie könnte natürlich kommen und Pfötchen geben oder einfach auf der Bühne umher trotten.

Rob: Sie könnte sich säubern! … Säubern? Ist das überhaupt ein Wort? Boah, ich bin echt schlecht mit Wörtern heute.

Rou: Sich putzen.

Rob: Sich sauber machen? Oder irgendwie sowas. (lacht) Nächste Frage!

minutenmusik: (lacht)

Rou: Aber Freya lässt sich Meet & Greets bezahlen, also… Sie ist nicht so richtig Punk.

Rob: Ich wette, Menschen würden dafür bezahlen, sie zu treffen! (lacht)

Rou: (lacht) Ja! Ihr Ego muss nicht mehr gefüttert werden. Sie ist ne richtige Diva!

minutenmusik: (lacht) Okay, das war es von unserer Seite aus – gibt es noch etwas, das ihr gerne loswerden möchtet?

Rob: Danke für all euren Support!

Rou: Ja!

Rob: Wir freuen uns sehr darauf, das Album zu veröffentlichen und hoffen, euch alle auf der Tour Ende des Jahres zu sehen! Das wird ein großes Jahr für uns – wir sind sehr aufgeregt.

minutenmusik: Danke!

 

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