Skunk Anansie – 25Live@25

Skunk Anansie 25Live@25

Herzlichen Glückwunsch zum Vierteljahrhundert, Skunk Anansie! 1994 gründet sich in London eine der wohl individuellsten Bands, die das Musikbusiness je hatte. Auf instrumentaler Ebene eine Gratwanderung zwischen Rock, Indie, Metal, Alternative und Brit-Pop – gesanglich verfeinert mit einer schwarzen Soulstimme, die eben auch Rock kann und auch politisch was zu sagen hat. In den 25 Jahren gab es sechs Studioalben, eine Best Of, eine Akustik-Liveplatte, eine knapp zehn Jahre andauernde Pause, wenig schlechte Schlagzeilen und Soloprojekte, schlussendlich aber einfach hervorragende Musik. Um das gebührend abzufeiern, folgt passend zum 25jährigen-Jubiläum am 25.1. eine Live-CD mit – ihr werdet es schon erraten haben – 25 Tracks! Wobei… eigentlich 26. Aber dazu später mehr.

Fast zwei Stunden Livemusik auf zwei CDs. Das klingt doch erstmal lecker. Guckt man dann auf’s Tracklisting, bekommt man sogar richtig Hunger. Ist ja gar nicht so einfach, aus sechs Alben das Richtige herauszupicken. Glücklicherweise gelingt das Skunk Anansie hier nahezu vollkommen. Der geneigte Nörgler wird wahrscheinlich sagen: „Die Trackliste gab es so auch schon auf der „Smashes & Trashes“-Greatest Hits“ – stimmt! Bis auf drei Songs wurden die Songs quasi übernommen. „Und dann gab’s doch schon ‘ne Live-CD, die fast die gleiche Tracklist hatte!“ – stimmt! Auch hier gleichen sich immerhin 12 von den insgesamt 18 Songs der „An Acoustic Skunk Anansie“. Wo ist nun also der Nährwert?

Zunächst handelt es sich natürlich um ein Geschenk zum Bandgeburtstag. Des Weiteren ist es wirklich das erste Live-Release, das den regulären rockigen Sound der Band präsentiert. Da war die Akustik-Scheibe eher der Ausritt. Somit erhält man nun eine geupdatete Best Of mit einer Hand voll neueren Tracks oben drauf und vor allen Dingen einem satten Sound, der auch schön pfeffert. „25Live@25“ stellt unter Beweis, dass Skunk Anansie eine Band sind, die wirklich (!) gut sind. Nahezu jeder Titel wirkt Live wie reproduziert und kommt an die Studio Version sehr, sehr nah dran. Die Jungs machen ihre Arbeit an den Instrumenten vorzüglich und Frontfrau Skin… ja, Skin haut einfach RICHTIG einen raus. Zwar handelt es sich nicht um ein komplettes Livekonzert sondern mehr um eine Collage, weswegen man mit den Superlativen etwas aufpassen muss, aber: die gesangliche Leistung von Skin ist Weltklasse. Ende der Diskussion. Man hört, dass es sich um eine wirkliche Liveaufnahme handelt und nicht 7838 Sachen nochmal verändert und bearbeitet wurden. Beachtet man diesen Aspekt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr so schnell raus. Tonale Perfektion, grandiose Emotion und schwindelerregende Höhen, Längen von Tönen und… einfach alles! Atemberaubend.

Um trotzdem nochmal auf die Setlist zurückzukommen – „25“ ist ein klein wenig gemogelt. Mit „You’ll Follow Me Down“ gibt es einen Bonustrack und somit 26 Songs. Etwas inkonsequent. Trotzdem gut so, da es sich um einen wahren Skunk Anansie-Classic handelt. Es ist und bleibt immer wieder schade, dass zig Leuten der Name Skunk Anansie nicht auf Anhieb was sagt. „Just because you feel gooooood“ – ach, die sind das! Ja. Genau. Und die haben ungefähr noch 20 ähnlich geile Songs. Das allgegenwärtige „Hedonism“ aus dem zweiten Album „Stoosh“ ist natürlich genauso am Start wie andere Tracks, die sich zu entdecken lohnen, falls sie einem bisher verwehrt blieben: der wohl zweitbekannteste Killer „Weak“ hat nichts an Genialität verloren und vereinigt tolle Metaphorik mit einer Melodie zum Verlieben und dem Verlangen alles Herauszubrüllen. „I Can Dream“ klingt hier Live so gut wie nie zuvor. „Twisted (Everyday Hurts)“ und „My Ugly Boy“ machen weiterhin einfach nur Spaß. „Selling Jesus“ war als erste Single ein Geniestreich und geht auch heute noch richtig steil. Zwar gab es leider auf den letzten beiden Alben wenige Highlights, sodass diese auch auf der Live-CD wenig Platz finden, obwohl es mit „Love Someone Else“, „Spit You Out“ und „Death To The Lovers“ drei der Besten geschafft haben. „Squander“ hätte Potenzial zu einer der größten Rockballaden der letzten Dekaden zu werden und braucht viel mehr Aufmerksamkeit. Obendrauf findet man einige klare Statements in „Little Baby Swastikkka“, „Yes, It’s Fucking Political“ oder „Intellectualise My Blackness“.

Was genau hindert dann die Platte daran, perfekt zu sein? Leider fehlen zwei extrem gute Singlehits: „Brazen (Weep)“ und „I Believed In You“. Außerdem wären vielleicht „We Don’t Need Who You Think You Are“ oder „She’s My Heroine“ schön gewesen, aber um die vorher genannten tut’s wirklich etwas weh. Stattdessen sind No-Names wie „Without You“, „My Love Will Fall“ oder das etwas stressige „This Is Not A Game“ eher überflüssig. Aber damit muss man nun leben. Zusätzlich könnte man nun den Aufnahmen vorwerfen, dass sie keine neuen Arrangements bieten, sondern sich eben möglichst an den Originalsongs orientieren, ohne endlose Gitarrensoli oder Freestyleparts. Das ist aber Geschmackssache und aus einer anderen Perspektive eben auch beeindruckend, dass vieles Live 1:1 so klappt.

Fazit: „25Live@25“ könnte soundtechnisch dem Jubiläum der Band nicht mehr huldigen. Die Songauswahl ist bis auf Kleinigkeiten grandios und Skin ist einfach eine gesangliche Maschine. Klassischer Rock, der handgemacht ist, berührt und auch nach so vielen Jahren nichts an Intensität verloren hat. Und die, die immer noch nicht Skunk Anansie auf dem Schirm haben, haben hier nun ihre größte Chance. Bitte wahrnehmen!

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