Wanda, Phoenixhalle Dortmund, 21.03.2018

Wanda Dortmund 3

Die Phoenixhalle in Dortmund hat es aber auch nicht leicht. Seitdem SDP Mitte November die Pforten zu den neuen vier Konzertwänden eröffnet haben, steht die Halle unter keinem guten Stern. Ständig gibt es Beschwerden seitens der Anwohner (die mindestens 250m weit wegwohnen), sodass Konzerte um Punkt 22h abgebrochen werden. So ganz glatt scheint das mit dem Rumnörgeln aber wohl nicht zu klappen, immerhin wird am 27.4. mit Die Fantastischen Vier die Halle offiziell eröffnet. Die Biermarke „Warsteiner“ konnte als Sponsor gefunden werden, der Name wird damit in „Warsteiner Music Hall“ umbenannt. Da blutet das Dortmunder-Herz, da das stillgelegte Industriegelände Phoenix-West zuvor Namensgeber war. Dafür kann es dann endlich mit regelmäßigen Veranstaltungen losgehen. F*** dich, Spießbürgertum!

Trotzdem ist man nun als Organisator etwas vorsichtiger, was heute auch bei Wanda direkt auffiel. 20h Konzertbeginn ist ja quasi Standard – dass die Vorband aber um 19h spielt, ist wohl eher selten. Wer in den sozialen Netzwerken oder auf der Homepage des FZWs (der kleine Bruder und Vorreiter der Phoenixhalle) unterwegs war, war wohl überrascht, dass bereits um 18h Einlass sein würde, um 19h der Support und schon um 20h Wanda zocken dürfe. Sogar die Radiostationen berichteten, dass es pünktlich losgehe.

Das hat aber anscheinend nicht jeder mitbekommen. So waren zwar um 18:55h mit der Münsteraner Band Soeckers die Bretter bereits betreten, das Publikum aber vielleicht erst zu einem Drittel da. Die meisten trudelten während des Supports dann ein. Die Newcomer aus knapp 60km Entfernung waren jedenfalls musikalisch eine akzeptable Wahl, da der Sound vom Headliner gar nicht so weit entfernt lag. Straighter Rock-Pop mit leicht rotziger Haltung und deutschen Texten, eben Studentenmusik. Ging voll klar.

Dann wurd’s in den vorderen Reihen kuschelig, ein riesiges Banner mit „Amore“ wurde vor die Bühne gehängt, das auch pünktlich um 20h fiel. Wien war zu Gast und spielte 95 Minuten lang. Frontmann Marco Michael brachte neben seiner rauchigen Stimme einen gebrochenen rechten Arm mit. Das schränkte ihn aber nur bedingt ein. Zwar wurden seine Gitarrenparts von einem Gastmusiker übernommen und seine Tanzeinlagen etwas heruntergeschraubt, ansonsten war der Exzentriker aber voll am Start. Generell überzeugte die Halle abermals mit ihrem hervorragenden Sound und nahm von der ersten Sekunde jedes Instrument und die Mikros so ab, wie es sein sollte. Klang sauber, klang deutlich. Die Bandkollegen waren gewohnt on time und spielten die Songs ohne Auffälligkeiten gut runter. Die Moderationen hielten sich in Grenzen, stattdessen gab es ordentliche Stimmung und so ziemlich alles, was man sich von den drei Alben wünscht. Von Klassikern wie „Meine beiden Schwestern“ (einen Ausschnitt seht ihr auf unserem Instagram-Account genau hier), „Luzia“ und „Stehengelassene Weinflaschen“ über die neuen Songs „Columbo“, „Weiter, weiter“ und „Lascia Mi Fare“, gipfelte die Stimmung in der Crowd bei den Zugaben „Bussi Baby“, „1, 2, 3, 4“ und einer zweiten Einlage „Bologna“. Das kam nämlich überraschenderweise direkt als erstes. Der womöglich größte Hit gleich als Einstieg? Anscheinend wollen sich die Jungs auf den einen Song nicht mehr reduzieren lassen und spielen ihn somit als Anheizer und nicht als Highlight. Trotzdem flippte das Publikum aus, als es die Nummer im Finale ein zweites Mal gab. Perfekte Wahl!

Die insgesamt 18 Songs starke Playlist der “Niente”-Tour 2018 ließ nur wenige Wünsche offen. Von allen drei Longplayern gab es nur die Sahneschnitten. Gefehlt haben „Gib mir alles“ und „0043“, aber irgendwas ist ja immer. Auffällig waren neben dem spontanen Gitarristen, der als Marco-Ersatz herhielt, vor allen Dingen vier weitere Musiker, die bei den drei Songs „Ein letztes Wienerlied“, „Schottenring“ und „Ich sterbe“ die Band unterstützte. Cello, Geigen, Posaune, Saxophon bei Wanda? Warum nicht?! So wurde der etwas reduzierte Block mit neuen Klängen abwechslungsreich gestaltet, auch wenn er doch ordentlich Stimmung herausnahm.

Trotzdem kann es der Kopf der Band nicht ganz lassen: Wanda denken ja oft gern, sie sind ultra Rock’n’Roll. Der Sound passt auch, die Attitüde könnte aber etwas mehr Authentizität gebrauchen. Glücklicherweise wurden diesmal keine vulgären Bewegungen auf dem Bühnenboden betrieben, wie es bei Festivals im letzten Jahr zu beäugeln war – stattdessen wurde sich in den Schritt gegriffen, das Mikrofon abgeleckt und arrogant auf den Boden geworfen. Unnötiger Quatsch, der für peinlich berührte Lacher und Kopfschütteln im Publikum sorgte. Jungs, lasst das! Das braucht ihr doch nicht. Ja, ihr wollt nicht AnnenMayKantereit sein, ihr seid aber genauso wenig Guns n’Roses, was gut so ist.

Ansonsten war ein klarer Unterschied zu den Festivalauftritten der Band zu erkennen. Natürlich gab es locker 40 Minuten mehr Songs, aber ebenso einfach mehr Groove. Klar, hier kommen Fans nur für euch – und das steht den Wienern dann auch richtig gut. Anscheinend sind Wanda doch etwas edgy. Auf Festivals wirkt das Publikum gerne mal desinteressiert. Hier waren alle von Anfang an dabei, die Temperaturen stiegen kontinuierlich und die Moshing-Fans kamen auf ihre Kosten. Echt gelungener Abend. Das kann man nicht anders sagen. Die Band war sichtlich angetan, zufrieden und hatte Spaß – wir auch! Das letzte tolle Konzert in der sehr stylischen Location mit dem noch charmanten Namen. Aber solang es nur der Name ist, kommt minutenmusik gerne wieder!

Und so hört sich das an:

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Fotos von Christopher F.

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