Okkultokrati – La Ilden Lyse

Cover von Okkultokrati "Okkultokrati - La Ilden Lyse"

Es ist Nacht in der skandinavischen Einöde. Dicht an dicht ragen Nadelbäume einer gigantischen Armee gleich in den erleuchteten Sternenhimmel. Leichter Nebel verleiht der Szenerie etwas mystisches, düsteres. Die Bäume selber und alles, was sich unter ihren spitzen Kronen befindet, sind in erdrückende Finsternis gehüllt und nur als Schatten wahrnehmbar. Eine einsame Laterne erhellt einen winzigen Radius Nadelwald: Abgesehen von den Sternen am Firmament ist das die einzig wahrnehmbare Lichtquelle. Diese faszinierende Naturszenerie ziert nicht nur das Cover von „La Ilden Lyse“, sondern beschreibt im gleichen Zuge das Setting der neun Stücke des neuen Okkultokrati-Albums.

Die Kunst der Eindimensionalität

Der homogenen Szenerie des Cover-Bildes entsprechend orientieren sich Okkultokrati für LP #5 vorrangig an eindimensionalen Mustern. Und das soll lediglich den Ansatz beschreiben und nicht eine Bewertungs-Tendenz geben: Die Stimmung ist durchgehend düster, der Gesang ausnahmslos keifend und entmenschlicht sowie die Instrumentierung schlicht. Ließen die zwei Vorgängerwerke „Night Jerks“ und „Raspberry Dawn“ erstmals Synthesizer in den Punk-Rock-Extreme-Metal-Sound des Quintettes ein und verfügten deshalb über – zumindest etwas – farbenfrohere Artworks, so verschwinden die Tasteninstrumente nun wieder vollständig aus dem Okkultokrati-Sound. Der lässt deshalb nicht mehr Raum für Ambient-Trips wie „Leave And Be Gone“, sondern klingt fetter denn je und setzt im Vordergrund auf simple Punk-Gitarren-Motive und hintergründig auf akzentuiert gesetzte Melodielinien. Diese heben mal begleitend die bestialischen Vocals von Frontmann Henning hervor, steuern mal eigene Motive bei. Kein Wunder, dass das Cover bei derartiger Brachialität bis auf leichte Grau-Abstufungen wieder komplett schwarz-weiß gehalten ist.

Der Gänsehaut-Soundtrack einer schummrigen Fantasie

Nach diesem simplen musikalischen Muster funktionieren alle neun Stücke der Platte. Die nehmen sich zumeist nicht viel Zeit für Spannungsaufbauten und brettern unverhofft drauf los. Von Song zu Song leiten lediglich einige wenige sehr kurze Interludes, die von dystopischen Störgeräuschen dominiert werden. Das unterstreicht die Szenerie des abgelegenen Tannenwalds bei Nacht nur noch weiter. Man stelle sich nur vor die Person an der einsamen Laterne zu sein. „La Ilden Lyse“ liefert den Gänsehaut-Soundtrack zu dieser schummrigen Fantasie. 

Als maßgebendes Stilmittel hält zudem die Repetition her: Weder Stimme noch Musik setzen auf viel Variation. Vielmehr werden einzelne Motive zu Gunsten der dichten Atmosphäre so lange wiederholt, bis einzelne Passagen in den Hintergrund rücken. Das kann beizeiten an der Aufmerksamkeit zehren, die Zuhörer*innen der Musik schenken, lässt die bedrückende Stimmung aber noch dichter erscheinen. Hoch ist zu jeder Zeit außerdem das Energielevel. Den Hardcore-Einfluss der Band vernimmt man zwar nur noch als leichtes Leuchten am Horizont, Fäuste-Reck-Passagen und knatternde Drums gibt es natürlich trotzdem. „Loathe Forever“ hält da als maßgebender Song her: Zwischen catchy Riffing, spannenden Akzentverschiebungen, breiten Melodiegitarren im „Chorus“ und mitreißenden Grooves verfügt die mitreißende Vorabsingle über genau jenes Level an Energie, das Okkultokrati-Songs ausmacht.

„La Ilden Lyse“ – das heißt übrigens so viel wie „Halte das Feuer am Leben” – ist die wohl bislang düsterste und unzugänglichste Okkultokrati-Platte. Spart das Quintett für Album Nummer fünf an dicker Instrumentierung, so setzt es als Ausgleich eine dicke Portion Grusel-Atmosphäre oben drauf. Die Cover-Szenerie dient da mit ihrem dichten Tannenbewuchs und Sternenhimmel als perfekte Ausgangslage für den Hörtrip.

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Und so hört sich das an:

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Die Rechte für das Cover liegen bei Southern Lord.

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