8kids – Denen die wir waren

Im Bereich des Posthardcore erlebte die deutschsprachige Musikszene in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. Bands wie Fjørt oder Heisskalt konnten mit ihren emotionalen und brachialen Alben gar in unzählige Jahresbestenlisten einsteigen. Auch die 8kids aus Darmstadt haben sich diesem Genre verschrieben und konnten schon mit ihrer 2016 erschienen EP „Dämonen“ überzeugen. Im Vorfeld zum Debütalbum wurde der Song „Zeit“ veröffentlicht. Passend zum Titel hört man eine Uhr ticken, dann beginnt Jonas Jakob mit den Zeilen „Lehn’ Dich noch einmal an mir an und lass mich wissen ob du das Beste warst, das jemals in mir lebte“. Durch den enorm emotionalen Gesang gehen Zeilen wie diese direkt unter die Haut und so ließ das Lied schon sehnsüchtig auf das Album warten.

Als zweite Single wurde dann „Zerbrechen“ vorgestellt, welche im Gegensatz zu „Zeit“ ein wahres Moshpit-Ungetüm ist. In kurzer Zeit stürmen hier Drums, Gitarre und Gesang nach vorne und bieten viel Raum für Aggressionsbewältigung. Zwischen diesen beiden Polen, Emotionalität und Post-Hardcore-Wucht, bewegen sich die 8kids über den Verlauf des Albums hinweg. Dennoch entsteht auch genügend Raum für ruhige Töne, wie in den Anfängen von „Geist“ oder „Winter in dir“. Im Vergleich zu anderen Vertretern des Genre kann den Musiker*innen zudem eine gewisse Nähe zum Songwriting der Popmusik zugeschrieben werden. Das zeichnet sich durch enorm melodiöse und eingängige Lieder aus, von denen nahezu alle das Zeug zum Ohrwurm und Hit haben. Trotzdem bleibt musikalisch ein hohes Maß an Intensität und Härte über, so dass gespannt auf eine Live-Umsetzung gewartet werden kann.

Post-Hardcore ist ja ohnehin das Genre der großen Emotionen, insbesondere der dramatischen und negativen. Thematisch folgen die 8kids diesen Standards: in „Bordsteinrand“ wird so über die ehemaligen Freunde gesprochen, die in schwierigen Zeiten nicht mehr da sind, „Kamintrophäe“ widmet sich wiederum dem Thema Mobbing, dessen Folgen und den Tätern. Im besonders emotionalen Stück „Kann mich jemand hören“ wird dann Depression und Suizid aufgearbeitet. Erzählt wird die Geschichte einer Person, die sich zunächst jemanden wünscht, der für sie da ist. Am Ende des Songs wird dann vom Ende dieses Lebens erzählt und die Frage gestellt, wie niemand die Depressionen bemerkt hatte. Auffallend unterschiedliche Thematiken werden in den 13 Songs angesprochen, so dass eine große Vielfalt geboten wird. Zudem können die meisten der Themen wohl von den Hörer*innen nachempfunden werden. Wenn die letzten Töne von „Winter in dir“ verklingen, wird einem wohl bewusst, was für eine emotionale Achterbahnfahrt man soeben durchgemacht hat. Wenn die 8kids dieses extrem hohe Niveau auch in den nächsten Veröffentlichungen beibehalten, könnten sie wohl in naher Zukunft zur Elite des deutschsprachigen Post-Hardcore gehören.

Und so hört sich das an:

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Coverrechte liegen bei Napalm Records.

8kids live 2017:

  • 30.05.2017 Sonic Ballroom Köln
  • 31.05.2017 Astra Stube Hamburg
  • 01.06.2017 Maze Berlin
  • 02.06.2017 Strom München
  • 03.06.2017 Weststadthalle Essen

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