Anfang 2026 und Pöbel MC verkauft das FZW aus. Das hätten sich vor einigen Jahren wohl weder die Fans noch Pöbel selbst ausmalen können. In den letzten Jahren konnte sich Christian Erll (so der Name im Ausweis) aber – vor allem in linken Kreisen – zu einer echten Institution im Deutsch-Rap hocharbeiten. Mit dem Reclam-Doppel „Bildungsbürgerprolls“ (2020) und „Dr. Pöbel“ (2024) ging es dann fix in die großen Hallen. Das FZW Dortmund ist das Konzert-Debüt für 2026 und ganz offensichtlich voller Vorfreude.
S.O.S. Atzenalarm
Zumindest erkennt man die Vorfreude an den etlichen Merch-Produkten, die die Leute im Publikum tragen. Etwas weniger enthusiastisch sind die Fans dann während des Warm-Up-Gigs von Toms Beats. Der liefert recht stabilen, linken Battle-Rap mit viel Platz für Mental Health und Class Awareness. Funktioniert eigentlich gut, so ganz wollen die Punchlines aber nicht im Publikum ankommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Beats hier etwas weniger knallen als beim Main Act.
Der kommt Punkt 21 Uhr auf die Bühne und ab dann ist Abriss. Das ganze Publikum rappt die Lyrics mit, die Stimmung ist auf Anschlag. Pöbel ruft seine Atzen zur Eskalation auf, es gibt etliche Songs über Alkoholeskalationen und Party. Aber das ist nicht einfach ein Dulli-Rap-Konzert.
Söhnlein Brilliant
Das Alk-Abkulten mal außen vor macht Pöbel ganz bewusst vieles anders: Es gibt ein mehrköpfiges Awareness-Team, Macker werden vor dem Konzert dazu aufgerufen, ihre Shirts anzulassen, zu „Boys Cry“ gibt es einen FLINTA-only-Moshpit & der Aufruf, die „Nazis raus“-Slogans auch in strukturellen Aktivismus umzuwandeln hat auch eine gewisse Schlagkraft. Auf der Bühne passiert eigentlich nicht viel, aber die Energie, die Pöbel gemeinsam mit Haus und Hof-DJ hier hochbringt, schlägt komplett aus Publikum aus. Vor allem bei den größten Hits wie „Bock auf Crime“, „Dilflife“, „Heliaktion“ und natürlich „Kokainobelix“ bebt das ganze FZW.
Besondere Momente sind dazu sicherlich das emotionale „Wind“, das mit einem Live-Bläserintro startet, und das konträre Drum’n’Bass-Finale, für das Pöbel zu Multilingual Mike wird und das Publikum komplett dumm geht. Wer ein Herz für Zecken-Rap hat und einen Rapper sucht, der sich smart an Themen wie Zugehörigkeit, Klassismus und Faschismus stark macht: Pöbel ist ein Guter.
Und so hört sich das an:
Beitragsbild von Julia.
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