So war das Happiness Festival 2019 (+Bildergalerie)

(Die gesamte Bildergalerie findet ihr unter dem Text!) Vom Regen in die Traufe – Das beschauliche Örtchen Schwann, das zur Gemeinde Straubenhardt gehört, liegt am Rande des nördlichen Schwarzwaldes im Übergang zum hügeligen Kraichgau. Ein Kurort, der von vielen Besuchern zum Kraft- und Ruhe-Tanken genutzt wird und an welchem sich die Nachbarn auf dem Weg zur Arbeit auf ihren Traktoren per Handgruß einen guten Morgen wünschen.

Der Ort strahlt Ruhe und Friedsamkeit aus, die lediglich an einem Wochenende des Jahres getrübt werden soll – und zwar dann, wenn das wunderbare Happiness-Festival seine Pforten für rund 11.000 Besucher öffnet. Das Festival, das nicht nur durch seine brillante, eigenhändig gefertigte Holz-Optik, sondern auch durch den vorbildlichen Umgang mit Nachhaltigkeit und der Liebe zum Detail überzeugt, entwickelte sich von einem seit 1991 stattfindenden lokalen Open-Air-Festival zu einem kommerziellen, großen Projekt, das mittlerweile bereits seit mehreren Jahren sogar schon Besucher aus ganz Deutschland nach Straubenhardt lockt. Namenhafte Größen wie Marteria, Kraftklub, Casper, die Beatsteaks, Deichkind oder K.I.Z. sind hier bereits aufgetreten.

Dass der Wettergott in diesem Jahr wohl scheinbar mit dem falschen Fuß aufgestanden war und hier und da eine geballte Ladung Tränen vom Himmeln kullern ließ, tat der Euphorie und Stimmung der Festivalbesucher jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Schwaben und die sämtlichen anderen Besucher machten dem Namen des fröhlichen Festivals alle Ehre, und feierten glücklich und ausgelassen – sogar im Matsch, mit Gummistiefeln und Regencape.

Auch kulinarisch war in diesem Jahr erneut für alle Besucher eine ordentliche Auswahlmöglichkeit an Foodtrucks geboten: Ob Falafel, Pommes mit spezifischen Soßen, Döner, Eis oder diverse Burger-Stände, für jeden war etwas dabei. Außerdem sorgten neben sämtlichen Getränkeständen, die Bier, Softdrinks und Cocktails für einen durchaus erschwinglichen Preis anboten, auch Zigaretten- und Kondomstände für das lustvolle Vergnügen am Rande. Doch im Vordergrund der beiden Festivaltage stand insbesondere die musikalische Komponente, die in diesem Jahr durch die Bank wirklich gewaltig überzeugte. Eine Neuerung gab es in diesem Jahr sogar ebenfalls: Denn die Kulturbühne, die in Blickrichtung des hölzernen Biergartens erstmalig zusätzlich zur Haupt- und Aftershowbühne aufgebaut worden war, sollte einige Zuschauer locken. Denn hier wurden neben musikalischen Darbietungen nun auch kulturellen Programme eine Bühne geboten. Neben dem Rock-Trio Pabst und Rapper Döll traten hier beispielsweise auch Linus Volkmann, Bernd Begemann oder Meister Eckert auf. Doch zugegeben: Uns interessierte vor allem, was auf er Hauptbühne passierte …

Festival Tag 1

Nachdem die Newcomer des Rockrap-Duos Tiavo und schließlich der Dortmunder Rapper Goldroger vor noch beschaulicher Kulisse, aber zumindest zu strahlendem Sonnenschein, das Festival auf der Mainstage eröffnete hatten, füllte sich das Festivalgelände zu Lance Butters‘ Auftritt bereits deutlich. Die Festivalbesucher, die auf den Campingplätzen schon zu frühen Mittagsstunden die ersten Flunkyball- und Bierpong-Runden eingeläutet hatten, starteten auf noch trockenem Boden und motiviert die ersten Moshpits des Tages.

