Sierra Kidd – Rest in Peace

Sierra Kidd - Rest in Peace

Sierra Kidd hat vergangenen Freitag – 09. Juni – sein zweites Album Rest in Peace veröffentlicht. Nachdem der 20-jährige Niedersachse Ende Oktober über sein eigen-gegründetes Label Teamfucksleep bereits die beiden EPs B4FUNERAL und b4death herausgebracht hatte, war medial zunächst das baldige Karriereende des jungen Rappers spekuliert worden. Dem widersprechend hatte Manuel Jungclaussen – wie man Sierra Kidds bürgerlich ruft – jedoch in einigen Interviews erklärt, dass er auf Rest in Peace lediglich eine neue Richtung einschlagen wolle, die einen Erwachsenen Sierra Kidd zeige. Nun also ist es so weit. Doch wie klingt nun dieser angekündigte „veränderte“ Sierra Kidd?

Der Rapper, der am Anfang seiner Karriere noch beim Label Indipendenza mit Labelchef Raf Camora unter Vertrag stand, hat sich in seiner musikalischen Vergangenheit bis dato eher weniger aus anstrengenden Promo-Phasen gemacht. Das hat sich mit seiner neuen Platte verändert: Albumcover, Tracklist, Feature-Gäste und einige Vorabsingles (Wavy, Go go, Cobain) wurden im Vorfeld der Veröffentlichung fleißig in den sozialen Medien geteilt. Auch optisch hat Kidd einige Veränderungen an sich vorgenommen: Besonders markante Gesichtstattoos zieren seit wenigen Monaten seine Schläfen.

Doch vor allem Sound-technisch hat der „neue“ Sierra Kidd auf seiner Platte eine Menge – (Achtung, der kommt flach) – zu „beaten“: Futuristische Trap-Beats mit vielen Snare Rolls, Gun Sounds, Drum Loops und einer geballten Ladung Auto-Tune legen das Grundgerüst des Albums. Insbesondere der die Intonation des Gesangs verändernde Effekt Auto-Tune wird dabei nahezu in jedem Lied, in jeglicher Strophe, nun, eigentlich auf jedem der vierzehn Tracks angewandt und bis zum Erbrechen ausgespielt. Keine Frage: Sierra Kidd verfügt sicherlich über musikalische Skills und Fertigkeiten, jedoch wäre eine kurze Verschnaufpause, die dem Hörer hie und da ein paar „normale“ Vocals gewährt hätte, wohl durchaus angenehmer gewesen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Texte des 20-Jährigen einen immensen Gehalt an Anglizismen beinhalten, die den Hörer stören, contentwise updated zu stay’n. Zudem ist diesmal kein einziger Albumtitel, wie der Trackliste zu entnehmen ist, in deutscher Sprache gewählt. Auch der „Content“ des Albums lässt sich schnell circa folgend zusammenfassen: Drogenkonsum, Waffenbesitz, Selbstverherrlichung und Dope-sein.

Jedoch trifft man beim Hören des Albums auch auf einige ernste, tiefgründige Songs. „Don’t do it Juri“ beispielsweise thematisiert die Geschichte des suizidgefährdeten Juris, Kidds Freund und ehemaliger Mitbewohner. Der Song erzählt dabei eine Geschichte aus der Zeit des Rappers, die von finanziellen Engpässen geprägt war und nicht nur bei seinem Freund, sondern auch bei ihm zu starken Depressionen führte. Vor allem die Line „Dreh dir nie wieder die Schlinge um den Hals. Bro, das hat mich gekillt“ hinterlässt beim Hören des Stückes ein unbehagliches, mulmiges Gefühl. Auch die immer wiederkehrende, melancholisch-untermalte Hook „Ich kill’ mich, bevor du’s tust“ prägt sich schnell ein und ermöglicht dem Hörer, einen tieferen Einblick in Sierra Kidds Gefühlslage zu erhalten und seine Metamorphose nachzuvollziehen.

Am Sonntag veröffentlichte Sierra Kidd nun aber auch die inzwischen vierte Singleauskopplung des Albums mit dem Song „Sensor“. Mit dabei auch die beiden YouTube-Stars Paola Maria und Mike Singer, der die Hook des Songs übernimmt. Es ist einer der definitiv radiotauglichsten Songs des Albums, der mit folgenden Worten einen recht tiefgründigen Sound bietet.

„Der Winter ist dein Mentor. Für Kälte hab’ ich einen Sensor. Die Menschen draußen kommen mir gelenkt vor. Deshalb kennt keiner für dich das Kennwort.“

Obwohl das Album stellenweise gut produziert wurde und viele Einblicke in das Leben des Jungen Rappers gibt, ist der Sound des „neuen“ Sierra Kidds vor allem eins: Gewöhnungsbedürftig. Besonders die vielen denglischen, mit Repetitionen versehenen Wörter, die via Auto-Tune auf unzähligen Tracks erschallen, hängen dem Hörer spätestens nach vier Tracks aus den Ohren heraus. Obwohl das Album mit Sicherheit viele begeisterte Zuhörer finden wird, muss ich gestehen, dass mir persönlich die Musik des alten Sierra Kidds besser gefallen hat. Aber das ist bekanntlich ja Geschmackssache…

 

Und so hört sich das Ganze an:

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https://www.youtube.com/watch?v=_p_bIKw644Q

 

Tracklist

  1. Cutthroat
  2. Wavy feat. Mena
  3. Juice
  4. Commas feat. Danju
  5. Mokuba Skit
  6. Cobain
  7. Smoke On
  8. Bag
  9. Go Go
  10. Ic Ic
  11. Shots
  12. Copied
  13. Sav Freestyle
  14. Sensor feat. Mike Singer
  15. Don’t do it Juri

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Coverrechte liegen bei: TeamFuckSleep (Chapter ONE / Universal Music)

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