Interview mit SIND über “Vielleicht ist es anders als du denkst”

Eine Trennung, ein neues Bandmitglied, Umstrukturierungen innerhalb der Band – in den letzten Monaten und Jahren war viel los bei der Band SIND. Nun veröffentlichen sie ihr zweites Album “Vielleicht ist es anders als du denkst” und knüpfen damit an den Vorgänger “Irgendwas mit Liebe” an. Wie die neue Band-Konstellation das Album beeinflusst hat, wie die Band zu politischen Texten steht und warum es in ihren Songs die eine oder andere italienische Anspielung gibt, haben wir im Interview mit Sänger Hannes und Drummer Ludwig besprochen. 

minutenmusik: Wie geht es euch jetzt gerade, so kurz vor Release? Seid ihr aufgeregt?

Ludwig: Wir fühlen uns auf jeden Fall gut. Aufregung ist aber auf jeden Fall auch dazugekommen. Wir sind ja jetzt in den letzten Zügen und jetzt läuft halt alles auf Hochtouren gerade. Wir sind gerade mitten in der Herstellung der Albumform. Das wird es nämlich nicht als klassische CD mit Booklet geben, sondern wir haben uns da ein bisschen was Besonderes mit einer limitierten Auflage ausgedacht und das muss jetzt alles noch finalisiert werden. Und wir überlegen uns natürlich auch gerade, was wir am 23.10., wenn das Album rauskommt, machen werden. Da es ja jetzt kein großes Konzert geben kann, wie beim ersten Album vor zwei Jahren, überlegen wir jetzt also, was wir stattdessen machen. In dem Fahrwasser sind wir gerade. Also von positiver Aufregung und Vorfreude bis hin zu „Oh mein Gott, nur noch drei Wochen“ mischen sich die Gefühle.

minutenmusik: Ihr habt euch ja in der letzten Zeit innerhalb der Band ziemlich umstrukturiert – wie kam es dazu?

Hannes: Das ist glaube ich gar nicht so spektakulär, wie man sich das wünscht, also da gibt es keinen Gossip (lacht). Also wir haben sechs Jahre zusammen Musik gemacht und haben uns immer von Ziel zu Ziel gesteigert. Von Festival zu Festival, irgendwann dann im Radio, dann mal eine eigene Tour spielen – das haben wir immer alles geschafft. Und nach sechs Jahren war dann Arne und Max klar, dass es auch mal was anderes im Leben geben soll. Und deshalb haben sie sich entschieden, auszusteigen. Aber das war auch alles wirklich sehr freundschaftlich. Nach einer kurzen Zeit, wo wir dann alle dachten, es wäre vorbei und nicht wussten, wie es weitergeht, hat sich dann zum Glück die neue Konstellation so ein bisschen herausgearbeitet. Und jetzt sind wir auch immer noch alle sehr eng und sehr gut befreundet. Also eigentlich ein bisschen zu cheesy für eine Trennung. Ein bisschen mehr Krawall wäre natürlich auch witzig gewesen.

Ludwig: Das war natürlich trotzdem emotional. Ist jetzt nicht so, dass das so war „Okay ciao, wir machen weiter“. Und da gab es dann auch den Moment, dass wir – Matthias, Hannes und ich – uns gefragt haben, wie und ob es jetzt überhaupt weiter gehen soll. Das hat sich dann für uns über die Wochen so ein bisschen herauskristallisiert, dass es auf jeden Fall weitergehen wird. Und dann kam so das eine zum anderen. Da haben wir gemerkt, dass es uns eher beflügelt hat sogar, weil wir musikalisch ein bisschen andere Sachen ausprobieren konnten und neue Arbeitsweisen hatten, wie wir Musik schreiben. Und dadurch, dass dann jetzt der Norman dazugekommen ist, am Bass und dass Matthias an die Gitarre gewechselt ist und Hannes zum Gesang, hat es nochmal eine neue Dynamik bekommen. Und eigentlich fühlen wir uns wie im Anfangsstadium einer Band, die jetzt neue Musik zusammen macht. Das ist so unser zweiter Frühling gerade.

minutenmusik: Wie hat sich das vielleicht auch auf euer neues Album ausgewirkt?

