Fatoni, Gloria Theater Köln, 18.01.2024

Fatoni Wunderbare Welt Gloria Theater Koeln Cologne

Auseinander – so lautete das Motto des Abends auf verschiedene Art und Weise, als Fatoni am 18.01.2024 im Gloria Theater Köln spielte. Das Konzert im Rahmen seiner „Wunderbare Welt“ Tournee war schon seit Monaten ausverkauft und die Vorfreude entsprechend groß.

Das aufwendig gestaltete Bühnenbild ähnelte – analog zum Artwork des gleichnamigen, aktuellen Albums Wunderbare Welt – einem alten Kino und war mit einer reizenden Snacktheke als DJ Pult, Popcorn Tüten und einer Seifenblasenmaschine ausgestattet.

Den Abend eröffnete der Rapper und Wahlberliner YRRRE, der dem Kölner Publikum mit seinem eher nachdenklich-melancholischem Rap ordentlich einheizte und das Gloria Theater zum Mitsingen brachte. Ich bin ehrlich, Support Acts bei Hip Hop Konzerten sind für mich immer ein klarer „Hit or Miss“ – doch YRRRE überzeugte sowohl musikalisch, als auch mit seinem sympathischen Auftreten.

Im Anschluss war es bereits an der Zeit für Fatoni, der laut Instagram seit neuestem gerne als Schlawiner-Rapper kategorisiert werden möchte. Nichts lieber als das – fanden wir die bisherige Einstufung als Studenten-Rap eh nie so ganz passend.

Auseinander – alle aufeinander

Die 22-Song-starke Setlist, die mit dem Titeltrack „Wunderbare Welt“ eingeläutet wurde, bestand zu einem Großteil aus frischen Songs der gleichnamigen Platte. Einerseits nachvollziehbar und eine gelungene Abwechslung für jahrelange Fans des Münchener Rappers, denn ein neuer Release bedeutet natürlich auch neue Tracks und eine neue Setlist im Rahmen der gleichnamigen Tour. Andererseits bringt solch eine Gewichtung aber natürlich auch die Gefahr mit sich, dass die „Klassiker“ aus dem Programm fliegen und von den Fans entsprechend schmerzlich vermisst werden. Doch dem war glücklicherweise nicht so, denn auch Singleauskopplungen und Favoriten der Vergangenheit, wie beispielsweise „Das ist alles Kunst“ oder „Authentizität“, mischten sich ins musikalische Programm des Abends.

Begleitet wurde das Set von DJ RAEDY und Schlagzeuger Bruce T, die in der Vergangenheit gemeinsam mit Fatoni bereits zu einem bestens funktionierenden Livekonstrukt zusammengewachsen waren. Für die Feature-Tracks mit ursprünglich Juse Ju („Übertreib nicht deine Rolle“/“7Eleven“) oder Casper („Burj Khalifa“) wurde dann auch noch einmal Support Act YRRRE zurück auf die Bühne geholt, der meisterhaft seine eigens für die Tour entwickelten Parts präsentierte.

Den ersten Moshpit des Abends gab es auch schon recht schnell: während „Auseinander“ wurde die Menge aufgefordert, ordentlich zu eskalieren – insbesondere nach Abschaffung der Corona-bedingten Abstandsregeln. Und das ließ das Kölner Publikum sich nicht zwei Mal sagen und spaltete das Gloria in eine beachtliche Wall Of Death. Und auch sonst bot der Abend mehrere Gelegenheiten zum Abgehen, sei es bei Songs wie „Lassensiemichkünstlerichbindurch“, „Kann nicht reden ich esse“ oder aber dem All-Time-Klassiker „Modus“.

Ich war jung, ich war dumm, doch ich hielt mich für so schlau

Doch nicht nur das Kölner Publikum wurde an dem Abend mehrfach auseinandergenommen, sondern auch Fatoni selbst. Auf dem aktuellen Album gab der Rapper den bisher wohl tiefsten Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt. So blickte er mit seiner Single „Danke dass du mich verlassen hast“ zurück auf eine von Streit geprägte und glücklich beendete Beziehung, reflektierte seine Erfahrungen mit Rauschmitteln in Berlin („Alle ziehen“) und stellte sich die wichtigen Fragen der aktuellen Weltgeschehnisse („Warum untersucht die Kirche ihre Missbrauchsfälle selbst? (…) Wieso dürfen die so wenig für die Streams bezahlen (…) und ich muss trotzdem so viel Miete zahlen?“) im alles überschattenden Titeltrack.

Für den Song „Mein junges Ich“ zückte Fatoni dann kurz mal seine Akustik-Gitarre und nahm sein Vergangenheits-Ich für seine jugendlich bedingte Naivität auseinander, ehe er – auf mehrfachen Wunsch seiner Fans bei vergangenen Tourneen – endlich auch den Oasis Klassiker „Wonderwall“ zum Besten gab. Auseinandergerissene Fanherzen wurden spätestens in diesem Moment wieder zusammengeflickt.

Das Finale des Abends bildete schließlich der Album-Closer „Mit dem Taxi in die Therapie“, in dem Fatoni zufrieden lächelnd auf der Bühne rekapitulierte, dass es ihm so gut ginge „wie noch nie“ und dies zum Abschluss auch nochmal im spaßigen Party-Track „Feeling“ mit unterhaltsamen Tanzeinlagen untermauerte.

Auch die Zuschauer waren nach diesem erfolgreichen Konzertabend definitiv glücklich und sowohl emotional als auch körperlich auseinandergenommen. Insgesamt bot Fatoni mit seiner Wunderbare Welt Tournee einen gelungenen Mix aus Action und Drama – ganz großes Kino – passend zum Bühnenbild und der zum Abschluss noch schnell ins Publikum geworfenen Popcorntüte.

Und so hört sich das an:

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Wunderbare Welt Tournee

24.01.24 AT-Wien, Flex
25.01.24 AT-Salzburg, Rockhouse
26.01.24 Nürnberg, Z-Bau
31.05.24 Wiesbaden, Schlachthof (Nachholtermin)
07.06.24 Marburg, KFZ (Nachholtermin)

F4T0NI – 40 Jahre Fatoni

06.12.24 München, Theaterfabrik
07.12.24 Berlin, Tempodrom

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