Interview mit Rikas über „Showtime“ und ihre Tour

Im vergangenen Herbst hat das Stuttgarter Quartett Rikas sein langersehntes Debütalbum „Showtime“ veröffentlicht. In den darauffolgenden Wochen bis zum Jahresende ging es für die Band quer durch Deutschland, um ihren lässigen Indie-Pop-Sound auf die Bühnen zu bringen. Wir haben uns in Köln mit Chris und Ferdi getroffen und über die Entstehung des Albums, ihre musikalische Entwicklung und das Tourleben gesprochen. 

minutenmusik: Vielen Dank schon mal, dass ihr euch die Zeit für das Interview nehmt.

Chris: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst!

minutenmusik: Immer gerne! Ihr habt gerade fast die Halbzeit der aktuellen Tour erreicht …

Chris: Ist das so?

Ferdi: Ja, tatsächlich!

minutenmusik: Wie geht es euch denn? Fühlt es sich schon so an, als wärt ihr schon ewig auf Tour oder erst seit drei Tagen?

Ferdi: Also in meinem Fall fühlt es sich so an, als wären wir seit gestern auf Tour. Es fühlt sich jetzt nicht wie der zehnte Gig an, eher so wie der dritte.

Chris: Es war aber auch so, dass die ersten vier Shows am Stück waren, dann hatten wir eine Woche Pause, in der ich dann glücklicherweise eine Mandelentzündung hatte. Und in der Woche ist sie aber auch schon wieder abgeheilt und als es jetzt wieder los ging, war alles wieder gut. Wir haben am 12.11. angefangen und das fühlt sich jetzt schon auch etwas weiter weg an. Aber irgendwann verliert man auch einfach generell ein bisschen das Zeitgefühls.

Ferdi: Mit den Wochentagen hat man es dann auch nicht mehr so.

Chris: Man merkt es immer ein bisschen daran, wie ausgelassen die Leute sind. Am Wochenende bleiben die noch länger im Club als an einem Dienstag. Aber ja, noch sind wir fit.

minutenmusik: Wir haben euch vor ungefähr 1,5 Jahren beim Kosmonaut Festival schon einmal interviewt. Könnt ihr kurz zusammenfassen, was seitdem passiert ist?

Chris: Oh meine Herren, jetzt muss ich kurz überlegen. Beim Kosmonaut, das war im Sommer 2018. Wir haben ein Album aufgenommen. (überlegt) Doch, das haben wir gemacht. Und wir haben natürlich weiterhin fleißig live gespielt, was ja sozusagen unser größtes Hauptgeschäft ist.

Ferdi: Nach dem Kosmonaut war auch noch die Tour.

Chris: Ach stimmt! Das war ja noch vor der ersten eigenen Tour. Ja genau, da war im Herbst ab Oktober unsere erste eigene Tour. Danach haben wir dann angefangen, das Album zu schreiben. Wir hätten im Frühjahr eigentlich die Tour jetzt gespielt, haben dann aber gemerkt, dass wir, weil wir einfach letztes Jahr so extrem viel gespielt haben, eigentlich gar keine Zeit gehabt haben, Songs zu schreiben. Wir haben dann im Frühjahr gemerkt: „Ey, warte mal, wir müssen ja Songs schreiben. Wann?! Wenn wir jetzt noch ne Tour spielen und dann gleich wieder die Festivals anfangen.“ Deshalb haben wir da dann das Album geschrieben und aufgenommen und dann diesen Sommer ein paar Festivals weniger gespielt, einfach aus Zeitgründen, weil das nicht machbar war. Ja, und jetzt sind wir auf der Tour mit dem Album und freuen uns, dass das so gut aufgegangen ist und die Leute das auch so gnädig aufgenommen haben, weil wir zuerst die Tour verschieben mussten. Das hat sich ja erstmal nicht gut angefühlt, die Tour zu verschieben, weil sich Leute die Tickets kaufen und sich darauf freuen, genau wie wir. Wir saßen tagelang zusammen und haben uns die Köpfe zerbrochen, was jetzt am besten ist. Ob wir die Tour spielen und dafür das Album Abstriche machen muss oder ob man sich dafür Zeit lässt und die Tour vertagt. Das war jetzt aber, glaub ich, die richtige Entscheidung.

minutenmusik: Die Fans haben es euch offensichtlich nicht übel genommen, die Konzerte sind ja weitestgehend ausverkauft.

Ferdi: Ja, da sind wir auch sehr froh drüber! Wir haben aber auch tatsächlich sehr gute Fans.