Hannes: Das ist schon gravierend. Also der Prozess, den Ludwig gerade beschrieben hat, hat natürlich auch Wochen und Monate gedauert. Denn Arne hat ja vorher hauptsächlich die Texte geschrieben. Und die Musik kam auch viel von Max und Arne und auch aus der Band, aber die beiden treibenden Kräfte sind natürlich weggebrochen. Und dann musste man sich erstmal reinfuchsen und schauen, wie man es macht. Man will ja auch eigene und andere Texte schreiben, also ich wollte jetzt nie versuchen, das wie Arne zu machen. Und insofern war das ein langer Prozess. Aber das war gut, weil es dadurch auch viel gemeinschaftlicher geworden ist. Das heißt, ein Großteil des Albums ist wirklich zusammen entstanden und es gibt einen regen Austausch und sehr viel gemeinschaftliches Arbeiten. Man hat dann natürlich auch andere Themen, die aufgemacht werden, denn man wird natürlich auch älter. Und auch die Themen der aktuellen Zeit ändern sich ja. Insofern hatten wir auch Lust, mal etwas politischer zu werden und zu manchen Sachen Stellung zu beziehen. Das hat sich schon sehr geändert, dass wir dort gemeinschaftlicher arbeiten.

minutenmusik: Es gibt ja schon einen gewissen Kontrast zwischen eurem letzten Album und der neuen Platte – trotzdem habt ihr aber euren Stil beibehalten. Wie würdet ihr diesen Wandel beschreiben?

Ludwig: Wir saßen gestern mit Norman zusammen im Studio und haben uns nochmal ein paar alte Demos angehört von den aktuellen Songs vom Album. Und das war schon sehr amüsant, wie die Songs anfangs noch klangen. Dazu muss man sagen, dass es auch beim ersten Album ja nie Einzelentscheidungen waren, sondern wir waren ja auch da schon eine Band waren und das war von allen geprägt. In dem Sinne sind ja 3/5 dabeigeblieben und eigentlich kam es auch ganz automatisch aus uns heraus, dass es immer noch diesen SIND-Charakter hat. Aaron Ahrends hat ja die ganze Platte produziert, mit dem haben wir auch damals unsere erste Single „Deine Magie“ produziert. Das heißt, er kennt uns auch schon sehr lange, wir sind auch darüber hinaus befreundet und man hatte immer Kontakt. Er weiß also auch so ein bisschen, was dieses „SIND-Stilmittel“ sozusagen ist und dadurch hat sich das ganz gut gefügt.

Hannes: Am Ende sind es ja auch kleine Sachen. Ludwig ist am Schlagzeug, das ist ja sehr prägend und das ist jetzt natürlich gleich geblieben. Und Max und ich haben eine sehr ähnliche Spielweise, was diese ganzen Melodien angeht. Das ist ja auch, was SIND immer so ein bisschen ausgemacht hat, diese sphärischen Melodien oder Hooks. Das sind natürlich so wesentliche Elemente, die immer noch da sind, die immer noch in die gleiche Richtung gehen.

minutenmusik: Ihr habt es gerade schon angesprochen und mir ist es auch aufgefallen: Eure Songs sind teilweise sehr politisch und vertreten eine gewisse Haltung, zum Beispiel „Mauern“ oder auch „Welt Verändern“. War euch das im Entstehungsprozess wichtig?

Hannes: Das war uns durchaus wichtig. Wir finden, dass man in so einer Zeit durchaus Stellung beziehen muss. Allerdings nicht so mit dem Zeigefinger und „ihr seid alle scheiße“. Wir wollen eher versuchen, eine Diskussion anzustoßen. Es geht ja nicht immer nur darum, den anderen zu kritisieren, sondern auch darum, mal einen anderen Weg aufzuzeigen. Und wir wollen den Finger auch in die eigene Wunde legen und einfach anregen, dass man darüber spricht, sich Gedanken macht und niemanden vorverurteilt. Zur Zeit wird ja immer sehr schnell kategorisiert in alle Richtungen und das ist es, was wir nicht so gut finden. Deswegen war es uns sehr wichtig, da Stellung zu beziehen, aber auch eine Möglichkeit zur Diskussion oder zur Interpretation zu lassen.

