Nach den erfolgreichen Unplugged-Shows im Jahr 2024, bei denen München der einzige Deutschland-Stopp war, gab es 2025 erfreulicherweise noch einmal Nachschlag. Und damit zugleich die schöne Gelegenheit, eine Location kennenzulernen, die man sonst vermutlich nicht unbedingt auf dem Schirm hat – zumindest dann nicht, wenn man selbst kein Rosenheimer ist. Schade eigentlich, denn das Ballhaus Rosenheim hinterließ direkt einen sehr guten Eindruck, nachdem man die lange Schlange am Einlass hinter sich gelassen hatte: ein gediegener, bestuhlter Konzertsaal inklusive Empore. Ein Setting, das hervorragend zur Unplugged-Variante von Folkshilfe passt.
Eröffnet wurde der Abend mit „Wanderer“ und man war direkt angetan von der Septett-Besetzung, die das Trio um einen Bassisten, zwei Violistinnen und eine Keyboarderin erweiterte. Ein Umstand, der auch gleich in der ersten Moderation aufgegriffen wurde: Das Schöne an der Unplugged-Version sei schließlich, dass sie in dieser Konstellation als Band mit Band auftreten würden. Ergänzt um die augenzwinkernde Anmerkung, man könne bei eventuellen Fehlern einfach den Gastmusikerinnen und -musikern die Schuld geben. Wozu es an diesem Abend allerdings keinerlei Anlass geben sollte, während sich Folkshilfe gut gelaunt durch das Set spielten und sich immer wieder Zeit nahmen, ein paar Worte zu den jeweiligen Stücken zu verlieren. Etwa bei „Najo eh“, das im deutschen Sprachraum erklärungsbedürftig erscheinen könnte, weshalb hier noch die kurze Erläuterung folgte, dass der Ausdruck sowohl positiv als auch negativ kommentierend gemeint sein kann.
Der Unplugged-Rahmen gab auch Raum für Versionen, die sich sonst schwieriger umsetzen ließen. Das sonst sehr straight nach vorne gehende „Wir heben heid o“ begegnete an diesem Abend in Rosenheim etwa als gelungene Bossa-Nova-Version. Angezogen wurde das Tempo erst im folgenden „Mir laungts“, bevor der Unplugged-Kontext es erlaubte, noch einmal bewusst Tempo herauszunehmen. Schließlich ist „Owa vom Gas“ ein Stück, das genau das besingt, was man eben nicht tut. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es nicht“ ist eine dieser Zeilen, die das „höher, schneller, weiter“ hinterfragt – und damit erstaunlich gut in die heutige Zeit passt. Was hingegen immer eine Lösung ist: mitsingen. Im direkten Übergang zu „Maria Dolores“ war beim Rosenheimer Publikum genau das der Fall, bevor es mit „Mama“ noch einmal ruhig und berührend wurde und die Band in die Pause ging.
Teil 2 eröffnete direkt mit Gemeinschaftsgefühl in „Hau di her“ – ein Gefühl, das auch bandintern gelebt wurde, indem jeder seinen Raum bekam. Gab es zuvor in „Maria Dolores“ bereits ein Violinensolo, so erhielt hier der Bass Platz für ein eigenes Solo. Überhaupt: Wertschätzung und das bewusste Äußern von Gefühlen sind zentrale Themen bei Folkshilfe, wie man auch in Rosenheim immer wieder merkte. „Schena Mensch“ als Gänsehautmoment zeigte das besonders deutlich – ein Stück, das gern auf Hochzeiten gespielt wird, aber ebenso universell für Menschen gilt, die man mag und die einem nahestehen. Und eines, das erneut bewies, dass Folkshilfe auch mit ruhigen Stücken berühren und die Spannung halten können.
Langsam bog der Abend auf seine Zielgerade ein, und Stücke wie „Immer wieder“ oder auch „Schritt für Schritt“ zogen das Tempo spürbar an. Zusehends wurde es schwieriger, sitzen zu bleiben – viele im Publikum hatten das ohnehin bereits aufgegeben. Spätestens mit „Simone“ wurde es nahezu unmöglich: druckvoll vorgetragen, mit melodisch-eingängigem Chorus und spürbarer Spielfreude, die unmittelbar auf das Publikum überging. Der Abschluss mit dem kombinierten „Seit a poa Tog“ und „Karl & Resi“ war dann vor allem eines: Party. Über zwei Stunden waren bereits vergangen, als die Band mit Band die Bühne verließ, die Laune war prächtig – so prächtig, dass es natürlich noch eine Zugabe geben sollte.
Diese eröffnete zunächst ganz still: „Alles in mir“ sorgte noch einmal für Gänsehaut, nicht zuletzt durch das eingebettete Violinensolo. Danach gab es zum Abschluss noch eine kleine Herausforderung für das Publikum: Für „Kummama“ drittelte die Band den Saal und ließ den Text im Kanon singen – etwas, das erstaunlich gut funktionierte. Auch als die Band zwischendurch die Bühne verließ, wurde weitergesungen, bis Folkshilfe zurückkehrten und das umjubelte Set beendeten. Unter großem Applaus ließen sie sich zu den Tönen von Lionel Richies „All Night Long“ feiern, bevor sie sich von der Bühne verabschiedeten. Ein Abschied, der glücklicherweise nur auf Zeit ist: Bereits vor dem Konzert kündigten zahlreiche ausliegende Flyer eine ausgiebige Deutschland-Tour für 2026 an.
Setlist:
01. Wanderer
02. Najo eh
03. Weit weg
04. Wana
05. Wir heben heid o
06. Mir laungts
07. Owa vom Gas
08. Maria Dolores
09. Mama
Pause
10. Hau di her
11. Home / Dahoam
12. Schena Mensch
13. Immer wieder
14. Ohne di
15. Schritt für Schritt
16. Simone
17. Seit a poa Tog / Karl & Resi
18. Alles in mir (Z)
19. Kummama (Z)
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