Chris: Ja, ich bin auch sehr happy. Aber gibt es Bands, die offen zugeben würden, dass die ihre Fans nicht mögen? Naja, es gibt bestimmt so ein paar…

Ferdi: …wo es vielleicht zum Image dazu gehört. Aber weiß ich nicht.

minutenmusik: Das wäre schon fies.

Ferdi: Ja, das wäre fies.

Chris: Wir haben übrigens auch festgestellt – und das sagen auch viele Clubbesitzer – dieser Ausverkauft-Fakt ist ja an eine Personenzahl gebunden, heute sind es zum Beispiel 300. Bei einem Konzert von uns ist der Saal verhältnismäßig leer, wenn das mit 300 Leuten ausverkauft ist, weil einfach die Zielgruppe eher Mädels sind und vielleicht auch ein bisschen jünger und ein bisschen schmächtiger ist als jetzt bei einer Metal-Band. Das ist wirklich so, da ist dann der Raum voller mit der gleichen Anzahl an Leuten. Das ist lustig. Das ist uns mal aufgefallen und wir haben das dann auch mal angesprochen und auch viele Clubbesitzer haben das schon gesagt. So blöd das klingt, aber das ist so.

Ferdi: Die haben gesagt, der Unterschied zwischen Indie- und Metalkonzerten ist wirklich so beinahe die Hälfte bei so kleinen Clubs. Das ist echt interessant.

minutenmusik: Witzig, darüber hab ich noch nie nachgedacht. Ihr habt vorhin die Albumaufnahmen angesprochen. Soweit ich weiß, habt ihr das in Spanien aufgenommen. Wie ist es dazu gekommen?

Ferdi: Ja, teilweise. Das kam über einen Kontakt. Und zwar teilt sich unser Produzent sein Studio mit einem anderen Produzenten namens Moses Schneider und über den kam der Kontakt zustande. Das war in Spanien ein relativ großes Grundstück, sehr schön, mit sieben Bungalows und eins davon war eben ein Studio. Das war auch ein Deutscher, der da wohnt, der kommt tatsächlich aus Köln. Der war auch ne ziemliche Legende, der Typ. Ja, so kam der Kontakt zustande. Und es war letzten Endes tatsächlich sogar billiger als es hier aufzunehmen.

Chris: Die Idee, warum wir das überhaupt machen wollten, war einfach, dass es schöner ist als in Stuttgart oder Berlin, wo man die ganze Zeit in der Stadt hockt. Ein Album in der Stimmung zu schreiben ist bestimmt auch möglich, aber wir dachten: „Lass doch mal woandershin.“ Und dann haben wir das gegengerechnet und gemerkt, dass es tatsächlich auch noch günstiger ist, weil wir auf diesem Grundstück auch alle zu fünft oder teilweise zu sechst wohnen konnten in diesem Preis inkludiert. Wenn man in der Großstadt ein Album aufnimmt, dann muss man das Studio bezahlen und dann muss ja noch jede Person irgendwo untergebracht werden. Wenn man dann da zwei Monate ist, ist man schnell in einem sehr hohen Bereich. Genau, und dann hatten wir das so aufgeteilt, dass wir das erste Drittel dieser Albumphase bei uns in Stuttgart aufgenommen haben bzw. geprobt haben und die Songs so ein bisschen fertig gemacht haben. In Spanien haben wir dann die Instrumentals aufgenommen und dann waren wir noch drei Wochen in Berlin im Studio und haben da noch die Gesänge fertig gemacht. Unser Produzent hat da so ein kleines Studio, wo wir umsonst rein können. Und für die Vocalaufnahmen war das optimal.

minutenmusik: Kommt dann vielleicht auch durch diesen Szeneriewechsel die Leichtigkeit, die in eurer Musik zu finden ist? Man hat das Gefühl, dass es von euch keine Schlechte-Laune-Lieder geben kann. Selbst wenn der Text manchmal davon handelt, dass gerade nicht alles so super ist, wie bei „Movie“ zum Beispiel, ist trotzdem immer diese Leichtigkeit mit dabei. Liegt das einfach an euren Charakteren oder war das die spanische Atmosphäre?

Chris: Ich glaube, das ist schon irgendwo in uns verankert. Die Songs sind zum Teil zwar tatsächlich erst in Spanien entstanden, gerade „Movie“, aber eigentlich ist das einfach unser genereller Vibe in der Gruppe und auch wie und warum wir zusammen Musik machen. Wenn es einfach Spaß macht, kann man natürlich auch traurigere Themen verarbeiten, aber dieser Grundansatz, weshalb wir uns treffen, ist einfach, weil es uns Spaß macht. Und dann kommt halt diese Musik dabei raus und selten weinerlicher Deutsch-Pop. Spanien hat das vielleicht unterstrichen, aber von Grund auf ist das unsere Natur.

minutenmusik: Wie würdet ihr selbst eure Weiterentwicklung von der EP bis zum Album beschreiben?

