Tribe Friday, Hafenkschänke subrosa Dortmund, 23.09.2020

Tribe Friday

Konzerte! Indoor! Mit echtem Publikum! Drei Parameter, an die weder Tribe Friday selbst noch das anwesende Publikum 2020 noch wirklich geglaubt haben. Wer aber so große Pläne (von denen haben sie uns im Interview erzählt) hat wie die schwedischen Newcomer, der macht sich eben auch mal eine Clubtour möglich – natürlich mit Hilfe der Tourmanager*innen, Promoter*innen und Venues. Lässt man mal die Maskenpflicht und Sicherheitsabstände außer acht, glich der heutige Abend stimmungstechnisch auch tatsächlich einem ganz normalen Konzert – im positiven Sinne. Mit der Energie, die Tribe Friday ihren Riffs entlocken, pusten die vier jeden Gedanken an das Virus zumindest für knapp 50 Minuten aus allen anwesenden Köpfen. Eskapismus der guten Sorte!

Schwedische Garagenschau

Kaum haben sich die vier Musiker ihrer Masken entledigt und die kleine aber feine Bühne des Subrosa geentert, kann die Party losgehen. Mit ihrem aktuellen Hit “Loosie” zeigten die Schweden gleich, wo der Hase lang läuft. In bester Strokes-Manier schrammeln sie sich hier durch feinsten Garage-Rock, während die eingängige Melodie im Normalfall ein klarer Moshpit-Garant wäre. Ist die musikalische Komponente nicht ohnehin schon jeden Beifall wert, spielt die interne Harmonie auch eine nicht unwesentliche Rolle für die spürbare Euphorie.  Wie sich Frontmann Noah Deutschmann, Gitarrist Isak Gunnarsson und Bassist Robin Hangerger Pérez über jedes Riff hinweg zugrinsen und sich über die fraglos deftige Intensität der eigenen Kompositionen freuen, ist ansteckend. Währenddessen spielt sich Drummer Anton Hillvall ein Ass nach dem nächsten aus dem Ärmel und gibt den Songs den nötigen Drive – Cowbells en masse!

Hitmaschine wider Willen

Das mit dem Songwriting können die Newcomer ohnehin schon beeindruckend gut. Wird es mit “If I were you” ungewohnt ruhig, locken zackige Stampfer wie “Freaky” verlässlich auf die Tanzfläche. Das Publikum frisst den Schweden in allen Angelegenheiten aus der Hand, jubelt sich bis in die ungeplante Zugabe. Hier spielen die Schweden mal eben einen Song, den sie bislang nur auf den Akustik-Instrumenten im Schlafzimmer geprobt haben. Keine Überraschung: Auch der Song knallt direkt. Neben den bisherigen Veröffentlichungen spielte das Quartett mit “Sugar” aber auch im regulären Set einen weiteren bisher unveröffentlichten Song, der als Appetizer für die kommende neue EP fungiert. Schaut man sich das Verhalten am Merch-Tisch an, scheint die Vorspeise sehr gut gemundet zu haben. Freudestrahlend laufen maskierte Band und Fans aus dem Club und schnappen ein bisschen Luft. “Hoffentlich können wir das demnächst mit mehr Publikumsinteraktion wiederholen!” bekräftigen die Schweden einstimmig und sichtlich zufrieden. Wer dieses Garage-Juwel Post-Corona erleben darf, sollte den Schweiß von der Decke tropfen sehen. Der Vorgeschmack war jedenfalls äußerst verzückend.

Und so hört sich das an:

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Beitragsbild von Julia.

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