Der nachfolgende Showact sollte anschließend unter Beweis stellen, dass er vom Tuten und Blasen sogar ausgesprochen Ahnung hatte: Denn die Mainstage betrat – mit nicht nur den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten – die zehnköpfige Urban Brassband Moop Mama aus München. In ihrem typisch-roten Bühnendress schmissen sie auf der Stage „Molotow-Cocktail“s in die Crowd und versuchten, dem sich allmählich zuziehenden Wetter den Marsch zu blasen. So beschworen sie lediglich einen „Shitstorm“, nicht aber ein blitzendes Gewitter herauf und forderten außerdem das Publikum auf, zu entschleunigen und fortan in Slow-Motion zu tanzen. Eine überragende Show zu einem in der Fülle der Acts wohl eher innovativ erscheinende Sound, der den Festivalbesuchern zu gefallen schien.

Im Vorfeld des Happiness Festivals hatte es eine Vielzahl kontroverser Diskussionen und sogar eine Petition gegen besonders einen Auftritt des Festivalfreitags gegeben, denn GZUZ – Mitglied der erfolgreichen, aber umstrittenen Hamburger Gruppierung 187 Straßenbande – war als einer der großen Hip-Hop-Acts des Festivals bekanntgegeben worden. Das Happiness Festival, welches sich mittlerweile seit vielen Jahren als friedliches, tolerantes und nachhaltiges Ereignis versteht, das in keiner Weise Raum für Sexismus, Rassismus oder Übergriffigkeit bietet, hatte sich damit einen Künstler auf seine Bühne geholt, welcher mit seiner kriminellen Vergangenheit gerne Gangster-Rap-Klischees bedient, Grenzen am Rande des Geschmacks berührt und hie und da auch überschreitet. [Ob die Einladung der Festival-Veranstalter wohl erfolgte, da ein mit GZUZ gerne in Verbindung gebrachte Stichwort deutliche Ähnlichkeit mit dem Festival-Kurort „Schwan(n)“ zu tun hat? *zwinker zwinker*.]

Doch trotz vermehrter Kritik: GZUZ durfte auftreten – und das vor einem riesengroßen, im großen und ganzen vor allem „jüngeren“ Publikum. Obwohl sich der Himmel langsam zugezogen hatte, fanden sich in den Reihen des Festivalgeländes aberdutzende Jugendliche, aber auch alteingesessene Festivalbesucher, die dem 31-jährigen Hamburger zujubelten und jedes einzelne Wort seiner Texte mitsprechen konnten. „Sie fragen GZUZ, warum bist du nur so? / Warum immer diese Sachen, warum nix mit Niveau? / Warum dies, warum das, warum nicht einmal mit Message. / Und ich denk mir nur: Warum hältst du nicht einfach die Fresse?“ Obwohl den Fotographen im Zuge von GZUZ Management untersagt worden war, sämtliche Fotos, Videos oder Mitschnitte des Hamburger Rappers mit Starallüren zu schießen, lieferte der Hamburger eine motivationsgeladene Show ab. Obwohl sich der Himmel pünktlich zum Beginn seiner Show gewaltig zugezogen hatte und zur Mitte von GZUZ‘ Auftritt bitterlich weinte – sprich, es wie aus Kübeln goss –, jubelten und tanzten vor allem die Hip-Hop-begeisterten jüngeren Festivalbesucher. Jedoch klärte – fast wie auf Zuruf – der Himmel auf, als die letzte Silbe des Hamburger Rappers erklungen war.

Auf die Jungs von Feine Sahne Fischfilet hatte sich so mancher Festival-Besucher des Wochenendes gewaltig gefreut, wie zahlreich-getragene Fan- und Tourshirts in den Festivalreihen bestätigten. Umso trauriger war die Nachricht, als die Band nur wenige Tage vor dem ereignisreichen Wochenende bekanntgeben musste, dass sie ihren Auftritt nicht wahrnehmen könnten, da sich der Gitarrist der Politpunkband den Arm gebrochen habe. Eine erschütternde Nachricht, die jedoch schnell durch guten Ersatz wieder aufgefangen werden sollte. Denn die zierlichen Berliner Jungs der Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth sprangen – zur Begeisterung vieler Besucher – kurzerhand für die Band um Sänger Monchi ein. Die Gruppe, die mit ihrem verzerrten Sound fast ein wenig an die Band Madsen erinnert, brachte während ihres Auftritts ausnahmslos alle Festivalbesucher – zumindest des ersten Wellenbrechers – zum ausgelassenen Trockentanzen im Regenponcho und bescherte mit ihrem Song „Bitch“ dem ein oder anderen dazu noch einen gewaltigen Ohrwurm, der bis in die tiefen Abendstunden andauern sollte.

