Ghost – Nachricht von Sam: Das Musical, Capitol Theater Düsseldorf, 22.02.2023

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Patrick Swayze war in den 80ern und frühen 90ern ein wahrer Frauenheld. Heute wäre er zweifelsfrei ein Held für alle Geschlechter. Sympathie, gutes Aussehen, Talent im Tanzen und Singen – ein richtiges Package eben. Gleich dreimal wurde der Schauspieler, der lediglich 57 Jahre alt werden durfte, für einen Golden Globe nominiert. Neben seiner legendärsten Performance 1987 als Johnny in „Dirty Dancing“ erlangte er wenige Jahre später erneut Kultstatus als Geist Sam, der in dem Film Ghost – Nachricht von Sam probiert, seiner hinterbliebenen Liebe Molly zu übermitteln, wer wirklich an seinem Tod Schuld hat, nämlich sein vermeintlicher bester Kumpel Carl.

Ghost avancierte zu einem Romantikklassiker und geht sogar über 30 Jahre später einfach immer noch. Im vergangenen Jahrzehnt probierte man sich erstmalig an einem Musical zum Megahit, gab es bereits mehrere erfolgreiche Bühnenstücke von Filmen, die mit ein paar Gesangsnummern aufgepeppt wurden und in den Theatern eine tolle Figur machten. Nach seiner Premiere im März 2011 in Manchester ging Ghost wenige Monate später an den Londoner West End, wo man allerdings gerade einmal ein Jahr und drei Monate durchhielt. Auch am New Yorker Broadway schaffte man nur vier Monate, Leute ins Theater zu locken. Komisch, ist der Film eben absolut nicht totzukriegen. 2017 nahm Stage das Stück für Deutschland unter seine Fittiche und zeigte es mittelprächtig erfolgreich in Berlin, Hamburg und Stuttgart.

Auch wenn es für den ganz großen kommerziellen Wurf nicht reichte, gehört Ghost als Musical zur absoluten Königsdisziplin. Wirklich gut komponierte Songs, eine zwar bekannte, aber immer wieder tiefberührende Story, starke Charaktere und eine atemberaubende Bühnenshow. Diese Meinung scheint ein Kern der Musical-Bubble zu teilen, sonst würde sich ShowSlot nach einigen ausgewählten Vorführungen im vergangenen 2022 dieses Jahr nicht gleich 18 Städte bis Mitte Mai gönnen, die mit Molly und Sam live mitfiebern dürfen. Der Kick-off ist am 22.2., einem Mittwoch, in Düsseldorf – und wir sind dabei.

18 Städte haben natürlich immer zur Folge, dass viele Zuschauer*innen nicht weit anreisen müssen, deswegen aber auch keine all zu große Ambitionen haben, zur ersten Vorstellung zu fahren – immerhin kommt das Stück ja in den nächsten Wochen in irgendeine City direkt ums Eck. Praktisch. So ist der Saal im immer wieder schönen Capitol Theater Düsseldorf auch nur zur Hälfte voll, in der ersten Hälfte der Sitzreihen direkt vor der Bühne findet man aber nur noch vereinzelt freie Plätze. Mit einer kleinen Verspätung beim Einlass geht es fünf Minuten nach offiziellem Beginn los. Dann darf aber für einmal 70 und einmal 60 Minuten – unterbrochen von einer 20 minütigen Pause – geweint und gelacht werden.

Ghost – Das Musical hat mit seiner Originalproduktion echt auf die Kacke gehauen, das kann man nicht anders sagen. Geht es um übernatürliche Dinge wie Geister, die durch Wände gehen können, muss man tief in die Trickkiste greifen, um das Ganze passabel zu präsentieren. ShowSlot bleibt aber auch mit seiner Ghost-Produktion nirgendwo länger als maximal sechs Tage, sodass schlichtweg nicht die selbe Technik aufgefahren werden kann wie bei einem Long Run über mehrere Monate. Diejenigen, die Ghost also kennen und lieben, müssen sich auf eine gute Spur weniger Magie einstellen – diejenigen, die es bisher allerdings noch nicht gesehen haben, werden wahrscheinlich erst gar nicht auf die Idee kommen, dass irgendwas anders ist, denn für eine Tourneeproduktion ist diese Inszenierung echt ziemlich ordentlich im Bühnenbild.

Äußerst geschickt und klug ausgearbeitet können die zunächst sehr farblos wirkenden Wände, die aus vielen grauen Quadraten bis hoch zur Decke reichen, hin- und herbewegt, geöffnet, verschoben, auseinandergenommen werden und sind so richtig gute Allzweckwaffen. Ob heimeliges Wohnzimmer, kühle U-Bahn-Schächte, fancy Büroräume mitten in New York – geht alles. Ghost präsentiert sich in Düsseldorf immer mal wieder mit guten klassischen Theaterelementen, bei denen Fantasie gefordert ist, um die komplette Kulisse zu füllen, was aber durchaus positiv gemeint ist.

