neànder – eremit

Cover von neànder - eremit

Vor dem Ausbruch des Vulkans steht die Ruhe. Die mutet das Prelude von „Purpur“, dem ersten Stück des zweiten neànder Albums „eremit“, an, selbst wenn die Schwere der androhenden Eruption sich schon in Rauschen und Spannung andeutet. So wirklich entladen darf sich die Energie, die die Band knapp zweieinhalb Minuten aufbauscht, jedoch erst im anschließenden Achtminüter, der vertracktes Riffing mit galoppierenden Blast-Beats in Einklang bringt. Anschließend nimmt dieses Album, das in seiner Wucht und Unmittelbarkeit dank seiner drei geschichteten Gitarren einem Vulkanausbruch gleicht, nur noch wenig Rücksicht auf die malerischen Landschaften und menschlichen Besiedelungen, die es überrennt. 

Mit einer Ausnahme. „Clivina“ lässt Hoffnung aufkeimen: Ist das Naturschauspiel vorüber? Nein, denn dessen verspielte Gitarren lassen den Moment der Besinnung zwar ent- und bestehen, täuschen jedoch nur über den letzten, noch anstehenden Lava-Stoß hinweg. Und der wird das Erlebte noch einmal übertreffen. Für kurze Zeit jedoch kehren Menschen an den Ort des Ausbruches zurück, beginnen in den Trümmern zu graben, während die Sonne der eigentlich grausame Szenerie einen mystischen sowie hoffnungsschwangeren Anstrich verpasst. Von nun an kann es nur noch bergauf gehen! „Atlas“ erstickt diese optimistische Voraussage als letzter Versuch der Natur, sich ihr Reich zurückzuerobern, im Keim. Was sich erst als dumpfes Trommeln, dann als anschwellende Energiereserve entpuppt, mutiert nach 90 Sekunden zu einem alles zerstörenden Lava-Schwall aus schweren Doom-Riffs. 

Doch: Das Ende scheint nicht allzu weit! Erstmals trägt die Kulisse ein gewisses Maß an Melancholie in sich, die schlussendlich im finalen Aufbäumen die Überhand gewinnt, den Ausklang dominiert und zumindest andeuten lässt, dass in einigen Monaten, vielleicht Jahren, wieder an Normalität und Routine zu denken ist. neànder haben ein Monstrum erschaffen, das weniger Wert auf malerischen Post-Rock legt, dafür zerstörerische Gewalten wie Doom- und Black-Metal in den Vordergrund rückt. Das spricht eine ganz eindeutige Bild-Sprache – auch ohne Wörter.

Hier kannst du dir das Album kaufen.*

Hier gibt es unsere Review des neànder-Debüts.

Und so hört sich das an:

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei Through Love Records.

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