Greta Isaac – PESSIMIST

Greta Isaac_PESSIMIST

Wenn ich die Hoffnung aufs Formatradio nicht ohnehin vor vielen Jahren aufgegeben hätte, wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen. Denn wer Greta Isaac nicht unverzüglich in die Heavy Rotation aufnimmt, sollte sich nicht mehr mit dem Slogan „Das Beste von heute“ schmücken dürfen. Ganz schön pathetisch diese Worte, doch die Waliserin hat sie genau so verdient. Was die EP „PESSIMIST“ hier in 15 Minuten abfeuert, ist die Essenz von Pop 2021. Fließende Strukturen, die immer wieder überraschend aufgebrochen werden. Eine wunderschöne Produktion, die gleichzeitig aber auch angenehm roh erscheint. Und zuletzt ein bizarres Hide and Seek aus pompösen Choralen und verzerrtem Sound der Stunde.

So geht Pop 2021

Auf „PESSIMIST“ fühlt man sich wohl, ob nun Millenial, Gen Z oder Boomer. Denn die Gefühlslagen, die die 5 Songs touchieren, sind so universell wie unvergänglich: Liebe, Herzschmerz und Frust über veraltete Frauenbilder. Gleichzeitig ist die Platte aber auch hochmodern. Und überhaupt: Voller Gegensätze. In der kantigen Sound-Ästhetik des Titelsongs stechen die butterweichen Chöre besonders hervor, die spielerische Naivität von „How To Be A Woman“ wird nicht nur vom sarkastischen Inhalt, sondern auch von den verzerrten Sopran-Einlagen gestört. In diesem Spiel der Kontraste gewinnt die Platte einen eigenen Charme, dessen unausweichlichen Sog die beeindruckende Klimax des Openers „Power“ einmal exemplarisch durchspielt. Angefangen nur mit Isaacs Stimme hin zu immer größeren Harmonien und dichteren Beats – und wieder zum Anfang zurück. Diese gewisse Verspieltheit, die weit über das Klischee-Songwriting hinausgeht, lässt die R’n’B-Wellen von „Like Me“ besonders wohltuend wirken und auch das Interlude „Tomi Losdis Bol“ gerät zu einem unterhaltsamen Stopp auf dem Weg.

Zum Closer „FU“ wird es dann zum ersten Mal so richtig emotional, wenn Isaac in bester Olivia Rodrigo-Manier das Teenie-Herz befeuert: „I wish I never had to know you“ singt sie hier, ohne dabei jedoch ins Überdramatische zu geraten. Das Große steckt hier im Kleinen, das Geradlinige im Verzwickten – und der große Pop-Hype in der Nischen-Playlist.

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei made records.

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