Besonders das wirklich tolle Timing führt dazu, dass auch mit weniger Elementen ein Hauch Zauberei durch den Saal weht. Zwar kommt es hier nicht zu dem „Wie haben die das denn jetzt gemacht?“-Effekt im Kopf, aber gut aussehen tut’s trotzdem. Schuld daran ist neben den Bühnenbildner*innen die ohne Zweifel durchweg großartige Besetzung. Jede*r Darsteller*in macht einen super guten Job und kann durch die reduzierten Special Effects das Können unter Beweis stellen. Allen voran ist der wie für die Rolle gemachte Thomas Hohler als Sam zu erwähnen, der nicht nur im Gesang permanent den richtigen Ton findet, sondern auch im Schauspiel voll auffährt. Sehr, sehr lobenswert. Doch auch das Zusammenspiel zwischen ihm und Katrin Merkl, die die Molly gibt, wirkt sehr authentisch. Merkl gibt besonders in den Minuten, in denen Sam stirbt, 100 Prozent Tragik und rührt zu Tränen, wirkt aber dann in manch anderen Momenten etwas aggressiv in ihrer Trauer. Da geht vielleicht noch etwas mehr Ruhe. Gesanglich wiederum hat sie mit dem Solo „Du“ den anspruchsvollsten Job, den sie solide meistert.

Kim-David Hammann ist als Carl erschreckend lieb, was der Storyentwicklung aber einen interessanten Anstrich verpasst. Frei nach dem Motto „Du kannst Menschen nur vor dem Kopf schauen“ verändert er sich mit seiner liebenswürdigen Art eben zu einem verdammt bösen Charakter. Trotzdem bekommt den größten Szenenapplaus erwartungsgemäß Louisa Heiser, die als schrullige, überdrehte Oda genau weiß, wie sie das Publikum auf ihre Seite bekommt. Spätestens bei dem Showstopper „Weit weg von hier“ rastet Düsseldorf mit Recht aus. Super Moment.

Nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge darf sich auf einige Highlights freuen. Kreative Ideen gibt es passend zu der doch recht komplexen Story glücklicherweise mehrfach. Im Kopf bleiben besonders die smoothen Bewegungen von Hohler als Sam, der es lernt, als Geist sich zu bewegen, die sehr cool gemachten U-Bahn-Kulissen, eine gruselig stilisierte Hölle, aber auch einige starke Choreographien von der restlichen Cast, die alle stets wissen, wann sie wo wie zu sein haben. Das läuft ohne auffällige Fehler.

Wie schade, dass der Gesamteindruck durch zwei Negativpunkte doch ein wenig getrübt wird. Erneut entscheidet sich ShowSlot – so wie auch bei dem aktuell laufenden „Fack Ju Göhte – Das Musical“ , welches wir vor ein paar Wochen für euch besucht haben – für Musik vom Band, sodass die Darsteller*innen zu Instrumentalversionen singen. Liveband? Niente. Glücklicherweise ist die Einspielung aber doch recht gut gemischt, sodass das musikalische Erlebnis als solide beschrieben werden kann. Was wiederum aber nicht geht, und auch das ist ein Wiederholungsfehler: Die Soundtechnik. Besonders im ersten Akt sind Rascheln, starkes Ausatmen, leichtes Husten, das Knallen an die Headsets und andere Störgeräusche laut vernehmbar. Verbessert sich im zweiten Akt, aber hat trotzdem einen Hauch von Unprofessionalität, die doch so leicht behoben werden könnte.

So fällt Ghost – Das Musical in der Tourproduktion von einem Qualitätsurteil mit dem Ergebnis „sehr gut“ auf ein „gut“, aber auch das ist ja alles andere als enttäuschend. Es ist und bleibt einfach ein sehr berührendes, mitreißendes Musical, das hier ganz besonders mit der wahnsinnig starken Cast glänzt und dadurch ohne Längen unterhält.

Und so sieht das aus:

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Foto von Christopher

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2 Kommentare zu „Ghost – Nachricht von Sam: Das Musical, Capitol Theater Düsseldorf, 22.02.2023“

  1. Ja ich fand das misicalc eher enttäuschend
    Es geht viele Musicals die ich mir auch mindestens zweimal angeschaut habe. Aber diese knzinuerunf finde ich sehr schwach und nsn zahlt genau so viel wie gpr ein top Musical schlechtes Bühnenbild Reihe 1 die teuersten Plätze eine zumutung gür den Nacken

    Nie mehr

    1. Hi Angelika,
      oh, das klingt aber schade!
      Ich saß in Reihe 12, somit kann ich nicht beurteilen, wie es in Reihe 1 ist.
      Vielleicht hast du ja bei deinem nächsten Musical ein schöneres Erlebnis.

      VLG Christopher

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