The Murlocs – Bittersweet Demons

Review: The Murlocs aus Melbourne überzeugen auf ihrem fünften Album "Bittersweet Demons" mit sonnigem Psych-Pop.

Schnappt euch ein eiskaltes Victoria Bitter und genießt mit dem fünften Album der Band aus Melbourne sonnendurchfluteten Psych-Pop, der wie für die Party am australischen Surferstrand gemacht ist. Prägende Stilmittel von The Murlocs bleiben das schwindelerregende Mundharmonikaspiel und der temperamentvolle Gesang von Sänger/Gitarrist Ambrose Kenny-Smith. Im Gegensatz zu den Garage-lastigeren Veröffentlichungen bisher ist „Bittersweet Demons“ weniger ungezügelt und auch die Fuzz-Pedale bleiben diesmal größtenteils im Gitarrenkoffer. Dafür bauen die Australier ihre Songs auf sanfte Piano-Melodien und verschmelzen diese mit Rhythm & Blues, Power-Pop, Neo-Psychedelia, Jangle und Glam zu einem verträumten 60s/early-70s-Hybriden, der irgendwo zwischen John Lennon/Plastic Ono Band, Creedence Clearwater Revival und einem frühem David Bowie zu seiner Ziggy Stardust-Zeit rangiert.

Im Dunstkreis des Echsenzauberers

Wenn man herausfinden will, was Murlocs sind, wird man hauptsächlich mit den notorischen Fischmonstern aus dem noch viel notorischeren Computerspiel World of Warcraft konfrontiert. Laut Frontmann Kenny-Smith sind es jedoch Fabelwesen, die ein mystisches Orakel anbeten. Was auch immer der Bezug der Band zu diesen fiktiven Amphibienwesen sein mag, bleibt letztlich unklar. Deutlich klarer ist zumindest der Bezug zu den ähnlich schuppigen King Gizzard And The Lizard Wizard, die den Thron im australischen Psych-Olymp für sich beanspruchen. Bei den Genrevettern sind nämlich mit Kenny-Smith und Cook Craig zwei der fünf Murlocs Teil ihrer Alben-produzierenden Hochleistungsfabrik. Auf „Illuminate The Shade“ blitzen so stellenweise King-Gizz-Gitarren auf und ein gewisser „Fishing for Fishies“-Vibe ist durch die prägende Mundharmonika auch nicht zu verleugnen. Dank Blues-Anleihen und permanentem Groove ohne psychodelische Machtdemonstrationen bleiben The Murlocs aber entscheidend eigenständig – so übrigens auch von den Genrenachbarn Ty Segall, King Tuff, Babe Rainbow oder Osees.

Hippies und Dämonen

Cleane Jangle-Gitarren und verträumte Wurlitzerorgel-Melodien kaschieren mit ihrem Hippie-Feelgood-Flair die Theatralik die etwa dem Titeltrack „Bittersweet Demons“ innewohnt. Der Text handelt nämlich von dem befreundeten Skater Keegan Walker, der 2019 verstarb, sowie den unterschwelligen Dämonen, die vor allem Leute haben, bei denen es immer so aussieht, als hätten sie alles im Griff. Sämtliche Lyrics von Kenny-Smith sind so persönlich und stellen Charakterstudie sowie Hommage an Familienmitgliedern oder Weggefährten zu gleichen Teilen dar – wobei Songs wie „Francesca“, in direkter Anspielung an seine gleichnamige Mutter, auch neu gefundene Lebensfreude zelebrieren.

Die entspannt nostalgische Grundatmosphäre auf „Bittersweet Demons“, stiehlt sich allerdings selbst etwas die Show. Neben dem krachenden Opener „Francesca“, dem Bowie-bluesigen „Eating At You“, Slacker-Song „Skewhiff“ und der drückenden Bassline im Titeltrack bleiben überraschend wenig Refrains und Melodien hängen. Im gesamten Arrangement ist das Album allerdings durch den eigenwilligen Sound, abwechslungsreiche Soundkulisse und hervorragenden Gesang, mit dem Kenny-Smith stimmlich an Prince-Sphären kratzt, ein wahrer Genuss, das hoffentlich auch eine Halbwertzeit über den Sommer hinaus hat.

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