Interview: AS IT IS (28.02.2017, Köln)

AS IT IS Interview

Als Support von State Champs sind AS IT IS derzeit auf Tour durch Europa. Vor ihrem Konzert in Köln hatten wir die Möglichkeit, mit der Pop-Punk Band über ihr neues Album “okay.” zu sprechen, und wurden dabei von der Ehrlichkeit von Patty Walters überrascht. Der Sänger sprach mit uns offen und ehrlich über die Entstehung der Lyrics… und seinen Depressionen.

minutenmusik: Wärt ihr so lieb, euch für die Leser einmal kurz vorzustellen?

Benjamin Biss: Ich bin Ben. Ich singe und spiele Gitarre.

Patty Walters: Und ich bin Patty und ich singe in AS IT IS.

minutenmusik: Im Januar ist euer zweites Album “okay.” erschienen (unsere Review). Ist das Album so geworden, wie ihr es euch vorgestellt hattet? Und was ist der größte Unterschied zu eurem ersten Album „Never Happy, Ever After“?

Patty: Ich denke, wir haben uns als Ziel gesetzt, ehrlicher und musikalisch befreiter zu sein. Dadurch haben wir genau das erreicht, was wir persönlich mit dem Album erreichen wollten. Aber gleichzeitig haben wir mit einem Produzenten (Anm.: Mike Green) zusammengearbeitet, von dem wir wussten, dass wir einige Songs zusammen schreiben würden. Deshalb haben wir die Enden einiger Lieder offen gelassen und einige auch erstmal nicht geschrieben. Wir wussten nicht, wie wir wollten, dass sich das Album anhört, bis wir es letztendlich fertig hatten. Aber wenn wir zurückblicken würde ich sagen dass es besser geworden ist, als wir ohne die Hilfe unseres Produzenten jemals erwartet hätten.

Ben: Ja, wenn wir zurückdenken ist die Panik, die wir hatten, als das Album erschienen ist, wirklich überflüssig gewesen. Wir hatten so viele Last-Minute-Änderungen, die ich nicht erwartet hätte…

Patty: Und ich denke, der größte Unterschied zwischen „okay.“ und „Never Happy“ ist, dass wir dieses Mal nicht so besorgt waren. Wir hatten nicht so viel Angst. Wir haben uns nicht davor gescheut, auch mal experimentierfreudiger in der Musik zu sein oder schmerzhaft ehrlich mit unseren Texten. Ich würde nicht sagen, dass wir sehr selbstsicher waren, aber wir sind mehr Risiken eingegangen und das hat wirklich Spaß gemacht!

minutenmusik: Ihr habt bereits erwähnt, dass die Texte dieses Mal weitaus ehrlicher geworden sind, als vorher. So auch der Titeltrack des Albums „okay“, in dem es um Depressionen geht. Könnt ihr uns zu der Entstehung des Songs etwas mehr erzählen?

Patty: Ja, wir waren 2015 die meiste Zeit auf Tour. Wir haben 175 Shows in dem Jahr gespielt und waren dadurch mehr unterwegs als Zuhause. Ich habe viele meiner Probleme in der Zeit beiseite geschoben bis ich wieder Zuhause bin, aber ich war einfach nie lange genug dort um mit ihnen fertig zu werden. Ich habe mein Leben zu der Zeit irgendwie auf Standby gelebt. Und irgendwann hat es mich schließlich fertig gemacht. Während wir das Album geschrieben haben, war ich in einer Phase, in der ich einfach nicht mehr alleine damit fertig geworden bin. Deshalb habe ich beschlossen, einen Therapeuten aufzusuchen. Ich wollte ehrlich sein mit den Menschen in meinem Leben. Und ich habe mich sofort besser gefühlt! Es ist immer noch etwas für mich, an dem ich arbeiten muss – sowohl Zuhause, als auch auf Tour. Aber diese Songs zu schreiben und zu lernen, mit den Menschen um mich herum offen zu sein, hat mir sehr geholfen.

minutenmusik: Die aktuelle Single „Hey Rachel“ ist ebenfalls ein sehr persönlicher Song. (Patty verarbeitet dort, dass er nicht für seine Schwester da gewesen ist, als sie im Alter von 12 Jahren an Depressionen und Angst-Attacken litt. Mittlerweile stehen die Beiden sich aber wieder näher!) Wie war es, einen so persönlichen Song zu schreiben und wie hat deine Schwester reagiert, als sie das Lied zum ersten Mal gehört hat?

Patty: Es war wirklich beängstigend, diesen Song zu schreiben. Wir hatten beschlossen, mehr über unsere persönlichen Leben und unsere Familien zu schreiben. Und das lag um ehrlich zu sein einfach vollkommen außerhalb meiner Komfortzone. Es ist was vollkommen anderes, Lieder über dich selbst zu schreiben, als über jemand anderen. Es war der erste Song, der für das Album geschrieben worden ist. „Hey Rachel“ hat also so ein bisschen den Grundstein gelegt für alle weiteren Songs. Wenn der erste Song schon so ehrlich war, mussten die anderen Lieder es auch werden. Ihn dann auch noch meiner Schwester zu schicken war dann zudem noch eines der beängstigendsten Dinge in meinem ganzen Leben… Die Tatsache, dass ihr das Lied gefallen hat, hat mir viel bedeutet. Sehr viel! Wir brauchten ihre Zustimmung, um den Song zu veröffentlichen und dass „ja“ gesagt hat, hat mir es für mich noch bedeutsamer gemacht.

