Fiddlehead – Between The Richness [Doppel-Review]

Review: Unsere Autoren Maximilian und Jonas sind sich eigentlich ziemlich einig: Das zweite Fiddlehead Album ist sehr gut.

Drei Jahre nach dem Debüt sind die Supergroup-Punks um Fiddlehead mit einem neuen Album zurück. Grund genug, die Platte aus zwei Perspektiven zu betrachten.

Maximilian sieht das so:

Fiddlehead aus Boston, Massachusetts melden sich mit einem neuen Album zurück, das erste seit drei Jahren. Eigentlich ist die Veröffentlichung ihrer letzten Platte gar nicht mal so lange her. Dass neue Musik von Fiddlehead gefehlt hat, fällt auch erst beim Hören auf.

„Between The Richness“ ist die zweite Platte der Gruppe und stellt in zehn Songs dar, zu was Fiddlehead fähig sind. Große Melodien treffen auf mitreißende Texte und eine makellose Produktion. Immer wieder streckt die Band rund um den wohl bekanntesten Geschichtslehrer der Hardcore-Geschichte, Patrick Flynn, die Fühler tief in die Genres Alternative und Indie Rock. Das Album ist vieles, vor allem aber eins: Von Grund auf angenehm.

Zwischen den Genres

Das etwas über eine Minute lange Stück „Grief Motif“ eröffnet „Between The Richness“ und geht nahtlos in das gut zwei Minuten lange „The Years“ über. Bereits diese ersten beiden Stücke kombinieren Alternative-Elemente mit Pop-Punk-Vibes und Emo-Momenten. Das Ganze fußt auf einem grundsoliden Post-Hardcore-Fundament. Dieses Fundament nutzen Fiddlehead, um die verschiedensten kreativen Auswüchse darauf zu errichten. Ihre Kreationen entfernen sich dabei häufig weit von dem eigentlichen Genre, brauchen dieses Gerne aber gleichzeitig, um stehen zu können.

Häufig erinnert die Musik auf „Between The Richness“ an Gruppen, die zwischen Post-Hardcore-Klängen und Emo-Romantik schwelgen. Oft spielen Fiddlehead auf ihrem aktuellen Album nach dem Rezept von Bands wie Drug Church, Self Defense Family und den unverwechselbaren Title Fight. Die Alternative- und Indie-lastigen Momente der Scheibe wecken an manchen wenigen Stellen sogar Assoziationen zu den Pixies, Smashing Pumpkins oder gar Fugazi.

Durchweg machen die Songs der Scheibe Spaß. Immer wieder ändern die Stücke den Kurs des Albums. „Loverman“ ist eine Hymne zum Tagträumen. Das erstmals 2019 erschienene „Get My Mind Right“ bietet neben dynamisch inszenierter Musik einen perfekten Mitgröl-Refrain. Das Riff zu Beginn von „Life Notice“ sorgt für etwas 90er-Nostalgie, bevor das Stück an Fahrt aufnimmt und zum Stagedive-Soundtrack wird. „Heart To Heart“ schlägt eine Brücke zwischen energischem Hardcore und eindringlichen Emo-Passagen, wodurch es das Album zu einem intensiven Ende führt.

Wie eine Umarmung

Flynns Gesang auf „Between The Richness“ ist intensiv, gefühlvoll und wechselhaft. So facettenreich war der Sänger bis dato nie zu hören. Ein weiteres Element der Platte, welches heraussticht, ist Shawn Costas Arbeit am Schlagzeug. Sein Spiel ist gleichzeitig geradlinig und agil. Damit steht es im harten Kontrast zu seiner trockenen Arbeit bei Have Heart.

Gehüllt in ein wunderschönes Artwork, ergibt „Between The Richness“ ein abwechslungsreiches Hörerlebnis auf hohem Niveau. Organisch gehen die Stücke ineinander über und schaffen es, immer wieder für Fiddlehead ungewohnte Töne anzuspielen. Mit diesem Album verhält es sich wie mit wichtigen Menschen, die man viel zu selten sieht. Erst wenn man sie umarmt, merkt man, dass etwas gefehlt hat.

Jonas ist ähnlich begeistert:

„Between The Richness“ ist eines dieser Alben, das Hardcore- und Pop-Punk-Kids gleichermaßen begeistern wird. Das liegt nicht nur am Genre-Mix, den Fiddlehead voranstellen, sondern auch an der Ausführung.

Hardcore, Emo, Indie, Punk – in diesem Spannungsfeld findet die Musik von Fiddlehead statt. Mit Patrick Flynn und Shawn Costa von Have Heart und Alex Henery von Basement hat die Band auch gleich drei bedeutende Akteure dieser Szenen zu ihrer eigen. Dass diese Spielarten als Einflüsse auch auf den Stil der Band wirken, ist daher unvermeidlich. „Between The Richness“ jedoch lässt den Versuch erkennen, Hardcore und Punk so weit es nur geht von ihren Essenzen hinweg zu bewegen, ohne dabei an deren Charakter einzubüßen. Post-Subgenre sozusagen. 

Diese Gratwanderung ermöglicht es der Band sich binnen 25 Minuten sowohl vielschichtig aufzustellen als auch einen stringenten Faden zu spinnen. „Grief Motif“ etwa leitet als Crescendo-Mantra so flüssig in das hymnische „The Years“, dass es einige Hördurchgänge braucht, bis sich abzeichnet: Das sind zwei Songs. Und ein 200 BPM-Moshpit-Punker wie „Eternal You“ kann neben einem entspannt lockeren Indie-Shoegazer wie „Loverman“ stehen, weil ersterer selber schlussendlich mit Sprechgesang und Chorus-Gitarren ausglimmt. 

Diese ausgefuchsten Arrangements und Stilwanderungen erinnern an Title Fights „Floral Green“. Und tatsächlich: „Between The Richness“ macht vieles ähnlich gut, was dem Title Fight Zweitling damals seine Strahlkraft verlieh. Denn die zwei Alben teilen sich nicht nur den konsequenten Willen den eigenen Sound mit passenden Stilausflügen auszudehnen, sondern auch die emotionale Tiefe, die die Texte vermitteln. In deren Mittelpunkt steht die Gefühlswelt von Sänger Patrick Flynn. Der besingt wie schon auf „Springtime And Blind“ den Tod seines Vaters, legt aber mehr Fokus auf die Verarbeitung des Verlustes. In „The Years“ etwa heißt es in Repetition: „Nothing can change the pain and I don’t want it to.“ „Between The Richness“ greift jedoch auch weiter: „Heart To Heart“ richtet sich an Flynns noch jungen Sohn und „Down University“ rechnet mit Hochschulen ab, die mehr Wert auf ihren Ruf legen als auf gute Bildung.

Dass Flynn seine Texte immer wieder auch mit nahezu universellen Fragmenten schmückt, beschert viele der Songs mit einer breiten Identifikationsfläche. Es sind schlussendlich diese tiefgreifenden Texte, die musikalische Weite und doch vorhandene Härte, die „Between The Richness“ zu einem so hell strahlenden Leuchtturm im Ozean der unterschiedlichen Sub-Szenen macht.

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