Irgendwann wird man müde, am Anfang dieser Beiträge davon zu schreiben, dass dieses Jahr gesellschaftlich, politisch, umwelttechnisch, kulturell […] noch schlimmer war als das Jahr davor. Deswegen lasse ich das an dieser Stelle aus und komme lieber direkt zum erfreulichen Part: Genug wundervolle Musik gab es dieses Jahr allemal. Besonders begeistert haben mich dieses Jahr Künstler*innen, die bereits auf meiner Liste standen, aber dieses Jahr absolute Meisterwerke (imho) veröffentlicht haben – und auch viele Neuentdeckungen.
Und jetzt – wie jedes Jahr – der dreigeteilte Rückblick. Viel Spaß.
15 Lieblingsalben

15. Dead Pioneers – PO$T AMERICAN: Tosender Alt-Rock aus der indigenen Perspektive, der kolonialistische Hegemonien ad absurdum führt.

14. Self Esteem – A Complicated Woman: Die schönste Verschmelzung von orchestralen Arrangements und Pop-Grandezza des Jahres.

13. Sprints – All That Is Over: Wenn Post-Punk, dann so brodelnd und nah am Siedepunkt wie bei den wunderbaren Sprints.

12. Rosalía – LUX: Das wohl aufwendigste, multilinguale Projekt des Pop-Jahres mit unvergesslichen Momenten.

11. Olivia Dean – The Art Of Loving: Samt-weiche Arrangements mit der Bühne für die geschmeidigsten Ohrwürmer des Jahres.

10. Turnstile – Never Enough: Als „Glow On“ Part 2 führen Turnstile diesen epochalen Hardcore in die nächste Runde – und machen ihn noch hymnischer.

9. The Last Dinner Party – From the Pyre: Keine One-Hit-Wonder, sondern voller Symbolik, ungewöhnlicher Sound-Zusammenführungen und exzentrischem Storytellung.

8. Bartees Strange – Horror: Hip-Hop, Country, Indie-Rock und House finden bei Bartees Strange einen völlig außergewöhnlichen gemeinsamen Punkt.

7. Wet Leg – Moisturizer: Der Nachschub der Indie-Rock-Hypes ist rauer als beim Debüt, aber nicht weniger geeignet für die Heavy Rotation.

6. Wolf Alice – The Clearing: Die neue Ära von Wolf Alice ist selbstbewusster, kantiger, theatralischer & ausdrucksstärker als je zuvor.

5. Florence + The Machine – Everybody Scream: Mother is Mothering & führt dabei den eigenen Hexenzirkel an – ein Indie-Meisterwerk für Kopfhörer.


4. Lambrini Girls – Who Let The Dogs Out: Mehr feministischen Rage für die Moshpits der Welt gab es dieses Jahr nicht – und das alles noch smart verpackt.


3. Little Simz – Lotus: Little Simz has entered the dance floor – nach „Lotus“ wünscht man sich noch viele Ausflüge dahin.


2. Lola Young – I’m Only F**king Myself: Das beste Pop-Album des Jahres kommt von Lola Young, die eine absolute All Killer, No Filler-Platte mit einer angenehm organischen Produktion.