Ludwig: Beim ersten Album war es uns recht wichtig, dass wir irgendwie aus diesem Berlin-Kontext rauskommen. Also da haben wir uns ganz bewusst abgekapselt und sind nach Wien gegangen und waren da dann drei Wochen in so einer Wien-Bubble. Und das war jetzt für uns ganz offensichtlich, dass wir das genau hier in Berlin aufnehmen und die Songs auch hier schreiben, während wir das alles aufsaugen, was hier so um uns rum passiert. Weil das macht eigentlich die letzten zwei Jahre von SIND aus. Also da müssen wir nicht vor irgendwas fliehen, sondern haben mit der Neukonstellation genug erlebt und das belebt ja die Band auch.

minutenmusik: Merkt ihr denn auch, dass es da eine Erwartungshaltung euch gegenüber gibt, dass ihr eure Plattform nutzt, um euch politisch zu positionieren?

Hannes: Also über die Band würde ich sagen fast gar nicht. Durch unseren Umkreis hier am Holzmarkt bekommen wir das aber natürlich sehr mit. Und auch im Freundeskreis ist das natürlich immer tagesaktuell und daher kommt das eher. Also eine Erwartungshaltung haben wir so noch nicht gehabt. Finde ich auch in Ordnung. Musik sollte ja auch immer das machen können, was sie will. Und ich finde auch, man sollte keine politischen Erwartungen an Künstler haben. Sie können natürlich motivieren und bewegen, aber ich finde, die Aufgabe eines Künstlers ist anzuregen und Möglichkeiten und Sichtweisen zu öffnen. Das finde ich viel wichtiger, als irgendeine politische Erwartung konkret an eine Band zu stellen.

Ludwig: Ein Vorteil, den wir sehen, ist auch, dass wir wirklich keine Erwartungen erfüllen müssen. Also wir genießen unsere Freiheit jetzt seit Anbeginn, dass wir nicht an irgendwelche Verträge gebunden sind oder sonst irgendwas. Also es gibt ja nicht nur eine politische Erwartungshaltung, sondern auch, wenn man jetzt bei einem Label oder Major ist, die Erwartungshaltung, in gewissen Abständen etwas abzuliefern. Und die Freiheit genießen wir, einmal inhaltlich, aber auch organisatorisch das Privileg zu haben, machen zu können, was wir wollen.

minutenmusik: Wie läuft da so die Zusammenarbeit bei euch? Denn ihr schreibt ja wahrscheinlich nicht jeden Song zu viert.

Hannes: Bei uns gibt es da zwei Herangehensweisen. Eine ist, man sitzt im Studio und sagt „Lass mal was machen“. Und das andere ist, dass einer alleine da sitzt und irgendwie eine Idee im Kopf hat. „Warum fragst du“, ist zum Beispiel fast genauso, wie er jetzt rauskommt in zwei Stunden entstanden, weil das einfach so eine Eingebung war. Und danach – egal, wie es anfängt – setzen wir uns zusammen und dann reden wir über den Text, diskutieren darüber, haben noch andere Ideen. Wir machen uns jetzt glaube ich gemeinschaftlich viel mehr Gedanken über Texte als früher. Wir denken jetzt mehr darüber nach, was wir da aussagen wollen. Also entweder im ersten Schritt direkt, dass man wirklich zusammen anfängt, oder eben dann im zweiten Schritt, dass man da zusammen drübergeht und es besser macht. Es wird auch in der Präsentationsform unseres Albums die Möglichkeit geben, zu hören, wie es früher mal war, wie die Demos waren. Da hört man das glaube ich ganz gut raus, wie sich das entwickelt hat von der ersten Idee bis zum Album.

minutenmusik: Auf der anderen Seite geht es ja auch viel um Liebe und Beziehungen. Sind die Songs da autobiografisch?

Hannes: Zu einem Großteil schon. Einige Songs sind natürlich aus verschiedenen Erfahrungen entstanden, aber das sind die wenigsten. Also die meisten Songs sind schon autobiografisch. Genauso wie man politisch irgendwie das ausdrückt, was einen bewegt und den Umkreis bewegt, so finde ich es immer am besten, dass man, wenn man emotionale Songs oder Liebessongs macht, das ausdrückt, was man selbst erlebt hat oder wofür man steht. Denn das macht es ja auch ehrlich und authentisch. Und nur so kann man ja auch einen Song richtig rüberbringen.

minutenmusik: Verarbeitet ihr so auch eure Gefühle?

