Es fühlt sich fast ein wenig so an, als würde man gemütlich in einem Irish Pub sitzen, während Ryan Hennessy, Jimmy Rainsford, Owen Cardiff und Cliff Deane die Bühne betreten. Die Kulisse tut ihr Übriges: urige Möbel, dunkles Holz, warmes, gedämpftes Licht und eine Tapete, die kitschiger kaum sein könnte. Und mittendrin das Publikum. Zwei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit Picture This ihr viertes Studioalbum „Parked Car Conversations“ veröffentlicht haben. Auf den Nachfolger warten die Fans noch immer sehnsüchtig. Und trotzdem hat es sich die irische Band nicht nehmen lassen, die Live Music Hall in Köln an diesem Abend in ihren ganz persönlichen Pub zu verwandeln.
Bereits Support-Act Marc Atlas sorgte mit Songs wie „Waste My Time” für eine großartige Stimmung und jede Menge Energie. Der 19-Jährige veröffentlichte in diesem Jahr sein Debütalbum „Nothing To Lose“, stand auf der Bühne aber, als wäre er schon seit Jahren im Musikgeschäft. Besonders stach dabei seine eindringliche Stimme hervor: eine raue Stimmfarbe, die an James Arthur erinnert und auf die warme, leicht brüchige Klangfarbe von Lewis Capaldi trifft.
Ebenso energetisch ging es mit Picture This weiter. Von der ersten Sekunde an sorgten die vier Musiker für eine grandiose Stimmung. Egal, wann die Band auftritt, wird immer wieder deutlich, mit wie viel Herzblut jedes einzelne Mitglied dabei ist. Im Fokus des Geschehens: Sänger Ryan Hennessy, der nicht nur gerne im Rampenlicht steht, sondern den Songs mit seiner Stimme eine ganz besondere Intensität verleiht. Genau das macht Picture This aus, Hennessys Gesang, gepaart mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Eine unschlagbare Kombi, die gleichermaßen harmonisch und atmosphärisch klingt, in ruhigen Momenten für Gänsehaut sorgt und in lauten Momenten nahezu elektrisierend wirkt. Nicht zu vergessen sind die tiefgründigen Lyrics der Songs, die zum Nachdenken anregen und ganz viel fühlen lassen.
Wie gut die Band diese Mischung beherrscht, zeigte sich bereits beim Opener „A Thousand Times“, dicht gefolgt vom mehr als mitreißenden „Unconditional“. Auf der Setlist stand eine ausgewogene Mischung aus den bisher veröffentlichten Alben. Darunter Klassiker wie „Call It Love“ oder „Addict Of Magic“, die sie in ihrer rund neunzigminütigen Show zum Besten gaben. Gerade weil die Band aktuell aber kein neues Album präsentieren muss, fehlten an der Stelle leider einige Songs auf der Setlist. Etwa „Song To Myself“ oder „Leftover Love“. Zwanzig Minuten mehr Spielzeit und einige zusätzliche Titel hätten dem Konzert definitiv nicht geschadet. Im Gegenteil, so wären vermutlich noch mehr Fans auf ihre Kosten gekommen.
Das Publikum feierte dennoch jede Minute des Konzerts und vor allem die Musiker auf der Bühne. Mit einer guten Portion irischem Humor führte Ryan Hennessy durch den Abend, sang zwischendurch auch mal ganz ohne Mikro und animierte die Zuschauenden immer wieder zum Mitmachen. Seine Art, die Lyrics und Gefühle in den Songs zum Leben zu erwecken, war dabei schön anzusehen.
Ein besonderes Ritual bei dieser Tour: Jeden Abend suchen die übrigen Bandmitglieder einen traditionell irischen Song aus, von dem Hennessy bis zum Auftritt nichts weiß. Auch diesen gab die Band mit extrem viel musikalischem Gespür wieder, sodass es fast ihr eigener Song hätte sein können. Großes Lob gab es von den Iren für einen anderen Iren, und zwar Rea Garvey. Für diesen spielten sie den gemeinsamen Song „Somewhere Close To Heaven“. Das Publikum bedankte sich immer wieder mit tosendem Applaus.
Mit „Get On My Love“ beendeten Picture This den Konzertabend. Spätestens zu diesem Zeitpunkt stand wohl niemand mehr still. Und obwohl das Konzert gerne noch etwas länger hätte dauern dürfen, schafften Picture This genau das, was ihre Kulisse erahnen ließ: einen gemütlichen Abend im Irish Pub, mit guter Musik, einem charmanten Host und ganz viel irischer Tradition.
Und so hört sich das an:
Die Bildrechte liegen bei Alina Hasky/minutenmusik.
Konzertbericht: Picture This, Kantine Köln, 06.11.2023
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