Suicideboys, Live Music Hall Köln, 25.01.2018

Suicideboys, Live Music Hall Koeln, 25.01.2018

Es ist ein nasser, verregneter, aber gar nicht mal so eisig kalter Januarabend, als sich vor der Live Music Hall in Köln eine schier unendliche Schlange aus Menschen vor allem dreier Szenen langsam nach und nach in die Location schlängelt. Dieser Vorgang dauert ungewöhnlich lange, sodass die Veranstaltung, die an diesen Winterabend in der ausverkauften Halle stattfinden soll, erst eine knappe Stunde nach offiziellem Beginn startet. Man beobachtet tätowierte Gesichter, Undercut-Frisuren, Nasty-Shirts, (Ohr-)Tunnel, Basecaps und riecht nicht gerade selten eine klare Hanfnote, wenn man an der Menschenmasse vorbei in die Halle huscht – vielleicht wickelt sich deshalb auch der Einlass in die Location derart schleppend ab: Man hält die Besucher einfach für Problemfälle. Irgendwann füllen dann aber alle Hardcore-Kids, Amirap-Jünger und Metalheads den Platz vor der Bühne aus, ein DJ beginnt die Crowd mit momentan angesagtem Amirap aufzuwärmen, erste Moshpits entstehen, auch der kürzlich verstorbene Lil Peep wird geehrt. Knapp zwanzig Minuten später geht das Licht aus. Es ist Zeit für diejenigen geworden, wegen denen alle da sind: die Suicideboys aus New Orleans.

Die Suicideboys sind ein Duo, das aus den beiden Rappern $crim (bürgerlich Scott Arceneaux Jr.) und RUBY (bürgerlich Aristos Petros), zwei Cousins, besteht und aus der amerikanische Soundcloud-Hip-Hop-Szene emporgewachsen ist. Die beiden bringen ihren sogenannten „Shadow Rap“ die folgenden 70 Minuten genauso authentisch auf die Bühne, wie dies auch auf Platte geschieht. Das unbändige, bösartige Image zieht man stringent durch. Vor allem die auf eindrucksvolle Weise sehr einfache, aber effiziente Lichtshow unterstreicht dieses Gesamtbild. So springen der Mann mit den Dreads und sein Kollege in Baggy-Pants unterstützt von Strobo-Licht über die Bühne und spielen ihre oftmals sehr kurzen Stücke, die von Selbstmord handeln, davon die Menschheit auszulöschen und von Drogenexzessen. Gleich 31 Stück haben es in die ausgewogene Setlist geschafft – das Duo haut aber auch Song nach Song raus.

Immer wieder tönen verzerrte Bässe aus den Lautsprechern, die den Besuchern ordentlich die Gehörgänge durchspülen. Es scheint fast so, als hätte man extra für seine Live-Shows noch knalligere Versionen seiner Lieder erstellt. Wer vorher Kopfschmerzen hatte, verlässt die Halle schmerzfrei, wer zuvor verschleimt war, dessen klebrige Ausgedünste verschmieren jetzt wohl immer noch den Boden der Halle. Das macht aber auch gar nichts. Hier wird gemeinsam gefeiert und alles geteilt – Joints, Wasser und auch Körperflüssigkeiten. Die Crowd frisst den beiden Rappern aus der Hand, bildet Moshpits, Circle-Pits, Wall-Of-Deaths, setzt sich auf Kommando gefällig hin und rappt auch noch mit, wenn der Live-DJ wieder mal den Beat zu früh rauscuttet, um für die Schlusszeilen das Ruder an die schwitzende Menge abzugeben.

Irgendwann laufen große Schweißtropfen an den Stahlabdeckungen der Wände der Live Music Hall entlang. Einige wenige fallen auch von der an der Decke befestigten Lampenkonstruktion auf die Köpfe der Musiker herab. $crim und RUBY bemerken dies gar nicht. Viel zu vertieft sind sie in ihre Lieder, viel zu konzentriert rappen sie jede Zeile mit und suchen direkten Blickkontakt zum Publikum. Nach einer kurzen Pause und einigen Zugaben ist der kurze Spaß dann auch schon wieder vorbei. Die Suicideboys verabschieden sich zu den Klängen von Blink-182s „What’s My Age Again“ von der Menge, diese tanzt zu dem Song in einem letzten, fast schon energielosen Moshpit. Die vergangene Stunde hat man wohl genug Energie verbraucht.

Und so sah das ganze das letzte mal in Köln aus:

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Suicideboys live 2018:

29.01. – Stuttgart, Im Wizemann (ausverkauft!)
30.01. – München, Muffathalle (ausverkauft!)

Foto von Jonas Horn.

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