Hannes: Auf jeden Fall.

Ludwig: Auch andersrum. Es gibt Songs, da haben wir uns natürlich ein bisschen schwerer mit getan, als bei anderen, auch so in der Aufnahmephase. Und da gibt es ja auch schon mal einen Song, den Hannes singt und dann macht es beim dritten Take irgendwie „klick“ und er sagt, er hat jetzt seine Emotion dazu gefunden und kann das rüberbringen. Auf der anderen Seite ist natürlich Musik zu machen und Texte zu schreiben eine Art der Bewältigung. In dem Sinne hilft es schon auf jeden Fall. Bei „Welt Verändern“ haben wir natürlich auch ein bisschen was reingepackt, was irgendwie diese Trennungszeit der Band widerspiegelt. Und so ist es am Ende bei allen Songs. Es ist jetzt aber keine Eigentherapie.

Hannes: Trotzdem finde ich, dass jeder Song eine gewisse Art von Eigentherapie ist. Zumindest ist es emotional.

Ludwig: Es ist eine Selbsthilfegruppe.

Hannes: Genau. Es hilft, das zu teilen und die Gedanken zu teilen und über die Sachen, die man schreibt zu reden. Gerade wenn man mit Abstand so einen Song schreibt, hilft das vielleicht nochmal, das einzuordnen. Das einfach mal auszusprechen und das Gefühl mit anderen zu teilen. Das finde ich schon auch wichtig. Es ist ja auch nicht so, dass man rangeht und sagt: „Hey, ich schreibe jetzt einen Songtext über das und das“. Es ist ja ein Gefühl, das man hat und das irgendwo ist und das findet dann irgendwann Worte.

Ludwig: Über alles reden hilft immer. Oder über alles singen.

minutenmusik: Kommt daher auch der Albumtitel, aus der Mischung aus politischem oder gesellschaftlichem und persönlichem? Denn den kann man ja eigentlich auf beides so ein bisschen beziehen.

Ludwig: Hannes kann wahrscheinlich noch mehr dazu sagen, aber was mir gerade einfällt zu dem, was du sagst: Im Großen und Ganzen geht es ja immer darum, wie wir zusammenleben. Ob jetzt im kleinen Privaten oder im großen Gesellschaftlichen. Und am Ende ist das ja auch Politik: Wie leben wir zusammen und wie organisieren wir uns als Gesellschaft. Und in dem Sinne sehe ich das gar nicht so als Gegenpol, sondern eher so als kleine Selbstwahrnehmung und dann natürlich auch als Reflexion auf etwas Großes.

Hannes: Du könntest ja Politiker werden. (lacht)

Ludwig: Und auch wenn das vielleicht so Phrasen sind, aber durch diese ganzen Themen, die gerade auch teilweise aussichtslos erscheinen, hat man ja manchmal diesen Reflex zu sagen: „Was soll oder kann ich denn jetzt machen?“. Aber es ist auch wichtig zu wissen, dass ich auch mit den kleinen Sachen, die ich selber erlebe, etwas bewirken kann. Und deswegen ist auch jeder Schritt ein Schritt der in die richtige Richtung geht. Ob man ihn nun im kleinen macht oder im Großen. Aber jetzt sag du doch mal was zum Albumtitel, Hannes. Wie war denn das?

Hannes: Dieser Titel ist ja zur Zeit sehr relevant. Denn der kommt natürlich daher, dass im Moment politisch jeder so verkopft in seiner Richtung ist. Und dieser Satz „Vielleicht ist es anders als du denkst“ lässt jedem die Möglichkeit, trotzdem seine Argumente vorzubringen, stellt einen selbst nicht auf eine erhöhte Position, sondern öffnet eine neue Tür. Und das ist ja genau das, was diese politischen Songs ausdrücken, aber gleichzeitig passt das auch zu der emotionalen Schiene. Zum Beispiel in „Warum fragst du“ bin ich ja der Doofe, der verletzt ist, weil die Ex-Partnerin schreibt und sie ist die Doofe, weil sie mich verletzt – also es gibt immer zwei Seiten. Und das wollten wir irgendwie aufmachen oder zum Diskutieren und drüber Nachdenken anregen, dass nicht alles wovon man überzeugt ist, auch so ist, denn es gibt immer zwei Seiten. Ob beide gut sind sei dahingestellt, aber man sollte drüber reden.

mintenmusik: Ist es euch da auch wichtig gewesen, niemanden auszuschließen?

