Interview mit Kytes

Die Kytes touren gerade mit ihrem ersten Album „Heads and Tales“ durch Deutschland. Wir haben sie im Berliner Musik und Frieden getroffen und durften uns mit ihnen über ihre Musik, Fahrräder in der Spree und das Feiern im Berghain unterhalten.

minutenmusik: Wie geht es euch?

Michi: Gut! Heute ist der sechste Tourtag. Wir verstehen uns immer noch gut, wir mögen uns noch.

Tim: Die Hälfte nimmt schon Medikamente.

Michi: Das ist halt echt so, bisschen Halskratzen, zum Glück noch nicht bei mir.

Thommy: (rückt mit seinem Sessel vom Sofa weg) Ja, deswegen setze ich mich jetzt mal ein bisschen weg von denen, von diesen Bazillenschleudern.

minutenmusik: Wir sehen euch heute zum ersten Mal live. Was haben wir von euch zu erwarten? Seid ihr Rampensäue auf der Bühne?

Michi: Joooaaaa.

Tim: Ich glaube, wir sind auf der Bühne auf jeden Fall anders als normal.

Michi: Ja, wir sind ein bisschen dreckiger auf der Bühne als auf der Platte. Wir sind eine sehr energiegeladene Band, die da oben auch Spaß hat und die nicht so aussieht, als würde sie gezwungen werden, da rauf zu gehen und diese Songs zu spielen.

minutenmusik: Was macht für euch selbst ein gutes Konzert aus?

Tim: Von uns selber? Ich glaube, abgesehen von dem ganzen technischen Zeug, dass halt keine Fehler passieren auf den Instrumenten, ist es die Stimmung, wie das Publikum es aufsaugt. Man merkt eigentlich schon nach den ersten beiden Songs, ob diese Energie entstehen kann oder ob es eher so ein „Wir schauen euch zu und mustern alles“-Publikum ist.

Thommy: Ich freue mich immer, wenn man merkt, dass es dem Publikum gefällt.

Michi: Ich finde, es ist gar nicht so wichtig, ob da jetzt 20.000 Leute stehen oder ob da 50 Leute stehen. Wenn die 50 voll am Start sind, dann ist das auch geil. Und genauso bei 300 oder bei 10.000. Wenn technisch alles funktioniert, ist das sowieso schon mal immer geil, dann würden wir auch für uns selber spielen, weil deswegen machen wir den ganzen Scheiß ja, weil es uns einfach taugt. Und dass es dann auch noch irgendwelchen anderen Leuten taugt, ist eher so dieses i-Tüpfelchen.

minutenmusik: Wie ist das bei anderen Bands? Geht ihr auch oft selber zu anderen Konzerten?

Tim: (lacht) Neeee, ich war noch nie auf einem Konzert!

Thommy: Wenn man merkt, dass die Leute, die da oben stehen, echt Bock haben und nicht nur gelangweilt da stehen, finde ich persönlich das echt wichtig.

Tim: Ja, anders als Indiebands aus England oder Amerika, die hierher kommen und nicht mal wissen, in welcher Stadt sie sind und denken „Ja, wir spielen jetzt hier, weil wir spielen müssen“.

Michi: Da wir selber ganz viel Musik machen, sind wir schon eher so Musik-Nazis. Wenn uns der Sound nicht taugt, dann hat die Band halt für diesen Abend verkackt.

Tim: Ja, dann kann selbst unsere Lieblingsband einpacken.

minutenmusik: Wer ist das?

Tim: Wir haben beim Dockville die Foals gesehen und da war es auch so, dass der Sound nicht so ganz perfekt war unserer Meinung nach, weil es nicht laut genug war. Das lag auch nicht an denen, die hatten so eine Lautstärkenbegrenzung und durften wahrscheinlich nicht lauter machen.

Michi: Ja, es war einfach nur zu leise.

Tim: Und wir waren betrunken. Und dann wollen wir extrem laut Musik hören!

