Kid Dad – Bloom EP

Review: Mit "Bloom" verpassen Kid Dad ihrem Sound die nötige Neuausrichtung. Diese gelingt und öffnet die Band für die hiesige Indie-Szene.

Kid Dad ziehen es vor einzelne Singles zu veröffentlichen statt lange Zeitintervalle zwischen Releasezyklen verstreichen zu lassen. Damit nähern sich die Paderborner dem Zeitgeist, der in Indie und Rock eigentlich noch nicht wirklich Fuß gefasst hat. Ihre letzten vier Singles bündelt die Band nun mit einem zusätzlichen Song zu der EP „Bloom“. Die weicht die Kanten des bisherigen Kid Dad-Sounds angenehm auf.

Der nächste Langspieler (…) muss gewaltige Schritte wagen, damit die Paderborner sich nicht in der Eindimensionalität ihres eigenen Schaffens verlieren“, das schrieb ich noch vor anderthalb Jahren über das erste Album der jungen Band. Und tatsächlich: „Bloom“ bietet diesen Ausbruch aus alten Routinen. Ihren Grunge-Anteil streicht die Band nahezu komplett, dafür gibt es mehr Indie. Am nächsten an „In A Box“ und der dort konzentrierten „leise Strophe, lauter Chorus“-Formel ist da noch „Wire & Guns“. Der hat sogar eine letzte Katharsis-Steigerung zum Schluss, kann inmitten der Andersartigkeit jedoch viel greller und farbenfroher blühen als die Stücke des Debüts.

Die übrigen vier Songs stehen für sich und präsentieren die Stimme von Sänger Marius Vieth mehr als Melodieführerin denn als provokant gegen den Soundstrom anhaltende Felsformation. So etwa in „Apartment“ und der Anti-USA-Hymne „As Soon As America“. Die zwei Songs zudem entfremden altbewährte Gitarren mit vielerlei Effekten und greifen vermehrt auf Instrumente fernab der typischen und langweilig gewordenen Rock-Besetzung zurück: Klavier, Xylophon, Synthesizer-Keys. Anders möchte auch „Hello?“ sein. Der wird maßgeblich von den entspannten Grooves der Rhythmus-Instrumente vorangetrieben während Gitarren und Synthies lediglich atmosphärisches Grundrauschen hinzufügen. 

Maybe I have lost control?“, fragt Vieth im spannungsbefreiten Chorus selbigen Songs und gaukelt damit stimmungstechnisch Heile-Welt-Szenarien vor. Dass Sound und Text nicht immer komplett Hand in Hand gehen, das passt zum in der hiesigen Indie-Szene vorherrschenden Vibe: Die Psyche ist im Arsch, die Welt sowieso, aber lasst uns auf den Trümmern tanzen! „Bloom“ macht sich dieses Motto zum Mantra und öffnet den Sound von Kid Dad damit neuen Zielgruppen. Weiterentwicklung geglückt!

Hier (physisch) kannst du dir die EP kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Kid Dad live 2022:

03.02. Köln, Blue Shell
04.02. Essen, Hotel Shanghai
05.02. Braunschweig, B58
06.02. Hamburg, Nochtwache
10.02. Kiel, Roter Salon
11.02. Hannover, LUX
12.02. Leipzig, Neues Schauspiel
13.02. Berlin, Badehaus
16.02. Stuttgart, Goldmarks
17.02. Frankfurt, Nachtleben
22.02. Dresden, Ostpol
23.02. Nürnberg, Club Stereo
24.02. München, Kranhalle
26.02. Osnabrück, Bastard Club

Die Rechte für das Cover liegen bei Long Branch Records.

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