Mumford & Sons – Delta

“Delta” ist der vierte Buchstabe des griechischen Alphabets und zudem die Bezeichnung einer Flussmündung in einen See oder einen Ozean. Gekennzeichnet ist diese vor allen Dingen durch die vielen kleinen Mündungsarme, die das Wasser über viele verschiedene Wege in das große Gewässer führen.

Bands, die mit einem einzigartigen Sound urplötzlich die größten Hallen der ganzen Welt bespielen dürfen, haben ein schweres Los gezogen. Nach dem gigantischen Debütalbum folgt mit den kommenden Alben die Entscheidung für eine Stilrichtung. Häufig stellt sich die Frage, ob man auf seinen Trademark-Sound vertraut oder sich doch eher dem Mainstream fügt, um noch schneller noch größere Hallen zu erobern – oder in Belanglosigkeit unterzugehen.

Ähnlich ergeht es den Briten von Mumford & Sons, die seit ihrem Debütalbum “Sigh No More” und Hits wie “Little Lion Man” und “The Cave” als Headliner der Indie-Festivals gesetzt sind. Bisher blieben die erschienen Alben ihrem Stil treu, der sanfte Indie-Folk, der sich auch manchmal etwas tanzbarer gestaltet, wurde kaum abgewandelt. In der schnelllebigen Musiklandschaft sind drei Jahre jedoch eine halbe Ewigkeit und 2018 braucht es dann doch mal ein neues Album: Nummer vier mit unter dem Titel “Delta”. Der Pressebericht beschreibt das Werk als abwechslungsreich – und ja, manchmal versprechen derartige Texte nicht zu viel. Der Opener “42” beginnt ganz ruhig, ein Kopfstimmen-Chor steigt ein, plötzlich erklingt ein leicht elektronischer Beat, der einem erstmal einen unbehaglichen Schauer über den Rücken laufen lässt – das kennt man bisher eher nicht von der Band. Aber dann schwingt sich der Song mitsamt Elektro und Folk-Klängen in einen großen, traurigen Refrain und man kann sich beruhigt daran erinnern, dass elektronische Beats ja nicht gleich immer ein Zeichen für Ausverkauf sind. “Guiding Light” ist einer der bereits erschienenen Songs und geht auf bekannten Pfaden den Folk-Track weiter, was jedoch nicht für das restliche Album gilt. “Woman” wird von einem kühlen Pop-Beat geleitet, ist unglaublich düster und sehr ruhig, “The Wild” beginnt mit sanftem Klavier und einer gezupften Akkustik-Gitarre, bis sich später ein kleines Orchester mit Streichern und Trommeln aus dem Song herausschält. Wenn die Songs ausbrechen, was bis zu dieser Stelle kaum geschieht, dann auf rein instrumentaler Ebene. Sänger Marcus Mumford hält sich zurück und zeigt den Charts bis dahin den Stinkefinger, denn für Pop-Songs sind die Lieder viel zu zurückgezogen und verschachtelt. Doch dann kommen “Rose of Sharon” und “Picture You” – zwei Lieder, die mit elektronischen Elementen spielen, leise Handclaps und Synthies einbauen, wobei ersterer noch experimenteller gestaltet ist und zweiterer definitiv ein waschechter Pop-Song ist. Aber genau weil das Album dem Versprechen von “vielseitig” entspricht, heißt das nicht unbedingt etwas Negatives. Denn auf Pop folgt mit “Wild Heart” erstmal ein jazziger Song, der sogar orientalische Rhythmen einbaut und “Forever” verbindet schließlich sogar Vocoder-Effekte mit einem sonst ziemlich typischen Mumford & Sons-Song.

Ähnlich wie bei einem Flussdelta suchen sich auch Mumford & Sons nach einigen Jahren im wohlig eingerichteten Folk-Räumchen neue Abzweigungen. Dabei wählen sie nicht die offensichtlichen, die vielleicht auf den ersten Blick die meisten Früchte tragen, sondern die, die auch auf Dauer dafür sorgen, dass die Band im großen Indie-Dschungel relevant bleiben. “Delta” ist nicht das einfache vierte Album, das die Band hätte machen können. Es ist ein Wagnis, das viele Facetten vereint und zeigt, dass die Band keine Lust auf platt getretene Pfade hat. Hut ab!

Das Album “Delta” kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Mumford & Sons live 2019:

  • 01.05.2019 Olympiahalle München
  • 13.05.2019 Festhalle Frankfurt
  • 15.05.2019 Lanxess Arena Köln

Rechte am Albumcover liegen bei Universal.

 

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