Michi: Ob unsere Ohren noch so funktionieren wie normale Ohren, ist auch noch so ein kleines Problem.

Tim: Wir haben die dann auch noch backstage getroffen und haben dann auch gesagt, dass es schon mal geiler war, weil es halt lauter war.

Michi: Und dann hatten wir kurz Angst vor ihm! Weil er so gesagt hat: „Hey man, how was the concert?“ „Yeah, it was nice…“ “BUT WHAAAT?” …. (ganz verschüchtert) “Okay, ehm…nothing!” Wir haben ihm dann gesagt “Hey, es war nur ein bisschen zu leise.“ „Yeah, that´s the fault of  the festival!“ Ja, aber die Foals mögen wir sehr gerne.

minutenmusik: Gibt es irgendeine Band oder einen Künstler, mit dem ihr unbedingt mal zusammenarbeiten möchtet?

Michi: Wir hätten Bock mal was mit einem Hip-Hop-Künstler zu machen.

Tim: Ja, wir haben da was am Start. Das ist ein Rapper aus Brighton, der war jetzt bei Festivals oft bei uns dabei und mit dem werden wir auch was aufnehmen. Das ist ganz geil, sowas genreübergreifend zu machen. Es bringt uns ja nichts, wenn wir was mit einer Indieband zusammen machen würden.

Michi: Naja, wenn jetzt die Strokes Bock haben, mit uns eine Colab zu machen…

Thommy: Da müssten wir dann aber auch erstmal drüber reden! (alle lachen)

Michi: Ja, aber da gibt es schon einige Vorbilder, wo wir Bock darauf hätten.

minutenmusik: Wie ist das generell für euch in der Musikbranche? Ist es eher Spaß oder eher Arbeit?

Kerim: Arbeit! Kommt aber darauf an, bei was. Also die Musik ist absolut Spaß, das Drumherum ist manchmal schon Arbeit.

Michi: Wenn wir unterwegs sind, ist es schon wirklich so. Man steht 1,5 Stunden auf der Bühne am Abend und das ist absolut mega geil. Das ist das alles, warum man das macht. Aber dann musst du halt immer Bus fahren, ausladen, umladen, einladen, abbauen, einladen, umbauen.

Kerim: Ja…Interviews geben… (wieder lachen alle)

Michi: Ja, das ist ja gechillt. Aber diese Scheißfahrerei und dieses Abbauen und Einladen, das fuckt einen richtig krass ab. Und ich hab nicht mal viel, was ich abbauen muss! Deswegen helfe ich auch dann den anderen…manchmal.

minutenmusik: Ein anderer Künstler hat mir vor kurzem erzählt, dass er lieber im Studio arbeitet als live zu spielen. Bei euch ist aber schon so, dass ihr lieber auf der Bühne seid?

Kerim: Wir sind schon ne Liveband.

Tim: Es ist voll schwer, das zu vergleichen. Wenn so ein Song im Studio entsteht und man diese Energie spürt, finde ich das schon krasser, als auf der Bühne zu stehen, weil so ein Werk entsteht, was für immer ist. Das ist viel epischer, sowas entstehen zu lassen, als auf der Bühne zu stehen.

Thommy: Das sind so zwei Facetten vom Musikersein. Erst ist man zuhause und macht das und dann ist man im Außendienst.

Tim: Das ist halt viel anstrengender, als einfach in sein Studio zu gehen. Da abzuhängen kann zwar auch anstrengend sein, aber auf Tour zu sein ist nicht easy.

Kerim: Das hat auch immer seine Phasen. Wenn du ein dreiviertel Jahr im Studio warst, dann hast du einfach kein Bock mehr, schon wieder 8-10 Stunden in dem dunklen Ding zu hocken und hast dann vor allem Bock, mal wieder zu zocken. Auf der anderen Seite, wenn du 2,5 Jahre nur gespielt hast, dann hast du auch einfach wieder Bock, neue Songs zu machen und dann auch wieder zu merken „Boah geil, es kommt was dabei raus“.

