INVSN, Gleis 22 Münster, 18.10.2017

Bei manchen Bands fragt man sich, wieso sie immer noch in kleinen Hallen spielen. Zurecht schenkt man der Frage des Sängers Dennis Lyxzén auch Glauben, wenn er während des Sets erzählt, dass er einen Manager das selbst fragte, schließlich hätten sie ja super Songs! Die Antwort lautete, dass der Social Media Content der Band zu schwach wäre, als dass sie schon erfolgreich sein könnten. Nach diesem Auftritt scheint das der einzig mögliche Grund zu sein. Was die Post-Punk Band hier auf die Beine stellt ist nämlich wirklich ganz groß.

Eröffnet wird der Abend gegen neun Uhr von der deutschen Sängerin Laura Carbone. Diese passt mit ihrer angenehmen Mischung aus Indie und Post-Punk hervorragend zu der Hauptband. Größtenteils bleibt die Musik relativ zurückhaltend, wenn Carbone jedoch selbst alles aus sich rauslässt, reißt sie die Instrumente gleich mit und es gibt so immer wieder unterhaltsame Ausbrüche. Das Publikum zeigt sich sichtlich begeistert, der Weg für INVSN ist also bereit.

Und denen gehört der Club ab der ersten Sekunde. Besonders liegt das wohl an der unglaublich charismatischen Art des Sängers Dennis Lyxzén, der vor allem als Frontmann der legendären Hardcore-Band Refused bekannt wurde. Musikalisch ist das an diesem Abend alles natürlich viel harmloser, zurückhalten kann er sich jedoch nicht. Ohne Pause zeigt er die ausschweifendsten Tanzschritte und findet keinen Halt. Während eines Songs springt er spontan in die Menge, singt von dort aus und wirft sich dann mit einem Hechtsprung zurück auf die Bühne. Frontmann durch und durch! Doch auch der Rest der Band weiß zu überzeugen, insbesondere die Basslines und das Schlagzeug sind derart genial und mitreißend, dass es einfach unglaublich Spaß macht den Musiker*innen zuzuschauen. Auch die schönen Harmonie-Gesänge zwischen Lyxzén, Sara Almgren und Christina Karlsson gelingen live fast noch besser als auf dem Album.

Sowohl vom ersten englischsprachigen Album „INVSN“, als auch vom Neuling „The Beautiful Stories“ werden hier Lieder gespielt, die allesamt hervorragend zusammenpassen. Lyxzén wäre aber nicht er selbst, würde er nicht auch zwischen den Songs wichtige Themen ansprechen. So findet er generell, dass alle stets danach streben sollten, bessere Menschen zu werden. Außerdem kommt er auf den Hashtag #metoo zu sprechen, der diese Woche in den Social-Media-Kanälen groß wurde und auf sexuelle Übergriffe auf Frauen aufmerksam macht. Hier stellt er sich bewusst als Teil der patriarchalischen Gesellschaft dar und bittet die anderen anwesenden Männer, auch auf ihr eigenes und das Verhalten anderer Männer zu achten, denn schließlich sollten doch alle gleich behandelt werden. Neben einer Darbietung der musikalischen Extraklasse wurde also auch äußerst sympatisch aufgetreten. Hoffentlich hält INVSN das Versprechen, in zwei Jahren wiederzukommen!

Und so hört sich das an:

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INVSN live 2017:

  • 19.10.2017 Schlachthof Wiesbaden
  • 20.10.2017 Das Modul Saarbrücken
  • 21.10.2017 Café Central Weinheim
  • 22.10.2017 Studio 672 Köln

Rechte am Beitragsbild liegen bei Julia Köhler.

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