MØ – Motordrome

Mo Motordrome

Einem Cyborg gleich starrt uns Karen Marie Ørsted, so der bürgerliche Name von MØ, vom Cover ihres dritten Albums an. Selbst irgendwo zwischen Mensch und Maschine stecken geblieben, kredenzt uns der dänische Synth-Pop-Star eine thematisch passende Ausführung: „Motordrome“ bezieht sich nämlich auf „dødstrome„, dem Karnevalstrick, bei dem Stuntpersonen auf Motorrädern an senkrechten Wänden eines Motordroms entlangfahren. Das sei eine ideale Metapher für den Kampf mit den eigenen Panik- und Angstzuständen, finden Ørsted und Mutter – und so entsteht der Titel zum Album, der sich mit ebenjenen inneren Dämonen herumschlägt. Schafft MØ den Sprung aus dem Hamsterrad denn?

Der erste Sprung sitzt

Pressetexte, Albencover, zugehörige Visuals – alle wollen uns den Eindruck vermitteln, dass MØ nun eine neue Ära angetreten hat. Eine, die mit spaßigem Scandi-Pop wenig zu tun hat und dafür lieber mit der dunklen Seite flirtet. Das merkt man „Motordrome“ vor allem in seinen teils etwas schwermütigeren Synthesizern an, insgesamt lädt die Platte aber nicht minder zum Tanzen als seine Vorgänger. Dafür gibt es lupenreinen Pop, den die Dänin von Sekunde 1 auf die großen mentalen Bühnen hebt: Die Viererfolge aus „Kindness“, „Live To Survive“, „Wheelspin“ und „Cool To Cry“ ist fraglos unwiderstehlich – und passt perfekt zum Zeitgeschehen. Dicke Beats, 80s-Vibes en masse, dazu Texte über Empowerment, Dankesreden an die Fans und eine Stimme, die leicht bricht, aber nie wirklich aneckt. Wo wir beim anderen Thema wären.

Der zweite etwas zu sehr

Rausbrechen aus dem engen Release-Reigen wollte die Musikerin, die sich nach dem großen Erfolg ihres Debüts „No Mythologies To Follow“ den Zweitling „Forever Neverland“ im Nachgang vielleicht etwas zu leichtfertig aus dem Ärmel schüttelte. So wirklich gut ging es der Musikerin bei der Rückkehr nach der zugehörigen Tour nämlich nicht. Deswegen die wohlverdiente Auszeit, in der nun „Motordrome“ entstand. Und zwar ohne Jetsetten, sondern – Corona sei Dank – in Dänemark. Dazu holt sich MØ Bekannte an Bord, zum Beispiel Caroline Ailin (Dua Lipa, Katy Perry, Ellie Goulding) und Noonie Bao (Halsey, Charli XCX, Carly Rae Jepsen), aber auch unter anderem Ariel Rechtshaid (Haim, Vampire Weekend, Adele), Jam City (Olivia Rodrigo, Troye Sivan) und SG Lewis (Dua Lipa). Ganz schön viele große Namen. Und vielleicht bricht „Motordrome“ deswegen im gesamten Albumverlauf etwas in sich zusammen.

Denn trotz der lupenreinen Produktion und spannender Hintergründe (Thema: Hexen & Okkultismus) ist der Sound etwas zu eindimensional, glatt geschliffen und geradeheraus geraten. Dass da mehr gegangen wäre, zeigt das bedrohliche „Hip Bones“ und das spannend brüchige „Youth Is Lost“, bei dem die Dänin sogar einen leichten Schrei in der Mitte rauslässt. So bleibt insgesamt ein sehr unterhaltsames Empowerment-Album, das den Sprung aus dem Pop-Hamsterrad etwas zu selten wagt.

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