Chris: Ich würde sagen, wir haben uns auf jeden Fall nochmal mehr geöffnet für andere Musikstile oder Einflüsse. Die EP war eher Indie-Gitarren-Musik-lastig und indie-poppiger als es jetzt das Album ist. Für das Album haben wir uns aber noch mehr allem geöffnet und haben verschiedenste Einflüsse aus entfernteren Genres wie Hip Hop, Funk, Soul, ein bisschen Chanson sogar in dem französischen Song zugelassen. Wir haben dann geguckt, wie wir das zusammenbringen können und was wir damit machen. Da gab es auch noch extremere Ideen, die dann gezähmt oder aussortiert wurden oder die jetzt noch in der Hinterhand sind. Aber da haben wir uns auf jeden Fall musikalisch noch mehr ausprobiert und noch mehr zugelassen, was wir bei einem Album als schöne Möglichkeit gesehen haben, weil man sich eben mit mehr als nur fünf oder sechs Songs präsentieren kann. Wir sind so eine bunte Truppe, wo jeder Songs schreibt und Songs singt, dass wir gesagt haben: „Lass uns doch mal alles machen und sammeln und gucken, was zusammenpasst.“ Da kam dann dieser relativ wilde Mix raus.

Ferdi: Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass die Songs für die EP geschrieben wurden, als wir noch nicht so krass im Musikbusiness verankert waren in Bezug auf Management, Booking und so weiter. Das kam ja alles dazu, das gesamte Umfeld der Musikindustrie. Ich glaube, dadurch hat sich auch schon einiges getan, dass man den Horizont erweitert.

minutenmusik: Ihr habt gerade schon den französischen Song „Détestable“ angesprochen. War das auch einfach nur ein Song, um es mal auszuprobieren, oder gibt es einen bestimmten Grund, warum ihr gerade ein französisches Lied auf dem Album habt?

Chris: Wir hatten tatsächlich kurz überlegt, ob das zu unpassend ist, wenn alle Songs auf Englisch sind und einer auf Französisch ist. Ob man dann nicht auch noch einen Polnischen und einen Deutschen und so weiter braucht. Aber ich hatte einfach schon länger Lust gehabt, einen französischen Song zu schreiben, dabei spreche ich eigentlich kaum oder kein gutes Französisch. Aber ich finde einfach die Sprache gesungen schön und hab das dann als persönliche Herausforderung gesehen, das zu meistern und einen Song zu schreiben. Ich musste mich viel intensiver mit den Worten und der Formulierung auseinandersetzen als ich es im Englischen muss. Das war noch eine Ebene, die dazu kam. Das war so der Ursprungsgedanke. Dann hatte ich die ersten Zeilen und das ist dann erst im Laufe von diesem Album zu einem kompletten Song geworden. Das war eigentlich erstmal ein Hirngespinst, wo man hätte sagen können, dass das nicht passt. Aber genau wie mit vielen anderen Elementen, die es in diesem Songwriting-Prozess gab, hat sich der Song gehalten und hat es in den Recall geschafft und dann war er in der finalen Auswahl und hat gepasst.

minutenmusik: Gibt es einen Song auf dem Album, der für euch besonders wichtig ist?

Ferdi: Ich glaube, das ist so, wie wenn man Eltern fragt, welches Kind sie am liebsten haben. (lacht) Aber ein Song, der etwas Besonderes ist, ist auf jeden Fall „Movie“, weil das so ein Patchwork-Song war, an dem alle hier und da mal ein bisschen gearbeitet haben. Die Grundidee ist auch mehr oder weniger zusammen im Studio entstanden. Das ist der Song, an dem wirklich jeder in sehr gleichen Teilen mitgewirkt hat.

Chris: Ich glaube, das divergiert auch sehr stark zwischen den Studiaufnahmen und den Livesongs, wenn wir sie spielen. Ich mag zum Beispiel die Studioversion von „Back in My Life“ sehr. Live spiele ich sehr gerne „Dr. Strangelife“, weil ich da verhältnismäßig wenig auf der Bühne zu tun hab und wenig singe und mich da freier auf das Gesamterlebnis Konzert konzentrieren kann oder mich nicht so sehr auf mein Spiel konzentrieren muss. Da kann ich einfach mal kurz genießen, deshalb macht mir der Song immer sehr viel Spaß. Aber das ist auch total unterschiedlich, auch von Person zu Person, und das ist auch mal von Abend zu Abend unterschiedlich.