Hannes: Also der Albumtitel kam erst, als die Songs alle schon fertig waren. Aber generell haben wir diese Haltung. Gerade hier am Holzmarkt in Berlin kriegt man ja viele Sachen mit und man lernt einfach, dass Reden das beste Mittel ist. Weil sonst funktioniert es nicht. So sind wir grundsätzlich eingestellt. Und das drückt sich dann natürlich auch in der Art aus, wie man Lieder und Texte schreibt, finde ich.

minutenmusik: Hannes, du wirst in „Barcelona“ mit Rio Reiser verglichen – ist euch das auch so aufgefallen oder habt ihr das vielleicht sogar so gewollt?

Hannes: Gewollt nicht. Es hat mich sehr gereizt zu singen. Ich fühle mich da auch sehr wohl und freue mich, dass ich das jetzt so tun kann. Aber ich musste mich auch selbst erst mal finden oder wir mussten mich finden. Es wusste glaube ich keiner so richtig, was ich da tun soll und wie. Insofern freue ich mich über die Vergleiche, aber eigentlich singe ich so, wie ich es kann und wie wir es irgendwie gut finden. Den Anspruch „das muss so klingen wie der und der“, das haben wir eher nicht. Aber es ehrt mich natürlich auch, mit Rio Reiser verglichen zu werden. Das sind auch viele Vorschusslorbeeren.

Ludwig: Hannes hat sowieso so ein paar Talente. Also der kann ganz gut so Stimmen nachmachen und so. In dem Sinne kann man bei ihm immer ganz gut den Schalten umswitchen und dann hat man auf einmal den Franz Beckenbauer da drin oder so. Aber wie er schon sagt, in dem Sinne war es wirklich die Herausforderung oder unser Ziel, die Schalter alle auszuschalten und wirklich den Hannes so ein bisschen herauszukitzeln.

minutenmusik: War denn nach den Veränderungen bei euch in der Band sofort klar, dass Hannes singen wird?

Ludwig: Es war klar! (lacht)

Hannes: Also eigentlich war es eine witzige Geschichte. Ich habe ja früher immer Eros gesungen, Eros Ramazotti. Wir haben mal aus Spaß an der Freude ein Cover von Eros Ramazotti gespielt, Più Bella Cosa. Das durfte ich dann auf italienisch vortragen. Und dann hatten wir uns aufgelöst und dachten so: „Okay, das ist jetzt vorbei“. Und dann meinte eine Freundin so: „Ja, sing du doch jetzt einfach“. Und ich dachte: Ja, könnte ich theoretisch schon machen. Es war aber für alle noch nicht sicher, ob das jetzt die richtige Entscheidung ist. Dann kamen aber die ersten Texte und die ersten Einsingversuche und irgendwann war das dann einfach irgendwie so, ich bin da so reingerutscht. Ich hatte natürlich schon die Hoffnung, dass die anderen das akzeptieren würden…

Ludwig: Ich meine, wir hatten auch keine große Wahl. Wenn du so einen Matthias, Norman oder mich ans Mikrofon stellst… ist halt schlecht, als Schlagzeuger Frontmann zu sein.

Hannes: Phil Collins hat das Gegenteil bewiesen.

Ludwig: Ja, aber ich will nicht mit Headset singen… (lacht) Ne, also von daher war das eigentlich die Tradition, die weitergeführt und konsequent umgesetzt wurde. Dass unser Italiener, da auch vorne an der Front steht.

minutenmusik: Kommen daher auch die italienischen Bezüge in „Trockeneis“?

