Interview mit KYTES über “Frisbee”

Die letzten 1,5 Jahre war es recht ruhig um die Münchener Indie-Pop-Band KYTES. Wir haben uns vor ihrem Tourauftakt in Köln (Bericht folgt) mit ihnen getroffen und gefragt, was sie in der letzten Zeit getrieben haben und was wir uns von der im Januar erscheinenden EP “Frisbee” erhoffen dürfen.

minutenmusik: Wie geht es euch?

Tim: Ganz gut. Wir waren gerade sehr getaktet. Hier ankommen, schnell Soundcheck, alles aufbauen, kurz was essen, dann Interview. Aber wir waren jetzt lange nicht mehr auf Tour und haben wahrscheinlich vergessen, dass das in Momenten auch stressig sein kann. Aber ansonsten geht es uns gut. Wir haben gerade neue Musik rausgebracht, was sich sehr gut anfühlt. Man fühlt sich wieder sehr lebendig als Band, wenn man neue Musik hat und auf Tour geht. Wir haben jetzt fast ein Jahr lang einfach an neuer Musik gearbeitet. Da ist man manchmal so ein bisschen in seiner eigenen Blase und schreibt nur neue Songs und fragt sich: „Will das überhaupt jemand hören?“ Und deshalb ist es immer sehr erfrischend, danach auf Tour zu gehen, gerade wenn man weiß, es kommen ein paar Leute.

minutenmusik: Das passt auch schon ganz gut zu meiner nächsten Frage. Wir haben uns vor zwei Jahren schon mal zum Interview getroffen. Damals wart ihr gerade mit eurem Debütalbum „Heads & Tales“ auf Tour. Was ist seitdem bei euch passiert?

Tim: Seitdem haben wir ganz, ganz viel neue Musik geschrieben. 2017 war der große Festivalsommer, da haben wir über 35 Festivals gespielt. Wir waren auf dem Sziget, auf dem FM4 Frequency in Österreich und haben große Festivals gespielt. Da waren wir viel unterwegs, aber haben auch schon angefangen, neue Musik zu schreiben. Und 2018 haben wir vor allem neue Musik aufgenommen, auch noch weiter neue Musik geschrieben. Wir haben ein eigenes Label gegründet und uns entschlossen, die Musik selber zu veröffentlichen mit ein paar coolen Partnern, die wir uns dazu geholt haben.

minutenmusik: Warum habt ihr euch für den Weg entschieden?

Tim: Ich glaube, es gibt sehr, sehr viele Gründe. Ein Punkt ist, dass man gerne die Kontrolle hat, wann man was rausbringt und wie man was rausbringt. Da waren wir schon immer eher eine Band, die gerne mitredet und auch Ideen reinbringen will und nicht jemand, der sagt: „Ich will nur die Musik machen, aus allem anderen halte ich mich raus.“ Wir haben auch einfach gemerkt, dass wir gute Verbindungen in München haben, die uns helfen. Wir haben coole Leute, die unsere Videos machen. Wir haben jetzt einen fähigen Manager, der uns mit guten Kontakten verbunden hat. Dann haben wir gesagt: „Hey, wir packen es jetzt selber an!“ Und das fühlt sich voll gut an. Man will unabhängiger sein. Man will nicht immer viel warten und dann Pläne durchführen, hinter denen man eigentlich gar nicht so steht. Ich glaube einfach, wir sind da Leute, die sehr gerne mit anpacken.

Michi: Man muss auch nicht so viel Geld abgeben.

Tim: Dafür muss man mehr investieren.

Michi: Genau, man muss mehr investieren, dafür darf man aber auch mehr behalten. Da muss man halt schauen. Wenn du es selber schlecht machst, kommt es ungefähr aufs Gleiche raus.

Tim: Es ist schon eine Businessentscheidung, aber auch eine künstlerische Entscheidung. Ich glaube, jeder Künstler träumt davon, dass er einen Song schreibt, aufnimmt und direkt rausbringen kann. Wir könnten das jetzt theoretisch machen. Andere Künstler sagen halt: „Mein Label sagt aber, ich darf jetzt nicht releasen. Und es dauert jetzt noch ein Jahr, bis das Album rauskommt.“ Und dann wird wieder was geschoben. Ich kann dir zehn Beispiele aufzählen von Leuten, die gerne Musik releast hätten, aber nicht durften. Und daran kann ein Künstler auch kaputtgehen. Darüber haben wir in dem Jahr ganz viel nachgedacht, wie wir uns aufstellen wollen und haben uns auch mit anderen Leuten darüber unterhalten und uns deren Ideen angehört. Wir haben festgestellt, dass das jetzt gerade für uns der geilste Weg ist. Es kann sein, dass das in zwei Jahren anders ist, dass das in fünf Jahren anders ist, es kann auch sein, dass wir das für immer weitermachen. Das ist keine endgültige Entscheidung, aber jetzt gerade ist es das Richtige.

minutenmusik: Du hast gerade gesagt, dass man sonst vielleicht auch Sachen macht, hinter denen man nicht so steht. Habt ihr da negative Erfahrungen gemacht oder ist das eher der Schutz, damit es gar nicht erst passiert?

