MC Fitti, Kesselhaus – Schlachthof Wiesbaden, 22.03.2018

GEILON! Ein trashiges, karnevalistisch-anmutendes Publikum im sonst so spießigen Wiesbaden, das neben pinken Tutu-Röcken auch hautenge, neonfarbene Fitnessleggings oder Palmenbrillen trägt? Ein Regen aus bunt-glitzerndem Konfetti, welches nach der Show nicht nur sämtliches Haupt und Haar, sondern auch jeden verbliebenen Millimeter des Raumes bedeckt? Und eine Setlist, bestehend aus Songtiteln, die genauso gut die beliebtesten Jugendwörter der vergangenen Jahre widerspiegeln könnte? – Ja, genau so lässt sich der Abend eines legendären Konzertbesuchs von MC Fitti in Worte fassen: bunt, schrill, Konfetti = MC Fitti! Vergangenen Donnerstag haben wir den 42-jährigen Niedersachsen bei seiner „Paradiso-Tour“ im Kesselhaus des Wiesbadener Schlachthaus besucht.

Erinnern wir uns zurück: 2012 wurde MC Fittis Gute-Laune-Song „30° Grad“ via YouTube über Nacht zum Sommerhit des Jahres. Seitdem ist der bebrillte Bart- und Kappenträger dem feierwütigen und gutgelaunten Partyvolk ein Begriff, nicht nur aufgrund des Werbesongs, den er – abgenickt von Tech-Nick – für eine berühmte Elektrohandelskette beisteuerte. Aus jedem noch so selbstverständlichen Thema mit Nonsens-Charakter, zaubert der mittlerweile in Berlin-Friedrichshain wohnende Rapper einen Ohrwurm. Die einen nervt‘s, die anderen feiern es! Vor allem letztere Fraktion hat sich selbstverständlich am Konzertabend in der hessischen Landeshauptstadt eingefunden:

Obwohl sich im Kesselhaus, das zum großen Komplex des Wiesbadener Schlachthofs gehört und insgesamt gerade einmal Platz für circa 300 Zuschauer bietet, nur eine überschaubare Anzahl von Publikumsgästen – es handelte sich um einen Nachholtermin des ursprünglich für September 2017 angekündigten Konzerts, das allerdings wegen diverser Filmarbeiten des Rappers verschoben werden musste – eingefunden hat, ist die Stimmung ausgelassen und harmonisch. Den Anfang macht die FCKSHT SQUAD, ein – zumindest an diesem Abend als solches auftretendes – DJ-Duo (bestehend aus David von CliXX und Yellow von BLVCK N YELLOW), welches das Publikum durch einige Trap- und Stimmungshits aufheizt. Trotz eines hervorragenden Sets aus gut-gemischter Songs und Remixe, gelingt es der Vorgruppe jedoch nicht ganz, das Potenzial der Wiesbadener Publikums herauszulocken. „Holt euch mal noch ein paar Bier“, fordert daher Yellow vor dem eigentlichen Showbeginn.

Gegen 20:30 Uhr betritt unter tosendem Applaus der langersehnte „Fitti mitm Bart“ die Stage, im Schlepptau den berühmt berüchtigten Vokalmatador als Backup, welcher Rap-Liebhabern der 2000er-Jahre noch als Mitglied der Gruppe „Die Sekte“ bekannt sein dürfte. Mit „Küss meine Augen“ startet die Show mit einem – bislang unbekannten – Track über den neudeutschen Ausdruck von Dankbarkeit sowie über Bindehautentzündung und entlockt den ersten Gästen ein herzhaftes Lachen. Die anfangs noch reservierte Stimmung im Publikum verfliegt im Nu. Es folgen Songs über den „Whatsapper“, „YOLO“, „Capri Capri“, die „Grüne Welle“, bei der sogar eine optisch leicht veränderte Bonny Strange mit Babybauch und kurz-blonder Perücke (gespielt von David) die Bühne betritt. Auch Stargäste wie Sido oder Marsimoto kommen für kurze Gastauftritte auf die Bühne, schließlich wurden in der Veranstaltungs-Beschreibung auch einige geheime Starauftritte angekündigt.

MC Fitti, der ein weißes, mit roten Herzen-besetztes Hemd vor einer paradiesisch-geschmückten Hintergrundkulisse trägt, hat offensichtlich eine Menge Spaß, scherzt ausgelassen während der Show mit Co-MC Vokalmatador und seinen DJs, lässt Kinder neben der Bühne tanzen, holt zum Song „Schöne Mädchen“ sogar einige Frauen aus den Publikumsreihen auf der Bühne und macht Selfies mit dem Publikum, so viel er kann. Die gute Laune des Künstlers färbt grandios auf das Publikum ab. Immer wieder holt der fröhliche Bartträger aus einer Tür hinter der Bühne eine riesige Tüte voller Konfetti hervor, die er dem Publikum zuwirft und welche – nach seiner Anweisung – von diesem im gesamten Raum verteilt werden muss. Ein Bild für die Götter, entsprechend einem Kindergeburtstag für Erwachsene. Besonders beim „Rolfcopter“, bei dem das Publikum dazu aufgefordert wird, mit den Armen eine Helikopterbewegung nachzuahmen, macht sich der Konfettiregen aus den riesigen Plastiktüten gut.

Kurz vor Ende der Show wird zudem ein weiterer, bislang unveröffentlichter Song dem Publikum präsentiert: „Palme wedeln“, nennt sich das gute Stück, welches – selbstverständlich ohne jegliche zweideutige Anspielung – das Herumschwingen einer großen aufblasbaren Gummi-Palme im Club persifliert. Die Message des Songs ist deep und herzergreifend, wie man sich vermutlich vorstellen kann, sodass die Zuschauer begeistert und ohne jegliche Scham gemeinsam mit den Künstlern auf der Bühne ihre Palme wedeln. Als letzter Song des Konzertabends wird schließlich mit „Einhorn fang“ der meist-geforderte Hit aus den Publikumsreihen gespielt. Schließlich mussten nach all den Flamingos und Palmen nun auch endlich mal die Einhörner zum Zuge kommen! Zur Feier des krönenden Abschlusses lässt MC Fitti dafür einen großen, aufblasbaren Flamingo in der Menge umhergehen. (Das aufblasbare Einhorn war beim vorherigen Tourstop leider abhandengekommen.)

Alles in allem war das Konzert ein voller Erfolg. Obwohl soundtechnisch der Bass etwas übersteuert wirkte, der Gesang nicht ganz lupenrein und auch die Gesamtlautstärke des Konzerts ein wenig zu gut gemeint war, wurde dem Publikum eine Show geboten, die ermöglichte, für wenige Stunden sämtlichen Alltagsproblemen zu entfliehen und ausgelassen und fröhlich bei einem grandiosen Konzert mitzufeiern. Zugegeben: Obwohl man sich an manchen Stellen nun doch nicht ganz einig sein konnte, ob MC Fitti „in einer Tour“ – welch fabelhaftes Wortspiel, ha, ha – die Sujets seiner Stücke völlig verspottet oder ob der Wahlberliner dem hippen Jugendtrend etwas abgewinnen kann, bereiten seine Songs Laune und animieren zum ausgelassenen mitfeiern. Und auch einer solchen Musik bzw. Konzertform darf in der heutigen Zeit gerne mal ein wenig Respekt gezollt werden.

Und so hört sich das Ganze an:

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