Ferdi: Aber das ist sehr interessant. Chris sagt „Dr. Strangelife“. Bei mir wäre das „New York“, der mir ultra Spaß macht. Ich mag es gerne, wenn ich gefordert werde in dem, was ich spielen muss. In „New York“ sind viele Samples und viel, was mal dazu kam, wo ich mich ein bisschen ausprobieren konnte. Das macht mir Spaß, das dann auch live umzusetzen.

minutenmusik: Also soll es bei dir, Ferdi, möglichst fordernd sein und du, Chris, willst möglichst wenig tun.

Chris: (lacht) Genau, möglichst nichts tun und alles vom Band. Ich mache nur den Mund auf und zu.

Ferdi: Jaja, so machen das die Profis.

minutenmusik: Euer Album heißt ja „Showtime“. Was gefällt euch an eurer „Show“, also an eurer Performance, am besten?

Ferdi: Da kann jeder von uns sagen, dass es auf jeden Fall das Licht ist, was wir geadded haben. Wir haben seit dieser Tour einen wunderbaren Lichttechniker am Start, den lieben Flo. Und der hat uns einfach diese Rikas-Buchstaben gezaubert. Der hat das im Prinzip komplett alleine für uns gemacht, obwohl er uns kaum kannte, aber einfach Bock darauf hatte.

Chris: Wenn man als junge Band wie wir zu viert anfängt, da gibt es nach und nach Personen, die man sich in die Crew holt, die einem dabei helfen, das Ganze live umzusetzen. Das war bei uns als erstes der Mario, also der Tontechniker, der eben den Sound macht und mischt, den wir ihm geben und den dann die Leute hören. Das ist extrem gut, wenn da ein eigener dabei ist, weil man dann nicht in jedem Club, in dem man spielt, dem Techniker sagen muss: „Hallo, wir sind Rikas, wir spielen Popmusik, wir haben vier Leute, die singen auch alle teilweise, bei dem Song der, bei dem Song der, und dann haben wir noch eine Gitarre und ein Keyboard und dann musst du das so…“ Das ist super stressig, wenn man 100 Gigs im Jahr spielt.

Ferdi: Das kostet halt alles Zeit und Nerven.

Chris: Genau. Und den Mario haben wir jetzt seit Ewigkeiten dabei. Und jetzt war es unser Wunsch, dass wir als nächstes Level einen Lichttechniker haben, der die Songs kennt und der weiß: „Ok, bei dem Song mache ich schnelles Licht, bei dem Song mache ich da dunkel, da mache ich Spot auf den…“ Und da haben wir ewig gesucht und irgendwie kannten wir keinen oder das waren schon so Profis, die zu teuer waren. Und dann hat uns irgendwann im Sommer der Flo von sich aus angeschrieben: „Hey, ich feier euch. Ich mache Licht.“ Und wir so: „Krass, wir suchen jemanden!“ Dann haben wir ihn mal eingeladen und wir haben uns ein bisschen menschlich kennengelernt und das hat super gepasst. Dann war er bei zwei oder drei Festivals dabei, wo wir abends gespielt haben, sodass man auch das Licht gesehen hat. Dann haben wir das Konzept für die Tour bequatscht und haben gesagt, dass wir gerne so Leuchtbuchstaben hätten. Wir hatten das auch schon bei Firmen angefragt, die das professionell herstellen, das hätte halt Unmengen an Geld gekostet. Und er hat das einfach so DIY-mäßig, aber super professionell gemacht und auch einfach, weil es ihm Spaß macht. Da sind wir jetzt echt froh, dass wir ihn an Bord gebracht haben.

Ferdi: Das ist so ein kleiner Tüftler.

Chris: Also zurück zur Frage: Auf jeden Fall, mal unabhängig unserer jeweiligen Performances, macht uns der technische Aspekt mit dem neuen Leuchtschild sehr stolz.

minutenmusik: Ich bin gespannt!

Chris: Das kannst du sein. Ja, und sonst. Das Ding ist, wenn man so ein halbes Jahr vorher auf die Tour blickt, stellen wir uns immer noch viel viel mehr und viel Krasseres vor. Irgendwann guckt man dann wieder auf den Kalender und merkt, dass es schon in drei Wochen losgeht. „Oh Fuck, wir müssen ja auch noch proben und Merch machen.“ Dann geht es schon los und man hätte eigentlich gerne noch einen Monat geprobt und Sachen ausgedacht. Da hat man immer noch viel mehr Ideen, als man letztendlich umsetzen kann. Einiges passiert dann auch erst spontan, aber wir sind auch so eine Truppe, in der spontan so viel Schönes passiert, dass man das auch gar nicht so genau festlegen muss. Damit sind wir bis jetzt eigentlich immer am besten gefahren, wenn wir es einfach auf uns zukommen lassen und unser Ding machen.

minutenmusik: Gibt es irgendetwas, was euch im Showbusiness nervt?

