Mine + Orchester, Palladium Köln, 25.11.2025

Was passiert, wenn eine der talentiertesten Musikerinnen der Nation mit einer selbstarrangierten Orchester-Begleitung, einem Männerchor und einer akrobatischen Choreo auf Tour geht? Vermutlich eines der spektakulärsten Musik-Events des Jahres. Genau dieses Versprechen löste Mine entsprechend auch mit ihrer fünftägigen Orchester-Tour ein. Enttäuschung war natürlich ausgeschlossen – zumindest seitens der Musikerin selbst.

Der etwas andere Support-Act

Mine ist unkonventionell. Im besten Sinne! Daher sollte die Vorband dieses Abends eigentlich nicht groß überraschen, gerade weil Mine und der Act sowohl auf dem aktuellen Album „Baum“ als auch bei einer vorigen Orchester-Tour bereits zusammengearbeitet haben. Und doch ist es für ein – im weitesten Sinne – Pop-Konzert doch sehr absurd, im Vorprogramm plötzlich klassische Chor-Stücke aus dem 19. Jahrhundert zu hören. Mit den ffortissibros klappt es aber doch ziemlich gut.

Mine selbst bezeichnet es als absoluten Glücksgriff, den jungen Männerkammerchor aus Hamburg gefunden zu haben. Das Publikum checkt an diesem Abend selbst: Ja, das ist ziemlich eigenwillig, aber musikalisch auch ziemlich beeindruckend. Die Chormitglieder sind alle im Alter von 22 bis 29 Jahren, richtige Süßmäuse und tauchen das Palladium in klassisches, nahezu himmlisches Licht. Handwerklich top & gleichzeitig sympathisch.

Von Trance bis Klassik und zurück

Umso mehr freut es natürlich, dass der Chor auch für den Haupt-Act auf der Bühne bleibt. Zusätzlich wird ein Ring von der Decke gefahren, Streicher, Background-Sängerinnen und Mines Stamm-Band kommen auf die Bühne. „SCHATTIG“ ist der elegische Start für den Abend und direkt ein atmosphärischer Volltreffer.

Als Multiinstrumentalistin schreibt Mine schon seit mehr als 10 Jahren Arrangements für Orchester-Versionen ihrer eigenen Songs – kein Wunder also, dass die Stücke in ihrem vollflächigen Klang atemberaubend gut funktionieren. 12 Songs von „BAUM“ werden gespielt, aus „Klebstoff“, „Hinüber“ und „Das Ziel ist im Weg“ gibt es auch etwas zu hören. Das Spannungsfeld, das hier im Sound-Gefüge entsteht, ist einzigartig und spannend: Die großen Beats, die Songs wie „KDMH“ und „COPYCAT“ tragen, bleiben so pulsierend wie gewohnt – anders als vorab vielleicht erwartet – ohnehin sehr imposante Tracks wie „Unfall“, „Hinüber“ oder „Baum“ klingen in der Orchester-Besetzung umso prunkvoller. Die meisten Songs bleiben so ihrer Original-Version noch recht nahe. Das Konzept geht dennoch auf, Sound-Überraschungen bleiben aber größtenteils aus.

DANKE GUT

In diesem Umfeld präsentiert Mine ihr beeindruckendes Konzept – sie schwingt selbst von dem von der Decke hängenden Ring und performt während der akrobatischen Einlagen gesanglich auf Top-Niveau, als wäre nix. Sie leitet die ffortissibros durch den gemeinsamen Track „DANKE GUT (intro)“, der nahezu cineastische Größe einnimmt. Sie überlässt Eleo – eigentlich an den Keys – die Bühne für den eigenen Song „Ich war viele“, bei dem ebenfalls die ffortissibros und alle Musiker*innen mitwirken- (An der Stelle: großartiger Song! Unbedingt Eleo als Solo-Künstler*in vormerken!) Und dann gibt es auch noch Platz für zwei neue Songs: „Dunkel“ und „Relativ“ sind der Live-Band auf den Leib geschrieben und werden zu absoluten Highlights der Setlist.

Mine schafft mit dieser Tour, die Brücke zwischen Rave und Konzerthaus zu schließen und ist dabei gleichermaßen Top-Virtuosin und Performerin wie auch „authentische“ Privatperson. Es fließen Tränen (natürlich bei „Staub“ und „Ich weiß es nicht“), es wird getanzt, es wird gestaunt. Aber es wird auch vermisst: konkret die großen Hits „90 Grad“ und „S/W“, denen ein Orchester-Outfit sicher auch vorzüglich gestanden hätte. Trotzdem: Musikalischer und eindrucksvoller geht es in der deutschen Indie-Bubble einfach nicht.

Der einzige Kritikpunkt liegt außerhalb von Mines Zuständigkeit: Das Palladium erweist sich nur bedingt als passende Spielstätte – der vollmundige Klang des Orchesters erreicht nicht so zuverlässig die Ohrmuscheln des Publikums wie in einem passenden Konzerthaus. Gleichzeitig ist das stehende Publikum für die feinfühligen Arrangements teils einfach zu unruhig und laut, um die detailverliebten Momente angemessen wahrzunehmen. Daher unser Plädoyer: Die nächste Mine-Orchester-Tour gehört in die schicken Konzerthäuser der Republik!

Und so hört sich das an:

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Beitragsbild von Christopher Filipecki.

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