Nach einer kurzen Umbaupause auf der Mainstage, die die Festivalbesucher nutzen, um sich in trockene Klamotten zu werfen, eröffnete um 21:40 Uhr schließlich Bosse als vorletzter Act des abends die Mainstage. Die Indie-Pop-Band rund um Frontsänger Aki Bosse überzeugte mit gewaltiger Lichtshow und Songs wie „Schönste Zeit“ oder „So oder so“.

Um 23:40 Uhr betrat schließlich nach einem langen, durchwachsenen, aber wunderbaren Festivaltag der Star des Abends die Bühne: Alligatoah. Zunächst mit Sturmmaske bekleidet, mit welcher er quasi aus einer Blume (jener des Artworks seines Albums) sprach, und anschließend vor einer beeindruckenden Hotel-Kulisse mit wechselnden Schauplätzen, zeigte der 29-jährige Rapper und Sänger aus Langen sein vielfältiges Talent: Zwischen aufwändiger Bühnen- und Lichtshow im gelben Anzug, dem Herumkommandieren von seinem Butler und Back-Up BattleBoi Basti und der fabelhaften Live-Musik seiner herausragenden Band, performte Lukas Strobel, wie Alligatoah mit bürgerlichem Namen heißt, ganze zwei Stunden lang einen bunten musikalischen Querschnitt aus seinen bisherigen Veröffentlichungen. Zu seinem damaligen Nummer-Eins-Hit „Willst du“ holte er sich sogar prominente Unterstützung mit ins Boot und ließ unter anderem BRKN, der später am Abend noch auf der Aftershow-Bühne des Festival-Geländes performte, in wechselnden Spielstätten auftreten. Auch Pöbelbert GZUZ ließ es sich nicht nehmen und feierte am Bühnenrand ausgelassen zu Alligatoahs Show mit.

Nachdem sich Alligatoah mit seinem Meisterwerk „Wie zu Hause“ und bestandenem Doubletime-Part um 1 Uhr nachts zu tosendem Applaus und als krönender Abschluss in seinen wohlverdienten Feierabend verabschiedet hatte, schlenderten die glücklichen Festivalbesucher, die über Nacht blieben, noch zur Aftershow-Bühne des Campingplatzes, auf welcher nach dem Hip-Hop-Duo Hoe__mies auch schließlich von 01:40 bis 02:55 Uhr der wunderbare BRKN spielte Obwohl das Publikum, durch die wetterbedingten Strapazen des Tages und möglicherweise auch dem übermäßigem Bierkonsum geschuldet schon sichtlich vom Tag erschöpft war, feierten alle ausgelassen zu BRKNs Musik und erfreuten sich an Saxophon Solos sowie den typisch-eingebauten Dancebreaks des Kreuzberger Musikers. Um 3 Uhr war dann jedoch auch aus musikalischer Sicht Schicht im Schacht. Es hieß: Kräfte tanken für den Folgetag.

Festival Tag 2

Der Festivalsamstag begann zunächst ein wenig verkatert – aber immerhin zu strahlendem Sonnenschein – mit der Ulmer Rockband Van Holzen sowie den Kölner Jungs von Neufundland, welchen es mit Bravour gelang, die ersten hochmotivierten Festival-Besucher zum ausgelassenen Tanzen zu bringen. Obwohl es für eine Band oder einen Künstler oft reichlich undankbar ist, die frühen Mittags-Stagezeiten am zweiten Festivaltag zu bespielen, fehlte es beim dritten Act des Tages in keinster Weise an Motivation oder gar an Publikum in den Festivalreihen. Denn etwa 6 bis 8 Männer in Jogginghosen und Fußballtrikots gekleidet, betraten die Bühne, die von einem großen Tuch mit der Aufschrift „Asozial Allstars“ geziert wurde: Die 102 Boyz. Ob Bierflaschen mit den Zähnen öffnend, Adiletten in die Höhe haltend oder mit aller Kraft heiser in ein Mikrofon schreiend. Die Jungs aus Leer, die für ihren rauen, „asozialen“ Trap bekannt sind, zerlegten das Festival in jeglicher Form und brachten vor allem zu ihrem Song „Bier“, den sie im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren Freunden von BHZ herausgebracht hatten, die Meute zum feuchtfröhlichen Ausrasten.