Thommy: …und einfach wieder ein bisschen für länger zuhause zu sein!

minutenmusik: Gibt es irgendwas, wo ihr unbedingt mal spielen möchtet?

Michi: Ich würde gerne mal auf dem Glastonbury spielen.

Tim: Einfach ins Ausland ein bisschen mehr!

Michi: Und das werden wir auch machen!

minutenmusik: Warum singt ihr auf Englisch?

Michi: Da gibt es drei einfache Gründe. Wir finden, es klingt einfach schöner. Alles was du in Englisch singst, ob du über Liebe oder über Kotze oder egal was singst, es klingt einfach geiler. Dann hören wir selber ungefähr nur englische Musik. Und drittens, weil wir Bock haben, halt nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu spielen, sondern auf der ganzen Welt und mit unserer Musik überall hinzukommen.

minutenmusik: Was hört ihr dann privat?

Tim: (lacht) Ich höre eigentlich nur deutschen Hip Hop.

Thommy: …und Rammstein!

Michi: Die Foals hören wir viel, die Strokes hören wir viel, Kasabian hören wir viel, Tame Impala. Ich höre auch gerne so Oldie-Zeug. Dann hören wir auch gerne mal Hip Hop, z.B. Jurassic 5 und Jedi Mind Tricks.

Tim: (zeigt auf Kerim und sich) Wir beide hören auch noch elektronische Sachen. Das haben wir auch teilweise in unseren Songs eingebaut, so unterschwellig.

Michi: Das ist so der Einfluss, der neu dazugekommen ist.

minutenmusik: Ihr kommt aus München. Warum ist München cooler als Berlin?

Thommy: Weil München kleiner ist!

Michi: Das ist ja jetzt keine Erklärung!

Kerim: Ich würde nicht sagen, dass es unbedingt cooler ist. Genauso wenig, wie ich sagen würde, dass Berlin auf alle Fälle cooler ist als München. Es hat beides seine Vor- und Nachteile. In München hast du trotzdem die Großstadt, die aber auch so ein bisschen Dorfcharakter hat. Wir wohnen mit dem Radel 15 Minuten von der Innenstadt weg und haben unseren Wald nebenan.

Michi: Wir sind in 10 Minuten an der Isar, wo du auch einen Fluss hast, wo du schwimmen kannst.

Thommy: …weil du nicht überall von alten Fahrrädern erschlagen wirst!

Kerim: Es ist halt einfach ein bisschen anders. Dafür machen aber auch die Läden spätestens um 8 Uhr zu und du kannst nichts zu trinken mehr kaufen, außer du gehst zur Tanke und zahlst den dreifachen Preis.

Tim: Ich hätte gerne einen Späti in München.

Michi: Das ist halt scheiße. München ist fett teuer. Und diese Feierkultur wie hier, dass du von Donnerstag bis Montag durchfeiern kannst, gibt es in München halt nicht, was uns aber überhaupt nicht stört, weil wir gar keinen Bock drauf hätten.

Tim: Wir sind nicht so die Techno-Club-Geher.

Thommy: Auch wenn wir hier sind. Am Anfang ist man da noch hingegangen, aber mittlerweile haben wir überhaupt kein Bock mehr. „Voll geil, hier kann man um 5 Uhr noch weggehen.“ Jaaa, aber eigentlich bin ich jetzt auch echt müde… (lacht)

Kerim: Das sieht man auch daran, dass wir jetzt ungefähr das zehnte Mal in Berlin sind und wir waren noch nie im Berghain oder im Kater Blau. Das reizt uns auch nicht. Wir würden nur hingehen, um es uns mal anzuschauen. Und dafür fünf Stunden in der Schlange stehen, um dann nicht reinzukommen…

Michi: Ja, also eigentlich gefällt es uns schon da, wo wir sind. Sonst wären wir da ja auch weggezogen. Wir sind die Hälfte vom Jahr gar nicht zuhause, wenn es uns da gefällt, warum sollen wir dann noch woandershin ziehen?