Chris: Es gibt in der Branche generell viele Leute, die gerne sehr viel reden. Nicht, dass nichts dahinter stecken würde, aber selbst bei Leuten, bei denen viel dahinter steckt, wird noch mehr geredet. Das kann anstrengend sein, wenn man als junge Band in diesen Markt geworfen wird. Da kommen auf einmal 50 Leute und erzählen dir, was sie machen und warum du jetzt unbedingt einen Musikverlag brauchst und dann kommt der Nächste und sagt, warum du jetzt auf jeden Fall erstmal ein Label brauchst und dann sagt der Nächste, warum du jetzt aber unbedingt erstmal ein Booking brauchst. Sich da zurechtzufinden und abschätzen zu können, wo steckt wirklich etwas dahinter, was mir etwas bringt, und wo verkaufe ich meine Seele, das ist sehr sehr schwer. Da bin ich auch froh, dass wir rechtzeitig an die richtigen Menschen geraten sind, die uns helfen konnten.

Ferdi: Da ist es auch sehr wichtig, dass wir zu viert sind. Wenn du da alleine rein geworfen wirst, dann ist es ja noch schwieriger.

Chris: Das stimmt. Manchmal ist dann einer voll angetan und hat ein gutes Empfinden und die anderen dämpfen dann vielleicht ein bisschen und bedenken noch andere Sachen. Dadurch bleibt man realistisch. Das ist cool und das ist in vielen anderen Dingen auch ein Vorteil, dass wir zu viert sind. Die Beatles haben mal gesagt, dass ihnen Elvis furchtbar leid tut, weil er niemanden hat, mit dem er seinen Erfolg oder seine Niederlagen teilen kann. Wir sind zu viert. Wenn sich mal einer ein bisschen hängen lässt, können die anderen ihn wieder pushen. Oder wenn einer besonders gut drauf ist, färbt das auf die anderen ab. Das ist schon ein Riesenvorteil.

Ferdi: Da tun mir die DJs leid, die immer alleine live unterwegs sind.

Chris: Das hat aber auch Vorteile. Da kannst du mit deinem USB-Stick mit dem Zug fahren, brauchst keinen blöden Sprinter und du hebst dir nicht täglich dein Kreuz kaputt.

Ferdi: Das ist mir persönlich dennoch lieber als alleine zu sein.

Chris: Auf jeden Fall! Mir auch.

minutenmusik: Kann man daraus schließen, dass ihr euch auch nicht auf den Keks geht?

Ferdi: Doch! Das kommt schon vor.

Chris: Aber erstaunlich wenig. Es gibt natürlich immer Phasen, wo man sich denkt, das wird jetzt zu viel. Aber das ist dann mehr auf die Umstände generell bezogen. Wenn man einen Monat am Stück auf Tour ist, fahren wir zusammen im Bus, dann sind wir hier zusammen in der Venue, dann sind wir abends zusammen im Hotel, dann schlafen wir zusammen in einem Doppelbett, dann sind wir morgens zusammen beim Frühstück und dann fahren wir wieder zusammen im Bus zum nächsten Ort. Man hat halt wirklich nie mal eine Stunde, wo man in sein Zimmer kann und mal kurz entspannen kann. Und dafür funktioniert es erstaunlich gut. Wenn ich so rational darüber nachdenke, wundere ich mich selbst. Aber ich glaube, dass man als Band auch erst an einen solchen Punkt kommt, wenn man so gut miteinander auskommt. Es gibt bestimmt viele Bands, die sich genau aus dem Grund irgendwann zerstreiten, weil man so viel aufeinander hockt.

Ferdi: Was bei uns auch sehr gut ist, ist, dass sich jeder wirklich Mühe gibt und es jedem ein Anliegen ist, dass es funktioniert. Dass es mal Differenzen gibt oder dass man mal ein bisschen aneckt, das kommt immer mal wieder vor, aber jeder ist gewillt, danach darüber zu reden und das zu klären. Jeder hat da den Willen, einen Kompromiss zu finden und miteinander auszukommen. Ich finde, das ist schon auch sehr bewundernswert und ich bin da sehr stolz drauf.

minutenmusik: Das könnt ihr auch sein und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Damit habt ihr alle meine Fragen beantwortet. Vielen Dank dafür!

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