1. Hayley Williams – Ego Death At A Bachelorette Party: So vielfältig – sowohl perspektivisch als auch im Sound – war Indie-Rock dieses Jahr nirgends & gleichzeitig so emotional und politisch auch nicht.
13 Lieblingskonzerte
13) PUP, Club Volta Köln, 20.05.2025
12) Maria Mena, Gloria Köln, 27.01.2025
11) Blond, Palladium Köln, 18.11.2025
10) Orla Gartland, Luxor Köln, 23.03.2025
09) Fuffifuffzich, Kantine Köln, 18.03.2025
08) Berq, Zeltfestival Ruhr, 29.08.2025
07) Linkin Park, Rock Werchter, 03.07.2025
06) Bodies, Kölner Philharmonie, 16.01.2025
05) Raye, Rock Werchter, 05.07.2025
Ja, „My 21st Century Blues“ ist ein absurd gutes Album. Ja, Raye hat mit „Prada“ und „Escapism“ schon riesige Hits gefeiert. Aber was hier auf der Bühne passierte, habe ich nie im Leben erwartet. Arrangements, Gesang und Kompositionen sind absolut classy & Raye selbst sowohl unglaublich talentiert als auch maximal sympathisch. Das große Finale ist dann nicht mehr zwischen Soul, Swing und Blues verhaftet, sondern feinster elektronischer Abriss. Kurz darauf eroberte „Where Is My Husband“ die Herzen der Welt. Ich wünsche ihr jede Aufmerksamkeit der Welt!
04) Turnstile, Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf, 20.11.2025
Eigentlich bin ich Live-Auftritten aus der Metal-/Hardcore-Szene etwas entwachsen, weil mir die immer gleichen Ansagen und Abläufe zu generisch wurden. Aber Turnstile hat es geschafft, nicht nur auf Platte herauszustechen, sondern überzeugten auch live mit einer perfekten Mischung aus besonderem Sound, großen Hymnen und mitreißender Stimmung. Mehr geht in dem Genre nicht.
03) Wolf Alice, E-Werk Köln, 17.11.2025
Mit „Bloom Baby Bloom“ läutete Wolf Alice eine neue Band-Ära ein, die selbstbewusster, größer und exzentrischer als je zuvor klingt. Live ist dieser Wandel ebenfalls zu spüren: So vielfältig wie diese Setlist sind nur wenige Indie-Rock-Acts – und egal ob flächendeckender Dream Pop, theatralische Akzente oder Noise-Wände, das Quartett spielt alle gegen die Wand. Emotionaler wurde es dieses Jahr (fast) nicht mehr. Dass hier das Majorlabel-Geld so sehr in Marketing gesteckt wurde, dass Wolf Alice sogar im Neo Magazin landeten und die Show trotzdem aus dem Palladium runterverlegt werden musste, ist angesichts dieser Qualität echt eine Schande.
02) Kendrick Lamar & SZA, RheinEnergie Stadion Köln, 02.07.2025
Mehr Weltstar als Kendrick und SZA geht aktuell nicht. Die beiden gemeinsam und damit auch „All The Stars“, meinen absoluten Lieblingssong aller Zeiten, live zu erleben, war entsprechend unbeschreiblich. Von der fantasievollen und detailreichen Inszenierung von SZAs Songs bis zu den dramaturgisch ausgefeilten Choreographien von Kendrick ist die Bandbreite groß, meistens aber super lässig und überlebensgroß. An diese beiden Artists werden sich Leute noch in Jahrzehnten erinnern. Und das spürt man in jedem Beat.
01) Lola Young, Rock Werchter, 04.07.2025
Mit „Messy“ eroberte Lola Young schon 2024 die Herzen der Welt und wer das zugehörige Debüt hört, weiß – dieser Song ist kein Glücksfall, sondern einer von vielen absoluten Bangern. So organisch, echt, nahbar wie Lola spielen 2025 nur wenige Pop-Musik. Live war das auch so weit weg vom glatten Autotune-Sound der Gegenwart (no shade!) wie es geht & dabei vor allem ganz spürbar mit vollem Herzeinsatz. Wie Lola sich in jede Zeile reinwirft und alle Emotionen auf die Bühne bringt, ist unglaublich berührend. Mit den Tränen, die bei „Spiders“ vor und auf der Bühne fließen, könnte man einen See anlegen. Dass Lola dann auf der Bühne kurz von den Gefühlen überrannt wird und sich mehrfach für die kurze Pause entschuldigt, nimmt ihr keine einzelne Person übel. Gleichzeitig war das wohl schon ein kleines Anzeichen dafür, was wenige Wochen später passiert: Nach einem Zusammenbruch auf einer Bühne sagt Lola die Tour für 2026 ab und zieht sich erstmal aus der Öffentlichkeit zurück.
Wir wünschen ihr von ganzem Herzen gute Genesung & viel Kraft.
28 Lieblingssongs
Auch dieses Jahr war in Songs wieder ein absolutes Fest. Diese 28 Songs haben es mir dabei ganz besonders angetan.
- Lambrini Girls – Cuntology 101
- Lady Gaga – Abracadabra
- Doechii – Anxiety
- Mantar – Dogma Down
- Lisa, Doja Cat, Raye – Born Again
- Juli Gilde, Nikra – Nichts tut gut
- Wet Leg – Cath these Fists
- Rachel Chinouriri – 23:42
- Mariybu – Kein Ponyhof
- Allie X – Off With Her Tits
- Tara Noma Doyle – Anthill
- Kochkraft durch KMA – Tag des Pferdes
- Turnstile – I Care
- Jools – 97%
- Adult Leisure – Kiss Me Like You Miss Her
- Wolf Alice – Bloom Baby Bloom
- La Dispute – I Shaved My Head
- Jake Wesley Rogers – Loser
- CMAT – Take A Sexy Picture Of Me
- The Last Dinner Party – This Is The Killer Speaking
- Shame – Quiet Life
- Raye – Where Is My Husband!
- Paris Paloma – Good Boy
- Doja Cat – AAAHH MEN!
- Rosalía, Björk, Yves Tumor – Berghain
- Sofia Isella – Above the Neck
- Kiki Rockwell – Strange Premonition
- Fred again…, BIA – FEISTY
Rechte an den Albumcovern liegen bei Pure Noise Records/Spv, Embassy of Music/Tonpool, Atlantic/Warner, Interscope/Universal Music, Roadrunner Records/Warner, Redfield Records, Beton Klunker, Music for Nations/Sony Music, Post Atlantic/Cargo.
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