Denzel Curry – TA13OO

Denzel Curry – TA13OO

Während die deutsche Hip-Hop- und Rap-Landschaft sich noch immer auf dicke Titten und schnelle Karren konzentriert, bringt die amerikanische Szene in den vergangenen Jahren immer spannendere Künstler und Konzepte hervor. Vor allem die etwas düstere, oft depressiv angehauchte Emo-Rap-Schiene konnte sich in der letzten Zeit eine beachtliche Fangemeinde erspielen – auch hierzulande! Mit einem leicht auf die Helden der 90er und frühen 2000er zurückschielenden Blick widmet sich Denzel Curry auf seinem dritten Album in modernem Gewand einem Themenbereich, der jegliche Gesellschaften bereits seit Jahrhunderten beschäftigt. Der amerikanische Künstler schlägt damit fast leichtfertig eine Brücke zwischen neu und alt.

Ein „Tabu“ ist laut dem Duden ein „ungeschriebenes Gesetz, das aufgrund bestimmter Anschauungen innerhalb einer Gesellschaft verbietet, bestimmte Dinge zu tun“. In drei Akten (I. „Light“, II. „Grey“, III. „Dark“) setzt sich Curry, im Februar 1995 in der Nähe von Miami, Florida, geboren, mit Verhalten auseinander, das gesellschaftlich verpönt, gar verboten ist und beschäftigt sich mit Umständen, die in populärer Musik viel zu selten thematisiert werden. So prangert der Rapper in „SIRENS | Z1RENZ feat. J.I.D“ die Segregation von Minderheiten in den Vereinigten Staaten an und rappt sich über den aktuellen Präsidenten seiner Heimat in Rage, zieht kurze Zeit später über die „Fick-Deine-Mutter“-Mentalität und den offenen Xanax-Konsum vieler Rapper her („PERCS | PERCZ“) und spricht offen über mentale Probleme und Paranoia („SWITCH IT UP | ZWITCH 1T UP“). In „BLACK BALLOONS | 13LACK 13ALLOONZ feat. Twelve’len & GoldLink“ bezieht Curry sich auf Stephen Kings „Es“, er erschwert das Verständnis seiner Texte durch Perspektivwechsel und schreckt nicht vor äußerst heiklen Thematiken, wie dem Umgang mit einer Partner*in, der oder die in der Kindheit Opfer eines Missbrauchs werden musste, zurück. Leichte Kost ist Denzel Currys Musik also nicht gerade.

Musikalisch zieht die Platte den Hörer, je tiefer er in sie vordringt, immer mehr in ihren dunklen, brachialen Strudel. Fallen die Stücke des ersten Aktes „Light“ zu Beginn vor allem in ihren Hooks mit catchy Soul-Gesang oder eingängigen, fast fröhlichen Melodien noch recht „klassisch“ aus, so bereitet „SUMO | ZUMO“ die weitere Entwicklung mit seinem krachigem Trap-Beat bereits vor. „Grey“ schließt mit dem düsteren Soundkonstrukt von „SUPER SAIYAN SUPERMAN | ZUPER ZA1YAN ZUPERMAN“ genau dort an und endet schlussendlich im unruhig, poppigen Autotune-Überhit „CLOUT COBAIN | CLOUT CO13A1N“. Auch „Dark“, der dritte Teil der Platte, baut hauptsächlich auf trap-lastige New-School-Beats, vertont mit seinen tiefen Bässen und aggressiven Vocals jedoch perfekt die bissige Atmosphäre, die man hier hervorrufen will. Immer wieder scheinen dabei die Old-School-Einflüsse Currys durch, die dem Sound eine gewisse Bodenständigkeit verleihen.

Nach aufgewühlten vierzig Minuten entlässt der Closer „BLACK METAL TERRORIST | 13 M T“ den Hörer mit einem letzten verzweifelten Schrei in die erschreckend drückende Ruhe. „TA13OO“ ist genau das, was Rap-Musik heutzutage fehlt: Politisch, gesellschaftskritisch, unverblümt. Denzel Curry versteht sich darin, nicht nur inhaltslosen Sprachbrei von sich zu geben, sondern spricht die Themen an, die große Teile unserer Gesellschaft tangieren. Das mag zuweilen unangenehm sein oder gar erschrecken, regt jedoch zum Nachdenken an. Letzten Endes ist dieser zu Diskussionen anregende Faktor genau das, woran es Pop-Kultur mittlerweile viel zu häufig mangelt. Da dürfen Tabus gerne mal gebrochen werden.

Das Album “TA13OO” kannst du dir hier kaufen.*

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Denzel Curry live 2018:

02.12. – München, Muffathalle
04.12. – Berlin, Kesselhaus
06.12. – Hamburg, Uebel & Gefaehrlich
10.12. – Köln, Kantine

Die Rechte für das Albumcover liegen bei ULT /Loma Vista Recordings.

 

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