Ben: Ja, sie hat dir live on air in der “The Happy Co. Show“ (Anm.: im Video ab Minute 30) verziehen!

Patty: Ja, das war wirklich aufregend…

minutenmusik: Basieren alle Lyrics auf Erfahrungen von Patty oder auch von den anderen Bandmitgliedern?

Patty: Nein, überhaupt nicht! Es sind Erfahrungen aus dem Leben von uns allen auf dem Album vertreten. Es gibt auch Songs, die speziell auf Bens Familienmitglieder zutreffen und einige, die die ganze Band betreffen.

Ben: Ja, wie zum Beispiel „Austin“. Das Lied ist hauptsächlich über meinen Großvater. Es wurde ziemlich… dringend bei uns Studio geschrieben. Das letzte, was ich davor getan hatte, war, meinen Großvater im Krankenhaus zu besuchen und es ging ihm nicht besonders gut. Diese Erfahrung habe ich mit ins Studio gebracht und hatte einfach das Bedürfnis, darüber zu schreiben. „Curtains Close“ verbindet irgendwie die Gefühle von uns allen. Die Erfahrung mit getrennten Eltern und so… Da hatten wir alle ähnliche Erfahrungen. Und, Patty, du hast „Still Remembering“ geschrieben, aber das trifft auch auf uns alle zu. Die Angst, in dieser Band zu versagen, und nach der Musik nichts mehr sonst zu haben. Also auch, wenn nur Patty die Lyrics geschrieben hat, können wir uns als Band alle damit identifizieren. Und ich denke, das ist auch etwas sehr wichtiges.

minutenmusik: Und auch die Fans können sich mit den Texten identifizieren… Es ist schon etwas länger her, dass ihr in Deutschland auf Tour wart. Merkt ihr irgendwelche Unterschiede zwischen dem Publikum hier und dem in der UK?

Patty: (überlegt) Ihr fahrt um einiges weiter zu Shows! Ihr reist sehr viel mehr und beschwert euch darüber sehr viel weniger… Ich glaube ihr seid nicht so verwöhnt damit, dass Konzerte in genau eurer Heimatstadt stattfinden, sodass es irgendwie normal ist, etwas länger anzureisen.

Ben: Ja, Deutschland ist auch irgendwie das einzige Land, bei dem man auf Tour nicht nur eine Show spielt, sondern immer direkt mehrere. Wenn man eine Europa-Tour macht, sind es wahrscheinlich immer so vier Deutschlandkonzerte, eins in Italien und eins in Frankreich. Es ist immer echt schön so ein bisschen durch Deutschland zu fahren, aber manchmal, wenn man dann doch nur eine oder zwei Shows hier spielt, ist es auch schön zu sehen, wie viele Menschen wir trotzdem überall wieder sehen. Das ist auch das verrückte an dieser Tour: es sind diesmal Leute aus der UK hier, obwohl wir auch eine komplette Tour in der UK spielen!

minutenmusik: Wo wir gerade von der UK sprechen: habt ihr seit dem Brexit als Musiker schon irgendwelche Veränderungen erlebt?

Patty: Bisher haben wir noch nichts gemerkt, aber das kommt noch! Wenn wirklich alles durchgesetzt ist, wird es so viel schwerer für uns werden, auf Tour zu gehen!

Ben: Ich würde sagen es ist auch viel, was ich über die Situation in der UK lese. Wir wohnen in einer sehr liberalen Kleinstadt, da bekommt man das nicht so mit, aber in größeren Städten wir London gab es nach der Wahl ziemlich viele Rassismus-Vorfälle.

minutenmusik: Im Mai seid ihr mit ROAM auf Tour. Schreckliche Band! Wie werdet ihr das überstehen? (Anm.: AS IT IS und ROAM sind eng befreundet und bekannt dafür, sich aus Spaß gegenseitig bei twitter aufzuziehen.)

Patty: Schrecklich!

Ben: Wir mussten das schon so oft machen. Mittlerweile haben wir uns an die gewöhnt. Ja, und ganz ehrlich… wen hätten wir sonst mitnehmen sollen? Sie waren das kleinste Übel eines schlimmen Haufens… (Beide lachen.)

minutenmusik: Ihr wurdet für den Sommer außerdem für das Jera On Air Festival in den Niederlanden bestätigt. Wird es noch weitere Festivaltermine geben, vielleicht auch in Deutschland?

Ben: Gut möglich. Ja. Das ist alles, was ich dazu sagen sollte.

minutenmusik: Das reicht uns schon! Zu guter Letzt: gibt es Bands, von denen wir eventuell noch nichts gehört haben, in die wir aber unbedingt mal reinhören sollten?

 Patty: Ohja! Falls ihr die beiden noch nicht kennt: wir waren gerade auf Tour in Australien mit Undercast und Between You & Me. Beide sind wirklich großartig! Sie schreiben wunderbare Lieder und sind wunderbare Menschen. Beide Bands kommen aus Australien. Außerdem sind wir gerade auf Tour mit einer großartigen Band namens Northbound, die genauso großartig sind und bald auch neue Musik veröffentlichen werden! Also… ja, diese Drei. Hört sie euch an!

Und so hören AS IT IS sich an:

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Danke für das Interview.

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