SXTN – Leben am Limit

Die beiden Rapperinnen Juju und Nura, die gemeinsam das Berliner Hip-Hop-Duo SXTN bilden, haben am heutigen Freitag (02.06.2017) ihr Debütalbum „Leben am Limit“ veröffentlicht. Frei nach dem Motto: „Die FTZN sind wieder da“, lassen es die Berlinerinnen dabei auf 12 Songs gewaltig krachen.

Nachdem SXTN bereits mit der Veröffentlichung ihrer ersten Single „Deine Mutter“ im November 2015 sowie mit ihrer EP „Asozialisierungsprogramm“ (April 2016) in den Medien einen fulminanten Start hingelegt und für ordentlich Furore gesorgt haben, wird ihr neustes Werk „Leben am Limit“ die Gemüter anheizen, denn das Album offeriert auch diesmal eine geballte Ladung provokanter Texte.

Fünf der zwölf Tracks (“Die FTZN sind wieder da”, “Bongzimmer”, “Er will Sex”, “Ständer” und “Von Party zu Party”) sind schon vorab des Releasedates mit entsprechend aufwändigen Musikvideos veröffentlicht worden und dienten als kleiner Vorgeschmack auf das Album. Doch auch beim Betrachten und Hören der übrigen sieben Songs fällt auf, dass SXTNs Platte vor allem partyfähige Trapbeats, die musikalisch wie textlich stark an Frauenarzt und King Orgasmus One erinnern, bietet. Ausgenommen davon sind lediglich Tracks wie „Bongzimmer“, „Partyopfer“ oder „Schule“, die mit ihren ruhigeren, gar ernsteren Klängen eher einen kleinen Teil einnehmen.

Der Track „Schule“ beispielsweise beschäftigt sich mit einer tiefgründigen Thematik: Unzufriedenheit, Krisen und Probleme in der Schule, die den Alltag unerträglich werden lassen. Doch diese Beklommenheit weckt zunehmend den Wunsch, Musik zu machen. Die chorisch-gesungene Hook, die für SXTN-Verhältnisse fast schon melancholisch wirkt, mit den Worten: „Ich habs euch doch gesagt, Schule ist für ‘n Arsch. Guck mal jetzt bin ich am Start und meine Träume werden wahr“, würde zwar jede besorgte Mutter nach Luft schnappen lassen, aber ruft gleichzeitig – vor allem an die jüngeren Zuhörer gerichtet – dazu auf, den Kopf trotz diverser Schulprobleme nicht in den Sand zu stecken und seine Träume nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Song „Partyopfer“ stellt hingegen  – im Gegensatz zur Feierhymne “Von Party zu Party” – das Berliner Nachtleben mit all seinen chemischen Substanzen kritisch in den Fokus und unterstreicht das Paradoxe, das Scheinheilige an einem Partybesuch: „Wir machen auf gesund, aber werden kränker. Im Herzen sind wir Penner, aber tun auf Bänker“, heißt es in der ersten Strophe. Ohnehin widmen sich inhaltlich viele Songs des Albums dem ausgelassenen Alkohol- und Drogenkonsum sowie dem Berliner Partyleben, wenn auch meist in ausgelassener, mit Auto-Tune aufgemotzte Partymusik glorifiziert. Tatsächlich eben ein “Leben am Limit”, wie es auf dem Booklet steht.

Dabei schlagen SXTN, die auch auf dieser Platte ein gewisses Selbstverständnis und Selbstbewusstsein an den Tag legen und so vor allem an US-amerikanische Vorbilder wie Queen Latifah oder Lil Kim erinnern – in ihren Texten stets einen souveränen, rauen und vulgären Ton an. Auch das Spiel mit Klischees der Männlichkeit lassen sich die beiden Neuköllnerinnen, die von Kritikern im Jargon gerne als die moderne Ausgabe von Tic Tac Toe gehandelt werden, in Hits wie „Ständer“, „Er will Sex“ oder „Ausziehen“ nicht nehmen. Vor allem letzteres ist wohl der Grund, warum die Musik des Duos bis dato eher auf weniger Gegenliebe gestoßen ist. Unberechtigt, wie man meinen könnte, denn vor allem die einen oder anderen gewitzten Punchlines des Albums können überzeugen.

Obwohl es weibliche MCs in Deutschland ohnehin oft nicht leicht haben, ernst genommen zu werden und sich stets im Vergleich zu männlichen Rappern durchsetzen und erklären „müssen“, beweisen SXTN auf ihrem Album, dass sie was von Rap verstehen und zugegebenermaßen über großartige Battle-Skills verfügen. Denn, auch wenn man voreingenommen sein sollte: Juju und Nura haben ihr Können unter Beweis gestellt, ohne dabei im Auftrag irgendeiner feministischen Botschaft unterwegs zu sein. Sie machen, worauf sie Lust haben und rappen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – und das sogar auf gute, den Puls der Zeit treffende Beats.

Wer sich heutzutage allerdings noch daran stören sollte, dass Frauen leicht bekleidet und mit obszönen, wohlgemerkt deutschen Kraftausdrücken um sich schmeißend die Charts erklimmen, sollte sich vermutlich zunächst mit Begrifflichkeiten wie „Sexismus“, „Gleichberechtigung“ oder „Ist-verdammt-nochmal-nicht-dein-Bier“ vertraut machen. Fest steht: SXTN sind auf dem besten Weg, sich einschneidend zu etablieren und deutschsprachigen Rap von Frauen populär zu machen. Wir wünschen ihnen dabei viel Erfolg!

Trackliste – „Leben am Limit“

  1. Die FTZN sind wieder da
  2. Er will Sex
  3. Von Party zu Party
  4. Schule
  5. Bongzimmer
  6. Ständer
  7. Ausziehen
  8. Partyopfer
  9. Frischfleisch
  10. Heul doch
  11. Ich hab kein Feuerzeug
  12. Vorstadtjunge

Und so hört sich das Ganze an:

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Bildrechte des Covers: © JINX Music

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