Interview mit The Parlotones über “China”!

(ENGLISH VERSION BELOW) Die Parlotones sind eine der größten südafrikanischen Musik-Acts. Seit mittlerweile 20 Jahren macht die Band mittlerweile gemeinsam einnehmenden Indie-Rock und konnte dabei schon viele bemerkenswerte Dinge erleben – unter anderem die Eröffnungsshow der FIFA-WM 2010. Im Rahmen der kommenden Tour und dem neuesten Album “China” durften wir Frontmann Kahn Morbee einige Fragen zum neuen Album, der Band-Geschichte und persönlichen Highlights stellen und haben dabei einige interessante Einblicke in das bewegte Leben einer Band erfahren, die aus einem Land stammt, in dem die musikalischen Gegebenheiten nicht ganz so einfach sind wie in Europa:

minutenmusik: Hallo zusammen! Erstmal möchte ich ein großes Dankeschön dafür aussprechen, dass ihr euch die Zeit nehmt, und natürlich herzlichen Glückwunsch zum 20 jährigen Jubiläum! Es muss etwas Besonderes sein, 20 Jahre gemeinsam Musik zu machen. Was sind deiner Meinung nach die größten Entwicklungen von damals bis heute? War es in den 90ern sehr anders, eine Band zu sein als in der Ära von Spotify?

Kahn Morbee: Das digitale Zeitalter hat die musikalische Landschaft zwar viel überfüllter gemacht, aber gleichzeitig wurde die Einstiegshürde viel niedriger. Um ehrlich zu sein ist der geldliche Lohn für verkaufte Musik von den Plattenlabeln zu den digitalen Anbietern gewechselt, Künstler waren damals am Arsch und sind es auch heute noch, die Industrie wächst wohl, aber nur selten die individuellen Künstler. Das digitale Zeitalter hat eine Kultur erschaffen, wo reichlich Musik frei zugänglich ist, aber Live-Musik erfährt nun viel mehr Wertschätzung. In einem Zeitalter, in dem alles virtuell und irgendwie künstlich ist, sind  Erfahrungen wie Live-Musik einfach viel realer und fühlbar.

minutenmusik: Hast du irgendwelche persönlichen Meilensteine? Gibt es bestimmte Events der Band, die du niemals vergessen wirst?

Kahn Morbee: Ich würde am liebsten Musik zu so vielen Menschen wie möglich bringen, auf der ganzen Welt! Das Eröffnungskonzert bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wird für immer ein sehr denkwürdiger Auftritt bleiben, da wir hier Teil der süd-afrikanischen Geschichte werden durften.

minutenmusik: Gibt es auf der anderen Seite etwas, das du bereust? Welche Entscheidung hättest du aus heutiger Sicht anders getroffen?

Kahn Morbee: Ich hätte mir gewünscht, dass wir früher gerissen gewesen wären und Geschäftssinn entwickelt hätten, anstatt Außenstehenden zu vertrauen.

minutenmusik: Ihr hattet die Ehre, als Support-Act für Coldplay, einem der größten Acts der Welt, zu spiele. Gibt es andere Acts, mit denen du gerne auftreten würdest?

Kahn Morbee: The Killers, Paul McCartney, James, R.E.M.!

minutenmusik: Ihr habt auch bei der Eröffnungsfeier der FIFA Weltmeisterschaft gespielt, das muss ein atemberaubender Moment gewesen sein! Denkst du, dass das einen großen Einfluss auf eure Karriere hatte? Wie kam es dazu?

Kahn Morbee: Es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Ich glaube, wir hatten nicht einen speziellen Moment, sondern eher eine ganze Reihe an Ereignissen, eine Summe der Dinge, die sich zu einem gewissen Erfolg und einer 20-jährigen Musikkarriere angestaut haben.

minutenmusik: Ihr habt auch eine eigene Weinmarke. Wie kam es dazu? Denkst du, dass es euch etwas beruhigt, euch neben all der Musik um diese Marke zu kümmern? Gibt es noch andere Hobbies, die ihr neben der Musik teilt?

