Blond, Live Music Hall Köln, 29.11.2023

Schonmal eine Klangreise auf einem Konzert gemacht? Zaubertricks angeguckt? Oder Katzengeräusche gemacht? Gut, wenn man es so schreibt, klingt es auch nicht unbedingt verlockend. Blond wären aber nicht Blond, wenn sie all das auf eine Bühne bringen können, dazu dann noch musikalische Top-Leistung vollziehen & nebenbei die größte Party des Kölner-Konzert-Monats feiern. Und das mit 0% Cringe-Faktor. Wieso die Blondinator-Truppe mittlerweile Hallen in Live-Music-Hall-Größe schneller ausverkauft als man „motherlode“ schreiben kann? Der Abend in Kölle beweist das.

Perlen vor die Fans

Blush Always sind ein Top-Support.

Schon mit ihrem Debütalbum „Martini Sprite“ haben sich Blond ein ganz eigenes Plätzchen in der deutschen Indie-Bubble aufgebaut. Seitdem sind Festival-Line-ups und Support-Slots ohne Blond schon fast nicht mehr denkbar. Trotzdem blieben die eigenen Touren noch in der Geheimtipp-Größenordnung. Mit „Perlen“, dem Nachfolger aus 2024, änderte sich das jetzt gewaltig und fast alle Shows waren im Vorfeld ausverkauft, die nächste Tour der gleichen Größenordnung fängt nur vier Wochen später wieder an und führt durch teils sogar dieselben Hallen. Verdient, das Album ist ja auch ein Banger.

Wo wir gerade über Banger sprechen: Die hat Blush Always für Grunge-/Alternative-Fans auch genügend im Gepäck. In Köln spielt sie gemeinsam mit ihrer Tour-Band durch ihr eigenes Set und ist mit dem oft schnörkellosen und sogar rauen Sound sogar eher der Anti-Held zu Blonds anschließendem Auftritt. Spannend und sogar etwas international klingt das hier aber auf jeden Fall – dass man in den größten Musik-Medien Deutschlands nicht mehr um Blush Always herumkam, ist also definitiv verdient. Vorbereiten auf das, was da anschließend auf der Bühne passieren soll, konnte der Support aber nun wirklich nicht.

Es ist schön, es ist toll, Blondinator zu sein

Kacki-Talk im Strobo-Licht mit Blond

 

Wir sind Heldens „Nur ein Wort“ ertönt kurz vor 21 Uhr durch die Boxen, der ganze Saal singt mit und dann kommt mit „Durch die Nacht“ auch schon die Huldigung von den oft belächelten FLINTA der deutschen Indie-Pop-Rock-Welt der 2000er als Opener. Und damit schonmal der erste große von vielen „Perlen“-Hits. Dass das Album live so gut funktioniert war eigentlich klar, dass es aber dieses Ausmaß annimmt, eher weniger.

Blond sind auf so vielen Ebenen eine großartige Liveband, man könnte ganze Essays darüber schreiben. Mein Sim wartet aber, deswegen in aller Prägnanz:

  1. Blond sind wirklich gute Live-Musiker*innen. Von den Drums über die Synthie-Wände bis zu Akustik-Sets oder Gesang ist hier – gerade für den doch auch unbefangenen Vibe der Songs – musikalisch ein richtig hohes Level zu hören. Das macht einfach Spaß.
  2. Blond sind wirklich gute Entertainer*innen. Und bevor ich den vielen fast schon Stand-up-Elementen des Konzerts ihren Zauber durchs Aufschreiben raube, empfehle ich Konzerttickerts zu kaufen oder Blonds „Da muss man dabei gewesen sein“-Podcast zu hören. So viel gelacht habe ich selbst bei Comedy-Shows nicht.
  3. Blond haben wirklich viele wirklich gute Songs. Und damit sind es wirklich 16 Tracks ganz ohne Filler, die hier heute gefeiert werden können.
  4. Blond haben wirklich eine tolle Fanbase. Die Stimmung ist super lieb, offen, ausgelassen und witzig. Peinlich berührt kann man hier gar nicht sein und die Wohlfühl-Atmosphäre ist on fleek. Blond wissen das zu schätzen – und mit den Screenshots, die zu „Du musst dich nicht schämen“ sogar auf die Bühne kommen, waren heute sogar Freund*innen aus der Indie-Szene Teil der Blondinators.

Und so geht der Abend in knapp 90 Minuten vorbei.  Es gibt den Akustik-Moment in „immer lustig“, das den restlichen Abend in so schöner Meta-Ebene hinterfragt und dabei den Effekt vieler geschnittener Zwiebeln hat. Es gibt die Hip-Hop-Elemente in Songs wie „oberkörperfrei“, zu denen Lotta und Nina zusammen wilde Choreos vollführen. Und es gibt auch feinsten Indie-Rock, der sich mit richtig viel Intensität aufbaut – mit „Männer“ oder „Ich sage ja“ zum Beispiel. Wer braucht da also überhaupt noch ein Festival? Blond-Konzerte machen das alleine besser als so manches Line-up in Deutschland…

Ganz wichtig: Für FLINTA ist das hier der absolute Safe Space, was in der Indie-Bubble ja weiterhin nicht der Standard ist. Und mit Songs wie „Sims 3“, „Spinaci“ und „Sanifair Millionär“ bleibt Blond auch immer so herrlich weird, dass man quasi automatisch zum Blondinator wird. Überhaupt gibt es wirklich gar nichts zu meckern. 10/10. Ganz bald wieder.

Und so hört sich das an:

Website / Instagram

Blond live 2023

  • 30.11. Uebel & Gefährlich Hamburg (Ausverkauft)
  • 02.12. Astra Berlin (ausverkauft)
  • 03.12. Felsenkeller Leipzig (ausverkauft)

Blond live 2024

  • 18.01. E-Werk Erlangen
  • 19.01. Club Central Erfurt
  • 20.01. Skaters Palace Münster
  • 22.01. Weststadthalle Essen
  • 23.01. Live Music Hall Köln
  • 24.01. Capitol Hannover
  • 26.01. Fabrik Hamburg (ausverkauft)
  • 27.01. Modernes Bremen
  • 28.01. Huxley’s Neue Welt Berlin
  • 30.01. Felsenkeller Leipzig

Bild von Julia.

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