Den Festivalveranstaltern war es im Vorfeld des Festivals mit Bravour gelungen, ein abwechslungsreiches Programm auf der Mainstage zu erstellen, sodass sich aufeinanderfolgende Acts oft stark voneinander unterschieden. Eine großartige Umsetzung, die es – so skurril es klingen mag – jedem Festivalbesucher erlaubte, sich auf den nachfolgenden Act von Grund auf an neu einzulassen oder eben eine kurze Campingplatz-Pause einzulegen. So stand nach dem Raplastigen Sound der 102 Boyz aus Leer schließlich die Berliner Punkband Smile and Burn auf der Stage, deren Sänger Philipp Müller sich die Kehle aus dem Leib schrie, wie wild sprang und umhertanzte und sich von den Publikumsreihen in die Lüfte heben ließ, um so einen wilden Tornado anführen zu können.

Dass das Line Up des Happiness bislang vor allem Männerlastig auf der Maintstage vertreten war, sollte sich mit Nuras Auftritt ändern: Die Ex-SXTN-Rapperin, die im vergangenen Jahr noch mit ihrer alten Busenfreundin Juju auf der Stage gestanden und sich hier sogar Zeit genommen hatte, um jeder Person bis zum ersten Wellenbrecher einzeln in die Augen zu sehen, hatte sich im Zuge des anstehenden Christopher-Street-Days in ihrer Wahlheimat Berlin ihre Haare in Regenbogenfarben knüpfen lassen. Publikumsnah wie immer, unterhielt sich die begnadete Rapperin mit ihren Fans und dem Publikum, holte sich ihre bunt-gekleideten Background-Tänzer auf die Bühne und hüpfte durch eine Tür, die in Form eines deutschen EU-Reisepasses am linken Bühnenrand drapiert worden war. Songs wie „Ich bin schwarz“, „Radio“ oder „Chaya“ (ob als Remix oder im Original) performte sie mit der Energie eines Duracellhasens, sprang in die Menge und ließ sich zu diversen Songs aus den Publikumsreihen einen Joint reichen – unerlässlich für die Show. Mit den lobenden Worten: „Ich hab noch nie so viel Flunkyball auf einem Festival!“ und dem Versprechen, gegen frühen Abend ebenfalls ein paar Trinkspiel-Ründchen auf dem Festivalgelände zu spielen, verabschiedete sie sich von der Bühne – und wurde sogar tatsächlich im Laufe des Abends immer wieder in Menschen- und Publikumsmassen (insbesondere auf dem Campingplatz) gesichtet. Hut ab: Wer sich trotz mittlerweile immensem Erfolg so rührend um seine Fans kümmert, verdient einen Orden!

Um kurz vor 18 Uhr wurde die Bühne dann Schauplatz des wohl größten Geburtstages, der jemals in ganz Straubenhardt gefeiert wurde, denn die fantastischen Donots zelebrierten – wie bereits schon in den vergangenen Monaten auf einer großen Deutschlandtour – ihr 25-jähriges Bestehen! Die Mitglieder der Band, die seit 1994 vereint sind und sowohl englisch- wie auch deutschsprachigen Songs aus dem Alternative-Rock/Punk veröffentlicht haben, gelten als waschechte Rampensäue und wollten diesen Elan auf ihrer großen „SILVERHOCHZEIT“ auch an die Fans und Besucher weitergeben. Mit Parolen darüber, wie beschissen nicht nur Nazis, sondern auch frauenfeindliche (einen kleinen Seitenhieb gegenüber GZUZ konnten sie sich an dieser Stelle auch nicht verkneifen) oder homophobe Mistkerle sind, aber auch mit Aufrufen für Nachhaltigkeit und einem Lob an die Veranstalter für dieses wunderbare Festival, holte sich die Band aus Ibbenbüren Applaus und eine geballte Ladung Zustimmung ab.