Kahn Morbee: Das Weinprojekt war ein temporäres Projekt, das 6 Jahre anhielt. Mittlerweile haben wir keinen eigenen Wein mehr, aber vielleicht werden wir bald an Absinth arbeiten, unser Drummer ist ein großer Fan. Wir haben viele gemeinsame Interessen, wie Indoorf-Fußball, Squash, Tennis und Golf. Die meisten versuchen, fit zu bleiben und wenn wir gemeinsam unterwegs sind, suchen wir ein Workout, das wir gemeinsam ausüben können.

minutenmusik: Kommen wir nun zum neuen Album. Wie steht der Albumtitel “China” in Verbindung zu den Songs und dem Konzept hinter dem Album? Was waren die größten Einflüsse?

Kahn Morbee: Der Grund für den Namen liegt in der Feier unseres 20 jährigen Jubliäums. Porzellan ist das Geschenk, das man normalerweise zu diesem Anlass bekommt.

minutenmusik: Das Cover ist sehr bunt. Denkst du, dass es eure musikalischen Einflüsse widerspiegelt oder war es hauptsächlich ein Design-Grund?

Kahn: Da kommen mehrere Sachen zusammen. Einer meiner besten Schulfreunde hat eine Künstlerin gedatet, die Gesichter anmalt, indem sie Acryl-Farbe auf eine Weise benutzt, von der sie glaubt, die jeweilige Persönlichkeit darzustellen. Gleichzeitig soll es die Vorurteile zeigen, die die Gesellschaft wohl über Farbstoffe hat, denn trotz der Hautfarbe sind wir alle sehr bunt und wunderbar unterschiedlich. Es ist ziemlich esoterisch und hippy, aber ein ernst gemeintes Gefühl. Sie hat auch versucht, gewisse Elemente von Porzellan in der Farbe auf unseren Gesichtern einzubauen. Unsere Gesichter wurden dann fotografiert und als Cover verwendet.

minutenmusik: Eure Outfits erinnern mich oft an “A Clockwork Orange”. Inwiefern hat euch der Film beeinflusst? Welche Bestandteile des Films faszinieren dich am meisten? Gibt es andere Filme, die ihr als Band schaut?

Kahn: Als wir “A World Next Door To Yours” aufgenommen haben, haben wir alle zusammen im Haus unseres Produzenten übernachtet und er hatte diesen großen TV und jede Nacht haben wir einen Klassiker geschaut. Einer davon war “A Clockwork Orange” und das wurde die Inspiration für unser Augen Make-Up. Es war einfach und Kult und einfach nachzumachen, ohne wie eine billige 80er-Jahre Version auszusehen. Ich bekam mit ungefähr 25 langsam eine Glatze und habe so eine Leidenschaft für Hüte entwickelt weil es sich auch für den Clockwork Look angeboten hat. Wir haben auch alle weiß getragen, was auch wirkt, als wäre es dem Film entlehnt. Ich glaube, was “Clockwork Orange” so zeitlos (und für uns ansprechend) gemacht hat, war, dass es eine Neutralität in allen Bereichen gab, von den Anziehsachen über den klassischen Soundtrack zu dem Slang, was bedeutet, dass es nicht auf ein Datum oder eine Ära zurückgeführt werden kann und so besteht es den Test der Zeit.

Ich liebe alle Filme von Stanley Kubrick, da ist eine Spärlichkeit und ein Stil, der unvorhersehbar ist und dich immer wieder kriegt. Wir haben etliche Filme während der Aufnahmeprozesse zusammen geschaut. Drei davon besonders gerne, das waren “The Big Lebowski”, “Boondocks Saints” and “The Castle” (eine australische Komödie). Heutzutage geben wir uns gegenseitig Empfehlungen, was man im Flugzeug oder auf Netflix schauen sollte…also gucken wir quasi mit einer ‘virutellen’ Verbindung.

minutenmusik: Was denkst du sind die größten Unterschiede dazwischen, Rockmusik in Südafrika und sagen wir mal Deutschland zu machen?