Michi: Ne, ich glaube, dafür waren wir noch zu sehr Indie.

Tim: Wir wollen da jetzt nicht nachtreten, aber es sind schon ein paar Sachen passiert, wo wir nichts davon wussten und die dann im Nachhinein nicht ganz so cool waren. Aber ich will da nicht nachtreten.

minutenmusik: Das kann ich verstehen. Im Januar erscheint ja dann die neue EP „Frisbee“. Was können wir da erwarten? Eure neue Single „Take it easy“ klingt ja schon experimentierfreudiger als die älteren Songs.

Tim: „Heads & Tales“ ist im September 2016 rausgekommen und das haben wir ja auch nicht einen Tag vorher geschrieben. Das lief über zwei Jahre. Das heißt, es ist eigentlich ziemlich lange her, dass wir die Musik geschrieben haben. In den Jahren hat sich halt viel verändert. Wir haben versucht, unseren Horizont zu erweitern, neue Musik gehört, sind auf vielen Konzerten gewesen. Unser Stil hat sich einfach entwickelt, sowohl was wir hören als auch was wir machen. Wir haben mit einem neuen Produzenten zusammengearbeitet, mit dem Filous, was super läuft. Ich glaube, es ist ein cooler Mix aus neuen und auch alten Elementen. Kytes 2.0.

Michi: Wir haben jetzt vielleicht erstmal ein bisschen geschockt mit den zwei neuen Liedern, die bisher rauskamen. Es kommen auf jeden Fall noch ein paar alte Indie-Nummern, wo sich die Leute dann auch wieder wohlfühlen. Aber sonst haben wir uns natürlich ein bisschen entwickelt. Es muss ja weitergehen.

Tim: Ja, ich glaube, Stillstand ist das, was kein Künstler will. Dass man einfach sagt: „So, ich mache jetzt für den Rest meines Lebens die gleiche Mucke.“ Das ist ja auch langweilig. Man selber verändert sich. Das kennst du ja wahrscheinlich selber aus deinem Bereich, dass du über manche Sachen jetzt anders denkst als vor zwei, drei, vier Jahren. So ist das mit unserer Musik auch.

minutenmusik: In dem Video zu „Take it easy“ erlebt ihr eine ziemlich verrückte Taxifahrt. Was ist die verrückteste Taxigeschichte, die ihr selber mal erlebt habt?

Thommy: Ich hatte mal einen Taxifahrer, der ist nur über rote Ampel gefahren, mit Absicht. Der hat immer bei Grün angehalten und ist losgefahren, wenn es rot wurde. Das war richtig spät in der Nacht und wir glauben alle, dass er besoffen war. Macht das nicht, Kinder!

Tim: Ein paar verrückte hatten wir schon, bei denen wir auch zusammen unterwegs waren.

Michi: (überlegt) Jaaa, aber mir fällt gerade nichts ein. Aber es gab ein paar lustige. Das waren aber nicht die Inspirationen für das Video. Es passiert einfach so viel schweres, verrücktes Zeug und niemand weiß genau, was wirklich passiert heutzutage. Und so haben wir das im Video auch gemacht. Man muss versuchen, es einfach zu nehmen. Man weiß im Video nie, ob das wirklich passiert. So war das gedacht.

minutenmusik: Das hat gut funktioniert! Wie geht es denn dann nach der EP-Veröffentlichung für euch weiter? Kommt dann noch eine größere Tour, Festivals…?

Tim: Das ist auch so etwas, worüber wir uns in dem Jahr Gedanken gemacht haben. Im September 2016 ist ja das Album rausgekommen und das war zu einem Zeitpunkt, wo wir ganz viel neue Musik für das Album geschrieben hatten. Dann ist das Album rausgekommen, wir waren auf Tour und dann waren wir erstmal ein bisschen platt. Wir waren fertig von der Tour und hatten keine neuen Songs. Anfang 2017 haben wir uns oft gedacht, dass wir gerne neue Musik rausbringen würden, aber wir hatten eben nichts, weil wir alles für das Album gemacht haben. Deshalb wollen wir das dieses Mal ein bisschen aufsplitten. Wir bringen jetzt die EP im Januar raus und im Frühsommer auf jeden Fall noch eine EP. Wir haben voll Bock, einfach über das Jahr immer kontinuierlich ein bisschen was zu bringen. Auch eine Entscheidung für das eigene Label. Die Plattenfirma würde vielleicht nicht wollen, dass man das jetzt so macht. Aber wir wollen das und denken, dass das der richtige Weg ist. Es kommt also neue Musik, wir spielen Festivals im Sommer.

Michi: Wir schreiben auch weiter Musik.

Tim: Vielleicht kommt im Herbst auch noch eine Tour. Aber es ist noch kein ganz klarer Weg. Das muss sich noch ein bisschen zeigen.