Die Festivalbesucher waren während des Auftritts der Donots nicht nur so überragend gut gelaunt, voller Elan und sprangen um die Wette, sondern entschieden sogar spontan, sich inmitten eines Songs auf den Boden zu setzen und das altbewährte „Rudern“ zu starten. Obwohl diese Tradition eigentlich erst zum Song „Stop the Clocks“ aufkommt, hielt sich Frontmann Ingo perplex den Kopf und konterte in die Masse: „Es haben jetzt gerade nicht wirklich 2.000 Leute angefangen zu rudern hier vorne, oder? Was seid ihr denn für geile Schweine!“ Applaus! Ob Ingo dadurch quasi einen Höhenflug erlebte? – Na, aber hallo! Denn wenige Minuten später begab sich der Frontman zum VIP-Balkon, der über einem Getränkestand auf der linken Seite des Festivalgeländes errichtet war, und sprang rückwärts auf die Hände der Masse, die ihn jubelnd zur Stage trug. Ein wirklich gelungener Auftritt mit einer Stimmung und einem Elan, wie es im Buche steht.

Obwohl der nachfolgende Act – wie gewohnt – aus musikalischer Sicht seinen Vorgängern nicht allzu sehr das Wasser reichen konnte, ebbte zumindest seitens der Euphorie beim Publikum nichts ab. Denn die Zuschauer, die in den vorderen Reihen jetzt wieder deutlich jüngeren Semesters waren, freuten sich auf ihren persönlichen Star: RIN! Der stolze Lokalpatriot aus Bietigheim-Bissingen performte mit feuerroten Haaren und in violettem Trainigsanzug vor einer Kulisse, die einen Zigarette-rauchenden Roboter (siehe Album-Cover von „Planet Megatron“) zierte. Mit zugegeben eher wenig informativen Gesprächen zwischen seinen Songs („Jetzt kommt einer meiner Lieblingssongs“ gefolgt von „Jetzt kommt ein anderer Lieblingssong von mir“) führte er das Publikum durch seinen Abend und wiederholte zum Schluss auch nochmal seinen  bereits gespielten … achja, natürlich … Lieblingssong „Dior 2001“.

In mittlerweile schnellen Schritten näherten wir uns dem großen Finale des Festivals. Doch vorher sollten auf der Mainstage erstmal noch richtige Festival-Rampensäue die Stage erobern. Denn zu (nachhaltigem) Konfetti, Feuershow, Bengalos und aufgeblasenen Riesen-Schwimmtieren beziehungsweise -Bällen betraten SDP die Bühne. Mit im Gepäck hatte das Duo aus Berlin eine eigene Band, welche die sonst eher einfach gehaltenen Harmonien und Stimmführungen der Band grandios in Szene setzte. Ein jeder, der von der Musik der Berliner Jungs bislang noch nicht überzeug war, sollte es spätestens jetzt sein. Jedoch: nach 1 ¼-Stunden purem Ausrasten, aus der Reihe tanzen und beim-nach-Leichen-Suchen-vor-der-Polizei-verstecken, war auch dieser energiereicher Festivalauftritt irgendwann zu Ende. Gespannt wartete man nun auf die großen Abschluss-Headliner des Festivals.

Pünktlich um 23:40 Uhr war dann das große Showfinale gekommen. Denn die wunderbaren Jungs von AnnenMayKantereit betraten die Bühne. Ein größeres Kontrastprogramm zu dem Party-Gute-Laune-Sound von SDP hätte man kaum erwarten können: Denn zu sanften, beruhigenden, harmonischen Klängen ertönte Henning Mays Stimme, als er mit einer gewaltigen Fülle die eröffnenden Zeilen zu „Marie“ über das Festivalgelände von Straubenhardt schmetterte: „Die Vögel scheißen vom Himmel. / Und ich schau dabei zu. / Und ich bin hier und alleine. / Marie, wo bist du? / Marie, wo bist du?“ Zu Songs wie „Du bist anders“, bei welchen Henning May auf nahezu abgedunkelter und trotzdem mit Lichteffekten versehener Stage stand, überzeugt die Band mit lupenreiner, unter die Haut gehender mehrstimmiger Harmonie, die sogar teilweise aus den Publikumsreihen mitgesungen wurde.