Kahn: Ich glaube, da gibt es nicht viele, man braucht richtige Instrumente – meistens Gitarren und eine Art von Oberfläche, auf der man es aufnehmen kann. Aus der Szene-Perspektive glaube ich, dass Deutschland ein größeres Publikum und eine Infrastruktur und ein fortgeschrittenes Netzwerk und somit bessere Unterstützung bietet. In Südafrika bewirkt die sehr diverse musikalische, soziale und politische Landschaft, dass die Musikszene sehr bruchstückhaft ist und so in viele sehr kleine Komponenten zerstückelt wird, so dass keine davon wirklich reift. Daher ist es gerade für Newcomer schwierig, sich durchzusetzen. Wenn man das dann noch damit zusammen bringt, dass Gesellschaften davon weggehen, Mainstream zu hören und zu freien Streaming-Anbietern übergehen, wird die Szene sogar noch schwieriger.

minutenmusik: Hast du noch andere Empfehlungen aus dem südafrikanischen Musikmarkt?

Kahn: Es gab eine wunderbare Band, von der ich denke, dass sie größer hätten sein sollen, aber ich glaube, sie haben aufgehört, weil Gitarrenmusik hier nicht so unterstützt wird…Aber hört sie euch mal an, sie heißen “Gangs of Ballet”!

minutenmusik: Eure Europa-Tour steht vor der Tür. Was magst du am meisten daran, in Europa zu touren? Was sind die negativen Seiten? Bist du aufgeregt?

Kahn: Ich liebe es, unterwegs zu sein, ich liebe den Kick, live für verschiedene Menschen in verschiedenen Städten zu spielen und das jeden Abend. wir sind eine Band von Brüdern, die einige der tollsten Orte der Welt besuchen, also ist es ziemlich aufregend. Das einzig Negative ist, dass ich meine Familie zuhause vermisse.

minutenmusik: Was denkst du, ist das Beste daran, Musiker zu sein? Magst du das Aufnehmen oder das Tourleben mehr?

Kahn: Ich liebe das Kreative, den Fakt, dass du etwas aus nichts machst und das was du erschaffen hast, auf eine unerwartete Reise über die ganze Welt geht!

minutenmusik: Noch einmal vielen Dank für das ausführliche Interview und ganz viel Erfolg mit dem Album und der Tour! Auf die nächsten 20 Jahre!

Und so hört sich das an:

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Parlotones live 2018:

  • 16.10.2018 Kulturladen Konstanz
  • 18.10.2018 Luxor Köln
  • 19.10.2018 Zoom Frankfurt
  • 20.10.2018 Club Stereo Nürnberg
  • 21.10.2018 Chelsea Wien
  • 24.10.2018 hansa 39 München
  • 25.10.2018 Club Zentral Stuttgart
  • 29.10.2018 Lux Hannover
  • 30.10.2018 Bi Nuu Berlin
  • 31.10.2018 Werk2 Leipzig
  • 02.11.2018 Knust Hamburg
  • 04.11.2018 The Rock Café Prag


minutenmusik: Hey there! At first I want to say a big thank you for taking your time and congratulations to your 20 years anniversary! 20 years of playing together must have been very special. What do you think are the biggest developments from then to now? What has changed from being a band in the 90s to being a band in the era of Spotify?

Kahn Morbee: Well the digital age has made the musical landscape a lot more crowded but ultimately made the barrier to entry a lot easier. To be honest the monetary reward for sold music just shifted from the record labels to the digital providers, artists were screwed then and they’re screwed now, the industry around the artists thrive but seldom the individual artists. The digital age has created a culture where music is free and abundant BUT its placed more value on LIVE music because in an age where everything is virtual and somewhat artificial, experiences like LIVE music are far more real and sensory.

minutenmusik: Do you have any personal milestones? Are there any special events as a band that you will never forget?

Kahn Morbee: I’d love to keep taking our music to as many people around the world as possible. The 2010 World Cup kick off concert will always be a very memorable performance for us as we got to be part of South African history.

minutenmusik: And on the other side: do you regret any thing? Which decision would have been different from your 2018 point of view?

Kahn Morbee: I kinda wish we’d learnt a little sooner to be street wise and apply business acumen instead of entrusting it to outside people.

minutenmusik: You had the honour of playing a support gig for Coldplay, one of the biggest acts on earth. Do you have any other acts in mind you would love to play together with?

Kahn Morbee: The Killers, Paul McCartney, James, R.E.M.

minutenmusik: You also played on the opening party for the FIFA world cup, what must have been a breath taking moment! Do you think this had a huge impact on your career? How did it come to this?

