Basement, Die Kantine Köln, 15.01.2019

Basement, Kantine Koeln, 15.01.2019

So manches Konzert steht und fällt mit dem Publikum. Das mag für einige Konzertgänger nicht der Fall sein, für jemanden, der knapp zwei Shows die Woche besucht, spielt das Verhalten der umstehenden Leute dann aber doch eine bedeutende Rolle. Es überrascht nicht wirklich, dass Basement mit ihrem deutlich zugänglicheren Major-Label-Debüt „Beside Myself“ auf ein größere Zuhörerschaft treffen. Dementsprechend wenig verblüfft es auch, dass der Europa-Tourauftakt der Ostengländer in der Kölner Kantine, die immerhin fast 1000 Leute fasst, ebenfalls nahezu „Ausverkauf“ vermelden darf. Wie meistert die Band also ihr Hallendebüt? Welche Rolle spielt dabei das Publikum?

Eher auf die kleineren Bühnen gehören zunächst die Muncie Girls, die zwischen Indie-Rock, Punk und Zurückhaltung zwar wenig auffallen, musikalisch jedoch eine nette 30-minütige Einheizer-Show abliefern. Im schwitzigen Club kann das Trio dann jedoch eher seine volle Wirkung entfalten. Culture Abuse, die danach an der Reihe sind, nehmen den Raum dann mehr ein, was zum Teil jedoch schon alleine auf die höhere Anzahl Bandmitglieder zurückzuführen ist. Der Hardcore-Indie, den die Kalifornier spielen, unterhält und gefällt auch den Zuhörern sichtlich gut. Erste Moshpits werden gestartet, die umstehenden Personen nicken eifrig mit. Sänger David Kelling, der lässig eine analoge Kamera „Goldkettenstyle“ um den Hals trägt, leidet unter einer Bewegungsstörung, weshalb ihm auf die Bühne und später wieder von dieser geholfen werden muss. Ob der Auftritt deshalb gerade einmal zwanzig Minuten dauert oder einfach aus Prinzip wie im Flug vergehen soll, bleibt offen.

Mit kurzen Sets kennen sich auch Basement aus. Nach für Headlinerverhältnissen kurzweiligen 55 Minuten ist das Konzert der Briten fix wieder vorbei. Einige Minuten bleibt das Hallenlicht noch ausgeschaltet, „Zugabe“-Rufe ertönen, die Band will sich jedoch nicht nochmal auf die Bühne trauen. Auch ob das auf das Kölner Publikum zurückzuführen ist, bleibt ungeklärt. Das gibt sich nämlich ungewohnt rücksichtslos. Gleich mehrfach schießen Stagediver haarscharf an den Musikern auf der Bühne vorbei, trampeln unachtsam über deren Effektboards. Viel wichtiger als die Musik und die Band scheint der kunstvolle Salto im Moshpit oder Purzelbaum vom Bühnenrand zu sein. Einige kennen außerdem kaum Material der Emo-Grunger. Als die Band die Bühne verlässt, schnappt sich ein junger Herr aus dem Publikum das Mikrofon, um über die Lautsprecher die Suche nach seinem verlorenen Mobiltelefon zu starten. Übergriffig. Ob Basement also gänzlich auf Zugaben verzichteten, weil sie einfach keine Lust auf weitere Songs haben, der Lichttechniker der Location trotz mehrfacher Bitte einfach nicht das grelle Licht in den Songpausen runterdimmen will oder sie lediglich der Egoismus der Masse nervt? Wer weiß.

Schade, ansonsten überzeugt das Quintett nämlich in Gänze. Auch die Songs ihres aktuellen Albums, von dem der Großteil des Abends stammt, knallen live deutlich mehr als auf Platte. Außerdem scheint die Band an ihrer Bühnenpräsenz gearbeitet zu haben. Vom Flackerlicht erleuchtet, sehen die Rockstarposen der Gitarristen Alex Henery und Ronan Crix ganz schön cool aus. Auch Sänger Andrew Fischer trifft noch immer jeden Ton und bleibt der einzige Frontmann, der Luftinstrumente spielen kann ohne damit absolut albern auszusehen.

Spätestens bei „Covet“ sind dann aber auch kurz Publikum und Band miteinander im Reinen und alle liegen sich in den Armen. Dieser kurze Lichtblick zieht sich über „Promise Everything“ bis ans Ende des Konzertes, verpufft jedoch bereits nachdem die Band die Bühne verlässt und beschließt, nicht noch einmal für einige Songs zurückzukehren. So geht also ein kurzer Abend voller Posergehabe gen Ende, für dessen Verlauf die Band eher wenig kann. Übrigens: Das Handy ward nach Konzertende nicht gefunden.

Tickets für die aktuelle Tour gibt es hier.*

Das Album “Beside Myself” kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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https://youtu.be/Ff3Lh1fVdrU

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Basement live 2019:

22.01. – Berlin, Bi Nuu
23.01. – München, Feierwerk / Hansa 39
24.01. – Wien, Flex

Foto von Jonas Horn.

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