Thommy: Der Vorteil ist auch, man hat Italien vor der Tür, die Berge, das Meer…und zwar richtig Meer! Ohne diese alten Fahrräder…

Michi: Das ist wirklich geil. Du gehst an die Isar im Sommer und es fühlt sich an wie Griechenland!

Kerim: Warst du schon mal in Griechenland? Nur weil du einen Gyros in der Hand hast, fühlt es sich an wie Griechenland?

Michi: Ja, schon, ich war einmal da! Aber weißt du woran das liegt? Das liegt nur an diesen kleinen Bäumen. So stelle ich es mir in Griechenland vor und ich war auch schon mal da!

minutenmusik: Ich hab in einem anderen Interview gehört, dass Essen für euch sehr wichtig ist.

Thommy: Das ist das wichtigste! Damit steht und fällt alles!

Tim: Aber da merkt man mal, wie wichtig ihr seid! Seit 20 Minuten steht schon unser Essen da und wir lassen es einfach stehen. Das heißt schon was!

Thommy: Aber wenn es jetzt hier stehen würde, würden wir euch nicht mehr beachten. Aber gerade auf Tour ist das schon wichtig, weil man sich nicht jeden Tag einen Döner reinschieben kann.

Michi: Wir essen schon gerne cooles Zeug. Und wir haben keine Lust, jeden Tag bei Subway zu essen. Und es ist nicht egal, was wir essen, weil es auch irgendwie wichtig ist. Ich würde am liebsten jeden Tag einfach immer warm essen! Aber es ist halt meistens so, wenn wir irgendwo ankommen, das ist dann so zwischen 2 und 4 Uhr, dann gibt es eine Brotzeit, meistens Wurst- und Käsesemmeln. Und was isst du jeden Tag beim Frühstück? Wenn es kein Rührei gibt, isst du halt auch irgendeine Semmel mit Käse oder Wurst. Und dann kommst du hier an, Mittagessen! Ah, nice! Wurstsemmeln! Also natürlich kannst du nichts machen und hast keine Zeit, irgendwo snacken zu gehen, aber ein bisschen abwechslungsreich wäre schon geil.

minutenmusik: Ihr habt ja morgen einen Offday. Wie sieht das bei euch aus?

Thommy: Ich liege im Hotelzimmer und schmiere mich mit Bratensoße ein!

Tim: In Hamburg haben wir was gemacht, da waren wir Radel fahren. Das war ganz cool.

Michi: Aber das war auch der erste Offday, wo wir so aktiv waren.

Kerim: Das wichtige ist, dass jeder macht, worauf er Bock hat. Wir treffen uns jeden Tag und ich glaube, es ist wichtig, dass man das mal nicht macht. Jeder kann machen, was er will. Der eine pennt länger, der andere geht in der Früh laufen, der andere schwimmen. Okay, das macht keiner, aber sowas in der Art.

Michi: Hier in Berlin pennen wir immer bei unserem Booker. Der hat die bequemste Couch der Welt und da kommst du einfach nicht mehr weg. Vor allem wird es meistens ziemlich spät, dann wird halt fett gefeiert…

Tim: Wir gehen halt voll gerne feiern, so in Clubs und so…

minutenmusik: Jaja, im Berghain…

Kerim: Ja, da bin ich letzte Woche hin und bin gerade eben rausgekommen. (alle lachen)

Michi: Ja, und dann hängst du manchmal den ganzen Tag nur auf der Couch rum und bestellst alle drei Stunden was zu essen. Das ist schon cool.

minutenmusik: Das hört sich gut an. Dann habt ihr jetzt alle meine Fragen beantwortet und dürft endlich zum Essen gehen. Vielen Dank für das Interview!

 

Wer gute Indiemusik mag, sollte sich beeilen, die Kytes bei der aktuellen Tour zu sehen. Tickets gibt es unter http://www.kytesmusic.com.

So hört sich das an:

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