Während der Show von AnnenMayKantereit gab es immer wieder starke Gänsehautmomente. Hierbei fielen vor allem solche ins Auge, bei welchen ein jeder Zuschauer die Melancholie der Songs bis aufs Tiefste aufsog, sodass er an einigen Stellen sogar gewaltig schlucken musste. So beobachtete man beispielsweise nach dem Song „So krass“, bei welchem der Frontsänger zunächst zu seinen Musikkollegen, dann aber ans Publikum gewandt eine ausdrückliche Emotionalität aufbaute, dass der Atem vieler Festivalbesucher stockte und sie diese gesungenen Worte bis ins Tiefste verinnerlichten. Wie angewurzelt schienen die Zuschauer auch bei dem Song „Sieben Jahre“ zu sein, nach dessen Ende sich so manch ein Publikumsgast eine Träne aus dem Auge wischen musste. Wow!

Doch nach dem emotionalen, melancholischen Teil des Auftritts, nach welchem sich die Bandmitglieder kurz innig umarmten, folgte auch wieder eine geballte Stimmungswelle. Zu Songs wie „Jenny Jenny“, „Pocahontas“ oder „Barfuß am Klavier“ tanzte das Publikum wild entschlossen, ehe die Band urplötzlich verschwand und wenige Minuten später wie aus Geisterhand mit einem Spot beleuchtet auf der VIP-Tribüne einen bislang unveröffentlichten Song „Ozean“ – wieder mit einer deutlichen Priese Melancholie gesalzen – spielte. Nachdem AnnenMayKantereit, nun wieder zurück auf der Hauptbühne, ihren Song „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ performte, zu welchem Paradoxerweise auf dem ganzen Festivalgelände das Tanzbein geschwungen wurde, präsentierte die Band den bislang noch unveröffentlichten Song „Komm zu mir“, zu welchem nicht nur Henning May, sondern auch seine Bandkollegen ordentlich feierten und sich nach dem letzten erklungenen Ton sogar immens freuten, dass ihr Hit beim Publikum so gut angekommen war. (Der laute Freudenschrei von May war kaum zu überhören. Ziemlich herzergreifend, diese Authentizität.)

Das Festival war nach diesem fulminanten Höhepunkt nun offiziell zum Ende gekommen. Doch auf dieses Sahnehäubchen passte noch eine kleine Kirsche: Denn auf dem Campingplatz sollten – nun wirklich als allerletzter Act – die wunderbaren Drunken Masters die Aftershowparty spielen. Obwohl die Festivalbesucher zugegeben nach dem ereignisreichen und erneut durchwachsenen Tag schon etwas müde waren, glänzte das DJ/Produzenten-Duo aus München aus musikalischer Sicht mit Bravour. Ihr fast schon als Maskottchen zu betitelnder Gast Felly war ebenfalls mitgekommen und performte auf der Bühne seine Hitsingles „Dich mag keiner“, „Ibrahimovic“ oder auch mit Bengalo bewaffnet seinen neusten Song „Jawoll Alder“. Obwohl den Drunken Masters mit Sicherheit ein Auftritt auf der Hauptbühne eher vergönnt geblieben wäre, machten sie das beste aus der Situation. Und für die Campingplatzbesucher stand fest: Schöner hätte der Festivalabend nicht ausklingen können!

Alles in allem war das Happiness Festival auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Trotz diverser Organisationsschwierigkeiten hinter den Kulissen und dem wechselhaften Wetter, zeigte sich, warum das Festival als eines der schönsten des Landes gehandelt wird. Neben der wunderschönen, detailgetreuen Holzoptik und stets einwandfreier Stimmung, wurde bei allen Festivalbesuchern wie auch den musikalischen Acts gegenseitige Toleranz, Akzeptanz, Nachhaltigkeit und Gutherzigkeit großgeschrieben. Ein jeder war Willkommen – und wird es hoffentlich noch viele Jahre bleiben! Vielen lieben Dank, liebes Happiness Festival für diese wunderbaren Tage. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Und so sah das Ganze im vergangenen Jahr aus:

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Tickets für das Happiness Festival 2020 bekommt ihr hier.

Happiness-Bilder von Freitag (12.07.2019)

Happiness-Bilder von Samstag (13.07.2019)

Die Bildrechte liegen bei Anna (minutenmusik) und Kathrin Porth.

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