Kahn Morbee: It was a truly unforgettable experience. I don’t think we’ve ever had one defining moment but rather a series of events, a sum of the parts that have accumulated in some semblance of success and a 20 year career in music.

minutenmusik: You also have your own wine brand. How did it come to this? Do you think that taking care of this brand is a way of coming down besides all the music making? Do you share other hobbies besides of wine and music?

Kahn Morbee: The wine project was a temporary project that lasted about 6 years. We no longer have our own wine but perhaps we’ll work on an absinthe, our drummer is a huge fan. We all have common interests in activities like indoor football, squash, tennis and golf. Most of us try to keep fit in some regard and when on the road we’ll find some sort of workout to do as a collective.

minutenmusik: So now let’s come to your new record. In how far does the title “China” come together with the songs and the concept behind the record? What were the biggest influences for the new songs?

Kahn Morbee: The reason for the name was to commemorate our 20th anniversary. China is usually the gift given to celebrate 20 years.

minutenmusik: The cover is very colourful. Do you think that this reflects your musical influences or was it simply a decision of design?

Kahn Morbee: It was a combination of events. One of my best friends from school was dating an artist who paints people’s faces using acrylic paint in a way that she believes highlights their personality but at the same time morphs prejudices society may have about pigment by saying that regardless of pigment we are all truly colourful, diverse and brilliantly different. It’s quite esoteric and hippy but heartfelt sentiment. She also tried to subtly incorporate elements of china (porcelain) into the paint on our faces. Our faces were then photographed and that was used as the cover.

minutenmusik: Your outfits often remind me of “A Clockwork Orange”. In how far does the movie influence you? Which parts of the movie fascinate you the most? Are there other movies you watch as a band?

Kahn Morbee: Whilst we were recording “a world next door to yours’ we all stayed together at the producers house and he had this big screen TV and each night we would watch a classic movie. One of those was A Clockwork Orange and that became the inspiration behind our eye make-up. It was simple and iconic and easy to recreate without looking like a bad version of the 80’s. I started going bald probably around age 25 and developed a penchant for hats, especially classic styled hats and so the bowler hat became my go to stage hat because it lent itself to the clockwork inspired look. We’ve also worn all white which seems like its also taken from the movie. I think what made Clockwork Orange so timeless (and appealing to us) was that there was neutrality across all themes from wardrobe to the classical music soundtrack to the slang meant that it couldn’t be dated or pin pointed to a specific era and so it stands the test of time.

I enjoy all Stanley Kurbrick movies, there’s a sparseness and stylistic cinematography that is unpredictable and always has you on edge.

We watched loads of movies as a band during those recording sessions. Three of the stand outs was The Big Lebowski, Boondocks Saints and The Castle (an Australian comedy). These days we kinda all give each other recommendations on what to watch on the plane when flying or on Netflix…so we watch together through a ‘virtual’ connection.

minutenmusik: What are the major differences between making rock music in South Africa and let’s say in Germany? What do you think?

Kahn Morbee: I don’t think much, they require organic instruments- generally guitar driven and some sort of interface to record into. From a scene perspective I believe Germany has a bigger audience and infrastructure and a more advanced network and therefore better support. In SA the very diverse musical, social and political landscape means that the music scene is very fragmented and compartmentalised into many small components and so none of them really thrive. So its difficult to sustain, especially for up and coming artists, when you couple this with societies listening habits being diverted away from mainstream onto freedom of choice streaming services it makes the scene even more difficult.

minutenmusik: Do you have any further recommendations from the South African music market?

Kahn Morbee: There was a a amazing band who I think should have been bigger but I guess because guitar music is not well supported locally they broke up….but check them out “Gangs of Ballet”.

minutenmusik: Your Europe tour starts very soon. What do you like the most about going on tour in Europe? What are the bad parts? Are you excited?

Kahn Morbee: I love the road, I love the thrill of performing live to different people in different cities each night. We’re a band of brothers visiting some of the most amazing places in the world so of course it’s  very exciting. The only bad aspect is missing my family back home.

minutenmusik: What do you think is the best part of being a musician? Do you like the recording or the tour life more?

Kahn Morbee: I love the creative part, the fact that you make something out of nothing and then this thing you’ve created pulls you on an unexpected journey around the world.

minutenmusik: Again, we want to say a big thank you this interview and wish you all the best for the record, the tour and the next 20 years!

Rechte am Beitragsbild liegen bei Andre Brandenhorst.

 

 

 

 

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