Hannes: Ja, die kommen daher. Wir haben ja hier am Holzmarkt unseren Proberaum und haben hier auch aufgenommen. Und wir haben hier auch in der ansässigen Weinbar viel Zeit verbracht und da lief dann immer Eros. Irgendwann konnten wir dann den Text und dann hat sich das so eingebürgert. Wir wollten es auch irgendwann nicht mehr spielen, aber wir kamen dann halt nicht mehr drum rum. Deswegen mussten wir dazu auch mal Stellung beziehen. Man könnte jetzt auch noch tiefgreifender in die Bedeutung bei „Trockeneis“ hineingehen, aber das würde jetzt zu lange dauern…

minutenmusik: Also ich habe Zeit…

Hannes: Also es ist ja klar, dass das schon auch eher Schlager-Pop ist. Aber es ist ein wunderschöner Schlager-Pop und es steckt auch in jedem, dass man das irgendwie mag. Ob es jetzt Eros ist oder irgendwas anderes. Man kann nicht leugnen, dass ein bisschen Schlager auch einem selber irgendwie gefällt. Und in „Trockeneis“ geht es ja um das Rampenlicht, um Beziehungen, um öffentlichen Druck und um geheime Passionen, die man dann in der Öffentlichkeit doch nicht auslebt. Und da passt dann diese Eros Ramazotti-Geschichte doch sehr gut rein.

Ludwig: Wobei die Idee von dem Song tatsächlich über die Musik kam. Also da war nicht erst der Text da, sondern die Musik. Und die ging so ein bisschen einher mit einem der – aus unserer Sicht – größten Liebessongs, nämlich Fleetwood Mac mit „Everywhere“. Und so ist das so ein bisschen entstanden. Da war eigentlich relativ schnell klar, dass wir eigentlich eine große Liebesgeschichte erzählen wollen, die gescheitert ist. Dann haben wir uns so ein paar bekannte Bilder vorgestellt und haben dann darüber so Bilder beschrieben, die wahrscheinlich jeder so ein bisschen kennt. Wenn man sich eigentlich noch was vormacht in seiner Naivität und diese dann verliert.

minutenmusik: Und jetzt muss ich gegen Ende doch noch eine Frage stellen, die ihr wahrscheinlich schon nicht mehr hören könnt, aber: Wie kam es denn eigentlich damals zu eurem Bandnamen? Euch damit auf Google zu finden ist ja jetzt nicht gerade einfach…

Hannes: Max, Arne und ich sind ja in Karlshorst aufgewachsen. Und da gab es eine ältere Dame, die wir öfter getroffen haben und die hat immer so geredet: „Dat kann doch nicht sind“. Und das haben wir dann irgendwann in unseren Sprachgebrauch übernommen. Und dann saßen wir im Proberaum und haben überlegt wie wir heißen sollen. Max hat dann einen Stift genommen, hat als Arbeitstitel „SIND“ aufgeschrieben und seitdem hat sich der Name nie wieder verändert.

Ludwig: Seitdem ist es eine Lebenseinstellung geworden. „SIND“ ist eigentlich ein Synonym für den ganzen Kreis geworden, den wir um uns herum haben, mit den ganzen Freunden, Familie, Supporter, die wir dazu zählen und die sich selbst auch dazu zählen. Also das sind nicht nur die vier Hansel, die da auf der Bühne stehen.

Hannes: Genau. Theoretisch steckt in dem Namen keine theoretische Bedeutung, aber dann irgendwie doch ganz viel. Eines unserer Ursprungsziele war eigentlich, dass wir das machen um zusammen auf Festivals zu fahren und da kostenlos zu trinken und Spaß zu haben. Der eine Kumpel hat dann den Fahrer gemacht, der andere hat Ton gemacht, der nächste hat Licht gemacht. Und die waren halt immer alle irgendwie dabei. Das ist ein sehr schönes Gruppengefühl immer gewesen. Das steht halt genau für diese Gruppe und diese Zeit.

minutenmusik: Wie geht es denn jetzt bei euch weiter? Ihr habt vorhin schon angedeutet, dass ein Release zu Corona-Zeiten nicht so einfach ist.

Hannes: Wir überlegen gerade intensiv. Also wir haben schon ein paar Ideen, was wir zum Release machen werden, das können wir aber noch nicht sagen. Aber wir werden auf jeden Fall was machen. Und dann gibt es ja mit „Karlshorst“ auch schon einen Vorgeschmack darauf, wie es jetzt weitergeht. Wir arbeiten auf jeden Fall an neuem Material und werden dann nächstes Jahr auf jeden Fall weitermachen. Denn wir haben großen Spaß daran und hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder möglichst viele Konzerte spielen können. Eine konkrete Tour planen können wir noch nicht, aber wir werden jetzt das Album veröffentlichen und dann weitermachen und hoffen, dass wir nächstes Jahr viel spielen können.

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