Michi: Wir müssen ja auch schauen, wie das ganze Zeug ankommt. Lohnt es sich überhaupt, im Frühjahr schon wieder eine neue Tour zu spielen?

minutenmusik: Wie sind eure Erwartungen zur EP-Veröffentlichung? Was wäre das Beste und was das Schlechteste, was passieren könnte?

Tim: Ich glaube, das Schlechteste ist immer, wenn sich einfach keiner dafür interessiert. Ich habe lieber 10 Leute, die darüber schreiben und sagen, dass sie es nicht mögen, als gar keinen, der irgendwas dazu macht, weil er denkt, es ist völlig belanglos. Das Beste wäre natürlich, wenn es noch viel mehr Leute erreicht und wir mit der EP wachsen können und dann darauf die zweite EP aufbauen können.

Kerim: Das Beste ist, wenn man checkt, dass die Musik, die uns krass taugt, auch den Leuten taugt. Man macht ja eigentlich für sich selber Musik, aber es macht eben viel mehr Spaß, wenn man weiß, dass man die Musik, die man selber feiert, auch vor Leuten präsentieren kann.

minutenmusik: In dem Interview vor zwei Jahren hatten wir auch darüber gesprochen, ob es für euch schöner ist, im Studio oder auf der Bühne zu sein. Nach der langen Zeit ohne Bühnenshows ist es jetzt wahrscheinlich ganz klar die Bühne, oder?

Alle: Ja, voll!

minutenmusik: Warum ist die Tour dann nur so kurz?

Tim: Es ist einfach erstmal wieder ein Lebenszeichen. Wir waren jetzt tatsächlich 1,5 Jahre nicht auf Tour, oder zumindest nicht auf unserer eigenen Tour. Wir haben Supports gespielt und Festivals. Wir hatten Lust, das jetzt in kleinen Läden zu machen, weil wir gesagt haben, wir wollen die neue Musik erstmal testen. Deswegen haben wir uns für eine kleine Tour entschieden und nicht wieder für eine Rutsche mit 20 Konzerten.

minutenmusik: Du hast gerade die Supportshows erwähnt, bei denen ihr auch international mit den Shout Out Louds unterwegs wart. Wie war das?

Thommy: Es war die Hölle. (alle lachen) Ne, es war sehr lang. Es war sehr viel Fahren. Es war eigentlich nur Fahren. Das waren 6.000 km in 14 Tagen. Das war richtig krass. Und die italienischen Autobahnen sind noch schlimmer als die deutschen. Das war von Rom bis nach Bremen und noch in die Schweiz. Das war anstrengend. Aber die Shows waren echt cool. Die Shout Out Louds sind mega nett. Dass die Bock hatten, dass wir mitkommen, war schon mega gut.

Tim: Es war voll geil, das erste Mal in Italien zu spielen. Das war voll der Hickhack. Wir sind aus München vom egoFM Festival gekommen. Nach einer Stunde Fahrt ist unser Bus kaputtgegangen.

Kerim: Das war der schönste Geburtstag meines Lebens!

Tim: Stimmt, Kerim hatte auch noch Geburtstag! Wir sind in die Garage und haben Gott sei Dank noch einen anderen Bus bekommen. Wir sind dann in Mailand angekommen und eine Viertelstunde später war unsere Showtime. Wir haben die Shout Out Louds angerufen und die waren so nett und haben gesagt: „Spielt einfach unser ganzes Zeug.“ Das war super cool von denen! Es gibt bestimmt viele Künstler, die sagen: „Ne, an mein Equipment kommt ihr nicht ran.“ Dann sind wir dahin, ich habe kurz meine Snare und mein Becken aufgebaut, die anderen haben ihre Gitarren rausgeholt – und spielen! So haben wir das noch nie gemacht! Da war das heute ein totaler Luxus, dass wir hier ewig lang checken konnten.

Thommy: Obwohl das Auto heute auch schon wieder komisch riecht. Irgendwas kommt da noch! Aber wir hatten damals auf jeden Fall Glück, dass das Auto noch in Bayern kaputtgegangen ist. Wäre das kurz vor dem Ziel passiert, hätten wir nicht spielen können, weil wir nicht gewusst hätten, wie wir überhaupt wegkommen.

Tim: Ja, das stimmt. Wie er schon sagte, es war schon eine Odyssee und auf jeden Fall viel Fahren, aber es ist immer geil, in Ländern zu spielen, in denen man noch nicht war. Auch einfach zu sehen, wie die Leute auf unsere Musik reagieren, wenn sie uns nicht kennen. Das ist immer eine geile Erfahrung.

minutenmusik: Dann seid ihr ja für diese Tour bestens gewappnet! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt und viel Spaß bei der Tour!

Tim: Danke dir!

Und so hört sich das an:

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KYTES live 2018:

06.12. – Hamburg, Molotow (ausverkauft)
07.12. – Berlin, Badehaus (ausverkauft)
08.12. – Leipzig, Naumanns
11.12. – München, Strom (ausverkauft)
12.12. – München, Strom (ausverkauft)

Die Fotorecht liegen bei den KYTES.

 

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