Lygo, Limes Köln, 12.09.2019

Lygo live in Köln Konzertbild

Ein Jubiläum möchte gefeiert werden! Etwa zehn Jahren ist es her, dass Simon Meier, Jan Heidebrecht und Daniel Roesberg das erste Mal zusammentrafen, um unter dem Namen Lygo gemeinsam Musik zu spielen. Seitdem hat man für eine verhältnismäßig unpoppige Punk-Band einiges erlebt: man begleitete Heisskalt auf ihrer „Vom Wissen Und Wollen“-Tour, trat vor Adam Angst, FJØRT und Turbostaat auf, fuhr mehrere eigene Tourneen und veröffentlichte zwei Studioalben und EPs. Unter dem Banner „Irgendwann ist auch mal gut mit der Scheiße, aber heute noch nicht“ tourt das Trio nun durch vier deutsche Bars, um das Glas auf die vergangene Dekade zu erheben. Die zweite Show dieser kurzen Tour fand im Kölner Limes statt, der bereits einige Wochen im Voraus ausverkauft war.

Auch Mr. Linus aus der Schweiz konnten etwas zelebrieren: den nicht mehr ganz so aktuellen Release ihrer Debüt-EP „Revue“, die sie nun erstmals über die Grenze nach Deutschland brachte. Das Trio verlor sich eine knappe halbe Stunde in seinem Mix aus Punk, Indie und Post-Hardcore und erntete, obwohl es nicht richtig gelingen wollte die Menschen bis an die Bühnenkante zu locken, ersten Achtungsapplaus. Der zweistimmige Gesang und die leicht vertrackten Momente, die die Band zusammenführt, funktionieren aber auch gut! Ganz DIY und kostensparend übernahm der Tontechniker der Band für die hektischeren Passagen mit einer Taschenlampe die Strobo-Effekte. Punk eben.

Auch Lygo bestachen im Anschluss eher mit schnörkelloser Feierei als mit ausgefallenen Special-Effekten. Einzig eine alte Schirmlampe und ein kleiner Wecker standen neben und auf Verstärkern und Instrumenten. Bis auf wenige Ansagen überließ die Punk-Band aus Bonn die Kommunikation gänzlich der Musik. Zuhörer und Musiker schienen jedoch auf derselben Wellenlänge zu funken. So dauerte es nicht lang, bis sich vor der Bühne wenige tanzende Gestalten zu einem größeren, energetischen Moshpit formiert hatten. Immer wieder bewiesen die Fans auch, dass sich nicht nur tanzen, sondern auch Texte wiedergeben können. Vor „Status Quo“ wies Sänger und Gitarrist Simon Meier darauf hin, dass er seit wenigen Tagen mit dem Rauchen aufgehört habe. Vielleicht antworte die Menge auf die obligatorische Frage „Äy, haste mal ne Zigarette?“ nun noch enthusiastischer mit „Ne, hab ich nicht“.

Neben alten und neuen Songs hatten sich Lygo im Vorfeld ein paar Besonderheiten einfallen lassen. Mit „Kloß Im Hals“ erschien vor wenigen Wochen eine neue Single, die für die Tour extra auf eine 7-Inch gepresst wurde. Für die B-Seite hatte man sich für „Zeit Für Dich“ entschieden, einem ganz frühen Stück der Band, das bislang nur auf der mittlerweile vergriffenen Debüt-EP erhältlich war. Auch „Leben Wert“, den man vor einigen Jahren mit Lirr und Heisskalt für  gemeinsame Konzerte geschrieben hatte, fand erstmals seinen Weg in ein Lygo-Set. So gab die Band Freunden und Fans eine knappe Stunde lang eine würdige Einführung in ihrer doch bereits anschauliche Diskographie – und verzichtete dabei auf unnötige Publikumsinteraktion und übertriebene Lichtshow. Was ein schönes, warmes, schwitziges Wiegenfest!

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Foto von Jonas Horn.

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