Biffy Clyro – MTV Unplugged: Live At The Roundhouse London

Biffy Clyro - MTV Unplugged Live At The Roundhouse London

Die berühmt, berüchtigte MTV-Unplugged-Reihe: Früher bedeutete ein Auftritt und Release im Rahmen der Serie, dass man sich zu Künstlern, wie Nirvana, Pearl Jam und Oasis gesellte, mittlerweile bekommt gefühlt jeder dahergelaufene Pop-Müll ein Unplugged-Special angeboten. Die britische Rock-Band Biffy Clyro spielt eindeutig keinen belanglosen Mainstream-Pop und durfte sich nun nach sieben Studioalben an das Wagnis „MTV Unplugged“ setzen. Als Vorbild nannte die Band oft den wohl bekanntesten Auftritt dieser Reihe, nämlich das Akustik-Set der Grunge-Legenden Nirvana. Wirklich viel hat das Ergebnis letzten Endes dann aber nicht mit dem aufmüpfigen Unplugged-Album der Seattler gemein.

Klar, die Akustik-Versionen der Schotten von Biffy Clyro klingen allesamt sehr schön. Im Gegensatz zu Nirvanas-Auftritt gibt sich das Trio jedoch sehr brav und spielt vor allem seine Hits und ruhigeren Stücke. Die wenigen B-Seiten und älteren Stücke, die die Band an dem Abend darbot, strich man dann auch fast ausnahmslos aus dem Endprodukt. So kommt es, dass sich zwölf der fünfzehn veröffentlichten Tracks auf den letzten vier Studioalben der Glasgower befinden. Unter den restlichen drei Songs befindet sich „Drop It“ – ein wunderschöner, mit Mundharmonika versehener Bonus-Track des Albums „Puzzle“ – ein neues Stück und Cover des The Beach Boys-Klassikers „God Only Knows“. Sehr schade, dass man die ersten drei Werke seiner Diskographie auf dem Release komplett zu vergessen scheint. Eigentlich steht so eine besondere Platte ja immer unter der Devise die Bandvergangenheit zu huldigen.

Bei der Songauswahl geben sich Biffy Clyro, die vor einer beeindruckenden (Märchen-) Kulisse aus einem großen Baum, Erde und Schilf spielen, also ungewöhnlich handzahm. Hier assoziiert man mit einem MTV-Unplugged-Set aber anderes – vor allem, wenn man an Nirvana denkt! Auch soundmäßig orientiert sich das Trio vor allem an seiner ruhigen Seite. Die Arrangements klingen allesamt mit Bass und reduzierten Schlagzeug sehr voll und werden ab und an von einem Cello ergänzt. Frontmann Simon Neil spricht in den wenigen Ansagen darüber, dass es heute kein „Fleisch auf der Speisekarte“ gäbe, wenn sich jemand aus dem Publikum den Fan-Klassiker „There’s No Such Thing As a Jaggy Snake“ wünscht, erzählt, dass das Beach Boys-Stück sein Hochzeitstanz gewesen sei und bedankt sich immer wieder ausschweifend beim Londonder Publikum.

Hat man sich erstmal an diese etwas ungewöhnlichen Umstände gewöhnt, dann entdeckt man, wie viel Schönheit in den einzelnen Aufnahmen steckt. Man erkennt, wie verletzlich sich Neil gibt, wenn er über den Tod seiner Mutter Eleanor singt („Folding Stars“). Oder bemerkt, wie immer wieder der experimentelle Charakter der Band durchscheint, zum Beispiel in der eigentlich sehr krachigen Riff-Bridge der Rock-Hymne „Black Chandelier“, in der Neils Stimme wunderbar mit den anderen Instrumenten verschwimmt. Auch wenn das Publikum immer wieder die charakteristischen „Mon The Biff“-Chöre skandiert und die Gruppe sich nach einer knappen Stunde bei ihrem Publikum mit den Worten „We are Biffy Fuckin’ Clyro“ verabschiedet und den Satz gefühlt der ganze Saal mitspricht, fühlt sich die ganze Angelegenheit doch sehr eigen und speziell an.

Biffy Clyro haben sich nämlich nicht umsonst zu einem der erfolgreichsten Rock-Exports der UK entwickelt. Letzten Endes bietet die MTV Unplugged-Platte einen schönen Einstieg in die bravere Seite der Band, gibt Einblicke darin, wie der Fankult hinter der Musik ausschaut und schafft es trotz der längeren Spielzeit nicht zu langweilen. Auch wenn man in Zukunft vielleicht etwas vorsichtiger sein sollte, wie man eine Live-Platte anpreist, so lässt sich nach kurzer Schockstarre doch viel aus diesem Live-Album ziehen. Biffy Clyro wären eben nicht Biffy Clyro, wenn man dem Endprodukt nicht doch noch etwas abgewinnen könnte.

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Und so hört sich das an:

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https://youtu.be/jo8BXeTSYmk

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Biffy Clyro live 2018:

23.06. – Hurricane Festival
24.06. – Southside Festival
27.09. – München, Philharmonie (ausverkauft!)
28.09. – Berlin, Admiralspalast (ausverkauft!)
29.09. – Frankfurt, Alte Oper (ausverkauft!)

Die Rechte für das Albumcover liegen bei Warner Music.

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